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Nr. 29, September 2001
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Jim Black
Biographie und Debutalbum als Leader AlasNoAxis
Konzert am Jazz Festival Willisau 2001


Jim Black.
 

Biographie von Jim Black und seinem Quartett
 
Der 34jährige Jim Black wurde 1967 geboren und wuchs in Seattle, WA, auf. Als Teenager spielte er Musik von Garage Rock bis zum Big Band Swing. 1985 wurde er ans prestigereiche Berklee College of Music in Boston, MA, aufgenommen. Bereits als Student spielte er auf Platten mit, trat in Europa auf und lehrte in den Sommerklassen in Berklee.
 
1991 zog Jim Black nach New York, wo er vor allem Dank seinem Mitwirken in der Gruppe des Saxophonisten Time Berne, Bloodcount, bekannt wurde, die traditionellen Jazz mit Freejazz verband. Dort spielte Black mit Chris Speed zusammen.
 
Chris Speed wurde 1967 in Seattle geboren. Mit fünf Jahren begann er Piano zu spielen. Mit elf Lenzen wechselte er zur Klarinette. Während seines Studiums am New England Conservatory in Boston entdeckte er den Jazz und das Tenorsaxophon. Mit Black zusammen gründete Speed die Band Human Feel, mit der er vier CDs einspielte.
 
1992 gründeten Speed und Black die Band Pachora, die den Jazz mit der Musik des Balkans und des Orients verschmilzt. Mit Pachora nahmen sie drei CDs für Knitting Factory auf.
 
1999 zog Jim Black nach Brooklyn, NYC, wo er bald darauf ein Mitglied des
subtilen, schlichtweg sensationellen Tiny Bell Trios von Dave Douglas wurde, in dem Brad Shepik als dritter Mann mitspielt (siehe unsere Artikel zum Tiny Bell Trio: deutsch oder english).
 
Daneben spielte und/oder tourte Chris Speed mit Myra Melford, Dave Douglas, John Zorn sowie im Trio Iffy mit Jamie Saft und Ben Perowsky.
 
Jim Black seinerseits spielte/tourte und/oder nahm auf mit dem Ellery Eskelin Trio, Uri Caines Mahler Project und seinem eigenen Quartett, Beat Table, zu dem Skuli Sverrisson, DJ Olive und Ted Reichmann gehören.

Chris Speed hat noch eine weitere Band, yeah No. Darin spielt er mit Jim Black, dem vietnamesischen Trompeter Cuong Vu sowie dem Bassisten Skuli Sverrison, der wie Speed und Black Teil von AlasNoAxis ist. 
 
Der isländische Bassist Skuli Sverisson studierte am Berklee College of Music und wirkte bisher auf über 30 Platten mit isländischen Musikern mit. Daneben hat er mit Anthony Burr, Peter Scherer und Laurie Anderson gearbeitet und ein Soloalbum für Extreme eingespielt: Seremonie. Die CD für Solobass besteht aus Tape-Kompositionen und elektronischen Zutaten. 
 
Im Jahr 2000 erschien bei Winter & Winter Jim Blacks Debutalbum als Leader: AlasNoAxis. Das Quartett bestehend aus Black am Schlagzeug, Hilmar Jensson an der e-Gitarre, Chris Speed an Tenorsaxophon und Klarinette sowie Skuli Sverisson am e-Bass verbindet vor allem progressiven Jazz mit Rock und Ambient und baut weitgehend auf Jim Blacks musikalischen Erfahrungen der 1990er Jahre auf (siehe die Kritik rechts).
 
Der Gitarrist Hilmar Jensson ist ebenfalls Isländer. Für das New Music/Electronic Ambient Label Bad Taste hat er mehrere Alben eingespielt. Er tourt mit Musikern wie Rafael Toral und Arve Henriksen.

Artikel vom 23. September 2001
 
 


AlasNoAxis
- Jim Blacks Debutalbum als Leader

  
Jim Black: AlasNoAxis. Winter & Winter, 2000. CD bestellen bei Amazon.de, Amazon.com, Amazon.fr oder Amazon.co.uk. Jim Black am Schlagzeug, Hilmar Jensson an der e-Gitarre, Chris Speed an Tenorsaxophon und Klarinette sowie Skuli Sverisson am e-Bass bieten auf AlasNoAxis rund 72 Minuten an kreativer Musik. Die 15 Kompositionen stammen alle aus der Feder von Jim Black, der sich auf diesem Album erstmals als Leader versucht. Die Besetzung ist zu drei Vierteln mit der Ethnojazzband Pachora identisch, bei der Brad Shepik anstelle von Jensson die Gitarre spielt. Musikalisch allerdings könnten die zwei Gruppen unterschiedlicher nicht sein. Anstelle von traditionellen Einflüssen aus dem Balkan dominieren auf AlasNoAxis experimentelle Anleihen an "progressiver" Musik, die vom Freejazz bis zum Rock reichen. Neben gewagten Klangexperimenten (M m) finden sich melodramatische Passagen (so der Beginn von Luxuriate), introspektive Töne (wie in trace), verspielte Stellen (in Nion), psychodelische Elemente (der düstere Beginn der Gitarre in Garden Frequency), fetziger Rock (Maybe), Psychodramen (Melize) sowie, wie immer bei Jim Black am Schlagzeug, eine gute Dosis Humor (so beim Beginn von Auk and Dromedary). AlasNoAxis fasziniert und gefällt beim zweiten, aufmerksamen Hinhören noch mehr als beim ersten. Jim Blacks Debutalbum als Leader klingt vielversprechend.
 
Konzert am Jazz Festival Willisau 2001
 
Am 1. September 2001 war Jim Black mit seinem Quartett am Jazz Festival Willisau zu Gast. Der Leader am Schlagzeug, Chris Speed an Tenorsaxophon und Klarinette, Skuli Sverisson am e-Bass und Himar Jensson an der e-Gitarre begannen ihr Konzert mit dem Titel M m aus dem Album AlasNoAxis, aus dem sieben der zehn an diesem Abend gespielten Stücke stammten, übrigens ausnahmslos alle von Jim Black komponiert.
 
M m entwickelte sich langsam aus allerlei chaotisch anmutenden Geräuschen heraus, die zuerst wie ein Soundcheck klangen und später teilweise einem Kinderlied entlehnt schienen. Danach wurde es mit Cheepa rockiger. Dabei wollte allerdings das Saxophone nicht so recht in den Gesamtklang hineinpassen, der zudem nicht gut ausbalanciert war. Mothers Date brachte traurigere Klänge ans 27. Jazz Festival Willisau. Die beiden letztgenannten Stücke dürften auf einem zukünftigen Album veröffentlicht werden.
 
Poet Staggered, erneut aus AlasNoAxis, begann mit einem Solo von Chris Speed am Saxophon. Ein rockiges Klanggewitter folgte. Auf zartere, optimistische Töne folgte erneut harter Rock. Vor vollbesetzten Rängen ging es mit dem sperrigen Optical und danach mit Maybe, beide aus dem Debutalbum, weiter. Maybe war zuerst melodiös und nachdenklich, danach rockig. Gitarre und Schlagzeug fegten, was das Zeug hielt. Es sollte das einzig gelungene Stück und damit der Höhepunkt des Quartetts bleiben.
 
Garden Frequency, Boombye, iFloat und Nion rundeten das Konzert ab. Es gab hymnisch Gedachtes, das nicht überzeugte, und Experimente, denen die Spannung fehlte. Der Gruppe fehlte der Zusammenhalt. Zumeist produzierte sie einen unklaren, zu wenig definierten Klangbrei. Kompositionen und Zusammenspiel schienen unausgereift. Nach gut einer Stunde war die misslungene Synthese von progressivem Jazz und Rock vorbei.
 
Live konnten die vier Musiker also den positiven Eindruck des Albums AlasNoAxis nicht bestätigen. Die Konzertbesucher kamen an jenem Abend dennoch auf ihre Kosten. Der Pianist Andrew Hill, dessen Dusk unlängst in Down Beat von den Jazzkritikern zum Jazz Album of the Year gekrönt worden war, entschädigte danach die Zuhörer in Willisau für ihr Kommen. Nach einer einstündigen Pause beendeten die sieben Musiker von Renaud Garcia-Fons & Oriental Bass den Abend mit einem Mix aus nordafrikanischen, südeuropäischen und lateinamerikanischen Klängen, die begeisterten.
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