www.cosmopolis.ch
Nr. 19, Oktober 2000
Aktuelle Ausgabe mit Archiv
Musik  Film  Kunst  Geschichte  Politik  Gesamtarchiv

Links  Werbung  Feedback  English edition  Travel/Reisen
 
Copyright 2000  www.cosmopolis.ch  Louis Gerber  All rights reserved.

John McLaughlin
Biographie, Biografie, CDs, Shakti, Konzert in der Tonhalle Zürich
John McLaughlin: Gitarre
Zakir Hussain: Tabla 
U. Shrinivas: Mandoline
V. Selvaganseh: Ghatam, Kanjira, Mridangam
 

John McLaughlin: Thieves and Poets. Verve, 2003. CD bestellen bei Amazon.de oder Amazon.fr.
 

 

 

 

 

 

 


The Heart of Things - Live in Paris. Verve, März 2000. Bestellen bei Directmedia Schweiz.

John McLaughlin.
 
D
er britische Komponist, Gitarrist, Pianist und Synthesizerspieler John McLaughlin ist ein Eklektiker, der Blues, Bebop, Free und Jazz Rock, indische und Weltmusik spielt - und zwar akustisch und elektrisch. Er wurde 1942 in Yorkshire, England, geboren. Seine Mutter spielte Geige und Klavier. John begann mit neun Jahren Klavierstunden zu nehmen und brachte sich das Gitarrenspiel selbst bei. Zuerst wurde er vom Blues (Muddy Waters), später von Jazz (Django Reinhardt und Tal Farlow) und Flamenco beeinflusst. Ende der 1950er Jahre, mit 16, machte er seine erste Tournee mit den Professors of Ragtime, begann also als professioneller Musiker zu arbeiten. In den 1960er Jahren war er nicht nur im Jazz zuhause, sondern spielte auch mit Rockmusikern wie Mick Jagger und Eric Clapton, um nur die bekanntesten Künstler zu nennen. Alexis Corner, Dave Holland und der Deutsche Gunter Hampel waren einige seiner Jazzpartner. 1968 schloss sich John McLaughlin Miles Davis an, auf dessen bahnbrechenden Alben Bitches Brew und In a Silent Way er 1969-70 mitspielte. Damit begann die Ära des Fusion und des Jazzrock. 1969 war McLaughlin in die USA emigriert, wo er auch mit Tony Williams (Lifetime) spielte.
 
Als sich Jazzmusiker wie John Coltrane und Yusef Lateef der östlichen Musik zuwandten, folgte ihnen John McLaughlin kurze Zeit später nach. 1970 wurde er ein Anhänger des Gurus Sri Chinmoy und gründete seine eigene Band, das Mahavishnu Orchestra (mit Jan Hammer, Billy Cobham, Jerry Goodman und Rick Laird), mit dem er Birds of Fire und The Inner Mountain Flame aufnahm, die aus ihm einen Star des Jazz-Rock machten. Durch seinen Guru hatte er sich mit der indischen Musik und insbesondere mit Ravi Shankar vertraut gemacht. Nach Auflösung des Mahavishnu Orchestra wandte er sich der Fusion von Jazz und indischer Musik zu und lernte indische Gesangstechniken. Von 1975 bis 1977 schlug sich das in der Musik seiner neuen Gruppe, Shakti, nieder. In ihr spielten u.a. L. Shankar und Zakir Hussain, mit denen er die Alben Shakti, Natural Elements und A Handful of Beauty aufnahm. Diese musikalische Verbindung von Orient und Okzident gilt als einer der ersten Vorläufer der "Weltmusik". Anlässlich der fünfzigjährigen Unabhängigkeitsfeier Indiens im Herbst 1997 fand Shakti wieder zusammen. Die CD Remember Shakti: The Believer ist ein Resultat davon. Im Sommer 1999 ging die neuformierte Shakti-Gruppe auf eine zweite, und im Herbst 2000 auf eine dritte Tournee. Der Tabla-Spieler Hussain ist der einzige aus der ursprünglichen Formation, der noch mit John McLaughlin dabei ist. Shakti bedeutet übrigens "kreative Intelligenz, Schönheit und Kraft" (intelligence, beauty and power).
 
Nach Shakti hatte John McLaughlin als Sideman von Billy Cobham, Larry Young und anderen gespielt. Er kreierte auch seine eigene Gitarre, die sich an der indischen Vina orientierte. Ende der 1970er Jahre zog er nach Paris, wo er kurz an der Spitze der Jazzrock-Gruppe One Truth stand. Mit Paco De Lucia und Al Di Meola spielte er danach Flamenco, ehe er das Mahavishnu Orchestra neu formierte und mit dem Pianisten Bill Evans arbeitete. 1984 tat er sich erneut mit Miles Davis zusammen. 1988 formierte er ein akustisches Trio mit TriIok Gurtu und Dominigue di Piazza. 1994 bildete er das elektrische Trio The Free Spirits mit Dennis Chambers und Joey De Francesco. 1996 liess er das legendäre Gitarrentrio mit Paco de Lucia und Al Di Meola wiederaufleben. Wie bereits erwähnt, ist John McLaughlin heute wieder mit Shakti unterwegs.
 
Am 11. Oktober 2000 gaben Shakti mit John McLauglin (Gitarre), Zakir Hussain (Tabla), U. Shrinivas (elektrische Mandoline) und V. Selvaganseh (Ghatam, Kanjira, Mridangam) in der Tonhalle in Zürich ein von All Blues organisiertes Konzert. Nicht heftige Fusion-Gewitter wie mit dem Mahavishnu Orchestra, sondern leisere und introspektivere indische Töne prägten das Konzert, das sich an das aktuelle Shakti-Album The Believer anlehnte. Gleich von Beginn an war klar, dass keine Fusion auf dem Programm stand, sondern der Sound des Subkontinents dominieren würde. Sofort stellte sich ein anderes Zeitgefühl mit längeren Spannungsbögen und repetitiven Elementen, die stellenweise tranceähnliche Stimmungen erzeugten, ein. McLaughlins Gitarre fügte sich harmonisch in die Klangwelt seiner drei indischen Musikerkollegen ein. Nur in einem Stück deutete der Brite für ein oder zwei Takte härtere Klänge an, doch der Abend schlug natürlich nicht in ein Rockkonzert um. Der europäische Einfluss liess sich trotzdem nicht verneinen. Die Struktur der Kompositionen war oft abendländisch beeinflusst. Rede und Widerrede sowie einzelne Solo-Einlagen liessen westliche Ideen durch das indische Klangbild hindurchscheinen. John McLaughlin präsentierte seine Kollegen in erstaunlich gutem Deutsch. Mit dem Tabla-Spieler Zakir Hussain spielt er schon seit dreissig Jahren zusammen. Erstaunlich war der junge Shrinivas, nicht nur, weil er zusammen mit McLaughlin die kreativen Glanzpunkte setzte, sondern auch, weil sein Instrument eine elektrische Mandoline ist. Das für jeden Kulturkreis ungewöhnliche Instrument fügt sich jedoch hervorragend in die dargebotene Musik ein. Shrinivas spürte man an, dass er am wenigsten mit Fusion vertraut war. Der aus Madras stammende Künstler klang durchgehend am "indischsten", was allerdings nicht negativ zu verstehen ist. Der vierte Musiker, Selvaganseh (Ghatam, Kanjira und Mridangam) war mit Zakir Hussain zusammen eher für die Rhythmik verantwortlich. Zumindest zwei der am Konzert dargebotenen Kompositionen finden sich auch auf The Believer wieder: Anna und Maya. Anna ist ein von McLaughlin geschriebener Titel, in dem er mit seiner Gitarre zu Beginn meditative Töne ohne Tabla-Begleitung anschlug. Maya stammt von Shrinivas und lässt für die Zukunft dieses noch jungen Komponisten und Mandolinespielers viel Verheissen. Die Improvisation sowie Rhythmus- und Tempowechsel kamen in der Tonhalle nicht zu kurz. Filigrane, zarte Töne wechselten mit ekstatischen Momenten ab. Humorvolle Einlagen fehlten eben so wenig wie besinnliche Passagen. Alle vier Musiker erhielten die Chance, sich individuell zu profilieren und ihre auch rein technischen Möglichkeiten aufzuzeigen. Eine standing ovation war der verdiente Lohn für ein ohne Pause gespieltes berauschendes Konzert.
 
Für weitere CD- und Konzertkritiken: Musik. Für die Seiten des Konzertveranstalters All Blues: Musiclinks.

 

www.cosmopolis.ch
Nr. 19, Oktober 2000
Aktuelle Ausgabe mit Archiv
Musik  Film  Kunst  Geschichte  Politik  Gesamtarchiv

Links  Werbung  Feedback  English edition  Travel/Reisen
 
Copyright 2000  www.cosmopolis.ch  Louis Gerber  All rights reserved.