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The Insider
Regisseur: Michael Mann . Film mit Mit Russell Crowe und Al Pacino.

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Artikel vom Oktober 2000
The Insider von Regisseur Michael Mann beruht auf einer wahren Geschichte, wobei die Ereignisse aus kinematographischen Gründen dramatisiert wurden. Der Film handelt vom ehemaligen Manager der Tabakindustrie Jeffrey Wigand (Russell Crowe), der vom Produzenten der CBS-Sendung 60 Minutes, Lowell Bergman (Al Pacino), gedrängt wird, sein Insiderwissen über die Gefährlichkeit des Nikotins im Dienste der Allgemeinheit öffentlich zu legen. Wigand entschliesst sich, gegen die multinationalen Tabakfirmen auszusagen und die den Konzernen bekannte Wahrheit auszusprechen, dass Nikotin abhängig macht.
 
Al Pacino hat in seiner langen Karriere bereits zweimal einen Tony, einen Golden Globe und einen Oscar gewonnen. In The Insider zeigt er sich wieder einmal auf der Höhe seiner Reputation, nachdem er zuvor seine Gestik in einigen seiner letzten Filme unvorteilhaft übertrieben hatte. Doch der Star des Films ist Russell Crowe, der den Manager mit wissenschaftlichem Insiderwissen spielt. Dieser Jeffrey Wigand ist trotz seiner intellektuellen Brillanz in vielerlei Hinsicht ein Durchschnittsmensch. Kein Held, sondern ein korpulenter Mann mit Familie. Im Film spielt Russell Crowe den um einiges älteren Wigand glaubhaft. Crowes Bewegungen, Gesten und Blicke sind erstaunlich. Der Kontrast zu seiner Rolle als Gladiator im gleichnamigen Film könnte nicht grösser sein. Wie schon in L.A. Confidential und in Romper Stomper ist sein Spiel sensationell. Er versteht es, unterschiedlichsten Charakteren Glaubwürdigkeit zu verleihen.
 
Al Pacino sagt über den "echten" Jeffrey Wigand, dass er auf der Suche nach einer Art von Gerechtigkeit gewesen sei. Kein Held, sondern, ein gebildeter, fokussierter und entschlossener Mann. Als ihn seine ehemaligen Vorgesetzten aus der Tabakindustrie unter Druck setzen wollten, hätten sie ganz einfach das Falsche getan. Wigand sei nicht der Typ Mensch, den man herumschubsen könne. In einschüchtern zu wollen, sie das falsche Rezept gewesen.
 
Lowell Bergman, obwohl mit einem völlig anderen biographischen Hintergrund, war in gewisser Hinsicht ein ähnlicher Charakter. Auch er war auf der Suche nach Gerechtigkeit und liess sich von einem Zusammenprall mit seinen Vorgesetzten bei CBS nicht einschüchtern, als diese seine Interview mit Wigand nicht ausstrahlen wollten. Die Ereignisse liessen ihn vielmehr über sein Leben und seine Karriere kritisch nachdenken. Auch er ist kein Held, sondern wie Wigand ein eigensinniger Mann, der sich nicht durch Drohungen von seinem Ziel abbringen lässt. The Insider ist kein Kumpelfilm. Wigand und Bergman sind zu verschieden. Hätten sie die Umstände nicht zusammen gebracht, sie hätten sich wohl kaum gemocht. Auch so werden sie nicht wirklich Freunde, sondern der gemeinsame Kampf im Tabakskandal bringt sie zusammen und einander näher.
 
Wigand wurde zum Hauptzeugen in einem Prozess, in dem erstmals ein Manager einer Fortune 500 Company es wagte, gegen den ehemaligen Arbeitgeber im bisher grössten Skandal der Geschichte des amerikanischen Gesundheitswesens auszusagen. Der Generalstaatsanwalt von Mississippi, der im Prozess eine entscheidende Rolle spielte, meinte, dass es einen Mann mit Wigands Insiderwissen brauchte, um gegen die Tabakindustrie erfolgreich vorzugehen. Gleichzeitig konnte ein Individuum, selbst vom Kaliber Wigands, allein nichts bewirken. Die Regierung musste sich des Falles annehmen, und die Medien taten das ihrige, um dem Fall Publizität zu verschaffen.
 
Im Film spielt Russell Crowe einen besorgten Ehemann und Vater, der z.B. seiner Tochter bei einem Asthmaanfall zu Hilfe eilt. Sein Boss, Thomas Sandefur, hat ihn soeben entlassen. Seine Frau ist wie Wigand selbst besorgt, dass die medizinische Versorgung der Familie, die Abzahlung der Hypothek und die Zukunft der Wigands allgemein in Gefahr ist.
 
Zur gleichen Zeit ist der Journalist Lowell Bergman zurück von einem Interview mit einem Führer der Hizbullah. Nun ist er dabei, in einem Tabakfall Nachforschungen anzustellen. Von Jeffrey Wigand möchte er dabei eigentlich nur einen Rat, doch sofort wird ihm klar, dass der ehemalige Chef der Forschungs- und Entwicklungsabteilung und Vizepräsident von Brown & Williamson vertiefte Kenntnisse über einen andern Skandal besitzt, die er auf Grund der ihm von der Tabakfirma auferlegten Schweigepflicht nicht preisgeben kann.
 
Mike Wallace (Christopher Plummer) ist Bergmans Vorgesetzter bei 60 Minutes. Seiner Meinung nach kann der Tabakriese sich nicht auf die Schweigepflicht berufen, schliesslich gehe es beim Tabakgenuss um eine Frage der öffentlichen Gesundheit und des öffentlichen Interesses, vergleichbar der Sicherheit im Flugverkehr. Andere bei 60 Minutes werfen ein, dass die Tabakindustrie noch keinen einzigen Prozess verloren habe, obwohl jährlich über 100,000 Menschen am Nikotinkonsum stürben. Doch das Team entscheidet sich dafür, der Geschichte nachzugehen.
 
Leute seiner früheren Firma drohen Wigand (im Film) zusehends. Die Schweigepflicht soll ausgeweitet werden, doch Wigand weigert sich. Gleichzeitig ist er um die Sicherheit seiner Familie besorgt. Bergman ruft den Generalstaatsanwalt von Mississippi an, damit Wigand dort vorgeladen wird und aussagen kann und so von seiner Schweigepflicht erlöst wird und rechtlichen Schutz erhält. Wigand findet eines Tages eine Kugel in seinem Briefkasten. Leute scheinen um sein Haus zu schleichen. Seine Frau bricht unter dem Druck zusammen. Obwohl Bergman drei Sicherheitsleute für die Familie organisiert, verlässt sie zusammen mit den Kindern das Haus, verlangt und erhält die Scheidung. Unterdessen hat Wigand einen neuen Job als Lehrer für Japanisch und Chemie in einer High School gefunden. Er verdient nur noch $30,000 statt der zuvor stattlichen $300,000 pro Jahr. Sein Haus musste er bereits verkaufen. Trotz alledem steht Wigand zu seiner Aussage, dass sein ehemaliger Chef und mit ihm andere Tabakbosse einen Meineid leisteten, als sie vor Gericht aussagten, Nikotin mache nicht süchtig. Tabak sei ein Mittel zum Konsum von Nikotin: "You light it up and get your fix." Nikotin ist eine süchtigmachende Droge. Wigand erzählt auch, weshalb er gefeuert wurde. Er entdeckte, dass die in Zigaretten verwendete Substanz Coumarin Krebs erzeugt. Doch seine Vorgesetzten wollten nichts davon wissen, da sie ohne diese Substanz aus Geschmacksgründen einen Absatzrückgang befürchteten. Aus Gewinnsucht setzten sie sich wissentlich über gesundheitliche Bedenken hinweg.
 
CBS weigerte sich nun plötzlich, das von Bergman arrangierte Interview mit Wigand zu senden, da Brown & Williamson gedroht hatten, den Fall vor Gericht zu ziehen. Ein Gerichtsverfahren hätte den damals anstehenden Verkauf von CBS an Westinghouse gefährdet. Einigen leitenden Angestellten wären hohe Provisionen entgangen. Eine juristische Beraterin bei CBS, gespielt von Gina Gershon, ging so weit zu sagen, dass, sollte die Sendung ausgestrahlt werden und ein  Gerichtsverfahren kommen, CBS am Ende des Tages auf Grund der zu erwartenden hohen Schadensersatzforderung der Tabakfirma gehören würde. Bergman stellte daraufhin seinem Vorgesetzten die rhetorische Frage, ob er ein Geschäftsmann oder ein Journalist sei.
 
Die Tabakindustrie stellte ein 500seitiges Dossier gegen Jeffrey Wigand zusammen, in dem Fakten verdreht und aufgeblasen wurden. Bergman war klar, dass es darum ging, die Glaubwürdigkeit des Hauptzeugen zu erschüttern. Deshalb kontaktiere er die New York Times, die in einem Leitartikel auf die Entscheidung von CBS einging, das Interview nicht auszustrahlen. Das Wall Street Journal wollte einen Artikel, basierend auf dem 500seitigen Dossier bringen. Als Bergman davon Wind bekam, überzeugte er die Zeitungsleute, die Publikation des Artikels um ein Woche zu verschieben und die Fakten selbst nachzuprüfen. Das wirtschaftsfreundliche New Yorker Blatt kam zum Schluss, dass es sich tatsächlich um eine Schmutzkampagne gegen Wigand handelte.
 
Auf Grund von Wigands Aussage legte die Tabakindustrie später den von Mississippi und 49 anderen Staaten angestrebten Prozess in einem Vergleich über die Rekordsumme von $246 Milliarden bei, die sie zu zahlen gewillt waren. Lowell Bergman ist heute Korrespondent für das PBS-Magazin Frontline und lehrt Journalismus in Berkeley. Wigand wurde 1996 in Kentucky zum Lehrer des Jahres gewählt. Bei einem so politisch korrekten Film  wie The Insider besteht natürlich der Verdacht, dass es sich um einen schlecht gemachten Schnellschuss handeln könnte. Die Bedenken sind grundlos, The Insider ist ein spannender, überzeugender und herausragender Film, der zurecht sieben Oscar-Nominationen erhielt.

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