Nicholas Payton
Biographie, Biografie, CD- und
Konzertkritiken
Nick@Night, Payton's Place, Gumbo Nouveau
- Konzert mit dem Nicholas Payton Quintet im Kaufleuten, Zürich,
11. Januar 2000: Nicholas Payton, Trompete;
Tim Warfield, Sopra- und Tenorsaxophon;
Anthoney Wonsey, Piano;
Reuben Rogers, Bass;
Adonis Rose, Schlagzeug.
Biografie
Nicholas Payton wurde 1973 in eine
Musikerfamilie hineingeboren. Sein Vater war ein Jazz- und
Klassik-Bassist, seine Mutter eine ehemalige Opernsängerin und klassische
Pianistin. Beide hatten an der Xavier University graduiert. Im Alter von 4
Jahren lehrte der Vater Nicholas das Trompetenspiel, mit 9 erhielt er
erstmals die Möglichkeit, bei der Young Tuxedo Brass Band mitzuspielen.
Mit 12 beeindruckte der junge Payton Wynton Marsalis, der seinen Vater
anrief, indem er ihm spontan etwas übers Telefon vorspielte. Später
empfahl Wynton anderen Bandleadern den jungen Trompeter, der sogar eine
zeitlang Teil von Marsalis' eigener Band wurde. Nicholas spielte auch im
historischen französischen Viertel von New Orleans, wo er auch an den Mardi Gras-Paraden
teilnahm.
Wendell Brunious beeinflusste Payton und
seine Verschmelzung von traditioneller New Orleans-Musik mit Bebop. Andere
Quellen der Inspiration waren Clyde Kerr,
der am New Orleans Center
for the Creative Arts (NOCCA)
unterrichtete, sowie von Leroy Jones, Teddy Riley, Louis Armstrong und Miles
Davis, um nur einige zu nennen. Payton fühlt sich von Musikern angezogen,
die es verstehen, Gefühle zu transportieren. Gleichzeitig misst Nicholas
der Melodie viel Bedeutung zu.
Payton graduierte am New Orleans Center
for the Creative Arts und studierte bei Ellis Marsalis, Wyntons Vater,
sowie bei Harold
Battiste und Victor Goines an der Universität von New Orleans. Mit 16
spielte Nicholas mit dem Pianisten Marcus Roberts. Clark
Terry, Art Blakey und Carl Allen waren andere Musiker, mit denen der junge
Payton zusammen arbeitete. 1992 tourte Payton mit Marcus Roberts durch die
USA und mit den Jazz Futures II durch die USA. Die Jazz Futures waren 1991
von den sogenannten "young lions" gegründet worden. Zu diesen
jungen Löwen, eigentlich ein Marketing-Label, zählten u.a. Roy Hargrove, Carl Allen
und Benny
Green.
1992 wurde Payton ein Mitglied von Elvin
Jones' Band. Schon bald übernahm er, erst 19jährig, die Position des
musikalischen Direktors. Eine Funktion, die er bis 1994 ausübte. In jener
Zeit spielte u.a. auch Ravi Coltrane in Elvin Jones' Band. Payton sammelte
hier erstmals Erfahrung mit einer regulär-tourenden Band. Daneben spielte
er im Jazz
at Lincoln Center Orchestra, mit dem er ebenfalls umherreiste, und trat in
der Carnegie Hall
Jazz Band sowie mit den Newport Jazz Festival All Stars auf.
Zu Paytons Platten aus jenen Jahren
gehören Aufnahmen mit Elvin Jones als Leader und mit dem New Orleans
Collective. 1994 erschien Paytons Debütalbum bei Verve, From
This Moment. Es enthält neben Standards auch bereits Originalkompositionen
von Payton.
Gumbo Nouveau folgte 1996, eine Referenz an die traditionale
New Orleans-Musik und seine erste CD mit seinem Quintett. 1996 trug Payton
zum Soundtrack von Robert Altmans Film Kansas City (1996) bei, in
dem er auch auftrat. 1997 folgte Nicholas' Live-Album mit dem unterdessen
verstorben Trompeter Doc Cheatham, der damals bereits über 90 Jahre alt
war. Mit Stardust gewannen die zwei einen Grammy Award für das beste Jazz-Instrumentalsolo
des Jahres 1997. Die CD Payton's Place mit Wynton Marsalis und Roy
Hargrove, kam 1998 raus. Im gleichen Jahr erschien das Trioalbum Fingerprints,
das Payton mit Christian McBride, Bass,und Mark Whitfield, Gitarre,
aufgenommen hatte. Fingerprints war der Musik von Herbie Hancock
gewidmet. Paytons neustes Werk ist
Nick@Night aus dem Jahr 2000. Sein nächstes Album wird ein Tribut an die Musik von Louis
Armstrong sein, dessen 100. Geburtstag im Jahr 2001 ansteht. Payton
will dazu weniger die Musik des grossen Mannes nachspielen, als vielmehr
von ihm inspirierte Eigenkompositionen besteuern.
Konzert im Kaufleuten in Zürich,
11. Januar 2001
Bei ihrem
Auftritt im Kaufleuten hatte das Nicholas Payton Quintet mit einigen
akustischen Problemen zu kämpfen. Während zwei Stunden präsentierten Nicholas Payton,
Trompete,
Tim Warfield, Sopran- und Tenorsaxophon, Anthony Wonsey, Piano,
Reuben Rogers, Bass, und Adonis Rose, Schlagzeug, vor allem
Post-Bop-Kompositionen, insgesamt elf Nummern, die zwei Zugaben
eingeschlossen.
Das Konzert begann
mit Zigaboogaloo, einem Titel,
den das Quintett auf Payton's
Place eingespielt hat. Er setzte den Ton für den ganzen Abend: Nichts
aufregend Neues oder Ungewöhnliches sollte präsentiert werden, sondern
unterhaltender und melodischer Jazz stand auf dem Programm. In der ersten
Hälfte des Konzerts behielten die fünf Musiker den immergleichen Aufbau
der Stücke bei: zuerst stand die Trompete im Zentrum, danach das
Saxophon, darauf folgte ein Trioteil mit Piano, Bass und Schlagzeug, zum
Schluss präsentierte sich das Quintett wieder komplett. Auf Zigaboogaloo
wirkte Warfields Saxophon, auf Paytons Trompete folgend, blass.
An
zweiter Stelle folgte Wild Man Blues, ein Standard von Louis Armstrong
und Jelly Roll Morton, den Payton für Robert Altmans Film mit dem
gleichen Titel aufgenommen hat. Das Quintett spielte ihn ebenfalls ein,
auf dem 1996er Album Gumbo Nouveau. Zu Beginn demonstrierte Payton
eindrücklich seine Qualitäten mit hohen und grellen Tönen, die
eigenständig sind. Der Trompeter blieb der einzige Musiker, der hier und
dort dem manchmal etwas lauwarmen Abend eine flamboyante Note hinzufügte.
Vor allem im Triospiel von Piano, Bass und Schlagzeug wurde das blinde
Zusammenspiel, das auf langer Zusammenarbeit beruht, offensichtlich. Doch
es war immer wieder Payton, der dem Sound erst Farbe, Kraft und Charakter
gab.
Blacker
Black's Revenge, vom Pianisten Anthony Wonsey geschrieben und auf Nick@Night
zu hören, zeigte einen verbesserten Tim Warfield, der nicht mehr auf dem
Tenor-, sondern dem Sopransaxophon spielte, erstmals aus dem Schatten von
Payton heraustreten konnte und sich auf dem gleichen virtuosen Niveau wie
der Trompeter bewegte: ein Höhepunkt des Konzertes. Piano, Bass und
Schlagzeug gaben im schnellen und klaren Mittelteil ihren Beitrag zum
Erfolg des Stückes.
Auf das heisse
Spiel folgte eine kühlere und ruhigere Nummer, mit Paytons warmen, hin
und wieder auch aggressiven, aber immer mit Leichtigkeit vorgetragenen
Spiel im Zentrum. Danach widmete sich das Quintett einer eleganten
Komposition mit einem melancholischen Einschlag von
Ramsey Lewis aus den 1970er Jahren, ehe es sich, mit Concentric Circles,
auf Payton's
Place eingespielt, wieder Eigenkompositionen zuwandte. Hier änderte
das Quintett erstmals den oben erwähnten immergleichen Aufbau der
Stücke. Neben einem Schlagzeugsolo gab es zuerst wenig Melodie, ehe
Paytons Trompete einsetzte und dem ganzen Sinn gab. Ein weiteres
unterhaltendes Schlagzeugsolo folgte gegen Ende des Stückes.
Love
Walked In, ein Standard mit einem nachdenklichen Pianisten im Zentrum,
später durch elegantes Triospiel mit Bass und und Schlagzeug ergänzt,
folgte. Es war der einzige Titel des Abends, in dem die Bläser nicht
mitspielten. Warfields The Magic Bag und Paytons Sun Goddess
(aus Nick@Night)
waren weitere Kompositionen, die das Quintett an diesem Abend vortrug.
Insbesondere das melodische Sun
Goddess überzeugte mit seinem träumerischen Trompeten- und
Saxophonsound, wobei es im Gegensatz zur Platteneinspielung ohne Harfe
auskam.
Als erste Zugabe spielte das
Nicholas Payton Quintet den eleganten Klassiker Night Train, wobei
weniger die Evozierung des unverwechselbaren Geräuschs eines Zuges, als
vielmehr das kraftvolle Trompetenspiel von Payton im Zentrum stand. In der
zweiten Zugabe verstand es Nicholas erneut, seinem Auftritt eine Prise
Magie beizufügen. Insgesamt zeigte sich das Quintett im Kaufleuten als
homogene Gruppe, mit dem Trompeter als demjenigen, der dem Abend etwas
Glamour verlieh.
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Nicholas Payton.

Nicholas Payton: Nick@Night. Verve, 2000. Nicholas Payton und
sein Quintett. Das Album enthält elf
melodische Post-Bop-Kompositionen und zwei Interludes. Im blinden
Zusammenspiel der fünf Musiker zahlt sich die Zusammenarbeit seit 1995
aus. Anthony Wonsey spielt nicht nur Klavier, sondern auf einigen Stücken
auch Harfe und Celesta, für Jazz ungewöhnliche Instrumente. Payton's
Kompositionen erinnern noch immer an
Wayne Shorter und ähnliche Musiker, doch haben sie an Eigenständigkeit
gewonnen. Der Geschmack des Jahres 2000 schlägt durch. Neben Melodie und
Swing gehört ein Latin-edge zu den Zutaten des Albums. Beyond The Stars
wird seinem Namen gerecht, wie auch das lustige Captain Crunch (Meets the Cereal
Killer). Das fröhliche und flamboyante Trompetenspiel von Payton
bildet den Höhepunkt dieser Kompositionen. Faith ist eine introspektive
Ballade, Pleasant Dreams und der Titelsong, Nick@Night, sind
fröhlich-unterhaltsame Nummern.
Somnia illustriert Schläfrigkeit wie Schlaflosigkeit. Exquisite
Tenderness ist eine beruhigende Ballade. Der letzte Titel, Sun Goddess,
stammt als einziger nicht von Payton oder einem andern Musiker seines
Quintetts.
Wonsey spielt darauf die Harfe. Prince of the Night wurde von Adonis
Rose komponiert. Blacker Black's Revenge stammt von Anthony Wonsey,
weshalb das Klavier darin eine zentrale Rolle spielt. Die zwei Interludes
sind von Swing und Funk geprägt. CD bestellen bei Amazon.com,
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Schweiz.

Nicholas Payton:
Payton's Place. Verve, 1998.
Mit seinem Quintett aufgenommen. Im Stück The Three
Trumpeters spielt Payton zusammen mit den Trompetern Roy Hargrove
und Wynton Marsalis. Die Kompositionen von Wayne Shorter und anderen
überzeugen stärker wie die Post-Bop-Nummern von Payton selbst. Doch sein
Bemühen, in der Tradition und gleichzeitig auf eigenen Füssen zu stehen,
ist begrüssenswert.
Joshua Redman ist, neben Payton, Hargrove und Marsalis, ein weiterer "young lion",
der auf der CD mitspielt. CD bestellen bei Amazon.com, Amazon.co.uk, Amazon.de, Amazon.fr,
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Schweiz.

Nicholas Payton: Gumbo Nouveau.
Verve, 1996.
Dieses erste Album mit seinem Quintett enthält neu arrangierte
traditionelle New Orleans Musik. Bestellen bei Amazon.com, Amazon.co.uk, Amazon.de, Amazon.fr,
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Schweiz.

Hinzugefügt am 12.2.2002:
Nicholas Payton: Dear Louis. Verve, 2001.
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Schweiz.
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