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Gerhard Schröder - Weltstaatsmann?
 
Vor kurzem wurde der deutsche Kanzler Gerhard Schröder in New York mit dem Preis des "Weltstaatsmannes 2000" (World Statesman 2000) von der Stiftung "Appeal of Conscience" ausgezeichnet. Zu den früheren Preisträgern gehören Henry Kissinger, Hans-Dietrich Genscher, Richard von Weizsäcker, Michail Gorbatschow, Vatzlav Havel, Margaret Thatcher und der spanische König Juan Carlos.
 
Kissinger pries in seiner Laudatio die Führungskraft Schröders und meinte, Deutschland habe zu jeder Zeit über grossartige Kanzler verfügt. Der amerikanische Präsident Clinton nannte Schröder einen "Champion of democracy", der sich gegen Intoleranz einsetze, womit das Hauptziel der Stiftung angesprochen war: Toleranz und religiöser Pluralismus. Clinton würdigte die Verdienste des Kanzlers bei der Schaffung der Stiftung zur Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter sowie seinen Einsatz für den Stabilitätspakt für Demokratie auf dem Balkan. Zudem sorge er für mehr Flexibilität in der deutschen Wirtschaft, was ein grösseres Wachstum ermögliche. Der Rabbiner Arthur Schneier, der 1965 die Stiftung gegründet hatte, lobte Schröder als Staatsmann, der die wirtschaftlichen und politischen Grundlagen lege, welche die Demokratie in Deutschland und deren führende Rolle bei der Einigung Europas stärken werden. Der Kanzler seinerseits versicherte, er werde alles tun, um dem deutschen Rechtsextremismus den Boden zu entziehen. Im Kontext des UNO-Gipfels in New York verkündete er zudem als vorrangiges aussenpolitisches Ziel, die Weltorganisation stärken und ihre Handlungsfähigkeit verbessern zu wollen.
 
Schröder - ein Weltstaatsmann? Am ehesten könnte man ihn für sein Wirken innerhalb von SPD und Regierung loben, wodurch die Sozialdemokraten klarer in die politische Mitte gerückt sind und sozialistischen Experimenten endgültig (?) den Rücken zugekehrt haben. Schröder - ein Mann mit politischer Weitsicht? Na ja. Unlängst meinte er: "Die Braunkohle ist ein Pfeiler der Energiepolitik dieser Regierung". Gleichzeitig verkündet er das Festhalten an der sogenannten Ökosteuer. Dabei wird er nicht einmal rot. Er ist und bleibt ein Opportunist, der sich nach dem Wind, der öffentlichen Meinung, dreht. Unter den Taten der früheren "Weltstaatsmännern" glänzt auch nicht alles. Kissinger hat einst die Türe zu China geöffnet - aber nicht zum China Dengs, sondern zu demjenigen von Mao, einem der grössten Verbrecher des 20. Jahrhunderts. Auch im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg hat er nicht nur Lorbeeren verdient.
 
Vielleicht war die in New York Kanzler Schröder überreichte gläserne Taube ja weniger als eine Auszeichnung für bisher Geleistetes, sondern vielmehr als Mahnung für die Zukunft gedacht, das Steuer des deutschen Schiffes auch bei möglichem schweren Seegang nicht aus dem Ruder laufen zu lassen.
 

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