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Verbier Festival & Academy 2001
Musikwerkstatt im Bergdorf. Ein Bericht von Daniel Andres
Artikel vom 6. August 2001
 
Das Musikfestival von Verbier ist am Sonntag mit einem Sinfoniekonzert des „UBS Verbier Festival Youth Orchestra“ unter der Leitung von James Levine zu Ende gegangen. Damit verabschiedete sich das über hundertköpfige Jugendorchester mit jungen Berufsmusikern aus 31 Nationen von einem wiederum begeisterten Publikum. Wiederum war es der unbedingte Einsatz des Orchesters, welche das ausverkaufte Zelt zu Ovationen hinriss. Doch jugendlicher Elan würde nicht genügen: es ist auch die hohe Professionalität der Spieler zwischen 16 und 27 Jahren, die immer wieder überzeugt hat. Die Sechste von Tschaikowsky hatte in den ersten Sätzen viel Power und Präzision, schloss aber mit einem durch und durch empfundenen Adagio, einem Abgesang ans Leben. Die Erste von Brahms war im ersten Satz etwas überhastet und in den Registern nicht ganz ausgewogen, Levine und das Orchester fanden aber ab dem zweiten Satz bis zum vorbildlich aufgebauten Finale zu einem typisch brahmsischen Streicherklang mit würdigen Einsätzen von Oboe, Solovioline und Horn sowie hervorragenden Interventionen des Blechs.
 
Das „UBS Verbier Festival Youth Orchestra“ hat fürs Erste eine gesicherte Zukunft. Die UBS hat sich für die Finanzierung in den  nächsten vier Jahren verpflichtet und James Levine wurde für die gleiche Dauer als künstlerischer Leiter vertraglich gebunden. Im kommenden Herbst wird es mit den Dirigenten Pavo Jäärvi und James Levine in sieben Städten Nord- und Südamerikas gastieren. Und nächstes Jahr wiederum die Sinfoniekonzerte in Verbier bestreiten, wofür die Dirigenten Kurt Masur, Zubin Mehta und Michael Tilson-Thomas neben Levine bereits zugesagt haben.
 
Einer der Festival-Höhepunkte dürfte das Konzert unter Wolfgang Sawallisch gewesen sein. Der achtzigjährige Altmeister verstand es an den Proben die jungen Spieler und auch die jungen Solisten in Beethovens Tripelkonzert (Lang Lang, Klavier,  Sayaka Shoji, Violine, Jian Wang, Violoncello) mit knappen, aber goldrichtigen Anweisungen innert kürzester Zeit zu profilierten Interpretationen der Werke von Brahms, Beethoven und Schumann führte. Es ist selten, dass man das Tripelkonzert so musikalisch aus einem Guss hört.
 
Aber auch die dritte Sinfonie von Gustav Mahler mit der Altistin Birgitta Svenden war eine Herausforderung für das hervorragend besetzte Jugendorchester, die dieses unter James Levine spannend im ersten Satz, gelöst in den mittleren Teilen und voller Ruhe im abschliessenden sechsten Satz meisterte.
 
Kent Nagano und Mikhail Pletnev hatten Mühe, sich im Klavierkonzert b-moll von Tschaikowsky auf eine musikalische Linie zu einigen. Dagegen führte Nagano das Jugendorchester erfolg- und farbenreich durch die vollständige Ballettmusik von Strawinskis „Feuervogel“. Am Pult des Orchester stand ganz zu Beginn schliesllich auch Yuri Temirkanov, der einen lärmigen Chatchaturian (Gayaneh), mit Martha Argerich ein knisterndes 3. Klavierkonzert von Prokofiev und eine zügige und dramatische Fünfte von Tschaikowsky bot.
 
Der Reiz von Verbier sind nicht bloss die zahlreichen zum Anfassen nahen Weltstars. Das Ziel von Festivaldirektor Martin Engström, aus Verbier im Sommer während gut zwei Wochen eine einzige grosse Musikwerkstatt zu machen, wurde dieses Jahr wie selten zuvor erreicht. Dazu tragen die öffentlichen Proben von Orchester und Kammermusikgruppen bei, die Möglichkeit fürs Publikum, dieses Jahr in Ausschnitten aus dem „Messias“ von Händel mitzusingen, die späten allabendlichen Konzerte der Orchestermitglieder in der reformierten Kapelle und vor allem auch die „Academy“ mit hervorragenden Musikpädagogen, an denen auch dieses Jahr je acht ausgewählte Teilnehmerinnen aus aller Welt teilnahmen.
 
Vor allem der Kurs der über achtzigjährigen Ida Haendel weckte grosse Zustimmung. Und neben den grossen Namen treten am Festival auch zum Teil sehr junge Talente auf, von denen einige auf den ersten Sprossen einer viel versprechenden Karriereleiter stehen. Der 19-jährige Ilya Gringolts hat sich bereits bestätigt und kriegte neu einen Plattenvertrag mit der „Deutschen Grammophon“, die junge Cellistin Han-Na Chang hat das Publikum in einem Rezital sehr überzeugt und die erst 16-jährige japanische Geigerin Sayaka Shoji dürfte wie die gleichaltrige Koreanerin Yura Lee und der 19-jährige Pianist Lang Lang vor einer aussichtsreichen Laufbahn stehen.
 
Gidon Kremer konnte in der Kammermusik mit Yuri Bashmet, Mischa Maisky und Martha Argerich überzeugen, nicht aber in seinem Auftritt mit der Kremerata Baltica, wobei es am Programm lag. Bearbeitungen von Tschaikowskys „Jahreszeiten“, der Dante-Sonate von Liszt und von Tangos von Piazzolla und eine weitere Jahreszeiten-Komposition des Russen Leonod Arkad’yerich Desyatnikov waren wenig originell und ziemlich überflüssig und riefen eher Höflichkeitsapplaus denn Begeisterung hervor.  Dafür zeigte sich der Pianist Emanuel Ax als meisterlicher Gestalter und vor allem auch als einfühlsamer Kammermusiker, der Impulse gab, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
 
Eher enttäuschend wiederum die tschechische Mezzosopranistin Magdalena Kozena. Sie hat einfach nicht die Stimme, als dass man begreifen könnte, warum sie derzeit so gepusht wird. Mehrere Leute, die in Verbier erstmals auftraten, konnten dagegen voll überzeugen, so der Pianist Leif Ove Andsnes oder der Geiger Laurent Korcia, welcher mit den sechs Sonaten für Violine-Solo von Eugène Ysaïe eine stark applaudierte und äusserst überzeugende Parforce-Leistung bot.






Das UBS Verbier Festival Youth Orchestra probt. Foto: Robert Hofer, Sion.

Catherine Plattner - ein Portrait
Zusammengestellt von Daniel Andres
 
Catherine Plattner, Stimmführerin der 2. Violinen, stammt aus Genf und ist im zweiten Jahr Mitglied des „UBS Verbier Festival Youth Orchestra“. Sie ist eine von drei Schweizern im Orchester, das Menschen aus 31 Nationen vereint.
 
„Ich habe mein Diplom in Genf beim SMPV (Schweizerischer Musikpädagogischer Verband) gemacht und keine Konzertausbildung absolviert. 1998 habe ich die Academy in Verbier besucht und mich dann für das Youth Orchestra beworben. Ich habe sonst nie Meisterkurse besucht. Umso überraschter war ich, als ich dieses Jahr als Stimmführerin der 2. Violinen gewählt wurde.“
 
„Letztes Jahr gab es noch mehr Rotation unter den Streichern, doch in diesem Jahr sind die Positionen an den Pulten ziemlich fest. Wir alternieren noch als Stimmführer am ersten Pult. Aber als ich letztes Jahr an den hinteren Pulten sass, habe ich gemerkt, dass man auch da vollen Einsatz geben muss. Jedenfalls habe ich grossen Respekt vor allen Mitspielern.“
 
„Das Orchester wird immer besser. Das merken auch die Dirigenten und fordern entsprechend immer mehr. Das spornt uns wiederum an und so steigt die Qualität dauernd an.“
 
„Ich profitiere enorm von den Erfahrungen mit den verschiedenen Dirigenten. Normalerweise habe ich eine Stelle im „Orchestre de chambre de Genève“, aber im Sommer und für die Tourneen möchte ich so lange wie möglich in diesem Orchester spielen, weil ich viel lerne und weil es unglaublich Freude macht.“

 

Catherine Plattner. Foto: Robert Hofer, Sion.
 

Martha Argerich, Mischa Maisky: Live in Japan. DG/Universal, 2001. Bestellen bei Amazon.de.
 

Leif Ove Andsnes: Liszt - Piano Rezital. EMI, 2001. Bestellen bei Amazon.de, Amazon.fr, Amazon.co.uk oder Amazon.com.
 

Das UBS Verbier Festival Youth Orchestra probt. Foto: Robert Hofer, Sion.
 
Siehe auch den Artikel aus dem letzten Jahr: Verbier Festival & Academy 2000.
 

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