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Konzentrationslager
Mémoire des Camps 1933-1999. Ausstellung, Katalog, Fotos.
Artikel vom 3. Juni 2001

 

Eric Schwab: Ein an Ruhr erkrankter achtzehnjähriger Russe. Dachau, Ende April/Anfang Mai 1945. Copyright Sammlung AFP.
 

Germaine Kanova (SCA): Ein Sterbender. Vaihingen, 13. April 1945. Copyright Sammlung E.C.P.A.
 

Eric Schwab: Ein Zivilist bricht erschüttert vor dem verbrannten Leichnam eines Häftlings zusammen. Thekla, zwischen 18. und 24. April 1945. Copyright Sammlung AFP.




Von Clément Chéroux. Editions Marval, 2001, 246 S. Buch bestellen bei Amazon.fr. Die Ausstellung ist an folgenden Orten zu sehen: Im Fotomuseum Winterthur bis am 3. Juni 2001. Im Palazzo Magnani in Reggio Emilia im Herbst 2001. Im Museu Nacional d'Art de Catalunya in Barcelona im Frühling 2002.
 
Die Lager - Bildgedächtnis der Nazi-Konzentrations- und Vernichtungslager (1933-1999) nennt sich eine Ausstellung, die vom Pariser Patrimoine photographique zusammengestellt wurde und noch bis heute, dem 3. Juni, im Fotomuseum Winterthur zu sehen ist. Die Ausstellung wandert im Herbst 2001 in den Palazzo Magnani nach Reggio Emilia und im Frühling 2002 ins Museu Nacional d'Art de Catalunya nach Barcelona.
 
Die dreiteilige Ausstellung gliedert sich in Fotos der Lager von 1933-45, in Fotos der Stunde der Befreiung von Ende 1944 bis Sommer 1945 sowie in Fotos, die vom Kriegsende bis heute entstanden sind und der Erinnerung an die Vernichtung dienen.
 
Im Zusammenhang um die "Aufarbeitung" der Vergangenheit ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass die KZs, die heute als Synonym für die Quasi-Vernichtung des europäischen Judentums gelten, bis 1938 nur wenige Juden unter ihren Häftlingen, Gefolterten und Ermordeten zählten. Erst mit der "Reichskristallnacht" - ein schrecklicher Euphemismus, der sich in den Sprachgebrauch eingebürgert hat - begann der massive Abtransport von Juden, die bis dahin allerdings bereits weitgehend entrechtet worden waren.
 
Die Wahrnehmung der Juden als Hauptopfer der KZs begann allerdings noch nicht einmal mit der Befreiung der Lager durch die Alliierten. In den von den Amerikanern befreiten deutschen KZs machten Juden nur rund einen Fünftel der Befreiten aus. Die Vernichtungslager in Osteuropa, die fast ausschliesslich der Ermordung der Juden dienten, wurden entweder von den Sowjettruppen befreit oder die Deutschen hatten die Schliessung der Lager vor der Ankunft der Alliierten vollzogen, weshalb keine Bilder von Ermordeten Juden in den Westen drangen.
 
Die Fotos von Ausgemergelten KZ-Insassen von Fotografen wie Margaret Bourke-White (bei Amazon.de) oder Eric Schwab, die für uns heute den Holocaust symbolisieren, wurden deshalb 1945 nicht als Bilder der Judenvernichtung aufgefasst, sondern "nur" der Nazi-Barbarei an und für sich. Die Juden bildeten damals in den Augen der westlichen Weltpresse und ihrer Leser lediglich eine von vielen Gruppen von Opfern (siehe zur Rezeption des Holocausts Peter Novick: Nach dem Holocaust, dem diese Bemerkungen entlehnt sind, die allerdings nicht neu sind).
 
Die rund 400 Fotos der Ausstellung und der dazugehörige Katalog erzählen die Geschichte der KZs nicht nur in eindringlichen Bildern, sondern gehen auch auf die unterschiedlichen Bedingungen der Entstehung der verschiedenen Fotos ein. Die meisten Bilder wurden von den Nazis selbst gemacht, zwecks Erfassung der Lagerinsassen oder zu Propagandazwecken. Sie beschreiben die verschiedenen Arten von Lagern und die unterschiedlichen Kategorien ihrer Insassen. Daneben gibt es die Fotos, die von Opfern unter Lebensgefahr geschossen wurden sowie die Bilder der Befreier. Zum Schluss folgen Arbeiten, die im Zusammenhang mit der "Aufarbeitung" der Zeit des Nationalsozialismus in den letzten Jahren entstanden sind. Darunter sind verschwommene Bilder, welche die "Unfassbarkeit" des Schrecklichen dokumentieren sollen sowie Fotos von Gegenständen wie Brillen und Zahnprothesen, die den Lagerinsassen abgenommen wurden und indirekt den Wahnsinn und Horror beschreiben.