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Geschichte der Sowjetunion
Aufstieg und Fall des real existierenden Sozialismus
Artikel vom April 1999


Wie hat alles angefangen? Wie kam es zur Etablierung des Sowjetregimes? Wie konnte es zu dieser <Tragödie eines Volkes>, so Orlando Figes, kommen? Viele Historiker und Journalisten führen an, Russland habe bewusst die lateinische Sprache abgelehnt und sich als geistiger Gegenpol zu Rom positioniert. Die Reformation und auch die Renaissance, <der Fluchtweg aus dem Mittelalter> (Dirk Sager), seien ihm deshalb verschlossen geblieben. In einem Satz: Russland sei nicht Teil der westlichen Zivilisation. Martin Malia führt dagegen in seinem soeben erschienen Buch an, dass Italien, das Zentrum der Renaissance, den Faschismus hervorgebracht und Deutschland, der Ursprung der Reformation, uns die Nazis beschert haben. Für die Väter der Aufklärung wie Voltaire und Diderot sei Katharina die Grosse das Beispiel eines aufgeklärten Monarchen gewesen. Säkularisierung, Industrialisierung und Demokratisierung hätten sich in ganz Europa den Weg gebahnt, wenn auch in unterschiedlichem Tempo in West und Ost. Auch die grosse französische Sowjetologin Hélène Carrère d'Encausse kommt zum Schluss, dass Russland nicht durch eine Fatalität zum Unglück verurteilt sei.
 
Die Ursachen für die Revolution - worunter Figes kein einzelnes Ereignis versteht - liegen unter anderem tief im zaristischen Regime verborgen. Sie zeichneten sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts ab. Figes Darstellung beginnt im Jahr 1891, als auf Grund der damaligen Hungersnot die russische Öffentlichkeit <erstmals auf Kollisionskurs mit der zaristischen Autokratie ging>. Sie endet mit dem Tod Lenins im Jahr 1924, als <die institutionellen Fundamente, wenn auch noch nicht sämtliche Praktiken, des stalinistischen Regimes etabliert waren.> Russland hat vor und nach 1917 mehrmals die Chance, sich zu einer Demokratie zu entwickeln. Diese Versuche scheiterten an der politischen Kultur und der Sozialgeschichte des Reiches. Mehrere Konstanten tauchen in Figes Werk immer wieder auf: das Fehlen eines Gegengewichts zum Despotismus des Zaren (Zar Nikolaus II. bekommt schlechte Noten), die Isolation und die Labilität der liberalen bürgerlichen Gesellschaft, die Rückständigkeit und Brutalität des russischen Dorfes sowie der Fanatismus der russischen radikalen Intelligenzija.
 
Figes schenkt dem <einfachen Volk>, den Bauern, Arbeitern, Soldaten und Matrosen, den Kosaken, aber auch den Provinzstädten sein besonderes Augenmerk. Er sieht das Volk nicht allein als Opfer der Revolution, sondern auch als Beteiligte, als Handelnde im revolutionären Drama, das sie schlussendlich selbst verschlungen hat. Es waren nicht so sehr die Inhalte der bolschewistischen und anderer abstrakter Ideen, die in Figes Augen den Lauf der Dinge beeinflussten, als vielmehr die Art und Weise wie sie vom einfachen Parteivolk und andern revolutionären Gruppen aufgefasst und umgesetzt wurden. Er wendet sich gegen Richard Pipes, der in seiner Darstellung die Bauern <als primitive und unwissende Menschen [beschreibt], die in der Revolution nur eine destruktive Rolle spielen konnten und deshalb für die Manipulationen der Bolschewiki anfällig waren.> Allerdings beschreibt Figes selbst das Volk zuweilen wenig schmeichelhaft.
 
Die Schwäche der demokratischen Kultur erlaubte es den Bolschewiki, die Macht zu übernehmen. Das gemeine Volk sei durch Jahrhunderte der Leibeigenschaft und der autokratischen Herrschaft machtlos und passiv gehalten worden (Figes). Die konstitutionelle Phase, die mit der Einrichtung eines Parlaments 1905 begonnen hatte, war nach Figes bereits 1914 vorüber gewesen. <Die liberalen Duma-Parteien hatten die Forderungen der Arbeiter und Bauern nach gesellschaftlichen Reformen nicht befriedigen können [...]>. Der verführerischen Parole Lenins <Alle Macht den Räten> hatten Liberale wie Fürst Lwow naiverweise nur die <konstitutionelle Illusion> entgegen gehalten. Den Bolschewismus bezeichnet Figes als <sehr russische Angelegenheit> wegen seines <Glaubens an die militante Aktion>. Auch weil er im Gegensatz zu Hegel und Marx an das Überspringen von historischen Etappen glaubte, was <ihn klar in die russische Tradition des Messianismus> stelle.
 
Mit den menschewistischen Verlierern der Revolution hat sich André Liebich auseinandergesetzt. Obwohl sich die 1898 gegründete marxistische Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands bereits 1903 in Bolschewiki und Menschewiki aufspaltete, kam die endgültige Trennung erst 1917. Zuvor beruhte die Spaltung mehr auf persönlichen Streitigkeiten, denn auf ideologischen Unterschieden. Allerdings übernahm Lenin von Trotzki die Idee, die russische Bourgeoisie sei zu schwach, um eine bürgerliche Revolution durchzusetzen, weshalb diese vom Proletariat ausgeführt werden müsse, um sie sogleich in eine proletarische umzuwandeln. Doch diese Idee des Staatsstreiches zur Machtübernahme sollte erst 1917 umgesetzt werden. Sowohl 1905, nach dem gegen Japan verlorenen Krieg, als auch im März 1917 waren die Bolschewiki nicht bereit bzw. wurden von den Ereignissen überrascht. Die Menschewiki - als <orthodoxe Marxisten> (Liebich) - wollten ohnehin zuerst eine bürgerliche Revolution umgesetzt sehen. Sie verloren 1917 ihre Popularität, weil sie zusammen mit der Kerenski-Regierung den Krieg nicht beenden konnten und, so Figes, weil sie den Massen nicht mehr radikal genug waren. 1921 endgültig von der Macht verdrängt, wurden die Menschewiki in die Emigration getrieben. Doch sie beeinflussten weiterhin die öffentliche Meinung im Westen, zum Beispiel über ihr in Berlin erscheinendes Zentralorgan. Sie gehörten zu den bestinformierten Kennern des Sowjetsystems, auch wenn sie zum Beispiel das Ende der NEP 1927/28 nicht voraussagten, sondern im Gegenteil an einen Rechtsruck glaubten. Auch wurden sie vom Hitler-Stalin-Pakt überrascht. Noch lange verteidigte ihre Mehrheit die Sowjetunion, doch die sogenannte Martov-Linie der loyalen Opposition kam unter Druck und zerfiel - allerdings erst ... 1940. Einige Vertreter wie Dallin, Abramowitch und Nikolajewsky verfassten häufig Artikel in amerikanischen Presseorganen. Dallin wurde vor allem zu einem respektierten Buchautor und Nikolajewsky wurde zum Kalten Krieger und Vater einer ganzen Serie von amerikanischen Kremlinologen.
 
Pipes, Figes, Carrère d'Encausse und auch Martin Hildermeier sind sich einig: das stalinistische Regime wurde unter Lenin errichtet, wenn auch noch nicht in allen seinen Facetten. Die Mär vom guten Lenin und bösen Stalin vertritt längst kein ernst zu nehmender Historiker mehr. Die Debatte dreht sich vielmehr seit der Veröffentlichung des Schwarzbuches des Kommunismus um den Vergleich des kommunistischen mit dem Nazi-Terror bzw. um die <Unvergleichbarkeit> des Holocaust. Zum letzten Punkt sagte Alfred Grosser einmal, wer von Unvergleichlichkeit spreche oder schreibe, vergleiche bereits. Dem können wir uns nur anschliessen. Natürlich hinkt jeder Vergleich irgendwo, und natürlich ist jede Situation einzigartig. Aber gerade aus dem letzten Punkt folgt, dass eben auch der stalinistische Terror oder die Killing Fields der Roten Khmer einzigartig waren. Niemand kann für sich das Monopol des Leidens beanspruchen. Der Tag ist wohl nicht mehr fern, an dem der perverse Streit darüber losgehen wird, ob die industrielle Massenvernichtung in der Gaskammer, der Tod im Gulag oder im chinesischen Laogai, beim Marsch durch die Wüste (die Armenier) oder - wie in früheren Jahrhunderten - zum Beispiel durch Aufpfählen (Vlad Tepes, <der Pfähler>, lässt grüssen) schlimmer war.
 
Die zum Teil polemisch geführte Debatte, der Faschismus habe <nur> 25 Millionen Tote, der Kommunismus dagegen 100 Millionen auf dem Gewissen, geht am Kern der Sache vorbei. Über Zahlen lässt sich streiten, niemand hat schliesslich die ermordeten Sowjetbürger oder Chinesen zählen können. Die Hungertoten, die Millionen Opfer der durch unfähige Regime verursachten Agrarkrisen haben uns keine Statistiken hinterlassen. Einige Linke behaupten weiterhin, die kommunistischen Regime hätten nur das Gute gewollt, seien nicht auf Antisemitismus und Rassenwahn begründet gewesen - als ob Nazis und Nazi-Wähler im Gegensatz zu den Kommunisten das Böse gewollt hätten. Naive gab es hüben wie drüben, missbraucht wurden sie alle. Einige Rechte wünschen sich durch die Debatte eine Relativierung der Nazi-Verbrechen - alles sei nicht so schlimm gewesen, ähnliches habe es andernorts auch gegeben. Ja manche möchten gar einen Kausalzusammenhang herstellen zwischen dem roten Terror, der den braunen erst als Reaktion darauf habe entstehen lassen. Teile der Linken wie der Rechten sind nicht bereit, der Vergangenheit <ihres> Lagers unvoreingenommen ins Gesicht zu schauen - gerade die französische Linke hat (oder hatte?) hier noch Nachholbedarf. Es handelt sich nicht um eine Frage eines bestimmten politischen Regimes - wenn auch gewisse Regime ohne Terror nicht auskommen können - oder einer Epoche, sondern der menschlichen Natur, die sich über die Jahrtausende nicht fundamental geändert zu haben scheint. Ihre dunklen Seiten kontrollieren wir heute im Rechtsstaat besser, doch unkontrollierbare Rückfälle scheinen jederzeit möglich. Nicht nur Psychopathen, sondern auch wir, Sie, lieber Leser, ebenso wie der Verfasser dieser Zeilen, wir sind alle potentielle Mitläufer von Tyrannen, ja gar Folterer oder Massenmörder. Die Geschichte hat gezeigt, dass zumindest bedeutende Minderheiten verschiedener Völker, Kulturen oder Ideologien versagt haben. Wo immer sich das böse im Menschen im grossen Stil manifestiert, muss deshalb die demokratische Staatengemeinschaft einschreiten, wenn nötig, auch mit Gewalt. Die Hitler, Pol Pot oder Mao, aber auch die Saddam Hussein und Milosevic verstehen zumeist ohnehin nur diese Sprache, von Appellen und Resolutionen lassen sie sich nicht beeindrucken.
 
Welche Rolle spielte der Marxismus-Leninismus im bolschewistischen System? Pipes meint (in Russia under the Bolshevik Regime), die Ideologie habe nur eine sekundäre Rolle gespielt. Entscheidend sei der Wille zur Macht und zur Machterhaltung gewesen, deshalb sei auch die Fortführung der NEP unmöglich gewesen. Er betont die Kontinuität mit dem zaristischen Autokratismus und seinen Machtinstrumenten wie Sicherheitspolizei und sibirischen Lagern. Martin Malia dagegen sieht in der Politik der Bolschewiken durchaus einen wesentlichen eigenständigen Beitrag von Lenin und seiner Partei.
 
Nach den rund zwanzig Millionen Opfern des stalinistischen Regimes - Terror, Gulag, Hungersnöte, etc. - läutete Chrustschow nach dem Tode Stalins 1953 auf am 20. Parteikongress der KPdSU eine neue Periode ein. Die Destalinisierung konnte aber ebenso wenig wie dreissig Jahre später die Perestroika das System fundamental verändern, abgesehen einmal von der Abkehr vom schlimmsten Terror. Die Sowjetunion scheiterte an ihrem System, dass in die Sklaverei führen musste (Hayek). Der real existierende Sozialismus war auf grund seiner Konzeption nicht lebensfähig. Das fehlen einer Zivilgesellschaft, der freien Entfaltungsmöglichkeiten von Wirtschaft und Gesellschaft, führten zum Kollaps. Erstaunlich ist lediglich, wie lange es brauchte, bis das System fast von selbst zerfiel. Im Rüstungswettlauf mit den USA unter der Administration Reagan konnte die UdSSR nicht mithalten. Auch die Computerrevolution überforderte den Sozialismus, nicht nur technologisch, sondern auch bezüglich der Informationskontrolle. Nicht zu unterschätzen ist der psychologische Aspekt. Reagan gab den USA wieder Selbstvertrauen, nach Watergate und einer als schwächlich empfunden Regierung unter Carter, während dem in Russland, nicht zuletzt auf Grund der verbesserten Information, die Zweifel in Volk, Partei und bei den Führern wuchsen.
 
Zur tragischen Schlüsselfigur wurde Gorbatschow, der ein nicht reformierbares System reformieren wollte. Sein grosses Verdienst ist es jedoch, dass er auf militärische Mittel zur Machterhaltung (weitgehend) verzichtete, auch als er von der Geschichte bestraft wurde. Der ehemalige sowjetische Botschafter in Bonn von 1971 bis 1978 sowie Leiter der Internationalen Abteilung des Zentralkomitees von 1988-1991, Valentin Falin, zeichnet ein negatives Bild von Gorbatschow. Falin zählte in der Deutschlandfrage bis zum Schluss zu den Hardlinern, bezüglich Perestroika und Glasnost dagegen gehörte er zu den Reformern. In seinen Augen ist der Generalsekretär eine schwächliche Figur, die Unausweichliches unnötig hinauszögerte oder nur halbherzig durchsetzte und mit der Wahrheit über die Vergangenheit, für die Gorbatschow und seine Equipe ja nicht verantwortlich waren, nicht an die Öffentlichkeit gehen wollte. So wirft er ihm fehlenden Mut im Umgang mit den Dokumenten zum Hitler-Stalin-Pakt, zur Teilung Polens, der Annexion der baltischen Staaten oder auch des Massenmordes an polnischen Offizieren in Katyn vor. Alles Ereignisse, über die der Westen längst zu eindeutigen Schlüssen gelangt war. Gorbatschow habe sich auch immer mehr als Alleinherrscher aufgeführt, auf Regierungs-, Politbüro- und Parteistimmen keinen Wert gelegt. Die Einführung des Präsidialsystems, in dem er die Ämter des Generalsekretärs und des Präsidenten in seiner Person vereinte, verhinderte jegliche Kontrolle seiner Person. Im Zusammenhang mit der Atomkatastrophe von Tschernobyl wirft Falin ihm vor, sich dem Unglücksort während fünf Jahren nicht genähert zu haben. Bezüglich der Perestroika ist er der Ansicht, unter Gorbatschow sei <praktisch kein einziges Projekt zu Ende geführt> worden. Nur viele Versprechungen seien gemacht worden. Gorbatschow und seine Nachfolger hätten geglaubt, es genüge, die Handelsfreiheit zu verkünden und schon entstünde die Marktwirtschaft. Falins Reformeifer in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht kontrastiert dagegen mit seinen Ansichten zur Deutschland- und Osteuropapolitik. Er hätte gerne ein neutralisiertes Deutschland gesehen - eine neutrale Grossmacht mitten in Europa!? - und lehnte die NATO-Mitgliedschaft Gesamtdeutschlands ab. Falins Buch ist eine einzige Abrechnung mit Gorbatschow und Jelzin: <Russland ist heute ins 17. Jahrhundert zurückgeworfen. Die Wissenschaft ist im Niedergang. Die Schule verfällt. Die Kultur versinkt im Dunkel. Für den einzelnen heisst es nur noch: Rette sich, wer kann. Am besten gelingt das Menschen ohne Gewissen und Moral.> Der pensionierte Falin selber aber lebt heute friedlich in der Nähe von Hamburg.
 
Nun liegt die Sowjetunion also auf dem Misthaufen der Geschichte. Lenins Worte finden heute auf die Kreation des bolschewistischen Führers Anwendung. Wer sich rasch einen Überblick über diese Epoche verschaffen will, sollte zu Richard Sakwas einführendem Buch greifen. Wohl vor allem für Studenten konzipiert, ist es auch dem interessierten Laien eine nützliche Lektüre. Kapitel zu Geschichte, Regierung, Ideologie, Planwirtschaft, Aussen- und Sicherheitspolitik oder, besonders heute wieder aktuell, zur Nationalitätenpolitik führen den Leser in die jeweiligen Themenbereiche ein. Zu jedem Aspekt verweist der Autor auf weiterführende Literatur.


 

Orlando Figes: Die Tragödie eines Volkes. Die Epoche der russischen Revolution von 1891 bis 1924, Berlin, Berlin Verlag, 1998, 975 S. (Engl. Originalausgabe: A People's Tragedy. The Russian Revolution 1891-1924, London, Jonathan Cape, 1996). Bestellen bei Amazon.de. Das Buch wurde seit seinem erscheinen 1996 hoch gelobt. Einzig Richard Pipes war unzufrieden. Er bezichtigte den Autor mehr oder weniger des Plagiats (war es in The New Republic gewesen?). Pipes hatte nämlich zuvor zwei grosse Werke zum gleichen Thema veröffentlicht (The Russian Revolution, New York, Alfred A. Knopf, 1990, 944 S. sowie The Bolshevik Regime New York, Alfred A. Knopf, 587 S.).
 
Dirk Sager: Betrogenes Russland. Jelzins gescheiterte Demokratie, München, Goldmann, (1996) Juni 1998 vollständig aktualisierte und erweiterte Taschenbuchausgabe, 416 S.
 

Martin Malia: Russia under Western Eyes. From the Bronze Horseman to the Lenin Mausoleum, Cambridge, Mass., Harvard University Press, 1999, 514 S.
Auf das Buch werden wir in einer späteren Nummer von Cosmopolis eingehen (in der Zwischenzeit empfehlen wir die Lektüre der Rezension von Jack F. Matlock Jr. in der New York Times vom 11. April 1999). Bestellen bei Amazon.de.
 
Hélène Carrère d'Encausse: Victorieuse Russie, Paris, Fayard, 1992, 381 S.
 
André Liebich: From the Other Shore: Russian Social Democracy after 1921, Harvard University Press (Harvard Historical Studies; 125), 1997, 476 S.
 

Martin Hildermeier: Geschichte der Sowjetunion 1917-1991. Entstehung und Niedergang des ersten sozialistischen Staates, München, C.H.Beck, 1998, 1206 S. Hildermeier hat die beste deutschsprachige Gesamtsicht des Sowjetregimes verfasst. Vor allem die Jahre bis zum Zweiten Weltkrieg überzeugen. Die Nachkriegsperiode bis zum Ende der Aera Gorbatschow sind naturgemäss schwächer, da die Historiker diese Zeit noch nicht bis ins Detail ausleuchten konnten. Hildermeiers Stärke liegt ja in der umfassenden Kenntnis der einschlägigen Literatur. Sein Werk ist vor allem eine Innenansicht des Reiches. Die Aussenpolitik kommt etwas zu kurz. Dazu  sollte der Leser auf Adam Ulams Klassiker (Expansion and Coexistance: Soviet Foreign Policy 1917-1973, New York, Holt, Rinehart & Winston, 1974) zurückgreifen. Auch der von Gabriel Gorodetsky herausgegebene Sammelband (Soviet Foreign Policy 1917-1991: A Retrospective, London, Frank Cass, 1994) ist empfehlenswert. Auch auf die heute aktuelle Nationalitätenfrage im Vielvölkerreich geht Hildermeier zu wenig ein. Da die Russen fast überall die zentralen Positionen einnahmen (trotz des Georgiers Stalin), ist sein Buch vor allem eine Geschichte Russlands und der Russen im Sowjetsystem. Hildermeier vernachlässigt übrigens nicht, wie der Titel befürchten lassen könnte, die Zeit vor 1917. Die ersten sechzig Seiten widmet er, der Autor der Russische Revolution 1905-1920 (Frankfurt, 1989, Neuauflage 1995), dem alten Regime. Bestellen bei Amazon.de.
 

Stéphane Courtois, u.a.: Le livre noir du communisme. Crimes, terreur, répression, Paris, Robert Laffont, 1997, 846 S. (Deutsch: Das Schwarzbuch des Kommunismus, München, Piper, 1998, 987 S.). Pikant am Buch ist, dass es von ehemaligen Linksradikalen (oft Ex-Maoisten) geschrieben wurde, also in kommunistischen Augen von Renegaten. Ausgabe 1998 bestellen bei Amazon.de.
 
Zur Debatte um das Schwarzbuch: Horst Möller, Hg.: Der rote Holocaust und die Deutschen. Die Debatte um das <Schwarzbuch des Kommunismus>, München, Piper, 1999, 249 S. Das Buch fast vor allem französische und deutsche Beiträge zur Debatte zusammen. Der Titel <Der rote Holocaust und die Deutschen> ist eine unnötige Provokation, denn der Begriff <Holocaust> (Shoa wäre ohnehin angemessener) ist eindeutig mit den Gaskammern verbunden. Insofern hat es keinen <roten Holocaust> gegeben. Unter den Artikeln finden sich die Antwort von Stéphane Courtois an seine Kritiker oder die Debatte in Le Monde. Joachim Käppner schrieb im Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt, dass sich Kommunismus und Nationalsozialismus vergleichen liessen, was nicht gleichsetzen bedeute. Das Buch ist ein nützliches Kompendium, das natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat. Das Echo auf das Schwarzbuch beweist, dass die Diskussion zum Thema überfällig war und noch immer ist.
 
Martin Malia: The Soviet Tragedy. A History of Socialism in Russia 1917-1991, New York, The Free Press, 1994, 575 S.
 
Valentin Falin: Konflikte im Krem. Zur Vorgeschichte der deutschen Einheit und Auflösung der Sowjetunion, München, Siedler, (1997) 1999 aktualisierte und erweiterte Taschenbuchausgabe, 348 S.
 
Richard Sakwa: Soviet Politics in Perspective, London, Routledge, (1989) Second Edition 1998, 355 S. Demnächst erscheint Sakwas neuestes Werk: The Rise and Fall of the Soviet Union 1917-1991.
 

 

 

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