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Die Antrittsrede von Präsident George W. Bush vom 20. Januar 2001 Artikel vom 20.1.2001
 
George W. Bush wurde heute in Washington als 43. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. In seiner unprätentiösen, nicht sehr detaillierten und dennoch eindrucksvollen Antrittsrede appellierte der Mann, der mit 40 Jahren dem Alkohol abschwor, dem er vorübergehend verfallen war, an den Gemeinsinn und an das Verantwortungsbewusstsein der Amerikaner. Er wolle eine geeinte Nation der Gerechtigkeit und Chancen für alle Bürger kreieren.
 
Den von ihm verfochtenen "mitfühlenden Konservatismus" erwähnte er indirekt in seinem Appell an das Mitgefühl der Bürger, für das Wohl der Nation zu arbeiten. Bush setzt weniger auf Wohltaten, die von der Regierung ausgehen, als vielmehr auf eine verantwortlich handelnde Zivilgesellschaft.
 
Kein Kind solle vergessen werden, Armut sei der USA unwürdig. Leute in Schwierigkeiten seien kein Problem, sondern bildeten eine Priorität seiner Politik. Die Immigranten seien eine Bereicherung, wenn sie die amerikanischen Prinzipien hochhielten. Seine Rede war ein Appell an die Toleranz seiner Mitbürger, den auch viele Demokraten unterschreiben könnten. Bush vergass eingangs seiner Rede nicht, darauf hinzuweisen, dass die USA zu Beginn eine Sklavenhaltergesellschaft gewesen waren.
 
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ush machte auch klar, dass die USA sich unter seiner Führung nicht auf den amerikanischen Kontinent zurückziehen würden, sondern international engagiert bleiben würden. Ein klares Zeichen an die "Feinde der USA", dass sie in der fälschlichen Hoffnung auf die Untätigkeit der vermeintlich zukünftig in Isolationismus verfallenden Supermacht nicht über die Stränge schlagen sollten. Gleichzeitig versicherte er den Alliierten, dass sie weiterhin auf Amerikas Beistand in Stunden der Gefahr zählen können. Diese Präzisierungen waren nötig geworden, nachdem verschiedentich Äusserungen von aussenpolitischen Vertretern der antretenden Regierung wie der Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hier und dort fälschlicherweise als Zeichen einer Politik des "America first" gedeutet wurden.
 
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ie für Amerika üblich, endete Bushs Antrittsrede mit einem "God bless you all, God bless America." George W. Bush gehört wie sein Vizepräsident Dick Cheney zu den Methodisten, die mit 14 Millionen Anhängern die zweitgrösste protestantische Gemeinschaft der USA bilden.
 
Der naive patriotische Glaube der Amerikaner an ihre Nation und in ihre "Mission" sowie der unkritische Umgang mit nationalen Symbolen und dem Militär, wie er in Deutschland auf Grund der Geschichte des 20. Jahrhunderts undenkbar geworden ist, befremdet hin und wieder. Gleichzeitig ist er der Ausdruck des Selbstvertrauens einer Nation, deren Einsatz im Ersten, im Zweiten sowie im Kalten Krieg ausschlaggebend dafür war, dass sich Demokratie und Marktwirtschaft durchgesetzt haben. Hin und wieder wünschte man sich, nicht nur einige Intellektuelle, sondern auch die Massen sowie die Mehrzahl der Politiker wären sich des zweifelhaften Einsatzes von Atombomben im Zweiten Weltkrieg sowie von Agent Orange in Vietnam bewusster - Kriegsverbrechen wäre hier das Stichwort. Ein weniger forsches und mit mehr Fingerspitzengefühl ausgestattetes aussenpolitisches Auftreten wäre wünschbar.
 
Bushs Durchsetzungsvermögen dürfte schon bald auf dem Prüfstand stehen. Ob er sein Steuersenkungsprogramm bei der wirtschaftlichen Abkühlung, ja einer möglicherweise gar drohenden Rezession durch den Kongress bringen kann, bleibt abzuwarten. Die Haushaltsüberschüsse könnten bald der Vergangenheit angehören. Die astronomische Schuldenlast ist nach wie vor nicht getilgt.
 
Nach den demokratischen Kennedys hat sich nun die Dynastie der republikanischen Bushs definitiv in der amerikanischen Politik etabliert. George W. Bushs Grossvater Prescott war von 1952 bis 1962 Senator für den Bundesstaat Connecticut gewesen. Vater George Herbert Bush stand an der Spitze der CIA ehe er, von 1989 bis 1993, als Präsident diente. Bruder "Jeb" John Ellis Bush ist seit 1998 Gouverneur von Florida.
 
Nachtrag vom 21.1.2001:
Noch am 20. Januar wurden vier Minister der Regierung Bush vereidigt. Sie überstanden das Anhörungsverfahrens im Senat, der sie bestätigen musste, erfolgreich. Es handelt sich um den Aussenminister Colin Powell, den Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, den Finanzminister Paul O'Neill und den Energieminister Spencer Abraham. Bisher fiel nur Linda Chavez beim Evaluationsverfahren durch, noch vor der Stufe der Anhörung, und wurde durch Elaine Chao als Kandidatin für das Amt der Arbeitsministerin ersetzt.
 


 

 

 

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