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The Insider
Regisseur: Michael Mann
Mit Russell Crowe und Al Pacino
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The Insider
von Regisseur Michael
Mann beruht auf einer wahren Geschichte, wobei die Ereignisse aus
kinematographischen Gründen dramatisiert wurden. Der Film handelt vom
ehemaligen Manager der Tabakindustrie Jeffrey Wigand (Russell Crowe), der
vom Produzenten der CBS-Sendung 60 Minutes, Lowell Bergman (Al
Pacino), gedrängt wird, sein Insiderwissen über die Gefährlichkeit des
Nikotins im Dienste der Allgemeinheit öffentlich zu legen. Wigand
entschliesst sich, gegen die multinationalen Tabakfirmen auszusagen und
die den Konzernen bekannte Wahrheit auszusprechen, dass Nikotin abhängig
macht.
Al Pacino hat in seiner langen Karriere
bereits zweimal einen Tony, einen Golden Globe und einen Oscar gewonnen. In The
Insider zeigt er sich wieder einmal auf der Höhe seiner Reputation,
nachdem er zuvor seine Gestik in einigen seiner letzten Filme
unvorteilhaft übertrieben hatte. Doch der Star des Films ist Russell
Crowe, der den Manager mit wissenschaftlichem Insiderwissen spielt. Dieser
Jeffrey Wigand ist trotz seiner intellektuellen Brillanz in vielerlei
Hinsicht ein Durchschnittsmensch. Kein Held, sondern ein korpulenter Mann
mit Familie. Im Film spielt Russell Crowe den um einiges
älteren Wigand glaubhaft. Crowes Bewegungen, Gesten und Blicke sind erstaunlich. Der
Kontrast zu seiner Rolle als Gladiator
im gleichnamigen Film könnte nicht grösser sein. Wie schon in L.A. Confidential
und in Romper Stomper ist sein Spiel sensationell. Er versteht es,
unterschiedlichsten Charakteren Glaubwürdigkeit zu verleihen.
Al Pacino sagt über den "echten"
Jeffrey Wigand, dass er auf der Suche nach einer Art von Gerechtigkeit
gewesen sei. Kein Held, sondern, ein gebildeter, fokussierter und
entschlossener Mann. Als ihn seine ehemaligen Vorgesetzten aus der
Tabakindustrie unter Druck setzen wollten, hätten sie ganz einfach das
Falsche getan. Wigand sei nicht der Typ Mensch, den man herumschubsen
könne. In einschüchtern zu wollen, sie das falsche Rezept gewesen.
Lowell Bergman, obwohl mit einem völlig
anderen biographischen Hintergrund, war in gewisser Hinsicht ein
ähnlicher Charakter. Auch er war auf der Suche nach Gerechtigkeit und
liess sich von einem Zusammenprall mit seinen Vorgesetzten bei CBS nicht
einschüchtern, als diese seine Interview mit Wigand nicht ausstrahlen
wollten. Die Ereignisse liessen ihn vielmehr über sein Leben und seine
Karriere kritisch nachdenken. Auch er ist kein Held, sondern wie Wigand
ein eigensinniger Mann, der sich nicht durch Drohungen von seinem Ziel
abbringen lässt. The Insider ist kein Kumpelfilm.
Wigand und Bergman sind zu verschieden. Hätten sie die Umstände nicht
zusammen gebracht, sie hätten sich wohl kaum gemocht. Auch so werden sie
nicht wirklich Freunde, sondern der gemeinsame Kampf im Tabakskandal
bringt sie zusammen und einander näher.
Wigand
wurde zum Hauptzeugen in einem Prozess, in dem erstmals ein Manager einer Fortune 500 Company
es wagte, gegen den ehemaligen Arbeitgeber im bisher grössten Skandal der
Geschichte des amerikanischen Gesundheitswesens auszusagen. Der
Generalstaatsanwalt von Mississippi, der im Prozess eine entscheidende
Rolle spielte, meinte, dass es einen Mann mit Wigands Insiderwissen
brauchte, um gegen die Tabakindustrie erfolgreich vorzugehen. Gleichzeitig
konnte ein Individuum, selbst vom Kaliber Wigands, allein nichts bewirken.
Die Regierung musste sich des Falles annehmen, und die Medien taten das
ihrige, um dem Fall Publizität zu verschaffen.
Im Film spielt Russell Crowe einen besorgten
Ehemann und Vater, der z.B. seiner Tochter bei einem Asthmaanfall zu Hilfe
eilt. Sein Boss, Thomas Sandefur, hat ihn soeben entlassen. Seine Frau ist
wie Wigand selbst besorgt, dass die medizinische Versorgung der Familie,
die Abzahlung der Hypothek und die Zukunft der Wigands allgemein in Gefahr
ist.
Zur gleichen Zeit ist der Journalist Lowell
Bergman zurück von einem Interview mit einem Führer der Hizbullah. Nun
ist er dabei, in einem Tabakfall Nachforschungen anzustellen. Von Jeffrey
Wigand möchte er dabei eigentlich nur einen Rat, doch sofort wird ihm
klar, dass der ehemalige Chef der Forschungs- und Entwicklungsabteilung
und Vizepräsident von Brown
& Williamson vertiefte Kenntnisse über einen andern Skandal besitzt,
die er auf Grund der ihm von der Tabakfirma auferlegten Schweigepflicht
nicht preisgeben kann.
Mike Wallace (Christopher
Plummer) ist Bergmans Vorgesetzter bei 60 Minutes. Seiner Meinung
nach kann der Tabakriese sich nicht auf die Schweigepflicht berufen,
schliesslich gehe es beim Tabakgenuss um eine Frage der öffentlichen
Gesundheit und des öffentlichen Interesses, vergleichbar der Sicherheit
im Flugverkehr. Andere bei 60
Minutes werfen ein, dass die Tabakindustrie noch keinen einzigen
Prozess verloren habe, obwohl jährlich über 100,000 Menschen am
Nikotinkonsum stürben. Doch das Team entscheidet sich dafür, der
Geschichte nachzugehen.
Leute seiner früheren Firma drohen
Wigand (im Film) zusehends. Die Schweigepflicht soll ausgeweitet werden, doch
Wigand weigert sich. Gleichzeitig ist er um die Sicherheit seiner Familie
besorgt. Bergman ruft den Generalstaatsanwalt von Mississippi an, damit Wigand
dort vorgeladen wird und aussagen kann und so von seiner Schweigepflicht erlöst
wird und rechtlichen Schutz erhält. Wigand findet eines Tages eine Kugel in
seinem Briefkasten. Leute scheinen um sein Haus zu schleichen. Seine Frau bricht
unter dem Druck zusammen. Obwohl Bergman drei Sicherheitsleute für die Familie
organisiert, verlässt sie zusammen mit den Kindern das Haus, verlangt und
erhält die Scheidung. Unterdessen hat Wigand einen neuen Job als Lehrer für
Japanisch und Chemie in einer High School gefunden. Er verdient nur noch $30,000
statt der zuvor stattlichen $300,000 pro Jahr. Sein Haus musste er bereits
verkaufen. Trotz alledem steht Wigand zu seiner Aussage, dass sein ehemaliger
Chef und mit ihm andere Tabakbosse einen Meineid leisteten, als sie vor Gericht
aussagten, Nikotin mache nicht süchtig. Tabak sei ein Mittel zum Konsum von
Nikotin: "You
light it up and get your fix." Nikotin ist eine süchtigmachende Droge. Wigand
erzählt auch, weshalb er gefeuert wurde. Er entdeckte, dass die in Zigaretten
verwendete Substanz Coumarin Krebs erzeugt. Doch seine Vorgesetzten wollten
nichts davon wissen, da sie ohne diese Substanz aus Geschmacksgründen einen
Absatzrückgang befürchteten. Aus Gewinnsucht setzten sie sich wissentlich
über gesundheitliche Bedenken hinweg.
CBS weigerte sich nun plötzlich,
das von Bergman arrangierte Interview mit Wigand zu senden, da Brown & Williamson
gedroht hatten, den Fall vor Gericht zu ziehen. Ein Gerichtsverfahren hätte den
damals anstehenden Verkauf von CBS an Westinghouse gefährdet. Einigen leitenden
Angestellten wären hohe Provisionen entgangen. Eine juristische Beraterin bei CBS,
gespielt von Gina Gershon, ging so weit zu sagen, dass, sollte die Sendung
ausgestrahlt werden und ein Gerichtsverfahren kommen, CBS am Ende des
Tages auf Grund der zu erwartenden hohen Schadensersatzforderung der Tabakfirma
gehören würde. Bergman stellte daraufhin seinem Vorgesetzten die rhetorische
Frage, ob er ein Geschäftsmann oder ein Journalist sei.
Die Tabakindustrie stellte ein
500seitiges Dossier gegen Jeffrey Wigand zusammen, in dem Fakten verdreht und
aufgeblasen wurden. Bergman war klar, dass es darum ging, die Glaubwürdigkeit
des Hauptzeugen zu erschüttern. Deshalb kontaktiere er die New York
Times, die in einem Leitartikel auf die Entscheidung von CBS einging, das
Interview nicht auszustrahlen. Das Wall
Street Journal wollte einen Artikel, basierend auf dem 500seitigen Dossier
bringen. Als Bergman davon Wind bekam, überzeugte er die Zeitungsleute, die
Publikation des Artikels um ein Woche zu verschieben und die Fakten selbst
nachzuprüfen. Das wirtschaftsfreundliche New Yorker Blatt kam zum Schluss, dass
es sich tatsächlich um eine Schmutzkampagne gegen Wigand handelte.
Auf Grund von Wigands Aussage legte
die Tabakindustrie später den von Mississippi und 49 anderen Staaten
angestrebten Prozess in einem Vergleich über die Rekordsumme von $246
Milliarden bei, die sie zu zahlen gewillt waren. Lowell Bergman ist heute
Korrespondent für das PBS-Magazin Frontline
und lehrt Journalismus in Berkeley. Wigand wurde 1996 in Kentucky zum Lehrer
des Jahres gewählt. Bei einem so politisch korrekten Film wie The
Insider besteht natürlich der Verdacht, dass es sich um einen schlecht
gemachten Schnellschuss handeln könnte. Die Bedenken sind grundlos, The
Insider ist ein spannender, überzeugender und herausragender Film, der
zurecht sieben Oscar-Nominationen erhielt.
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The Insider: Al Pacino (links) und Russell Crowe.

The Insider: Al Pacino.

The Insider: Al Pacino (links) und Russell Crowe.
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