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Wenn die Gondeln Trauer
Tragen
Don't Look Now
(1973)
Der Kult-Psychothriller von Regisseur Nicolas Roeg
John Baxter: Donald Sutherland
Laura Baxter: Julie Christie
Heather (blinde Frau): Hilary Mason
Wendy: Clelia Matania
Bischof Serato: Massimo Serato
Artikel vom 15. Juli 2001
Der Kult-Psychothriller Don't Look Now bzw.
Wenn die Gondeln Trauer tragen - für einmal ist der deutsche Titel besser
als der englische - erhielt 1974 zurecht den British Academy Award. Der Film
beruht auf einer Geschichte von Daphne Du Maurier, deren Bücher ja auch die
Vorlage für Alfred Hitchcocks Streifen Rebecca, Die Vögel
sowie Jamaica Inn lieferten.
Der Regisseur Nicolas Roeg arbeitete in den 1960er Jahren
zuerst als
Kameramann für François Truffaut in Fahrenheit 451, für John
Schlesinger in Far From The Madding Crowd sowie für Richard Lester in Petulia.
Sein Regiedebüt gab Roeg 1968 bei Performance mit Mick Jagger. Danach
inszenierte er Walkabout. Zu seinen bekanntesten Filmen gehören Der
Mann, der vom Himmel Film (1976) mit David Bowie sowie Hexen hexen
(1990) mit Anjelica Huston.
Wenn die Gondeln Trauer tragen
setzt im Gegensatz zu William Friedkins aus dem gleichen Jahr stammenden Der
Exorcist nicht auf krude Schockeffekte, sondern auf eine
psychologisch-subtile Erzählung mit Alltäglichkeiten und raffinierten
Andeutungen, die einen mindest ebenso grossen Horror auslösen und von Beginn an
für Spannung sorgen.
Das
britische Ehepaar John (Donald Sutherland) und Laura Baxter (Julie Christie) ist
zuhause in ein belangloses Gespräch vertieft. Gleichzeitig liegt etwas
Ungewöhnliches und Bedrohliches in der Luft. Schnitt: Zwei Kinder spielen.
Schnitt: Vater John sieht auf einem seiner Dias von einer Kirche Blut fliessen.
Er rennt nach draussen zum Teich, springt hinein, um seine Tochter, die einen
roten Regenmantel trägt, zu retten. Doch das Mädchen ist bereits ertrunken.
Schnitt: Seine Frau beobachtet die Szene vom Fenster aus. In ihren Schrei hinein
fällst das Geräusch eines Bohrers. Schnitt: Wir sind bei
Restaurierungsarbeiten in Venedig. Das ist der Beginn des Kultfilms Wenn
die Gondeln Trauer tragen, der nicht zuletzt durch atemberaubende Schnitte
beeindruckt.
In der für damalige wie heutige
Verhältnisse ungewöhnlich offenherzigen Liebesszene zwischen Donald Sutherland
und Julie Christie wurden Vorspiel, Liebesakt und anschliessendes Ankleiden so
ineinander montiert, dass der Voyeurismus der Zuschauer unterlaufen wird.
Gleichzeitig wurde Sex als natürlicher Teil der Ehe im Film etabliert.
Zurück zur Geschichte: Die
zweite Szene. Es ist Winter in Venedig. Das noch immer unter Schock stehende
Ehepaar trifft beim Mittagessen auf zwei ältere Schwestern aus Schottland. Die
eine, Heather (Hilary Mason), hat etwas in ihrem Auge. Laura geht mit ihr auf
die Toilette, um ihr zu helfen. Dort sagt ihr die blinde Frau: I've seen your
little girl, and she was laughing. Zurück am Tisch fällt Laura in
Ohnmacht. Als sie danach in einem Kinderspital aufwacht und ihrem Mann von den
hellseherischen Fähigkeiten der Blinden berichtet, die behauptet, mit ihrer
verstorbenen Tochter Kontakt zu haben, tut John dies als Unsinn ab. Doch Laura
ist fasziniert.
Bald kommt auch John
ins Grübeln. Mysteriöse Ereignisse reihen sich in einer unheilvollen Stimmung
in der Traumkulisse von Venedig aneinander. Die beiden alten Frauen scheinen
Laura vor einer kommenden Gefahr zu warnen. Ein Psychothriller der Extraklasse.
Nicolas Roegs bester Film.
Nicolas Rueg: Wenn die Gondeln Trauer tragen/Don't Look Now, 1973.
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Der 1934 in Kanada geborene
Donald Sutherland war Theaterschauspieler in London ehe er 1964 seinen ersten
Film drehte, den italienischen Horrorstreifen Das düstere Haus. 1967
spielte er in The Dirty Dozen. Einem grösseren Publikum bekannt wurde
Sutherland 1969 in Robert Altmans M.A.S.H. Zu seinen weiteren Filmen
gehören Fellini's Casanova (1976), Bernardo Bertoluccis 1900 (1976),
Outbreak (1995) oder Space Cowboys (2000).
Julie Christie wurde in Indien geboren und wuchs in England und Frankreich
auf. In London besuchte sie eine Schauspielschule. 1957 debütierte sie am
Theater. 1962 erhielt sie ihre erste Filmrolle. Bereits mit 24 Jahren erhielt
sie 1965 einen Oscar als Beste Darstellerin in Darling. Ebenfalls sehr
bekannt ist ihre Rolle der Lara an der Seite von Omar Sharif in Doktor
Schiwago. Julie Christie war auch in Fahrenheit 451 von François
Truffaut sowie in Petulia von Richard Lester zu sehen; bei beiden
Filmen führte Nicolas Roeg die Kamera. Weitere Filme mit Julie Christie sind
Robert Altmans McCabe und Mrs. Miller, Joseph Loseys Der Mittler,
Hal Ashbys Shampoo, James Ivorys Heat and Dust, Sally Potters Gold
Diggers aus dem Jahr 1983, mit einem nur aus Frauen bestehenden Team
gedreht. Ihre erste Klassiker-Rolle kam 1996 in Kenneth Branaghs Hamlet.