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BSE
Die Krise der Landwirtschaftspolitik in Europa und Deutschland
. Das Fehlverhalten der Konsumenten.
 
Artikel vom 21.1.2001
 
Es ist traurig aber wahr, BSE, die Bovine Spongiforme Enzephalopathie, eine Krankheit die zum "Rinderwahnsinn" führt, d.h. das Gehirn angreift und zum Tod führt, wurde nur zu einem Politik und Gesellschaft bewegenden Thema, weil sie vielleicht auf den Menschen übertragbar ist. Beim Menschen scheint der Konsum von mit BSE verseuchten Tieren zur Creutzfeldt-Jakob-Krankheit zu führen.
 
I
n Grossbritannien wurden seit 1985 rund 180,000 mit BSE erkrankte Rinder gezählt. 85 Menschen starben seither an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. In den andern Ländern der EU wurden bisher rund 1600 BSE-Fälle - fast täglich werden es mehr - und vier Todesfälle von Menschen registriert (Zahlen gemäss FAZ). Erst wenn das Leben von Menschen in Gefahr gerät, treten die Politiker und Konsumenten auf den Plan. Von "Gewissensbissen" ist bis heute nur vereinzelt die Rede.
 
D
ie BSE-Krise ist Ausdruck der verfehlten Agrarpolitik von EU, GB, Deutschland, ja der westlichen Konsumgesellschaften allgemein. Der Subventionsdschungel führt zur perversen Situation mit Butter- und Fleischbergen, die niemand mehr konsumieren kann und die nicht besonders gut schmecken. Von artgerechter Tierhaltung kann keine Rede sein. Rinder sind Wiederkäuer, die normalerweise kein Fleisch essen. Doch der Mensch hat in der intensiven Landwirtschaft in letzter Zeit damit begonnen, ihnen Tiermehl zu verfüttern, das nun als möglicher BSE-Überträger im Verdacht ist. Seit 1994 ist die Verfütterung von Kadavermehl in Deutschland zwar verboten, doch zumindest noch Ende 2000 wurde dem zuwider gehandelt.
 
D
och BSE und Rinderhaltung sind nur die Spitze des Eisberges. Tiertransporte und Massentierhaltung, mit Hühnern in Legebatterien, sind nur einige weitere Stichworte in einem unendlichen Sündenregister. Es ist zu einfach, hier den schwarzen Peter der Agrarlobby, den Bauern und Politikern zuzuschieben, die natürlich versagt haben. In Gesellschaften mit Demokratie und Marktwirtschaft trägt letztendlich der einzelne Bürger und Konsument die Verantwortung dafür, was für eine Agrarpolitik und Landwirtschaft betrieben werden. Tagtäglich entscheiden wir alle als Konsumenten darüber, was produziert wird und auf unseren Tisch kommt. Jeder muss sich selbst an der Nase nehmen.
 

Als jemand, der mit 16 Jahren aus Überzeugung Vegetarier geworden ist, erschreckt mich die systematische Missachtung der Rechte der Tiere und die fehlende Respektierung der Natur seit langer Zeit. Es ist ein Skandal, der mit der Sklaverei verglichen werden kann. Lieber Leser, jeden Tag haben Sie es in der Hand, die Welt zu verändern. Denken Sie bei ihrem nächsten Einkauf daran.
 
D
ass am 9. Januar 2001 die unfähigen Minister Andrea Fischer und Karl-Heinz Funke zurücktraten und danach Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft in einem Ministerium zusammengelegt wurden, ist sicherlich ein Fortschritt. Dass das neugeschaffene Landwirtschaftsministerium einer Grünen übertragen und damit der Agrarlobby entzogen wurde, ebenso. Doch die 45jährige Renate Künast ist in keinem der ihrem Ressort unterstellten Bereiche eine Fachfrau. Im vergangenen Juni war sie zusammen mit Fritz Kuhn an die Spitze der Grünen Partei gewählt worden. Nun gibt sie das Amt zugunsten eines Kabinettspostens auf. Und die neue Gesundheitsministerin, die 51jährige Ulla Schmidt, bisher Vizechefin der SPD-Bundestagsfraktion, ist eigentlich eine Sozial- und Rentenexpertin. Es bleibt abzuwarten, ob die zwei neuen Ministerinnen ihren Ressorts die dringend benötigten neuen Impulse geben und substantielle Änderungen durchsetzen können. Die Personaldecke der Regierung Schröder wird immer dünner.
 
E
uropa braucht eine neue Landwirtschaftspolitik. Die Agrarlobby muss zerschlagen, der Subventionssumpf abgebaut und die Lebensmittelproduktion auf tiergerechte Haltung umgestellt werden. Doch mit unfähigen Politikern wie Präsident Chirac in Frankreich, dessen Macht u.a. auf der Unterstützung der Landbevölkerung beruht, wird sich kaum viel bewegen. Nur wenn die Konsumenten den Aufstand wagen, wird sich etwas ändern. Doch bisher stand den Menschen der Geldbeutel noch immer näher als das Tier.
 

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