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Martha Argerich
Biographie, CDs und Konzertkritik

Artikel vom 21. Februar 2001

CDs von Martha Argerich bei Amazon.de - English article about Martha Argerich.
 
Biografie
 
Martha Argerich kam 1941 in Buenos Aires als Tochter einer Diplomatenfamilie auf die Welt. Mit 3 spielte sie zum ersten Mal auf dem Klavier. Zwei Jahre später begann sie bei Vicenzo Scaramuzza Klavierunterricht zu nehmen. Mit 8 gab sie in Buenos Aires ihr Konzertdebut mit Werken von Mozart, Beethoven und Bach. Sie trat in den Theatern Astral und Colón auf.
 
1955 zog ihre Familie nach Wien, um es ihrer Tochter zu erlauben, bei hervorragenden Musiklehrern Unterricht zu nehmen. Zu Martha Argerichs wichtigstem Mentor wurde Friedrich Gulda, weitere Lehrer waren Arturo Benedetti Michelangeli, Nikita Magaloff und Stefan Askenase.
 
1957 gewann die erst 16jährige Martha Argerich die Klavierwettbewerbe von Genf und Bolzano. Daraufhin begann für sie eine Zeit intensiver Konzerttätigkeit. Mit 21 litt sie an einer tiefen Depression, die zwei Jahre andauerte. Sie zog nach New York und "tat nichts". Doch 1965 machte sie mit einem Sieg am Chopin Wettbewerb in Warschau ihr triumphales Comeback; sie erhielt auch den Polnischen Radiopreis für ihre Präsentation der Walzer und Mazurkas von Chopin. Argerich selbst bezeichnet die Unterstützung von Stefan Askenase und seiner Frau als entscheidend bei der Überwindung ihrer Depression und der Rückkehr ins Musikleben.
 
Martha Argerich wurde durch ihre Interpretationen der virtuosen Klavierliteratur des 19. und 20. Jahrhunderts berühmt. Doch ihr Repertoire reicht von Bach bis Bartók. Zudem dürfte sie die wohl einzige Pianistin sein, die ihre Bedingungen auf dem Musikmarkt selbst festlegt und mit den Plattenfirmen ihrer Wahl nur aufnimmt, was ihr gefällt.
 
In den frühen 1980er Jahren orientierte sich Martha Argerich weg von der Konzert- und Klaviermusik und hin zur Kammermusik. Das erlaubt ihr, den Dialog zwischen Musikern besser zu pflegen. Sie tritt oft mit Nelson Freire, Stephen Bishop-Kovacevich, Gidon Kremer und Mischa Maisky auf.
 
Sie setzt sich auch aktiv für Nachwuchskünstler ein. So fand im September 1999 der erste Internationale Martha Argerich Klavierwettbewerb in Buenos Aires statt, mit ihr als Jury-Präsidentin. Im November 1999 wurde in Japan das Martha Argerich Musikfestival durchgeführt, mit Konzerten und Meisterklassen, die von Martha Argerich selbst sowie Mischa Maisky, Nelson Freire und andern bekannten Musikern gegeben wurden.
 
Martha Argerichs Temperament kommt nicht nur in ihrer Musik und auf der Bühne zur Geltung, sondern färbte auch auf ihr Privatleben ab. Sie war nur einmal verheiratet, von 1969 bis 1973 mit dem Dirigenten Charles Dutoit, mit dem sie weiterhin freundschaftlich verbunden ist. Sie hat jedoch drei Töchter - Lida, Annie und Stéphanie - von drei verschiedenen Männern. Martha Argerich lebt in Brüssel.
 
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Hier nur einige wenige Hinweise auf Aufnahmen mit Martha Argerich. Als Ausgangspunkt zur Auseinandersetzung mit der Künstlerin kann das im Alter von 19 Jahren aufgenommene Album mit Prokofievs Toccata und Liszts Sechster Ungarischer Rhapsodie dienen, das einst Horowitzs Neugier erregte. Ebenso ihre legendäre Aufnahme aus dem Jahr 1965, in dem sie den Chopin-Wettbewerb gewann, die jahrelang auf Grund eines Vertrages mit einer andern Plattenfirma nicht veröffentlicht werden konnte.
 
Zudem hat EMI im Jahr 2000 historische Liveaufnahmen aus dem Amsterdamer Concertgebouw aus den Jahren 1978, 1979 und 1992 herausgegeben. Die Mitschnitte bezeugen, dass die Pianistin eine musikalisch kompromisslose Frau war. Auf diesen CDs reicht ihr Repertoire von Bachs Partita Nr. 2 in C-Dur BWV 826 und Schumanns Fantasiestücke op. 12 mit ihrem weichen Spiel von Licht und Schatten bis zu Ravels schwarzer Romantik im Zyklus Gaspard de la nuit und Ginasteras Danzas argentinas op. 2. Martha Argerichs vulkanisches Temperament und ihr intuitives Spiel kommen hier voll zur Geltung. Diese (rechts zu findenden) CDs sollten sie nicht verpassen.
 
Bei Teldec ist Argerichs Aufnahme von Schumanns Klavierkonzert in A-Moll op. 54 erhältlich, das 1994 erschien. Die CD enthält das Stück, das die Pianistin bei ihrem Zürcher Konzert vom 26. Januar 2001 spielte (siehe die Konzertkritik unten). Das Album wurde mit dem Chamber Orchestra of Europe unter der Leitung von Nicolaus Harnoncourt aufgenommen, die auf einem höheren Niveau spielten als Jörg Faerber mit dem
Württembergischen Kammerorchester Heilbronn in der Tonhalle. Argerichs Klavierspiel ist auf der Platte weniger improvisiert und vom Moment inspiriert als am Zürcher Konzert. Trotzdem klingt sie leidenschaftlich.
 
Bei Deutsche Grammophon sind u.a. Argerichs Einspielungen von Werken Beethovens unter der Leitung von Giuseppe Sinopoli, Stravinskys Les Noces mit  Leonard Bernstein sowie Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 mit Claudia Abbado und den Berliner Philharmonikern, das 1997 mit dem CD Compact Award ausgezeichnet wurde, erhältlich. Argerichs Aufnahmen von Prokofieffs Sonaten Nr. 1 & 2 und den Melodien op. 35b zusammen mit Gidon Kremer erhielten den Tokyo Record Academy Award 1992, den Diapson d'Or 1992 und den Edison Award 1993. Beethovens Violinsonaten, von Argerich ebenfalls mit Kremer aufgenommen, wurden 1985 mit dem Record Academy Award prämiert.


 
Konzert in der Tonhalle Zürich

 
Am 26. Januar 2001 spielten das Württembergisches Kammerorchester Heilbronn unter der Leitung von Jörg Faerber und Martha Argerich am Klavier in der Tonhalle Zürich die Ouvertüre aus Mozarts Don Giovanni KV 527, Schuberts Symphonie Nr. 3 F-Dur D 200 und Schumanns Klavierkonzert a-Moll op. 54.
 
Der erste Teil des Konzerts fand ohne die Pianistin statt. Das vor rund 40 Jahren gegründete Württembergische Kammerorchester Heilbronn hat bis heute über 500 Kompositionen eingespielt, u.a. Schostakowitschs Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester und Haydns Klavierkonzert in D-Dur, zusammen mit Martha Argerich aufgenommen (DGG).
 
Der Dirigent Jörg Faerber wurde in Stuttgart geboren, wo er an der Staatlichen Hochschule für Musik studierte. Nach acht Jahren als Kapellmeister am Theater gründete er das Württembergische Kammerorchester Heilbronn, das seither national wie international bekannt geworden ist.
 
Die 1787 komponierte Ouvertüre von Mozarts Don Giovanni KV 527 sowie Schuberts 1815 komponierte Symphonie Nr. 3 in F-Dur D 200 wurden solide, allerdings eine Spur zu bieder vorgetragen. Schuberts Presto vivace bildete wohl den besten Moment vor der Pause. Wie dem auch sei, dem Publikum gefiel es.
 
Natürlich wartete jedermann gespannt auf den Auftritt von Martha Argerich. Robert Schumanns Konzert für Klavier und Orchester in A-Moll op. 54, 1841 und 1845 komponiert, wurde in seiner frühen Fassung 1841 am Leipziger Gewandhaus von Clara Schumann unter der Leitung von Mendelssohn uraufgeführt. Der Herausgeber der Partitur verlangte von Schumann jedoch eine traditionelle Konzertform in drei Sätzen. Erst als Robert 1845 die gewünschten Veränderungen vorgenommen und das Intermezzo und Finale hinzugefügt hatte, wurde das Konzert für Klavier und Orchester ein Publikumserfolg.
 
Martha Argerichs instinktives Spiel kam im zentralen Thema mit seiner lyrisch-expressiven Natur, die dem Temperament der in Argentinien geborenen Pianistin entgegenkommt, voll zur Geltung.
 
Obwohl Argerich ihre rebellische Seite zu zügeln versuchte, hatten Jörg Faerber und das Württembergische Kammerorchester Heilbronn oft ihre liebe Mühe, dem lebhaften und inspirierten Spiel der Pianistin zu folgen. Manche mögen sich daran erinnern, dass z.B. auch ein Charles Dutoit seine Probleme damit hatte, Argerich zu folgen - kontrollieren kann man sie ohnehin nicht.
 
Im Allegro affettuoso betonte die Pianistin meisterhaft die dramatischen Momente. Die Farbenpracht ging Seite an Seite mit Momenten des lyrischen Romantizismus. Im Intermezzo war das Orchester ausserstande, die Musik mit der selben delikaten Subtilität von Argerich wiederzugeben. Doch hin und wieder erwuchs gerade aus diesem Kontrast heraus Fruchtbares im Duett zwischen Orchester und Klavier.
 
Argerichs Spiel schien wie immer spontan, die Musik floss natürlich aus ihr heraus und schien aus einer bestimmten Stimmung für einen bestimmten Moment zu entstehen. Im finalen Allegro vivace strahlte Argerichs Virtuosität, ohne je zum Selbstzweck zu verkommen.
 
Die Pianistin belohnte das enthusiastische Publikum mit drei Zugaben, die in ihrer Substanz einen zusätzlichen Programmteil bildeten. Sie begann mit einer von Domenico Scarlattis Sonaten, spielte danach ein zurückhaltend-lyrisches Stück von Chopin und offerierte dem Publikum zum Schluss eine virtuose, extrovertierte und wohl weitgehend improvisierte Komposition von Bach, die sie in einem rasenden Tempo herunterspielte. Martha Argerich bleibt ein Wunder, das den Zuhörer, der nicht auf eine bestimmte Interpretation fixiert ist, immer wieder erneut positiv zu überraschen vermag. Sie spielt nicht einfach Musik, sie ist Musik.
 
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Martha Argerich 1965. Copyright: EMI Classics.


Martha Argerich. Copyright: DGG.
 








Hinzugefügt am 8.10.2004: Martha Argerich, Claudio Abbado, Mahler Chamber Orchestra: Beethoven Klavierkonzerte 2&3. DG, Oktober 2004. CD bestellen bei Amazon.de.
 

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Martha Argerich zusammen mit dem Niederländischen Kammerorchester: Live from the Concertgebouw 1978 & 1992. EMI, 2000. Mozart: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 25 C-dur KV 503; Beethoven: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 C-dur op 15. Bestellen bei:
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Martha Argerich, Collins, Freire, etc. Live recording. EMI. Bestellen bei:
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Martha Argerich, Alexandre Ravinovitch: Mozart Klavierkonzerte Nrn. 10, 19, 20. 1999, Teldec. Bestellen bei:
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Martha Argerich, Nikolaus Harnoncourt, Chamber Orchestra of Europe: Robert Schumann: Klavierkonzert in A-Moll op. 54 (also Concerto in D minor with Gidon Kremer). 1994, Teldec. Bestellen bei:
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Martha Argerich, Mischa Maisky, Orpheus Chamber Orchestra: Robert Schumann: Cellokonzert, Fantasiestücke, Fünf Stücke im Volkston, etc. Deutsche Grammophon, 2000. Bestellen bei:
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Martha Argerich; Dirigenten Riccardo Chailly und Kiril Kondrashin; Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Rachmaninow Klavierkonzert 3, Tschaikowsky Klavierkonzet 1. Philips, 1995. Bestellen bei:
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Martha Argerich, Gidon Kremer: Prokofiev Violinsonaten 1 & 2, Melodien op. 35a. Deutsche Grammophon. Bestellen bei:
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