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Magnolia 1999
Regie & Drehbuch: Paul Thomas Anderson
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Ein Film mit:

Jeremy Blackman........Stanley Spector
Tom Cruise.............Frank T. J. Mackay
Melinda Dillon.......................Rose Gator
April Grace............................Interviewer
Luis Guzman......................Luis Guzman
Philip Baker Hall...............Jimmy Gator
Phil Seymour Hoffmann......Phil Parma
William H. Macy...............Donnie Smith
Julianne Moore.............Linda Partridge
Jason Robards..................Earl Partridge
John C. Reilly......................Jim Curring
Alfred Molina.............Solomon Solomon
Melora Walters..Claudia Wilson Gator

 
Paul Thomas Anderson (Boogie Nights) hat bei Magnolia (1999) nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch zum dreistündigen, dennoch keinesfalls langatmigen Film geschrieben. Das erklärt seinen souveränen Umgang mit den vielen, parallel verlaufenden Handlungen der Hauptpersonen, die alle miteinander in Beziehung stehen. Wahre Wunder mussten im Schneideraum vollbracht werden, um die kunstvoll gewebte Geschichte dem Zuschauer ohne Schwindelanfälle zu vermitteln. Die Musik von Aimee Mann (Save Me, Nothing Is Good Enough, etc.) untermalt den Film einfühlsam. Das Resultat kann sich sehen lassen.
 
Magnolia, das ist der Name eines grossen Boulevards, der mitten durch das San Francisco Valley führt, beginnt mit einem Blick auf einen Artikel des New York Herald vom 26. November 1911, in dem von der Ermordung eines Apothekers durch drei Vagabunden, die ihn ausrauben wollten, die Rede ist. Dies ist der Ausgangspunkt für die Erzählung einer Geschichte, die an einem einzigen Tag im San Fernando Valley im heutigen Kalifornien spielt, bei der neun Menschen durch "unglaubliche Zufälle" miteinander verbunden sind. Doch wie der Erzähler zu Beginn und zum Schluss des Films festhält, geschehen diese seltsamen Dinge "die ganze Zeit". Am Ende von Magnolia erfährt der Zuschauer die Quintessenz oder Moral der Geschichte: We may be through with the past, but the past ain't through with us (Wir denken vielleicht, wir wären mit unserer Vergangenheit fertig, doch die Vergangenheit ist mit uns nicht fertig).
 
Der Filmproduzent Earl Partridge (Jason Robards) liegt im Sterben. Seine Frau Linda (Julianne Moore) verschafft ihm aus einem Schuldkomplex heraus grosszügige Mengen an schmerzstillenden Mitteln. Sie hat ihn einst des Geldes wegen geheiratet und nach Strich und Faden betrogen. Heute bereut sie alles, denn nun, da es mit ihm zu Ende geht, liebt sie ihn. Sie will sogar auf ihr Erbe verzichten, allerdings nicht zugunsten von Earls Sohn.
 
Der bettlägerige Earl Partridge beauftragt seinen Krankenpfleger (Philip Seymour Hoffman), seinen einzigen Sohn zu finden. Dieser schlägt sich als frauenfeindlicher Sexpriester erfolgreich durchs Leben, mit seinem Werk Verführe und Zerstöre als Leitfaden. Frank T. J. Mackay wird von Tom Cruise, in einer atypischen Rolle, herausragend verkörpert. Frank lebt mit einer konstruierten Vergangenheit, mit der ihn eine Fernsehreporterin (April Grace) bei einem Interview konfrontiert. Sie hat herausgefunden, dass nicht sein Vater, sondern seine Mutter bereits 1980 an Krebs gestorben ist, nachdem der Vater die Familie verlassen hatte und der 14jährige Sohn sich alleine um die Mutter kümmern musste.
 
Stanley (Jeremy Blackman) ist ein brillanter Junge, der sich in der Fernsehspielshow "Was wissen Kinder?" gerade daran macht, den Rekord zu brechen, den der bisherige Rekordinhaber, der mittlerweile erwachsene Donnie Smith (William H. Macy), in den 60er Jahren aufgestellt hat. Macy gelingt wie in Fargo von den Cohen-Brüdern erneut die perfekte Darstellung eines Verlierers. Donnie Smith hat gerade seinen Job beim Elektronikhändler Solomon & Solomon verloren, erklärt einem schwulen Barmann seine Liebe und raubt den Tresor seines Chefs aus, um sich damit eine Zahnspange leisten zu können. Zwei Spieltage vor dem Rekord verweigert sich Stanley der Spielshow und der Ausnutzung von Medien und geldgeilem Vater.
 

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Der Moderator der Quizshow "Was wissen Kinder?", Jimmy Gator (Philip Baker Hall), leidet wie Earl Partridge an Krebs und hat nur noch rund zwei Monate zu leben. Der Produzent der Spielshow ist natürlich ebendieser Earl Partridge. Gator beichtet seiner Frau, mit der er seit 23 Jahren verheiratet ist, dass er sie immer und immer wieder betrogen hat. Auch der Moderator will sich vor seinem Tod mit seinem Kind aussöhnen, doch seine koksende Tochter Claudia (Melora Walters) jagt ihn mit unflätigen Worten in hysterischer Art und Weise zum Teufel. Die Nachbarn rufen auf Grund des Geschreis und der zu lauten Musik die Polizei herbei. Der einfühlsame Cop Jim Curring (John C. Reilly) sucht als Ausgleich zu seinem hektischen Beruf eine ruhige Freundin. Er fühlt sich sofort zu Claudia hingezogen, was auf Gegenseitigkeit beruht. Das ungleiche Paar verabredet sich noch für den selben Abend.
 
Die Menschen blicken in Magnolia kritisch auf ihr Leben zurück bzw. sehen sich unerwartet mit ihren Lebenslügen konfrontiert. Ihre Schicksale sind miteinander verbunden. Die Protagonisten sehnen sich eigentlich nur nach Liebe, werden von ihrem Gewissen geplagt und versuchen einen Neuanfang bzw. mit sich und ihrer Familie ins Reine zu kommen, ehe es zu spät ist. Ein einzigartiger, unvergleichlicher Film, in dem der heutigen Gesellschaft, insbesondere der medienfixierten kalifornischen, ein unerbittlicher Spiegel vorgehalten wird. Dass der mehrfach Oscar-nominierte Film bei der Preisverleihung leer ausging, ist schwer verständlich. Die Regie von Paul Thomas Anderson, der Schnitt von Dylan Tichenor, William H. Macy als Donnie Smith oder Tom Cruise als Frank T. J. Mackay hätten eine Auszeichnung verdient gehabt. Cruise gewann immerhin im Januar 2000 einen Golden Globe als "Bester Nebendarsteller".
 
Paul Thomas Anderson arbeitete als Produktionsassistent für Fernsehfilme, Videos und ... Gameshows in Los Angeles und New York, ehe er mit Cigarettes and Coffee 1993 am Sundance Film Festival auf sich aufmerksam machte. John C. Reilly spielte in Andersons Hard Eight (aka Sydney), Julianne Moore, Philip Seymour Hoffman und Melora Walters waren in Boogie Nights zu sehen.
 

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