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Nr. 22, Januar 2001
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Nicholas Payton
Biographie, Biografie, CD- und Konzertkritiken
Nick@Night, Payton's Place, Gumbo Nouveau - Konzert mit dem Nicholas Payton Quintet im Kaufleuten, Zürich, 11. Januar 2000: Nicholas Payton, Trompete;  Tim Warfield, Sopra- und Tenorsaxophon; Anthoney Wonsey, Piano; Reuben Rogers, Bass; Adonis Rose, Schlagzeug.
 
Biografie
 
Nicholas Payton wurde 1973 in eine Musikerfamilie hineingeboren. Sein Vater war ein Jazz- und Klassik-Bassist, seine Mutter eine ehemalige Opernsängerin und klassische Pianistin. Beide hatten an der Xavier University graduiert. Im Alter von 4 Jahren lehrte der Vater Nicholas das Trompetenspiel, mit 9 erhielt er erstmals die Möglichkeit, bei der Young Tuxedo Brass Band mitzuspielen. Mit 12 beeindruckte der junge Payton Wynton Marsalis, der seinen Vater anrief, indem er ihm spontan etwas übers Telefon vorspielte. Später empfahl Wynton anderen Bandleadern den jungen Trompeter, der sogar eine zeitlang Teil von Marsalis' eigener Band wurde. Nicholas spielte auch im historischen französischen Viertel von New Orleans, wo er auch an den Mardi Gras-Paraden teilnahm.
 
Wendell Brunious beeinflusste Payton und seine Verschmelzung von traditioneller New Orleans-Musik mit Bebop. Andere Quellen der Inspiration waren Clyde Kerr, der am New Orleans Center for the Creative Arts (NOCCA) unterrichtete, sowie von Leroy Jones, Teddy Riley, Louis Armstrong und Miles Davis, um nur einige zu nennen. Payton fühlt sich von Musikern angezogen, die es verstehen, Gefühle zu transportieren. Gleichzeitig misst Nicholas der Melodie viel Bedeutung zu.
 
Payton graduierte am New Orleans Center for the Creative Arts und studierte bei Ellis Marsalis, Wyntons Vater, sowie bei Harold Battiste und Victor Goines an der Universität von New Orleans. Mit 16 spielte Nicholas mit dem Pianisten Marcus Roberts. Clark Terry, Art Blakey und Carl Allen waren andere Musiker, mit denen der junge Payton zusammen arbeitete. 1992 tourte Payton mit Marcus Roberts durch die USA und mit den Jazz Futures II durch die USA. Die Jazz Futures waren 1991 von den sogenannten "young lions" gegründet worden. Zu diesen jungen Löwen, eigentlich ein Marketing-Label, zählten u.a. Roy Hargrove, Carl Allen und Benny Green.
 
1992 wurde Payton ein Mitglied von Elvin Jones' Band. Schon bald übernahm er, erst 19jährig, die Position des musikalischen Direktors. Eine Funktion, die er bis 1994 ausübte. In jener Zeit spielte u.a. auch Ravi Coltrane in Elvin Jones' Band. Payton sammelte hier erstmals Erfahrung mit einer regulär-tourenden Band. Daneben spielte er im Jazz at Lincoln Center Orchestra, mit dem er ebenfalls umherreiste, und trat in der Carnegie Hall Jazz Band sowie mit den Newport Jazz Festival All Stars auf.
 
Zu Paytons Platten aus jenen Jahren gehören Aufnahmen mit Elvin Jones als Leader und mit dem New Orleans Collective. 1994 erschien Paytons Debütalbum bei Verve, From This Moment. Es enthält neben Standards auch bereits Originalkompositionen von Payton. Gumbo Nouveau folgte 1996, eine Referenz an die traditionale New Orleans-Musik und seine erste CD mit seinem Quintett. 1996 trug Payton zum Soundtrack von Robert Altmans Film Kansas City (1996) bei, in dem er auch auftrat. 1997 folgte Nicholas' Live-Album mit dem unterdessen verstorben Trompeter Doc Cheatham, der damals bereits über 90 Jahre alt war. Mit Stardust gewannen die zwei einen Grammy Award für das beste Jazz-Instrumentalsolo des Jahres 1997. Die CD Payton's Place mit Wynton Marsalis und Roy Hargrove, kam 1998 raus. Im gleichen Jahr erschien das Trioalbum Fingerprints, das Payton mit Christian McBride, Bass,und Mark Whitfield, Gitarre, aufgenommen hatte. Fingerprints war der Musik von Herbie Hancock gewidmet. Paytons neustes Werk ist Nick@Night aus dem Jahr 2000. Sein nächstes Album wird ein Tribut an die Musik von Louis Armstrong sein, dessen 100. Geburtstag im Jahr 2001 ansteht. Payton will dazu weniger die Musik des grossen Mannes nachspielen, als vielmehr von ihm inspirierte Eigenkompositionen besteuern.
 
Konzert im Kaufleuten in Zürich, 11. Januar 2001
 
Bei ihrem Auftritt im Kaufleuten hatte das Nicholas Payton Quintet mit einigen akustischen Problemen zu kämpfen. Während zwei Stunden präsentierten Nicholas Payton, Trompete, Tim Warfield, Sopran- und Tenorsaxophon, Anthony Wonsey, Piano, Reuben Rogers, Bass, und Adonis Rose, Schlagzeug, vor allem Post-Bop-Kompositionen, insgesamt elf Nummern, die zwei Zugaben eingeschlossen.
 
Das Konzert begann mit Zigaboogaloo, einem Titel, den das Quintett auf Payton's Place eingespielt hat. Er setzte den Ton für den ganzen Abend: Nichts aufregend Neues oder Ungewöhnliches sollte präsentiert werden, sondern unterhaltender und melodischer Jazz stand auf dem Programm. In der ersten Hälfte des Konzerts behielten die fünf Musiker den immergleichen Aufbau der Stücke bei: zuerst stand die Trompete im Zentrum, danach das Saxophon, darauf folgte ein Trioteil mit Piano, Bass und Schlagzeug, zum Schluss präsentierte sich das Quintett wieder komplett. Auf Zigaboogaloo wirkte Warfields Saxophon, auf Paytons Trompete folgend, blass.
 
An zweiter Stelle folgte Wild Man Blues, ein Standard von Louis Armstrong und Jelly Roll Morton, den Payton für Robert Altmans Film mit dem gleichen Titel aufgenommen hat. Das Quintett spielte ihn ebenfalls ein, auf dem 1996er Album Gumbo Nouveau. Zu Beginn demonstrierte Payton eindrücklich seine Qualitäten mit hohen und grellen Tönen, die eigenständig sind. Der Trompeter blieb der einzige Musiker, der hier und dort dem manchmal etwas lauwarmen Abend eine flamboyante Note hinzufügte. Vor allem im Triospiel von Piano, Bass und Schlagzeug wurde das blinde Zusammenspiel, das auf langer Zusammenarbeit beruht, offensichtlich. Doch es war immer wieder Payton, der dem Sound erst Farbe, Kraft und Charakter gab.
 
Blacker Black's Revenge, vom Pianisten Anthony Wonsey geschrieben und auf Nick@Night zu hören, zeigte einen verbesserten Tim Warfield, der nicht mehr auf dem Tenor-, sondern dem Sopransaxophon spielte, erstmals aus dem Schatten von Payton heraustreten konnte und sich auf dem gleichen virtuosen Niveau wie der Trompeter bewegte: ein Höhepunkt des Konzertes. Piano, Bass und Schlagzeug gaben im schnellen und klaren Mittelteil ihren Beitrag zum Erfolg des Stückes.
 
Auf das heisse Spiel folgte eine kühlere und ruhigere Nummer, mit Paytons warmen, hin und wieder auch aggressiven, aber immer mit Leichtigkeit vorgetragenen Spiel im Zentrum. Danach widmete sich das Quintett einer eleganten Komposition mit einem melancholischen Einschlag von Ramsey Lewis aus den 1970er Jahren, ehe es sich, mit Concentric Circles, auf Payton's Place eingespielt, wieder Eigenkompositionen zuwandte. Hier änderte das Quintett erstmals den oben erwähnten immergleichen Aufbau der Stücke. Neben einem Schlagzeugsolo gab es zuerst wenig Melodie, ehe Paytons Trompete einsetzte und dem ganzen Sinn gab. Ein weiteres unterhaltendes Schlagzeugsolo folgte gegen Ende des Stückes.
 
Love Walked In, ein Standard mit einem nachdenklichen Pianisten im Zentrum, später durch elegantes Triospiel mit Bass und und Schlagzeug ergänzt, folgte. Es war der einzige Titel des Abends, in dem die Bläser nicht mitspielten. Warfields The Magic Bag und Paytons Sun Goddess (aus Nick@Night) waren weitere Kompositionen, die das Quintett an diesem Abend vortrug. Insbesondere das melodische Sun Goddess überzeugte mit seinem träumerischen Trompeten- und Saxophonsound, wobei es im Gegensatz zur Platteneinspielung ohne Harfe auskam.
 
Als erste Zugabe spielte das Nicholas Payton Quintet den eleganten Klassiker Night Train, wobei weniger die Evozierung des unverwechselbaren Geräuschs eines Zuges, als vielmehr das kraftvolle Trompetenspiel von Payton im Zentrum stand. In der zweiten Zugabe verstand es Nicholas erneut, seinem Auftritt eine Prise Magie beizufügen. Insgesamt zeigte sich das Quintett im Kaufleuten als homogene Gruppe, mit dem Trompeter als demjenigen, der dem Abend etwas Glamour verlieh.
 
 
 

Nicholas Payton.
 

Nicholas Payton: Nick@Night. Verve, 2000.  Nicholas Payton und sein Quintett. Das Album enthält elf melodische Post-Bop-Kompositionen und zwei Interludes. Im blinden Zusammenspiel der fünf Musiker zahlt sich die Zusammenarbeit seit 1995 aus. Anthony Wonsey spielt nicht nur Klavier, sondern auf einigen Stücken auch Harfe und Celesta, für Jazz ungewöhnliche Instrumente. Payton's Kompositionen erinnern noch immer an Wayne Shorter und ähnliche Musiker, doch haben sie an Eigenständigkeit gewonnen. Der Geschmack des Jahres 2000 schlägt durch. Neben Melodie und Swing gehört ein Latin-edge zu den Zutaten des Albums. Beyond The Stars wird seinem Namen gerecht, wie auch das lustige Captain Crunch (Meets the Cereal Killer). Das fröhliche und flamboyante Trompetenspiel von Payton bildet den Höhepunkt dieser Kompositionen. Faith ist eine introspektive Ballade, Pleasant Dreams und der Titelsong, Nick@Night, sind fröhlich-unterhaltsame Nummern. Somnia illustriert Schläfrigkeit wie Schlaflosigkeit. Exquisite Tenderness ist eine beruhigende Ballade. Der letzte Titel, Sun Goddess, stammt als einziger nicht von Payton oder einem andern Musiker seines Quintetts. Wonsey spielt darauf die Harfe. Prince of the Night wurde von Adonis Rose komponiert. Blacker Black's Revenge stammt von Anthony Wonsey, weshalb das Klavier darin eine zentrale Rolle spielt. Die zwei Interludes sind von Swing und Funk geprägt. CD bestellen bei Amazon.com, Amazon.co.uk, Amazon.deDirectmedia Schweiz.
 

Nicholas Payton: Payton's Place. Verve, 1998. Mit seinem Quintett aufgenommen. Im Stück The Three Trumpeters spielt Payton zusammen mit den Trompetern  Roy Hargrove und Wynton Marsalis. Die Kompositionen von Wayne Shorter und anderen überzeugen stärker wie die Post-Bop-Nummern von Payton selbst. Doch sein Bemühen, in der Tradition und gleichzeitig auf eigenen Füssen zu stehen, ist begrüssenswert. Joshua Redman ist, neben Payton, Hargrove und Marsalis, ein weiterer "young lion", der auf der CD mitspielt. CD bestellen bei Amazon.com, Amazon.co.uk, Amazon.de, Amazon.fr, Directmedia Schweiz.
 

Nicholas Payton: Gumbo Nouveau. Verve, 1996. Dieses erste Album mit seinem Quintett enthält neu arrangierte traditionelle New Orleans Musik. Bestellen bei Amazon.com, Amazon.co.uk, Amazon.de, Amazon.fr, Directmedia Schweiz.
 

Hinzugefügt am 12.2.2002: Nicholas Payton: Dear Louis. Verve, 2001. Bestellen bei Amazon.de, Amazon.fr, Amazon.com, Amazon.co.uk, Directmedia Schweiz.
  

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