Yves Tanguy
1900-1955
und der Surrealismus. Biografie, Biographie, Katalog und Ausstellung
in der
Staatsgalerie Stuttgart bis 29. April 2001. Katalog, Hatje Cantz,
2000, 251 S. Bestellen bei Amazon.de.
Die Ausstellung wird in leicht modifizierter Form vom
31. Mai bis 16. September 2001 in der Menil Collection
in Houston, Texas, zu sehen sein.
Artikel vom 27. Februar
2001
Yves Tanguy (1900-1955) gehört zu den Stiefkindern des Surrealismus, dem
letztmals 1982 in Baden-Baden eine Retrospektive gewidmet war, obwohl er zum
inneren Kreis der Surrealisten gehörte. Die Ausstellung in der Staatsgalerie
Stuttgart widmet sich mit ihren rund 80 Gemälden und 35 Arbeiten auf Papier
vor allem der surrealistischen Landschaft. Alle Schaffensphasen des Künstlers
sind vertreten, beginnend mit dem Frühwerk der Jahre 1926/27 bis zum in den
USA entstandenen Spätwerk, das in seiner amerikanischen Wahlheimat in
Connecticut entstand.
Erstmals werden in Europa Bilder aus
amerikanischen Musseen wie Bernsteinblick, Die Schnelligkeit der
Schlafprozesse und Die Windrose gezeigt. Erstmals seit der New
Yorker Retrospektive in Tanguys Todesjahr 1955 sind seine beiden letzten
Hauptwerke, Imaginäre Zahlen aus dem Madrider Museo Thyssen-Bornemisza
und Vervielfältigung der Bögen aus dem New Yorker Museum of Modern
Art wieder vereint.
Die Stuttgarter Staatsgalerie zeigt neben
Werken von Yves Tanguy auch exemplarisch solche seiner surrealistischen
Mitstreiter de Chirico, Dalí, Ernst, Klee, Masson, Matta, Miró, Paalen,
Oelze und Kay Sage. Die surrealistische Gemeinschaftsarbeit Cadavres exquis
rundet die Ausstellung ab.
Die Staatsgalerie Stuttgart selbst ist im
Besitz von einer von Tanguys Metaphysischen Kompositionen von 1935
sowie, seit letztem Jahr, von Die Hand in den Wolken von 1927.
Der 1900 in Paris als Sohn eines im
Marineministerium arbeitenden ehemaligen Kapitäns geborene Tanguy war ein
anarchischer und gleichzeitig schweigsamer Mensch. Er fasste angeblich nach
dem Besuch einer de Chirico-Ausstellung in der Galerie Paul Guillaume spontan
den Entschluss, Maler zu werden, wobei nach neueren Erkenntnisse diese
Begegnung auf das Jahr 1922 datiert wird. 1923/24 begann Tanguy zu zeichnen
und aquarellieren, wobei er damals vom Dadaismus beeinflusst und noch weit von
der Pittura metafisica entfernt war.
1924 verfasste André Breton das Manifest der Surrealisten. Der Autodidakt Tanguy begann erst ein Jahr später mit der
Malerei als Beruf und nahm am Salon de l'Araignée mit drei Zeichnungen teil,
nachdem Florent Fels, der die Zeitschrift L'Art vivant herausgab, auf
ihn aufmerksam geworden war. In den frühen Werken Tanguys sind
Expressionismus, Kubismus und neue Sachlichkeit als Einflüsse zu spüren.
Noch 1925 wandte er sich dem Surrealismus zu. In den Bildern der 1920er Jahre
deutete Tanguy neue Möglichkeiten an, die sich dem Surrealismus, ja der
Malerei allgemein boten. Er pflegte neben dem Kontakt zu Breton auch den zu
Aragaon, Masson, Magritte, Dalí und Max Ernst, in deren Schatten er jedoch
blieb.
Die Bildsprache, die Tanguy Mitte der 1920er
Jahre entwickelte, sollte er weitgehend beibehalten, wobei Karin von Maur in
ihrem Katalogbeitrag herausarbeitet, dass sein Werk eine grössere
Mannigfaltigkeit aufweist, als bisher angenommen wurde.
Das "Prinzip des
gelenkten Zufalls" der Surrealisten verband Tanguy mit der altmeisterlichen
Technik der Lasurmalerei. Er blieb André Breton und dessen
orthodoxem Surrealismus verhaftet, unbeeinflusst von den vielen Mitstreitern,
die sich von Breton abwandten. Gegen Ende seines Lebens war das Verhältnis zu
seinem Mentor allerdings nicht mehr gut, da sich Breton mit seiner zweiten
Frau Kay Sage nicht verstand.
Die erste Einzelausstellung seiner Werke in der
Galerie Surréaliste in Paris im Jahr 1927 zeigte den Autodidakten Tanguy am Anfang
seiner Entwicklung. Die Titel seiner Bilder erfand er zusammen mit seinem
Mentor, André Breton. Sie stammten aus Charles Richets Traité de
métapsychique, der von parapsychologischen Phänomen handelte, und
dienten nicht zuletzt der Provokation und Verwirrung des Betrachters. Seine Suche galt der
"Wirklichkeit im Unbewussten" und den Träumen.
Der Katalog geht nicht nur in den Essays,
sondern auch in einer von Andreas Schalhorn verfassten Chronologie detailliert
auf Leben und Werk von Tanguy ein. Der Maler emigrierte im November 1939, nach
dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, in die USA.
Dort liess er sich 1940 von seiner Frau Jeannette Ducrocq, die er 1925
geheiratet hatte, scheiden. Kurz darauf heiratete er die amerikanische Künstlerin
Kay Sage, die er 1938 in Paris kennengelernt hatte, als seine Ehe mit seiner
alkoholabhängigen Frau bereits zerrüttet war. Tanguys Bilder
waren z.T. Kommentare zu Aufrüstung und Krieg. 1948 nahm er die Staatsbürgerschaft
seiner Wahlheimat an. Zuletzt beschäftigte er sich
mit Wüstenlandschaften. Er starb 1955 in Woodbury, Connecticut, an einem
Hirnschlag, den er infolge eines Sturzes erlitten hatte, nachdem sich sein
Gesundheitszustand bereits in den Jahren zuvor verschlechtert hatte. Seine
Frau Kay Sage beginn 1963 Selbstmord. Beide Ehen Tanguys waren kinderlos
geblieben.
Yves Tanguy und der Surrealismus.
Katalog, Hatje Cantz, 2000, 251 S. Bestellen bei Amazon.de
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Yves Tanguy und der Surrealismus. Hatje Cantz,
2000, 251 S.
Katalog bestellen bei Amazon.de.
Die Ausstellung wird in leicht
modifizierter Form vom
31. Mai bis 16. September 2001 in der
Menil Collection
in Houston, Texas, zu sehen sein.
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