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Louis
Armstrong
Hinzugefügt am 2. Januar 2010
Eine neue Armstrong-Biografie findet viel
Kritikerapplaus. Terry Teachout: Pops: A Life of Louis Armstrong.
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Armstrong.
Biografie / Biographie von Louis
Armstrong
Basierend auf dem Buch von
Laurence
Bergreen
Artikel vom Oktober 2000
Louis Armstrong (1901-1971) gehört zu den
herausragenden Musikern des 20. Jahrhunderts. Er hat den Jazz zwar nicht
erfunden, aber aus ihm erst eine moderne Kunstform gemacht. Sein Spiel als
Trompeter und Sänger ist unnachahmlich. Selten hat jemand sein Niveau
erreicht. Zu seinem 100. Geburtstag sind interessante neue Biographien zu
erwarten. Einige sind bereits erschienen bzw. wurden wiederveröffentlicht.
Armstrong
kam nicht am 4. Juli 1900, dem amerikanischen Nationalfeiertag, in New Orleans
zur Welt, wie es der begnadete Selbstdarsteller behauptete und wohl
selbst glaubte, sondern am 4. August 1901, wie Gary Giddins anhand des
Taufscheins nachgewiesen hat.
Um Satchmos Jugend in Armut ranken sich viele Legenden und Anekdoten. Seine Mutter Mayann trennte sich
unmittelbar nach seiner Geburt
von seinem Vater Willie. Armstrong
wuchs teilweise bei seiner Grossmutter Josephine auf, die in einer Hütte
zwischen Liberty und Perdido Street wohnte. Louis' Mutter arbeitete teilweise als Prostituierte, um sich über Wasser zu halten.
Mit sechs Jahren ging Louis auf die Fisk School for Boys, die einzige
Bildungsinstitution, die er je besuchte. Dort lernte er schreiben und lesen und
kam wohl erstmals mit Musik näher in Kontakt, die ein wesentlicher
Bestandteil der Schule war.
Die
ersten eigenständigen musikalischen Schritte machte Louis mit sieben Jahren, als er zusammen mit
Freunden in der Strasse sang. Im Funky Butt, einer schmuddeligen Dancehall,
die nahe bei Louis' Wohnung lag, hörte er erstmals die Musik, die später als
Jazz bekannt wurde. Die spasm bands, die durch die Strassen von New
Orleans zogen und ihre Spässe trieben, beeinflussten Armstrong, dessen
spätere Bühnenshows von deren Possen beeinflusst waren. Louis spielte zuerst
ein einfaches Blechhorn, als er mit elf Jahren für die jüdische Familie der
Karnofskys auf einem Trödelwagen mitfuhr. Die Karnofskys unterstützen Louis
auch musikalisch, was ihm vor allem gegen Ende seines Lebens immer bewusster
wurde. Sie halfen ihm, sein erstes richtiges Kornett zu kaufen, indem sie ihm das Geld
dazu vorschossen. Vier Jahre lang hatte er für die Karnofskys gearbeitet,
bevor er am Morgen zur Schule ging. Mit elf schliesslich entschloss er sich,
von der Fisk School abzugehen, was er später bereute.
Alleingestellt
arbeitete er zuerst in einem Gesangsquartett von Uptown-Jungs, die alle die
Schule verlassen hatten und so Geld verdienten. Selbst Musiker wie Bunk
Johnson, neben Buddy Boldon und King Oliver der führende Trompeter in New
Orleans, wurden auf die Gruppe aufmerksam. Auch Syndey Bechet hörte damals
den jüngeren Louis Armstrong auf seinem Kornett spielen.
Mit dreizehn wurde
Armstrong in eine Besserungsanstalt gesteckt, nachdem er einen Revolver
abgefeuert hatte. Das Colored Waifs' Home erwies sich für den Jungen als
Glücksfall, da er dort nicht nur Disziplin lernte, sondern auch das Spiel verschiedener Musikinstrumente.
Rasch wurde Armstrong ins Orchester der Anstalt aufgenommen, dessen Leader er
zuletzt war. Musikalisch lernte er dort zwar nicht viel bezüglich dem
Kornettspiel hinzu, doch zwei Jahre später, als er die Anstalt wieder
verliess, war
sein Berufswunsch klar: Musiker. Vor allem aber war Louis zur Persönlichkeit
und zum Entertainer gereift, der das Horn spielte und dazu sang und tanzte.
Als
Willie eine feste Stelle erhielt und die Verantwortung für einen Dampfkessel
in einer Terpentinfabrik erhielt, beeindruckte das den zuständigen Richter,
der daraufhin Louis in die Obhut seines Vaters entliess. Seine Stiefmutter war
nett und behandelte Louis wie ihren eigenen Sohn, doch mit einem seiner
Stiefbrüder kam er nicht aus. Der Freund seiner leiblichen Mutter Mayann
verhalf Louis zu einem Job als Kohlenfahrer, gleichzeitig spielte er in
sogenannten Tonks. Als die Stiefmutter ein weiteres Kind bekam, musste Louis
auf Weisung des Vaters die Familie wieder verlassen. Das überwand und verzieh
Louis nie und pflegte danach keinen Kontakt mehr zu seinem Vater.
Als
Mama Lucy, die ältere Schwester von Louis nach Florida ging, übertrug er
seine Liebe auf seine Cousine Flora Myles. Flora brachte 1915 einen
unehelichen Jungen, Clarence, zur Welt, für den Louis die Vaterrolle
übernahm und der später mit ihm lebte, den er also quasi adoptierte. Clarence fiel als kleiner Junge von
der Terrasse im ersten Stock auf den Kopf und blieb dadurch geistig zurück.
Die Ärzte nannten ihn damals "schwachsinnig".
Nach als
Jugendlicher kam Louis unter den Einfluss von King Oliver, den er schon als
kleiner Junge bewundert hatte und der zu seinem Mentor
wurde. Ab 1916, mit 15, spielte Louis regelmässig in der Band des Posaunisten
Kid Ory, der Oliver angehörte. Das Bordellviertel Storyville wurde 1917 auf
Geheiss des amerikanischen Kriegsministers Newton D. Baker geschlossen. Viele
Musiker wurden zur Abwanderung gezwungen bzw. wandten sich anderen
Aktivitäten zu. Als King Oliver 1918 nach Chicago ging, übernahm Louis Armstrong seinen Platz in
der Band von Kid Ory. Bereits am Labour Day 1912 war Louis dem Posaunisten
erstmals aufgefallen, als er hinter seiner Formation herging und die Trompete
in der Band des Waif's Home gespielt hatte.
1918
hatte Louis einen obszönen Song komponiert, den ihm der schwarze
Musikunternehmer Clarence Williams klaute und der ab 1919, als der Shimmy
wachsende Akzeptanz erhielt, in einer entschärften Version und mit einem
anderen Titel (I Wish I Could Shimmy Like My Sister Kate) verkauft
wurde und ihm ein Vermögen einbrachte.
Louis heiratete
Ende 1917 die drei Jahre ältere ehemalige Prostituierte Daisy Parker. Zuvor
hatte er mit der fünf Jahre älteren Dirne Irene seine erste Affäre gehabt.
Armstrongs Ehe mit Daisy erwies sich rasch als Fehler und wurde 1923
geschieden. Daisy hatte in seinen Jahren auf dem Riverboat eine Affäre mit
dem guten Kornettisten Louis "Shots" Madison.
Im
Frühjahr 1919 lernte Armstrong den hellheutigen schwarzen Bandleader Fate
Marable kennen. Er war ein ernsthafter Musiker und wurde von allen in New
Orleans respektiert. Er spielte auf den Riverboats des Mississippi. Bei ihm
erhielt Louis die Gelegenheit, Notenlesen zu lernen. Von 1919 bis 1921 spielte
Armstrong drei Sommer lang in Fate Marables Mississippi River Band, die auf
den Booten von John Streckfus' Steamboat Linie spielte. Streckfus wollte keine
Stars und zahlte einheitlich ordentliche $50/Woche. Am Ende der
Saison gab es zusätzliche $5/Woche für jede Woche, was die Musiker ermutigte,
durchzuhalten. Louis war nicht nur Trompeter, sondern auch Showman. Er war zudem der einzige Instrumentalist, der Soli übernahm, was für seine
spätere musikalische Entwicklung sowie den Jazz allgemein wegweisend
war.
Im August 1922 ging Louis
Armstong auf Einladung von Joe Oliver nach Chicago, um in dessen Creole Jazz
Band zu spielen. Dieser stellte ihn der kultivierten schwarzen Pianistin Lil
Hardin vor. Auf sie wirkte Louis zuerst wie ein Bauerntölpel. Louis jedoch gefiel
die schlanke, dreieinhalb Jahre ältere Musikerin auf anhieb.
Die
aus einer Mittelklassefamilie stammende Lil Hardin musste zuerst vor ihrer
Mutter verheimlichen, dass sie Jazz spielte. Zuerst spielte sie, die jünger aussah als sie war,
in einem Musikladen, wo sie sofort zu einer Attraktion
wurde, Musik von Bach bis W.C. Handy. In der dritten Woche kam
Jelly Roll Morton vorbei, in der vierten die New Orleans Creole Jazz Band. Die
Jungs engagierten sie sofort für ihre Band. Die Mutter erfuhr erst später
von Lils Tätigkeit. Doch als sie vom Gehalt von $22.50 plus Trinkgeld erfuhr,
erlaubte sie ihr, den Job zu behalten, sorgte aber dafür, dass auf ihre
Tochter aufgepasst wurde. Als der offizielle Bandleader Lauwrence Duhé nach
einem Streit ausstieg, übernahm King Oliver die Band. Lil überlebte den
Tumult. Sie spielte 1920 und 1921 mit der Band in Chicagos Nachtlokalen. Die
New Orleans Creole Jazz Band wurde unter Olivers Leitung zur führenden Gruppe
in Chicago und einer der besten in den USA.
Nach
sechs Monaten on the road trennte sich Lil von der Band und kehrte nach
Chicago zurück, wo sie im angesehenen Dreamland Café eine Anstellung fand.
Im Juli 1922 entschied sich Oliver dafür, einen zweiten Kornettisten in die
Band zu holen. Der Ruf ging, wie erwähnt, an Louis Armstrong. Gemäss
Bergreen wurde King Oliver zu Armstrong Ersatzvater und Lil Hardin, die bald
in sein Leben trat, zu seiner Ersatzmutter. Sie gaben ihm den emotionalen
Halt, den er so stark brauchte, und verstand ihn auch musikalisch. Lil Hardin kehrte für $100.-/Woche in die
Creole Jazz Band zurück, mehr als Oliver Louis bezahlte.
Lil
sagte später über Louis, sie hätte seine Musik wahrscheinlich nicht
beachtet, wenn Oliver ihr nicht eines Abends gesagt hätte, Armstrong spiele
besser als er selbst. Bald wurde Lil Louis' Geliebte und Lehrerin. Gegen Ende
seines Lebens äusserte sich Armstrong immer kritischer über Lil, die zuletzt
in seinen Augen zu einer Hochstaplerin wurde, die "kein Jazzverständnis
besass, aber die Dreistigkeit, sich als Pianistin zu bezeichnen, und
gleichzeitig mit den berühmtesten Jazzern der Welt spielte! [...] Noten
lesen: ja; Improvisieren: schrecklich."
Am
5. und 6. April 1923 machte Louis seine erste Plattenaufnahme, zusammen mit
King Oliver, der die Bedeutung der Schallplatte für den Jazz zuerst
verkannte. Die Aufnahmetechnik zwang die Musiker auf Improvisation zu
verzichten und nicht einmal dreiminütige Versionen ihrer viel längeren
Kompositionen zu spielen, weshalb die frühen Platten nur ein müder Abklatsch
ihres frühen Sounds und ihrer Stärken bieten. Zudem musste auf das
Schlagzeug ganz verzichtet werden. Nur der Klang des Banjo, der Klarinette und
der Trompete bzw. des Kornetts wurden wirklich registriert. Die frühen
Jazzplatten genossen dennoch grosse Popularität und sogenannte race records,
die eigentlich für schwarze Zuhörer gemacht wurden, fanden auch viele weisse
Kunden. Die grosse Verbreitung der Platten erlaubte es Musikern in ganz
Amerika, sich mit der neuen Musik und den verschiedenen Stilen auseinander zu
setzen. Den grössten Einfluss, dem sich fast kein Jazzer entziehen konnte,
übte Louis Armstrong aus. So wurde der Trompeter rasch weit über die Lincoln
Gardens, in denen er auftrat, berühmt. Sein erstes wichtiges Solo spielte er
in dem von Joe Oliver geschriebenen Chimes Blues. Die Aufnahmen für
Gennetts Records aus dem Jahr 1923 mit dem New-Orleans-Stil der Band von King
Oliver gehören zu den bestanalysierten und kopierten Jazzaufnahmen, die
zudem unzählige Male neu aufgelegt wurden.
Zwei
Tage vor Weihnachten 1923 wurde Louis' Ehe mit Daisy Parker nach sechs Jahren
geschieden. Am 5. Februar 1924 heiratete Armstrong Lil
Hardin. Auf Drängen seiner neuen Frau verliess er King Oliver. Zuerst hatte
er Schwierigkeiten, einen neuen Job zu finden. Sammy Stewart lehnte den besten
Trompeter Chicagos ab. Schliesslich fand er, erstmals in seiner Karriere, eine
Stelle als erster Trompeter in der Band von Ollie Powers. Gemäss Lil stand
Louis nun nicht mehr im Schatten von King Oliver und konnte seine Kunst voll
entfalten. Dann kam der Ruf von Flechter Henderson, dem besten Bandleader in
Harlem. Louis ging als erster Trompeter nach
New York um im Roseland Ballroom mit ihm zu spielen, Lil dagegen blieb in
Chicago. Henderson war ein Jazzmusiker im neuen Stil, der von New Orleans aus
Chicago, New York, ja Amerika eroberte. 1925 tourte Armstrong mit Flechter
Henderson, begleitete Sängerinnen und nahm Platten mit Bessie Smith (im
Januar 1925) und anderen Bluessängerinnen auf. Bessie Smith war gemäss der
Werbung damals "der grösste und höchstbezahlte Race-Star der
Welt." Ihre erste gemeinsame Aufnahme, der St. Louis Blues, wurde
zu einem Klassiker.
Armstrongs
Stellung bei Flechter Henderson war schlecht, wie Hardin bei ihrem Besuch in
New York feststellte. Sein Name wurde nicht genannt. Wenn er in einer Anzeige
doch auftauchte, dann in kleiner Schrift und als "Lewis Armstrong"
erst noch falsch geschrieben. Gemäss Bergreen sagte sie Louis nichts, auch
nichts über ihre ausserehelichen Aktivitäten, reiste nach Chicago zurück
und suchte dort für ihn einen besser bezahlten Job. Im Dreamland überzeugte
sie den Manager Bill Bottoms nicht nur, Louis $75/Woche anstelle der $55, die
er mit Flechter verdiente, zu zahlen, sondern auch ein Schild anzubringen, auf
dem Stand: "Louis Armstrong, Der Grösste Trompeter Der Welt." Dann
schrieb sie Louis, er müsse bei Henderson kündigen und nach Chicago
zurückkehren, was er gemäss Lil erst nach der Drohung tat, "wenn du
nicht rechtzeitig hier bist, brauchst du gar nicht mehr wiederzukommen."
Louis hielt nicht nur die Idee für verrückt, sondern er hatte auch eine
Freundin, Fanny, in New York. Doch schlussendlich gab er nach.
Zurück
in Chicago fand Louis sofort Beifall, doch war er im Dreamland, obwohl als
Star angekündigt, Mitglied von Lil Armstrongs Band. Joe Oliver spielte
übrigens gegenüber und war über die Konkurrenz nicht sehr erfreut. Kurz
nach seinem Neubeginn in Chicago hörte Louis, dass Okeh Records plante, in
Chicago für einige Aufnahmen eine kleine Gruppe von New-Orleans-Musikern
zusammen zu stellen. Ohne nennenswerte Proben und Vorbereitung und für ein
Einheitsgehalt von $50 wurde 1925 "die bedeutendste Combo der
Jazzgeschichte - die Hot Five - geboren" (Bergreen). Die
Hot Five bestanden zuerst aus Kid Ory, dem früheren Arbeitgeber von Louis aus New
Orleans, Johnny Dodds, dem Klarinettisten der Creole Jazz Band, Johnny St. Cyr,
einem Banjo-Spieler aus New Orleans, Lil Hardin am Piano und natürlich
Armstrong, der auch sang und sprach, am Kornett. In den nächsten vier Jahren
nahmen die Hot Five in verschiedenen Besetzungen sporadisch Dutzende von
Singles auf. Sie wurden zur meistgehörten Band der Jazzgeschichte.
Zusammen mit den Aufnahmen der Hot Seven (ab Mai 1927) bilden die Hot Five
einen, wenn nicht den Meilenstein, denn hier wurde der Jazz erst
richtig geboren (Louis Armstrong: The Complete Hot Five & Hot Seven Recordings. 4 CDs,
Columbia/Sony, 4. September 2000. Bestellen bei Amazon.de
oder Amazon.com).
Der Scat geht auf die
Ministrel-Tradition zurück, doch da Armstrong zu den ersten Musikern
gehörte, die Platten mit Scat-Gesang aufnahmen, wurde er oft für den
Erfinder des Gesangs von Wörtern mit unsinnigen Silben gehalten, wie er es
auf Heebie Jeebies, seiner ersten Scat-Aufnahme, demonstrierte. Durch
die Hot Five erhielt Louis nationale Anerkennung. Die Combo wurde zur berühmtesten
Jazz-Band, obwohl die Musiker nie live vor einem Publikum aufgetreten waren. 1926
fand das erste und einzige öffentliche Konzert der Hot Five im Coliseum in
Chicago statt, zu dem 10,000 Menschen kamen und bei dem Armstrong die Menge zu
Begeisterungsstürmen hinriss. Später publizierte die Melrose Music Company
in zwei Büchern (die 125 Jazz Breaks for Cornet und die 50 Hot
Chorusses for Cornet) mit den Soli und Kadenzen der Aufnahmen der Hot
Five.
1925 lernte Louis die 19jährige
Alpha Smith kennen, die ins Vendome Theatre zu kommen pflegte. Sie wurde zur
neuen Frau in seinem Leben, obwohl er noch immer mit Lil Hardin verheiratet
war. Doch schon bald kam es zum offiziellen Bruch mit Lil und Louis zog mit
Clarence ins Haus von Alphas Eltern. Armstrong verliess auch die Band seiner
Frau im Dreamland. Auf der Suche nach einem neuen Job traf Armstrong im Haus
der Musikergewerkschaft in Chicago erstmals auf den Pianisten Earl Hines, mit
dem er danach im Sunset Café aufzutreten begann. Es wurde von Joe Glaser
gemanagt und engagierte nur die besten Black-and-Tan-Shows. Gemäss Glaser
gaben sie mehr Geld für Shows aus als der berühmte Cotton Club in New York.
Der Manager kündigte Louis sofort in Leuchtbuchstaben als den "grössten
Trompeter der Welt" an. Als der nominelle Bandleader im Sunset gefeuert
wurde, taufte Glaser das Carroll Dickerson Orchestra in Louis Armstong and His
Stompers um. Der musikalische Leiter war allerdings Earl Hines und Percy
Venable kümmerte sich um die Sänger, Tänzer und Showgirls. Armstrong blieb
bis Februar 1927 im Sunset.
Seine Jugend
zwischen Huren, Zuhältern und kleinen Ganoven prägten Louis' Witz. Sein
Briefpapier "zeigte ihn grinsend auf einer Toilette sitzend, die Hosen
bis zu den Knöcheln heruntergezogen, aus einem Winkel, als würde man durch
ein Schlüsselloch spähen, und darunter stand: Satchmo sagt, lass alles
hinter Dir!" (zitiert nach Bergreen). Von seiner Mutter stammte
Louis' Schwäche
für allerlei Hausmittelchen, darunter das pflanzliche Abführmittel Swiss
Kriss, das er regelmässig benutzte und Freunden empfahl.
Louis
war ein grosser Konsument von Marihuana,
das er Gage nannte. Seinen dritten Memoirenband wollte er gar Gage betiteln,
worüber Joe Glaser entsetzt war und es ihm ausreden konnte. Erstmals nahm
Armstrong nach eigenen Angaben in Chicago Marihuana, einige Jahre nachdem er
Flechter Hendersons Orchester verlassen hatte. Er behielt die Gewohnheit sein
Leben lang bei. Die Droge half ihm, seine natürliche Schüchternheit zu
überwinden.
1927 starb die Mutter von
Armstrong, Mayann, die an Arterienverkalkung gelitten hatte, im Alter von nur
41 Jahren. Sie wurde im Lincoln Cemetary direkt vor Chicago begraben. Louis
hatte den Kontakt zu ihr weiterhin gepflegt.
Zusammen
mit Earl Hines und Zutty Singleton gründete Armstong 1927 eine Band, und sie
eröffneten einen eigenen Laden. Gemäss Bergreen die schlechteste
Entscheidung in Louis' Karriere. Armstrong fragte Lil, zu der er weiterhin
Kontakt hielt, um Rat. Sie mieteten die Warwick Hall zu einem Wucherpreis. Da
der Savoy Ballroom, der nur zwei Blöcke entfernt war, in der gleichen Nacht
seine Pforten öffnete, wurde das Warwick zu einem Misserfolg. Nach wenigen
Abenden beschlossen die Musiker, aufzugeben. Louis schuldete dem Besitzer des
Warwick nicht nur die Miete, sondern auch $1900. Lil versagte ihm jede
finanzielle Hilfe und Alpha verprasste weiterhin sein restliches Geld. Louis konnte
hervorragend an der Spitze eines Orchesters spielen, aber es nicht wie z.B.
Duke Ellington als Bandleader führen. Es fehlte ihm an Geschick im Umgang mit
Menschen und Finanzen.
Während der
ersten Hälfte von 1928 spielte Armstrong im Clarence Jones Orchestra im
Metropolitan Theater, wo er zwischen den Filmvorführungen kasperte. Im März
trat er mit dem Orchester von Carroll Dickerson im Savoy Ballroom auf. Im Juni
kehrte Louis in Studio zurück. Okeh war unterdessen von Columbia aufgekauft
worden. Er begleitete die Bluessängerin Delk Christian bei vier Stücken,
darunter Real Sweetheart und Last Night I Dreamed You Kissed Me.
Am folgenden Tage folgte die wichtigste Session mit den Hot Five, zu denen nun
neben Armstrong Fred Robinson an der Posaune, Jimmy Strong an der Klarinette,
Mancy Carr am Banjo, Zutty Singleton am Schlagzeug und Earl Hines am Piano
gehörten. Die sechs Musiker spielten Songs wie Fireworks, A Monday
Date und Skip The Gutter ein. Am Tag darauf nahmen sie West End
Blues auf, gemäss Bergreen der Höhepunkt von Armstrongs Kunst. King
Oliver hatte das Stück wenige Wochen zuvor aufgenommen, ohne die Welt zu
erschüttern. Louis dagegen lieferte das bald berühmteste Trompetensolo des
Jazz. Im Dezember nahmen die Hot Five u.a. Basin Street Blues, Muggles
(eine Lobpreisung von Armstrongs Lieblingsdroge) und Tight Like This
auf.
Louis' Marktwert begann zu steigen,
als seine Auftritte in Chicagos Savoy Ballroom vom Radio übertragen wurde.
Nachdem er bisher einen revolutionären Jazz mit Ecken und Kanten gespielt
hatte, wandte er sich nun dem süsslichen Big Band Sound zu, der vom weissen
Bandleader Guy Lombardo inspiriert war. Armstrong nahm nun für Tommy Rockwell
aus New York Platten auf. Der Promoter wollte keinen für race records
typischen Blues, sondern populäre Balladen, Romanzen und Tin Pan Alley Hits
gespielt hören. Rockwell stellte Louis als Solisten heraus, was seine
Karriere als Ensemble-Spieler beendete. Im Juni 1929 ging Armstrong mit der
Carroll Dickerson Band nach New York, wo er in Connie's Inn auftrat, damals
neben dem Cotton Club der heisseste Club in Harlem. Louis trat mit Leroy Smith
in Hot Chocolates auf und übernahm das Luis Russell Orchestra.
Im
Oktober erschütterte der Börsenkrach zuerst Wall Street und bald darauf das
ganze Land. In Harlem sank das durchschnittliche jährliche Familieneinkommen
von $1,808 im Jahr 1919 um 40% auf $1019 im Jahr 1932. Die Harlem Renaissance
ging zu Ende und die Jazzclubs in Uptown machten schwere Zeiten durch. Der
Cotton Club machte 1936 dicht. Die Schallplattenindustrie hatte 1921 $106
Millionen in den USA umgesetzt, 1931 waren es nur noch magere $17 Millionen.
1930
ging Louis erstmals nach Kalifornien, wo er u.a. in Frank Sebastian's New
Cotton Club zusammen mit Lionel Hampton auftrat. Johnny Collins war damals
sein Manager. Lil Hardin versuchte Louis in Los Angeles nochmals zurück zu
gewinnen, hatte aber gleichzeitig ihren Freund mit nach Kalifornien gebracht.
Die Ehe war nicht mehr zu kitten. 1931 folgte die definitive Trennung.
Wegen
Besitz von Marihuana musste Armstrong kurz ins Gefängnis, doch Johnny
Collins, der angeblich von Tommy Rockwell gesandt worden war und den Louis
für einen Anwalt hielt, der in Wirklichkeit aber ein Manager und Schieber
war, schaffte es, dass Armstrong auf Bewährung rauskam, als wäre nichts
geschehen. Mit Johnny Rollins als Manager war Louis wieder ganz oben, doch
dafür musste er dem Mann, der wohl einfach ein kleiner Gauner war, einen
beträchtlichen Anteil seines Gehalts abgeben.
1931
in Chicago stellte sich Louis an die Spitze einer Band mit zehn Musikern, die
zum Grossteil aus New Orleans stammten. Doch Armstrong war erneut nur dem
Namen nach der Leader. Die Truppe war von Zilner Randolph, der ebenfalls
Trompete spielte, zusammen gestellt worden. Es war Armstrongs erste
Background-Band, die harsche Kritik von Fans und Kritikern erntete, vor allem,
da sie sweet statt hot spielte. Der Einfluss von Guy Lombardo,
den die Musiker am Radio hörten, war stark. Louis überlebte den
Zusammenbruch der Plattenindustrie, da er Rockwells Rat befolgte und
Mainstream-Hits aufnahm, denen er allerdings weiterhin eine persönliche Note
gab.
Rockwell lag sich mit Johnny Collins
wegen Armstrongs Vertrag in den Haaren und schickte Leute nach Chicago, die
Louis nach New York zurückholen sollten. Dahinter steckte der Gangster Dutch
Schultz, ein mordlustiger Alkoholschmuggler und Mitinhaber von Connie's Inn.
Doch Louis machte eine Tournee, die ihn erstmals wieder nach New Orleans
zurückführte, wo er vier Monate lang in den Suburban Gardens auftrat. In
Memphis landete Louis zusammen mit seinem Bandmitglied Sherman Cook in einer
Zelle, weil Cook mit einer weissen Frau in einem Bus gesprochen hatte, doch
Johnny Collins brachte die zwei wieder frei.
1932
unternahm Armstrong seine erste Europatournee, die ihn nach England führte,
wo er auf Grund seiner Platten bereits bekannt war. Armstrong wollte in
Übersee Stabilität und Respektabilität finden. Der Journalist Percy Brooks
nannte ihn bei der Begrüssung "Satchmo", eine Verballhornung von
"Satchelmouth", Schöpflöffelmund, die neben "Pops" zu
einem von Armstrongs Spitznamen wurde. In London kam es auch zu einer
peinlichen Begegnung zwischen Fanny, Louis' früherer Geliebten, und Alpha
Smith. Kurz vor seiner Premiere in London kam es deshalb zu einer
handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen Alpha und Armstrong. Dennoch gab
er sein Konzert, doch das englische Publikum war seinen Live-Sound nicht
gewohnt. Sie kannten ihn nur von den drei Minuten langen Plattenaufnahmen.
Seine aufgeregte Bühnenshow verstörte die Zuschauer. Die Presse machte ihn
nieder, doch im Gegensatz zu den USA wurde er in England nie festgenommen und
keine Opfer des Rassismus.
Zurück in New York,
nahm Louis im November 1932 Platten mit dem Orchester von Charlie Gaine und
Chick Webb auf. 1933 folgte Armstrongs zweite Europatournee, die ihn durch
Skandinavien, Holland und erneut England führte. Als Louis in London war,
starb sein Vater Willie, zu dem er keinen Kontakt mehr hatte, in New Orleans
im Alter von 49 Jahren. Er hatte noch immer für die Terpentinfabrik
gearbeitet. Armstrong wurde in Skandinavien, besonders in Dänemark, als Star
gefeiert und von Zehntausend Fans am Bahnhof in Kopenhagen begrüsst.
In
London platzte Ende des Jahres seine Lippe. Eine erzwungene Ruhepause folgte.
Louis hatte das letzte Jahrzehnt ohne Ferien ununterbrochen gespielt, weshalb
die Lippenverletzung für ihn eine nicht unwillkommene
"Entschuldigung" zum Ausspannen war. Er besuchte mit Alpha
Nachtclubs und Theater in London.
Im
Oktober 1934 versammelte Armstrong Musiker in Paris, mit denen er Platten für
das unabhängige Label Brunswick machte. Das war eine klare Verletzung seiner
Plattenverträge. Die denkwürdigste Aufnahme war Song of the Vipers,
eine Verherrlichung von Jazz und Marihuana. Wenige Tage, nachdem die Platte in
den USA veröffentlicht worden war, bemerkte Brunswick, wovon der Song
handelte und nahm in vom Markt. Erst Jahrzehnte später wurde sie wieder
erhältlich. Nach erneuten Problemen mit seinen Lippen und sich daraus
ergebendem Ärger mit seinem Manager in Europa, Canetti, kehrte Armstrong
anfangs 1935 nach New York zurück. Er besuchte Lil in Chicago, die ihn aber
auf $6,000 Unterhalt verklagte, die Louis nicht hatte. Hardin hatte ihre
Karriere als Bandleaderin weitergeführt und u.a. unter dem Namen Lil
Armstrong Plattenaufnahmen gemacht. Noch immer waren die zwei nicht
geschieden. Vier Monate lang tat Louis, auch wegen Lippenproblemen, nichts.
Dann
wurde Joe Glaser sein Manager. Der abgebrühte Sohn russisch-jüdischer
Einwanderer war zuvor Alkoholschmuggler, Schieber, Boxpromoter und Zuhälter
gewesen, der wegen Pädophilie und Vergewaltigung vor Gericht gestanden hatte.
Louis war das egal. Tatsächlich schaffte Glaser innerhalb weniger Wochen alle
Probleme von Armstrong aus der Welt, kümmerte sich um die Band und
arrangierte für Louis ein Interview mit Down Beat, das sich wie eine
Armstrong-Werbung las. Nach Lippenproblemen wolle er nun wieder swingen. Das
Luis Russell Orchestra wurde erneut gebucht und als Louis Armstrong and His
Orchestra arbeiteten sie bis 1943 zusammen. Die Kritiker sahen darin
allerdings die schlechteste Band, die Armstrong je begleitet hatte. Louis
fehlten ihrer Meinung nach die musikalischen Ideen.
Glaser
befreite seinen Klienten aus "exklusiven" Plattenverträgen und
wandte sich an die neugegründete Decca, deren Gründer Jack Kapp die Idee
hatte, Schallplatten billig herzustellen und für nur 35 Cents billig zu
verkaufen. Kapp lockte einige grosse Namen wie Bing Crosby und die Mills
Brothers zu seinem Label und liess ihnen alle Freiheiten, solange sie
kommerzielle Musik machten. In seiner ersten Session für Decca nahm Louis
u.a. I'm in the Mood for Love, Your Are My Lucky Star und La
Cucaracha auf. Armstrong blieb die nächsten sieben Jahre bei Decca und
nahm zumeist Standards auf. Glaser verschaffte ihm auch Auftritte in
Filmkomödien wie Artists and Models. Doch eine Szene mit einer weissen
Schauschspielerin brachte ihm Ärger ein. Der Rassismus verbot einen solchen
gemeinsamen Auftritt, woran sich Glaser und Louis bis in die 1960er Jahre
hielten.
Die Filmauftritte zeigten
natürlich nicht den "wahren" Louis, sondern nur einen für das
grosse Publikum zensierten Abklatsch seiner Qualitäten. Esquire und Vanity
Fair brachten 1935 Artikel über Louis.Ende 1936
wurde seine Autobiographie Swing That Music veröffentlicht, die
allerdings von Horace Gerlach geglättet und um Begriffe wie
"rhythmischer Kontrapunkt" und "melodische Begleitstimme"
ergänzt wurden. Das waren Begriffe, die Louis selbst nie in einer Analyse
verwendet hätte, und Kategorien, die seinem Denken und seiner musikalischen
Erziehung und Praxis fern lagen. Die gelehrte Diskussion trug allerdings zu
seinem Ansehen bei.
1937 spielte Louis im
Hollywoodfilm Every Day's A Holiday mit. 1938 starb King Oliver und
Louis liess er sich von Lil Hardin scheiden. Im selben Jahr heiratete er Alpha
Smith. Doch die Hochzeit markierte den Anfang vom Ende seiner Beziehung mit
Alpha, die vor allem darauf bedacht war, sein Geld auszugeben. Gleichzeitig
war er scheinbar hinter einer anderen Frau, Polly Jones, her, die ihn im Jahr
darauf wegen Bruch des Heiratsversprechens verklagte. 1937 rangierte Armstrong
unter den "besten" Trompeter in Down Beat nur noch an dritter
Stelle, später verschlechterte sich sein Position noch mehr. Roy Eldridge,
Rex Stewart und Bunny Berigan waren populärer wie er.
Kurz
nach seiner Heirat nahm Armstrong ein Engagement im New Yorker Cotton Club an.
Der Club war neu und nicht wie der alte Cotton Club in Harlem, sondern in Downtown. Dort
traf er die Revuetänzerin "Sugar Brown", die im wirklichen Leben
Lucille Wilson hiess. Sie war 24, dunkelhäutig und die Tochter eines kleinen
Geschäftsmannes, der mehrere Taxis besass. Sie war in Corona, Queens, streng
katholisch erzogen worden. Um ihrem in der Depression in finanzielle
Schwierigkeiten geratenen Vater zu helfen, arbeitete sie im Cotton Club. Mit
dem Verkauf von Keksen besserte sie ihr mageres Gehalt auf. Louis verliebte
sich rasch in sie.
1939 tourte Louis
durch Theater und Ballrooms in ganz Amerika. Joe Glaser hatte auch die Idee,
Armstrong mit dem Idol seiner Jugend, Bill Robinson zusammen zu bringen, der
bereits über 60 war und die besten Jahre hinter sich hatte. Trotzdem konnte
er noch immer steppen. Wie erwartet war die Kombination der zwei Stars im
Cotton Club ein voller Erfolg und fast ein Jahr lang ausgebucht. Im
Rockefeller Center Theatre spielte Armstrong 1939 im Musical Swingin' The
Dream. Doch nach nur 13 Vorstellungen wurde die überambitionierte
Produktion abgesetzt. Leonard Feather nannte sie einen "verdammt guten
Albtraum".
1940 nahm Armstrong
mit der zweiten Hot Seven Formation Platten auf. 1942 wurde seine Ehe mit
Alpha geschieden, die einen neuen Mann in ihrem Leben hatte. Louis heiratete
nun Lucille Wilson. 1943 spielte er im Film Cabin In The Sky, kurz vor
dem Streik der Musikergewerkschaft, die 130,000 Gewerkschaftsmitglieder über
Nacht arbeitslos machte und ein Desaster für die Musiker wurde, die insgesamt
$4 Millionen verloren. Die Plattenfirmen profitierten davon, da sie die Kosten
senken und den Streik umgehen konnten. Tourneen, Live-Aufritte im Radio und
Filme wurde in der Zeit des Streiks auch für Armstrong lebenswichtig. In Cabin
In The Sky spielten neben Louis auch Duke Ellington, Ethel Waters und Lena
Horne. Elmar Rice schrieb das Drehbuch, Vincente Minelli führte Regie und
George Balanchine kümmerte sich um die Choreographie. Leider wurde Armstrongs
beste Szene, intensiv und exzessiv, als kontroverser Höhepunkt des Filmes
gedacht, ein Opfer des Schnitts, weshalb sein Beitrag zum Film nur am Rande in
den Kritiken Erwähnung fand. Cabin In The Sky sollte den Schwarzen die
Türen in Hollywood öffnen, sie aus dem Ghetto der Nebenrollen holen. Die
besten Szenen wurden leider dem Publikum vorenthalten.
Auch
mit Lucille Wilson waren Louis' Prioritäten klar. Zuerst kam die Trompete,
dann seine Frau. Doch diese Heirat hielt trotz Affairen bis zu seinem Tod.
Lucille kaufte ein dreistöckiges Haus in Corona, in dem Armstrong rund drei
Jahrzehnte später starb. Lucille gab Armstrong die nötige Stabilität, Joe
Glaser kümmerte sich um alle beruflichen Aktivitäten.
1944
nahm Louis in New York Platten mit den Esquire All Stars auf. 1946 folgten die
ersten Aufnahmen mit Ella Fitzgerald, unter der Aegide von Norman Granz
(Verve). 1947 spielte Louis im Film New Orleans
und gab erstmals ein Konzert in der Carnegie Hall, zusammen mit Edmund
Hall. 1947 gaben Louis Armstrong and the All
Stars ihr Debüt in Billy Berg's Club in
Hollywood, Los Angeles. Barney Bigard war der von Ellington gekommene neue
Klarinettist. Die Band war nun noch besser als zuvor in der Town Hall. Armstrong
wurde in Down Beat rehabilitiert und als herausragende Figur
des Jazz gelobt. Time meinte, Armstrong sei zum Jazz zurückgekehrt.
Die Bopper dagegen fanden den immer lächelnden Armstrong eine Onkel
Tom-Figur, die ihnen peinlich war und von der sie sich distanzierten. Zu ihnen
gehörte Miles Davis, der jedoch Jahrzehnte später in seiner Autobiographie
sein Urteil revidierte. Louis' hasste die Bopper ebenso wie diese ihn. Mit dem
1940 entstandenen Bebop kannte er nichts anfangen. Darin gäbe es keine
Melodie, an die man sich erinnern, und keinen Beat, nach dem man tanzen
könne. Die Bopper unterschieden sich auch durch den Konsum von Heroin und
nicht mehr Marihuana von Armstrong und seiner Generation. Rund ein Viertel von
ihnen war süchtig, ein Fünftel starb an der Sucht.
1948 tourte Louis durch Europa, wo er am Jazzfestival von
Nizza auftrat. 1948 folgte ein weiteres Konzert in der Carnegie Hall und er
spielte im Hollywoodfilm A Star Is Born. 1949 unternahm er seine vierte
Europatournee. 1949 wurde Louis am Mardi Gras in New Orleans zum King of the
Zulus ernannt.
Die All Stars änderten im Laufe der Zeit ihre Besetzung und
damit ihren Sound. Der Posaunist Jack Teagarden überliess seinen Platz Trummy
Young. Der Schlagzeuger Bid Sid Catlett wurde aus Gesundheitsgründen durch
Cozy Cole ersetzt, der wiederum durch den "schnellsten Schlagzeuger der
Welt", Barrett Deems, abgelöst wurde, dem von der Kritik nicht viele Qualitäten
attestiert werden. Der Abschied vom Pianisten Earl Hines verlief weniger
friedlich. Armstrong sagte dazu: "Hines und sein Ego, Ego, Ego."
Nach fünf Jahren Absenz kehrte später der Klarinettist Barney Bigard zurück und
ordnete sich problemlos ein.
Zu
einem Desaster wurde die sechswöchige Tournee von Benny Goodman und Louis,
die Joe Glaser organisierte. Armstrong mochte Goodman nicht, den er aus
Chicago kannte, wo er bei Jimmy Noone versucht habe, etwas zu lernen. Jetzt
halte er sich für den Grössten. Bei jedem Auftritt spielte Louis Goodman an
die Wand. Dann wurde Benny krank und mit Verdacht auf Herzprobleme in ein
Krankenhaus in Boston eingeliefert und die Tournee zur Erleichterung aller
Beteiligten abgebrochen.
1952 erschien
Armstrongs Autobiographie Satchmo: My Life in New Orleans. Es sollte
der erste von zwei Bänden sein. Darin ging es um Huren, Zuhälter und
Messerstecherei, weshalb es zuerst nur einen französischen Verleger
fand, Editions René Julliard. Zwei Jahre später erschien die amerikanische
Version. Als er sich in seiner Fortsetzung zu seiner Entdeckung von Marihuana
äusserte, zerstörte Glaser, dem er das Manuskript zeigte, jene Passagen.
Armstrong
und die All Stars hatten weiterhin Auftritte in Filmen, die zwar wenig zu
Louis' Ansehen beitrugen, aber sehr lukrativ waren. The Strip (1951), Glory
Alley und The Glenn Miller Story (1953), in der Louis sich selbst
spielte, gehörten dazu. Nur in High Society (1956) war Armstrong mehr
als ein Statist.
Auf eine weitere
Europatournee folgte 1954 eine durch Japan und Australien. 1955 tourte
Armstrong erneut
durch Europa. 1956 folgten Australien, der Ferne Osten und, erstmals
wieder nach 22 Jahren, London. 1956 reiste Louis erstmals nach Afrika. 1957 nahm
er am Newport Jazz Festival teil und reiste durch Südamerika. Der Film
Satchmo The Great entstand 1957.
Im
selben Jahr, 1957, gab Louis ein nach Rassen getrenntes Konzert in Knoxville,
Tennessee, bei dem jemand eine Stange Dynamit auf die Bühne warf. Bei der
Explosion wurde zum Glück niemand verletzt. Armstrong tat, als wäre nichts
gewesen. Als er im Herbst jenen Jahres in Grand Fork, North Dakota, kurz vor
seinem Auftritt einen Fernsehbericht über die Rassenintegration an den
Schulen in Little Rock, Arkansas, sah, war er so über den Gouverneur Orval
Faubus, der mit der Nationalgarde die Rassenintegration zu verhindern suchte,
empört, dass er sich entschied, nicht als Botschafter Satch, als Inkarnation
des American Way of Life und der amerikanischen Freiheiten, vor ausländisches
Publikum zu treten. Armstrong nannte Präsident Eisenhower "falsch"
und "feige". Die internationale Goodwilltournee wurde abgesagt. Im
Süden und im Showbusiness allgemein war eine solche Haltung fast Selbstmord.
Alle waren über die Haltung des ewig lächelnden Louis sehr erstaunt. Doch
Armstrong liess auch nach Kritik an seiner Haltung nicht locker. Er
kritisierte auch die Zustände in seiner Heimatstadt New Orleans, in der Jim
Crow geboren worden war. Er weigerte sich, in Louisiana zu spielen. Trotzdem wurde
Armstrong zu seiner Enttäuschung sein Onkel-Tom-Image nicht los.
1958
folgte der Film Jazz On A
Summer's Day. Im Jahr darauf spielte Armstrong in The Five Pennies
mit. Danach folgte eine Europatournee. Vor einem Auftritt im italienischen Spoleto
brach Louis zusammen und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Von einer
Lungenentzündung war die Rede, in Wahrheit handelte es sich (gemäss Bergreen)
um einen Herzanfall. Nach dem Krankenhausaufenthalt flog Louis nach New York
zurück und tauchte unerwartet am 4. Juli, seinem offiziellen Geburtstag, in
einem Konzert im Lewison Stadium auf, wo er 15 Minuten lang so gut spielte,
dass die Kritiker begeistert waren. Im September war er bereits wieder mit
einem eingeschränkten Tourneeplan unterwegs.
Im
Oktober 1960 reiste Louis mit den All Stars zum zweiten Mal durch Afrika. 1961
erlitt seine langjährige Sängerin Velma Middleton während eines Auftritts
einen Schlaganfall und siechte danach noch einige Zeit dahin, ehe sie verstarb.
Barney Bigard merkte dazu bitter an, er werde Joe Glaser und Louis nie
verzeihen, dass sie die Sängerin nicht nach Frankreich in ein Spital sandten,
sondern sie einfach in einem afrikanischen Kaff zurückliessen. Velma
Middleton wurde durch Jewel Brown ersetzt.
Von
1961 bis 1967 spielte Armstrong weiterhin vor allem mit den All Stars und tourte durch die
ganze Welt. 1963 gab er im Waldorf Astoria in New York ein Konzert für
Präsident Kennedy. Im selben Jahr liess Glaser Louis den Song Hello Dolly!
aufnehmen. Es war nur ein Demo, das schlussendlich bei David Kapp landete. Das
Stück stammte aus einer Broadway-Show und wurde als Schlager bezeichnet. Das
Musical hatte im Januar 1964 am Broadway Premiere und wurde ein Hit. Dasselbe
geschah mit Louis' Aufnahme, die am 9. Mai 1964 eine Woche lang in den Charts
auf Nummer Eins stand, zu einer Zeit, in der die Beatles dort dominierten.
Armstrong war gerade auf Tournee in Puerto Rico, wo die Menschen nach dem Song
verlangten, den die Musiker aber bereits vergessen hatten und deshalb erst die Noten
aus New York kommen lassen mussten. Im Juni war auch das Album Hello Dolly!
auf Nummer
Eins. Später spielte Armstrong in der Hollywood-Version des Musicals den Song
an der Seite von Barbra Streisand. Bis dahin hatte Louis bereits über 1000
Stücke aufgenommen, für viele jüngere Hörer jedoch war Hello Dolly!
die erste Begegnung mit seiner Musik. Da er sich völlig neu erfunden hatte,
gerieten seine bahnbrechenden früheren Aufnahmen noch mehr in
Vergessenheit.
Bob Thiele, der die
Armstrong-Ellington-Alben produziert hatte, trat mit dem Song What A
Wonderful World an Louis heran. Armstrong war begeistert und nahm den Song
für ABC Records, für die Thiele nun arbeitete, auf. Er verzichtete dabei
ganz auf die Trompete und sang nur. Streicher und Celli kosteten zusätzlich
Geld, weshalb Louis auf seinen normalen Vorschuss verzichtete und nach Tarif,
d.h. für $250 arbeitete. Larry Newton, der Präsident von ABC Records,
verabscheute Armstrong, den Song und Thiele. Der aufgebrachte Glaser bot an,
die Aufnahme zu kaufen, doch Newton bestand darauf, die Platte ohne Werbung zu
veröffentlichen. In den USA verkaufte sie sich damals weniger als tausendmal,
während Hello Dolly! millionenfach über den Tisch gegangen war. Erst
20 Jahre später, mit dem Film Good Morning Vietnam (1989), fand der
Song ein breites Publikum in den USA. Im Film sah man Armstrongs Gesicht nicht und es gab
auch keine Werbung für den Song, trotzdem kam die wiederveröffentlichte
Platte in die Top100, wo sie sechs Wochen lang blieb. Im Rest der Welt dagegen
war What A Wonderful World bereits 1968 ein Hit. In England verkaufte
sich die Platte rasch sechshunderttausendmal und stieg an die Spitze der
Charts.
Von April
bis Juni 1967 musste Louis wegen einer Lungenentzündung pausieren. 1968 wurde
er mit Atemproblemen
ins Beth Israel Spital in New York eingeliefert. 1970 folgten die Studio-Geburtstagsparty
Louis And His Friends, mit Fernsehshow und Album. Im Sommer wurde er in
Newport mit der Salute to Satchmo Night geehrt. 1971 trat Armstrong
in der David Frost Show mit Bill Cosby auf. Er spielte auch zwei Wochen lang
im Waldorf Astoria in New York. 1971 erlitt er eine Herzattacke und
verbrachte einen Monat auf der Intensivstation des Beth Israel Spitals, ehe er
wieder entlassen wurde. Knapp drei Monate später, am 6.
Juli 1971, starb Louis Armstrong im Schlaf in seinem Haus in Corona, New York.
Lil
Hardin lebte noch und trat im August an einem Gedenkkonzert für ihren Ex-Mann
auf, bei dem sie einen schweren Herzanfall erlitt und auf der Bühne
zusammenbrach und verstarb. Lucille dagegen lebte noch bis 1983. Clarence, den
Armstrong nie offiziell adoptiert hatte, verschwand nach Louis Tod in der
Versenkung (Bergreen).
Louis
war kein Mann von Traurigkeit. Gleichzeitig hatte er den eisernen Willen, hart
an sich zu arbeiten, um der Misere zu entfliehen. Gepaart mit seinem
unglaublichen Talent brachte diese Mischung einen einmaligen Künstler
mit einem unverkennbaren Stil hervor. Ein Takt auf der Trompete und ein gesungenes
Wort genügen, um Satchmo zu erkennen. Der New Orleans-Jazz ist mit seinem
Namen verbunden. Bis zum Bebop des Jahres 1940 war Armstrong stilbestimmend
und selbst danach orientierten sich indirekt noch immer viele Musiker an ihm.
Das Jazzsolo, der Scat-Gesang, das Vocalese, das Glissando und selbst der
Swing waren Innovationen, denen Armstrong zum Durchbruch verholfen hat. -
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Armstrong.
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Bücher und CDs über, von und mit Louis Armstrong, dem besten Jazz-Trompeter
und Jazz-Sänger aller Zeiten:
Laurence Bergreen: Louis Armstrong. Ein extravagantes
Leben. Haffmans Verlag, 2000 (1997), 639 S. Bestellen
bei Amazon.de. Unter den
neuen bzw. neuveröffentlichten Biographien zu Louis
Armstrong ist diejenige von Laurence Bergreen die umfangreichste. Der Autor, ein Harvard-Absolvent und
Sachbuchautor, hat sich in früheren Büchern mit Irving Berlin sowie mit Al
Capone und seiner Zeit auseinandergesetzt. Für die Armstrong-Biographie hat
Bergreen u.a. den privaten Nachlass von Satchmo, der im Queens College in New
York aufbewahrt wird, und die Hogan Jazz Archives an der Tulane University in
New Orleans ausgewertet. Er hat Interviews geführt bzw. im Jazz Oral History
Project am Institute of Jazz Studies der Rutgers University in Newark solche eingesehen. Ausgiebig bedient er sich bei Gary Giddins (Satchmo, 1988)
und anderen früheren Biographen. Da Bergreen kein Jazz-Historiker ist,
konzentriert er sich wohlweislich auf die Biographie und weniger auf die
Analyse der Musik von Armstrong. Zu bemängeln ist der
teilweise unkritische Umgang des Autors mit den verwendeten Quellen und
Anekdoten, die allerdings das Buch unterhaltsam machen. Für
Bergreen galt wohl, wenn die Legende zum Faktum wird, drucke die Legende. Die
Biographie räumt der Jugend von
Armstrong
und der Geschichte von
New Orleans und dem Rotlichtviertel
Storyville etwas viel Platz ein. Erst auf der Seite 305 (von 564 S. an
reiner Biographie) nimmt Armstrong
im Jahr 1925 die erste Platte mit den
Hot Five auf. Zumindest die
deutsche Version von Bergreens Buch ist kein
literarischer Höhepunkt. Trotzdem ist das Werk lesenswert, da es eine Fülle von
Details liefert, die bisher noch nie bzw. noch in keiner
zusammenhängenden Biographie zu
lesen waren.
Bergreen hat viele Texte von
Armstrong selbst in die Biographie eingearbeitet. Die nebenstehende Biographie
stützt sich weitgehend auf Bergreen, weshalb Armstrongs Zusammenarbeit mit
Ella Fitzgerald fast untergeht und diejenige mit Oscar Peterson erst gar
nicht erwähnt wird. Bergreen scheint im zweiten Teil seines Werks, das doch
einige gewichtige Lücken aufweist, die Puste ausgegangen zu sein.
James Lincoln Collier: Louis Armstrong. Von New Orleans
bis Carnegie Hall. Econ, Taschenbuch, 2000 (1983). Auch Collier räumte bereits 1983 New Orleans,
Storyville und Louis' Jugend viel Raum ein. Doch er konnte noch nicht
beweisen, dass Armstrongs offizielles Geburtstagsdatum falsch war - das tat
erst Giddins Jahre später. Auch sonst bietet Collier logischerweise
gegenüber dem von Bergreen fast 20 Jahre später erschienenen Werk weniger
präzise Angaben. Interessant bei Collier ist die Einarbeitung der Geschichte
des Jazz allgemein. Der Jazzkritiker sieht Armstrong in seinem musikalischen Kontext,
wodurch der Band auch heute noch stellenweise lesenswert ist. Collier nennt
Armstrong ein Genie, weil er auf seiner Trompete mit einer eigenen,
persönlichen Stimme sprach. -
Musiknoten
von Louis Armstrong bestellen / Order sheet music by Louis Armstrong.

Garry Giddins: Satchmo. Doubleday, N.Y., 1988; dt.: Belser, 1991. (dt. z.Z. nicht erhältlich; auf engl.: Paperback, Da Capo
Press, 1998, 240 S.; bestellen bei Amazon.co.uk).
Giddins' Satchmo gilt als die beste unter den kompakten Biographien.

Ilse Storb: Louis Armstrong. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten.
Rowohlt TB, 149 S. Bestellen
bei Amazon.de. Für Leute, die es kurz und bündig möchten. Doch der
Band enthält (zumindest in der Kurzbiographie am Schluss) einige Fehler.
Bergreen ist mit seinen über 600 Seiten nicht nur ausführlicher, sondern
bezüglich Daten und Fakten auch akkurater.

Louis Armstrong, in His Own Words: Selected
Writings. Hg.: Thomas Brothers. Gebundene Ausgabe,
255 S., Nov. 1999) Oxford
University Press. Ein Buch für alle, die von Armstrong selbst die
Geschichte hören möchten. Louis trug seine Schreibmaschine durch die ganze
Welt und machte beständig Notizen, die lesenswert sind. Die von Thomas
Brothers, Musikprofessor an der Duke University, ausgewählten Texte von
Armstrong stammen aus den Jahren 1922 bis 1970. Armstrong hat neben vielen
Artikeln auch zwei Bücher geschrieben, darunter Satchmo: My Life in New
Orleans. Die von Brothers ausgewählten Texte zeigen den Humor eines
Mannes, der kein Blatt vor den Mund nahm und auch in seinen schriftlichen
Notizen zu einer einzigartigen Stimme fand.

Louis Armstrong: The Complete Hot Five & Hot Seven Recordings
(4 CDs,
Columbia/Sony, 4. September 2000). Bestellen bei
Amazon.de
oder Amazon.com.
Die 4-CD-Box enthält Armstrongs bahnbrechende Aufnahmen aus
der zweiten Hälfte der 1920er Jahren. Sie gehört in jede Plattensammlung.
Hier wurde der Jazz erst eigentlich "erfunden" bzw. definiert.

Satch
plays Fats. Columbia/Sony, Juli 2000.

I Love Jazz. Verve/Universal, Juli 2000. Bestellen bei Amazon.de.
Diese Zusammenstellung mit bei Decca erschienenen Aufnahmen von Louis
Armstrong and the All-Stars aus den Jahren 1950 bis 1958 enthalten geniale
Songs wie Skokiaan (South African Song), der den Höhepunkt der CD
bildet, das russische Otchi-Tchor-Ni-Ya (Schreibweise!) und Klassiker
wie den Basin Street Blues. Populäre Stücke können gehaltvoll sein,
Armstrongs Spätwerk lassen wir uns von Puristen nicht vermiesen. Ärgerlich
ist, dass die neun Titel insgesamt nur 40 Minuten Musik bieten und dabei erst
noch ein alternative take von I Love Jazz (mit hervorragendem
Gesang von Armstrong) dabei ist. Füllt die Scheiben! Jack Teagarden, Trummy Young,
Earl Hines, Billy Kyle, Barney Bigard und andere exzellente Musiker sorgen
für Qualität.

Satchmo Serenades. Verve/Universal, Juli 2000.
Bestellen bei Amazon.de. Armstrong singt, wie der Titel der CD es andeutet, auf allen
18 Tracks. Die Aufnahmen aus den Jahren 1949 bis 1953 reissen niemanden zu
Begeisterungsstürmen hin, aber das Album der leisen Töne bewegt sich gerade
noch jenseits der Kitschgrenze.

Hello
Louis. 2 CDs, 1992, Universal. Die Doppel-CD bietet einen Überblick
über die Jahre 1949 bis 1968 mit grossartigen Titeln wie dem Millionseller Hello
Dolly!, dem Hit What A Wonderful World, Cabaret, Dream A
Little Dream Of Me, On the Sunny Side of the Street, When the
Saints Go Marching In, Blueberry Hill und Basin Street Blues.
Die populären Songs verbreiten Lebensfreude und sind nach wie vor
unübertroffen.

Let's
Do It. 2 CDs, 1995, Verve/Universal. Bemerkenswert an dieser Doppel-CD,
welche die besten Songs der Verve-Jahre, also der Zusammenarbeit mit dem
Produzenten und Manager Norman Granz, beinhaltet, sind die zwölf mit Ella
Fitzgerald aufgenommenen Lieder. Darunter sind Let's Call the Whole
Thing Off, Under A Blanket of Blue, It Ain't Necessarily So
(leider mit einem zu melodramatischen Orchester), They Can't Take That Away
from Me, das perfekte Stompin' at the Savoy und A Foggy Day.
Aber auch einige Balladen von Armstrong, ohne Ella gesungen, sind
sensationell, darunter When Your Lover Has Gone und Let's Do It (Let's
Fall in Love). Mehr als nur empfehlenswert.

The
Very Best of Louis Armstrong.
2 CDs, 1998, MCA/Universal. Die Doppel-CD enthält ebenfalls die populärsten
Songs von Armstrong, von What A Wonderful World über Hello Dolly,
On the Sunny Side of the Street, Basin Street Blues, Skokiaan
und Down by the Riverside bis zu Jeepers Creeepers. Leider
fehlen die Aufnahmedaten der einzelnen Titel, weshalb nicht klar ist, welche
Version der Songs man kriegt. Da Louis nie schlecht spielte, kommt man über
das Ärgernis rasch hinweg. Das Prädikat The Very Best Of
bezieht sich lediglich auf die populären Songs von Armstrong. Als
Ergänzung sind The Complete Hot Five & Hot Seven Recordings
obligatorisch. -
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