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Dave Douglas
Biographie, Biografie,
Konzert-, Album-, CD-Kritiken
(Charms of the Night Sky
- A Thousand Evenings).
Artikel vom November 2000
Biographien
Zusammengestellt von
Louis Gerber
Biografie:
Dave Douglas wurde 1963 in
Montclair, New Jersey, geboren. Im Alter von fünf Jahren begann er mit
dem Klavierspiel, mit sieben ging er zur Posaune über, die er mit neun
gegen die Trompete, sein heutiges Instrument, eintauschte. An der High
School hörte er progressiven Rock, Frank Zappa, den
"elektronischen" Miles Davis und das Mahavishnu Orchestra.
Musikalisch beeinflusst wurde er auch von
Billie Holiday, John Coltrane, Igor Stravinsky und Stevie Wonder. Bei
seinen wenigen Lektionen in klassischer Musik hatte er immer Probleme, da
er kein Stück zweimal gleich spielen konnte. Dann ging er für ein Jahr
nach Spanien, wo er an einem Open Air Festival seinen ersten Auftritt
hatte. Dort begann er auch mit dem Improvisieren auf der Trompete, was
für seine Weiterentwicklung entscheidend war, denn erst jetzt machte die
Musik für ihn Sinn. Zurück in den USA studierte er zwei Jahre lang in
Boston am Berklee College of Music und am New England
Conservatory Komposition und Trompete. 1984 ging er an die New York
University, wo er seine Studien mit einem Bachelor
of Arts abschloss. Er studierte dort bei Carmine
Caruso und spielte gleichzeitig in den Strassen des Big Apple. In der Band
von Horace Silver entwickelte er sich von 1987 bis 1990 weiter. Mit ihm
sowie mit
Vincent Herring, Dr. Nerve und dem Bread and Puppet Theatre ging er auf
internationale Tournee.
Seither hat sich Dave Douglas einen eigenen
Namen als Komponist, Improvisator, Trompeter und Bandleader einer Reihe
von Gruppen gemacht. Dazu gehören Charms of the Night Sky, das Dave Douglas Quartet,
The Tiny
Bell Trio, das Dave Douglas Sextet, das elektronische Oktett Sanctuary, The Dave
Douglas String Group, Satya (eine Gruppe, mit der er indische Musik spielt)
sowie Witness, ein grösseres Ensemble in der Nachfolge von Sanctuary (Witness:
Dave Douglas, Trompete, Chris Speed, Saxophon, Klarinette, Joshua Roseman,
Posaune, Erik Friedlander, Cello; Mark Feldman, Violine, Bryan Carrott, Vibraphon; Drew Gress,
Bass; Ikue Mori, elektronische Percussion, Michael
Sarin, Schlagzeug. Dave Douglas geht den Möglichkeiten der Verbindung von
Improvisation mit indischer Musik nach, spielt Musique Concrete sowie
Orchestermusik. Er ist an Festivals in der ganzen Welt aufgetreten, hat
für eine Reihe anderer Ensembles geschrieben und zusammen gearbeitet. So
war Dave Douglas von John
Zorn eingeladen worden, auf seiner CD Masada mitzuspielen.
1993 nahm Dave Douglas sein erstes
Soloalbum, Parallel Worlds. Ein Jahr später gründete er das Tiny Bell Trio,
das aus der Not geboren wurde, da seine Duopartnerin, eine Akkordeonistin,
in die Schweiz zurückging und er dringend eine Gruppe für einen Auftritt
in einer winzigen Ecke des Bell Cafés
in Soho brauchte, die mit osteuropäischer Volksmusik vertraut waren. Jim Black
und
Brad Schoeppach waren die zwei Musiker, die sich mit ihm damals zusammen
taten.
Am 4. November 2000 war Dave Douglas mit
dem Qurartett Charms of the Night
Sky zu Gast, mit denen er 1998 eine gleichnamige Platte aufgenommen hatte.
Greg Cohen ist der Bassist, Mark Feldman der Violinist und Guy
Klucevsek der Akkordeonist der Gruppe, die sich ebenfalls der
osteuropäischen Volksmusik widmet. Ihre neueste Aufnahme ist A
Thousand Evenings (Okt. 2000, RCA Victor). Dave Douglas hatte Guy Klucevsek
bei einem Solokonzert Ende 1997 oder zu Beginn von 1998 entdeckt. Mit Mark
Feldman arbeitet Douglas bereits seit über einem Dutzend Jahren zusammen,
so im Mosaic Sextet und Uri Caines Mahler Projects. (Für weitere
Informationen zu Dave Douglas, seiner Diskographie und den von ihm
gewonnen Preisen, siehe den Artikel zur CD
Soul on
Soul und dem entsprechenden Konzert).
Biografie: Der Bassist Greg Cohen wurde in Los Angeles
geboren, wo er auch aufwuchs. In den frühen 1960er Jahren spielte er in
Surf Bands. Seither arbeitet er als Komponist, Arrangeur, Produzent und
Bassist. Als Arrangeur war er u.a. für Tom Waits, Marisa Monte,
Carlinhos Brown und David Sandborn tätig. Arrangements schrieb er auch
für die Filme Ed Wood und Fried Green Tomatoes. Als Produzent
war er z.B. für Dagmar Krauses Thank
Battles verantwortlich. Als Bassist spielte Greg Cohen bereits mit den
Rolling Stones, Laurie Anderson, Elvis Costello, John
Zorn, David Byrne, Tom Waits, Randy Newman, Cheryl Crow, Burt Bacharach
und
Lou Reed. Zu seinen neuesten eigenen Alben gehören Way Low und Moment
to Moment.
Biografie: Guy Klucevsek hat viele
Eigenkompositionen für das Akkordeon geschrieben und weitere bei John Zorn, Aaron Jay Kernis, Mary Ellen Childs, William
Duckworth, Somei Satoh und anderen in Auftrag gegeben. Klucevsek hat
Tanzmusik für Choreographien für Karen Bamonte, Angela Caponigro, Anita Feldman
und
Mark Taylor geschrieben. Er hat mit dem Schriftsteller, Regisseur und
visuellen Künstler Ping
Chong am Musiktheater Chinoiserie (1995) mitgearbeitet.
Soloauftritte mit seinem Akkordeon gab Guy Klucevsek am Adelaide Festival,
dem Berlin Jazz Festival sowie am Serious Fun! im Lincoln Center. Er
tourte und/oder nahm Platten auf mit Dave Douglas, Laurie Anderson, Bill Frisell,
dem Kronos
Quartet, Relâche, John Zorn und anderen. Zu seinen Alben gehören Accordion
Tribe und Accordion Tribe 2: Four Accordions of the Apocalypse
(zusammen mit den amerikanischen Komponisten und Akkordeonisten Alan Bern, Amy Den
und
Pauline Oliveros) sowie Polka Dots & Laser Beams. Guy
Klucevsek kann von traditioneller Polka bis zu abstrakt-chromatischer
Musik des 20. Jahrhunderts alles spielen.
Biografie: Mark Feldman wurde in Chicago
geboren. Der Violinist und Komponist erhielt den ersten Preis als "Talent
Deserving Wider Recognition" in den Down Beat's
Kritikerumfragen der Jahre
1994, 1995 und 1999. 1998 wählten ihn die Leser von Down Beat zum
zweitbesten Geiger des Jahres. Mark Feldman hat als Solokünstler mit der Basel Sinfonetta
und der George Gruntz Big Band in der Schweiz, mit dem WDR Radioorchester
und der WDR Big Band in Deutschland, mit der UMO Big Band
in Finnland sowie der Sweet Basil Monday Nite Big Band in New York City
gespielt. Zu seinen über 100 Alben zählen das Soloalbum Music
for Violin Alone, seine Duoaufnahme mit dem Pianisten und Komponisten Sylvie
Courvoisier, Music for Violin and Piano, sowie John Zorn: The String Quartets
mit dem
Zorn Quartet. Von 1980 bis 1986 lebte Mark Feldman in Nashville, wo er
über 200 Aufnahmen mit Künstlern wie Johnny Cash, Willie Nelson, Jerry Lee Lewis
und dem Fernsehevangelisten Jimmy Swaggart machte. 1986 ging er nach New York,
wo er als Studiomusiker für Cheryl Crow, The Manhattan Transfer und Diana
Ross tätig war. Er arbeitete auch mit Lee Konitz, Tim Berne und anderen.
Einige Alben von Dave Douglas
Artikel von Louis Gerber
Unter den früheren Jazz-Aufnahmen von Dave Douglas
ist Stargazer aus dem Jahr 1997 zu erwähnen. Es half
Douglas, sich als einer der herausragenden Trompeter der 1990er Jahre zu
etablieren. Wie andere, dem Andenken an einen bestimmten Künstler
gewidmete Platten, war Stargazer kein epigonales Album. Die Musik
von Komponist und Saxophonist Wayne
Shorter war lediglich der Startpunkt, von dem aus Dave Douglas seine
eigene Klangwelt entwickelte. Mit Ausnahme der mit grosser Kreativität
bearbeiteten Klassiker On the Milky Way Express,
Pug Nose und Diana von Wayne Shorter sind alle Titel
Eigenkompositionen von Dave Douglas. Uri Caine am Klavier, Joshua Roseman
an der Posaune, Chris Speed an Tenorsaxophon und Klarinette, James Genus
am Bass und sein Freund aus der Masada-Aufnahme, Joey Baron am
Schlagzeug, waren Douglas' Partner auf Stargazer. 1994 hatte die
Gruppe übrigens In Our
Lifetime, eine Hommage an den Komponisten und Trompeter Booker Little
aufgenommen.
Leap of Faith (1998) ist ein
anderer Meilenstein im Schaffen des Trompeters Dave Douglas. Zusammen mit Chris
Potter am Tenorsaxophon, Ben Perowsky am Schlagzeug und James Genus am Bass,
spielte er einen rhythmischen, dichten und intensiven Jazz - kein
Easy-Listening. Mit James Genus hat Douglas schon im Sextett Stargazer
gespielt. Bereits in den späten 1980er Jahren waren die zwei zusammen mit Vincent
Herrings Gruppe auf Tournee gegangen. In Leap of Faith
integriert Dave Douglas, wie so oft, auf phantasievolle Weise verschiedene
Musikstile in den Jazz. Die Quellen sind hier die klassische und die
indische Musik. Leap of Faith verweigert sich konsequent jeder
Kategorisierung. Douglas setzt unterschiedliche Kompositionstechniken und
Gruppenkonzepte um. Herausragend ist sein Trompetensolo im Titelsong Leap of Faith.
Magic Triangle (1998) ist
eine weitere CD, auf der Dave Douglas mit dem Bassisten
James Genus, dem Schlagzeuger Ben Perowsky und dem Tenorsaxophonisten Chris
Potter zusammen arbeitete. In der Down Beat Leserumfrage rangierte Magic
Triangle unter den acht besten Jazz-Alben des Jahres und Dave Douglas
wurde zweiter im Rennen um den besten Trompeter des Jahres, lediglich
fünf Stimmen vom ersten Platz entfernt.
Charms of the Night Sky aus
dem Jahr 1998 dagegen ist mit seinen dreizehn Stücken ein Brückenschlag zwischen Jazz und osteuropäischer Folklore. Guy Klucevsek
am Akkordeon bildet die virtuose wie traditionelle Grundlage. Mark
Feldman liefert dazu meist folkloristische Geigenmelodien. Greg Cohen
steuert seinen dunklen Bass dazu. Das stimmungsvolle Album erinnert an
fröhliche Volksfeste und romantische Abendstimmungen in Osteuropa, in die
allerdings feinste
Jazzharmonien eingearbeitet wurden. Charms of the Night Sky
ist kein rein nostalgisches Album, die 1990er Jahre scheinen durch.
Konzertkritik
Das Konzert von Dave Douglas
mit seinem
Quartett Charms of the Night
Sky bei "jazz in winterthur" vom 4. November 2000:
Dave Douglas, Trompete;
Mark Feldman, Violine;
Greg Cohen, Bass;
Guy Klucevsek, Akkordeon.
Artikel von Jacques
Rohner und Louis Gerber
Nach dem Auftritt mit seinem Sextett im
April und der Mary Lou Williams
gewidmeten Musik von Soul on
Soul war der Trompeter Dave Douglas am 4. November erneut in Winterthur
zu Gast. Diesmal präsentierte er sich in der Alten Kaserne mit dem
Quartett Charms of the Night Sky, bestehend aus Mark Feldman an der
Violine, Guy
Klucevsek am Akkordeon und Greg Cohen am Bass. Im totalen Gegensatz zu Soul on Soul
mit seinen Free Jazz-Elementen spielte das Quartett von Dave Douglas vor
allem Titel aus den Alben Charms of the Night Sky (1998) und A Thousand
Evenings (2000). Osteuropäische Volksmusik, Zigeunerweisen,
jüdische Melodien und Kompositionen der romantischen Klassik fügen sich
darin zusammen. Die harmonischen und melodiösen Kompositionen, denen
jedermann leicht folgen kann, wurden mit Elementen anderer Musikformen
angereichert, wodurch hin und wieder traditionelle Hörweisen
herausgefordert wurden.
Dave Douglas ist ein facettenreicher Musiker, der fast jeden Geschmack bedienen
kann. Doch er versucht nicht,
Melodien der Vergangenheit wieder aufleben zu lassen, sondern nimmt die
Kompositionen anderer zum Ausgangspunkt für seine eigenen kreativen
Ergüsse. In Winterthur bot das Quartett herzzerreissende und
melancholische Musik. Die Kammermusik verzauberte das Publikum. Dave
Douglas, Greg Cohen, Mark Feldman und Guy Klucevsek zeigten einmal mehr,
was sie bewegt: nicht die Erfüllung von Erwartungen, sondern die Suche
nach Alternativen und die Erweiterung des musikalischen Vokabulars durch
die spielerische und kreative Verfremdung traditioneller Töne.
Dave Douglas' Erfahrung mit der
osteuropäischen Volksmusik begann in den späten 1980er Jahren, als er
sich in der Schweiz in einer experimentellen Tanz-, Musik- und
Theatergruppe mit rumänischer Volksmusik auseinander setzte. Später
begann er, verschiedene osteuropäische Klänge zu transkribieren. 1990
wandte er sich zusammen mit Don Byron der Klezmermusik zu. Alle hier und
oben erwähnten inspirierenden Stile laden geradezu zur Improvisation ein,
ihre Nähe zum Jazz ist offensichtlich. Doch gleichzeitig verneinte das
Quartett in Winterthur nie seine Wurzeln, die im Jazz und in klassischer
Musik liegen. Der Ausdruck universeller menschlicher Gefühle verbindet
sie mit der osteuropäischen Tradition. Die Intensität des kulturellen
Austausches, der in New York stattfindet, ist für die Entwicklung neuer
künstlerischer Ausdrucksweisen sicherlich ein fruchtbarer Boden. Doch es
braucht hart arbeitende Musiker wie
Dave Douglas, Greg Cohen, Mark Feldman und Guy Klucevsek, um die
musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern. In Winterthur bewiesen
Charms of the Night Sky, dass sie fähig sind, Grenzen niederzureissen,
bei gleichzeitiger Respektierung der Tradition.
Am
2. März 2001 wird Dave Douglas erneut im Rahmen von "jazz in winterthur"
zu sehen sein, doch dann mit seinem Tiny Bell Trio und einem völlig
anderen Sound, den es zu entdecken gilt. [nachträglich eingefügt: siehe
die Kritik zum Tiny Bell Trio].
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Dave Douglas: Trompete.

Dave Douglas: Strange Liberation. Februar 2004.
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Dave Douglas: A Thousand
Evenings. RCA Victor/BMG,
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Dave Douglas: Soul on Soul.
RCA Victor, Mai 2000.
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Dave Douglas: Charms of the
Night Sky. Winter & Winter,
1998. Bestellen bei citydisc
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Dave Douglas: Stargazer.
Arabesque Records, 1997. CD bestellen bei Amazon.de
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Dave Douglas: Magic Triangle.
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Dave Douglas: Leap of Faith.
Arabesque Records, 1998.
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