Miles Davis
Bitches Brew, Big Fun, On The
Corner
Bitches Brew.1999
wiederveröffentlicht, Columbia. Bestellen
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Der 1926 in Alton, Illinois, geborene und 1991 im kalifornischen Santa
Monica verstorbene Miles Davis gehört zu den schillerndsten und
einflussreichsten Persönlichkeiten des Nachkriegsjazz. Der Sohn eines
Zahnarztes begann seine Karriere als Trompeter anfangs der 1940er Jahre,
nach Studien bei Elwood Buchanan, in St. Louis, wo er aufgewachsen war.
Danach ging er nach New York, wo er mit Charlie Parker, Dizzy Gillespie,
Duke Ellington und andern in Kontakt kam. 1948 machte Miles Davis mit
seinem Nonett Furore, das als die Birth of The Cool-Band bekannt
wurde. Kommerziell zwar nicht erfolgreich, kommt er Bedeutung zu, weil sie
die Ära des Cool Jazz einläutete.
Die drei von Columbia
wiederveröffentlichten Alben Bitches Brew, Big Fun und On
the Corner entstanden Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre und
dokumentieren Miles Davis' Hinwendung zum Jazz Rock und zur Fusion. Die
Aufnahmen von Bitches
Brew entstanden im August 1969, wobei The Complete Bitches
Brew Sessions bis Februar 1970 andauerten. In seiner direkten,
unverblümten und lesenswerten Autobiographie aus dem Jahr 1989
(2000 als Heyne-Taschenbuch
erhältlich) schreibt Miles Davis, dass im Herbst 1969 Wayne Shorter aus
seiner Band ausstieg. Er ersetzte ihn durch den weissen Saxophonisten
Steve Grossman aus Brooklyn, der bereits im November jenen Jahres auf Big
Fun mitspielte. Auch den brasilianischen Percussionisten Airto
Moreira hatte Miles aus Brooklyn geholt und für die Aufnahmen eingesetzt.
Für den rockähnlichen Sound war, gemäss Davis, vor allem Billy Cobham
am Schlagzeug verantwortlich. John McLaughlin, Herbie Hancock, Wayne
Shorter (er spielte trotz seinem Weggang mit), Jack DeJohnette, Dave
Holland, Chick Corea und andere hervorragende Musiker sind auf der Platte
zu hören, die nicht nur im Titel, sondern auch beim Zuhören viel
Vergnügen bietet. Dabei handelt es sich bei Great Expectations und
Recollections um elegisch-meditative Stücke von knapp 20 bzw. 30
Minuten Dauer. The Little Blue Frog (gut 9 Minuten) ist ebenfalls
eine kontemplative Nummer, allerdings mit einem psychedelic touch.
Das knapp halbstündige Go Ahead John ist mitreissend, vor allem
dank dem rockigen Spiel der elektrischen Gitarre von John McLaughlin. Das
geniale Stück verwandelt sich nach 13 Minuten in eine Ballade. Yaphet
ist eine anspruchsvolle Komposition mit populären Elementen. Big Fun
gehört zu den besten Alben von Miles Davis und stand bisher, völlig zu
unrecht, im Schatten von Bitches Brew.
Das Album On
the Corner aus dem Jahr 1972 sollte gemäss Miles
Davis' Autobiographie die schwarzen Jugendlichen erreichen. 1971 hatte ihn
Down Beat zum Jazzmusiker des Jahres und zum besten Trompeter
gewählt. Airto Moreira, Jack DeJohnette und Keith Jarrett verliessen
seine Band, wobei DeJohnette trotzdem auf On The Corner mitspielte,
zusammen mit David Liebman, John McLaughlin, Herbie Hancock, Chick Corea
und anderen. Miles wollte "weg von diesem freien Kram und hin zum
Funk Groove". Im Juni 1972 ging er ins Studio "mit Sly Stone und
James Brown im Kopf", um On The Corner aufzunehmen.
Gleichzeitig hatte sich Miles mit Karlheinz Stockhausen und Paul
Buckmaster, den englischen Komponisten hatte er 1969 in London kennen
gelernt, beschäftigt. Er mochte die Art, wie die zwei "Rhythmus und
Raum verwendeten". Auch Bach beeinflusste ihn. Ornette Colemann habe
wie der deutsche Komponist "drei oder vier Melodielinien unabhängig
voneinander komponiert. Wir machten es ähnlich und es klang wirklich
funky und knallhart." Der Schlagzeuger Al Foster, der das erste Mal
mit Miles spielte, habe das Fundament von On The Corner gelegt,
"auf dem jeder aufbauen konnte, und dann hielt er den Groove bis in
alle Ewigkeit durch." On The Corner erschien erst 1979.
Gemäss Miles tat Columbia "nichts dafür und deshalb lief das Album
nicht so, wie wir uns das alle vorgestellt hatten. Die Musik war für ein
junges schwarzes Publikum gedacht, aber es wurde wie jedes andere weisse
Jazzalbum behandelt, mit der gleichen Art von Werbung, in den üblichen
Jazz-Radiosendern." Columbia "vermarktete es als Album für
altgediente Jazzfreaks, die nichts mit dem anfangen konnten, was ich
macht. Es war reine Zeitverschwendung, ihnen dieses Album vorzuspielen,
denn sie wollten meine alte Musik, die ich längst hinter mir
hatte." Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Im Gegensatz zu Big
Fun ist On The Corner ein "minimalistisches" oder
"trance" Album, das weniger genial als vielmehr
"mühsam" ist und auch bei gezielterer Werbung keine jungen
Afroamerikaner hätte begeistern können. War es seiner Zeit voraus?
Teilweise, vor allem was overdubbing und den Einsatz von multiple
tape machines anbetraf. Doch vor allem war es ein musikalischer Irrweg.
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