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Der Euro ist da
Der Euro ist da: Chance und Verpflichtung
Artikel vom 9. Januar 2002
Nun ist er also da, der Euro. Die höchste Stufe
wirtschaftlicher Integration (die nach Theorie eigentlich erst als letzte
Stufe einer Integration angestrebt werden sollte), die Währungsunion, ist
erreicht. Der Euro bringt eine europaweite Transparenz, was die Preise von
Waren und Dienstleistungen anbetrifft. Es ist ein einheitlicher Währungsraum
entstanden, in dem kein Wechselkursrisiko mehr besteht. Der Euro beendet die
Periode kompetitiver Abwertungen. Die Regierungen nehmen plötzlich die
Budgetdisziplin ernst. Nicht zuletzt ist die neue Währung ein
handfestes Stück Europa, das jeder Bürger buchstäblich in der Hand halten kann; der Euro
wirkt folglich identitätsstiftend. Doch er ist vor allem eine Verpflichtung
für die Zukunft.
Die Einführung einer neuen Währung ist ein Kinderspiel im Vergleich mit der
Einhaltung der Stabilitätskriterien, die nötig ist, damit der Euro
wirtschaftlich positive Wirkungen entfalten kann. Die Europäische Zentralbank
(EZB) hat sich bereits Respekt verschafft, in dem sie auf politisch motivierte
Forderungen, die an sie herangetragen wurden, nicht eingegangen ist. Die EZB
stellte ihre Unabhängigkeit unter Beweis und konzentriert sich auf den Kampf
gegen die Inflation. Grossbritannien, Schweden und Dänemark werden nicht
lange abseits stehen, sollte der Euro ein durchschlagender Erfolg werden.
Zins- und Wechselkurspolitik stehen
den europäischen Landesregierungen nicht mehr als Instrumente der
Währungspolitik zur Verfügung. Solange Schönwetter herrscht, gibt es keine
grossen Konfrontationen über die Wirtschaftspolitik in Europa. Wie es in
einer Rezessionsphase aussieht, werden wir früher oder später feststellen.
Die
Finanzpolitik und weitere wirtschaftspolitische Mittel liegen dagegen weiterhin in der Hand der Regierungen der einzelnen
Euroländer.
Der Einsatz dieser
Instrumente wird allerdings durch den Stabilitätspakt limitiert. Viele
Länder Europas haben in den letzten Jahren erstaunliche Anstrengungen
unternommen, um von Anbeginn an ein Teil von Euroland zu werden. Doch viele
wirtschaftliche Strukturreformen harren noch ihrer Umsetzung. Es gibt viel zu
tun, packen wir's an, insbesondere, weil in einigen Jahren mehrere Länder
Osteuropas nicht nur Teil der EU, sondern auch von Euroland werden könnten. Sollte der
Euro zu einer schwachen Währung werden, nähme das gesamte "Projekt
Europa" ernsten Schaden.
Transparenz erhöht die Konkurrenz. Konkurrenz belebt das Geschäft. Die deutsche Bundesregierung hat sich
wirtschaftspolitisch in den letzten Jahren nicht mit Ruhm bekleckert. Im
Moment bietet Deutschland, das eigentlich ein Motor für die europäische
Wirtschaft sein sollte, ein trauriges Bild: fehlendes Wachstum, hohe
Arbeitslosigkeit, zuviel Bürokratie, Reformstau. Die Einhaltung der im
Vertrag von Maastricht festgelegten Stabilitätskriterien durch Deutschland
ist leider keine Selbstverständlichkeit. Schröder hat die SPD zwar zur Mitte
hin geführt, doch stehen die Sozialdemokraten heute weitgehend dort, wo die
CDU bereits vor vier Jahren stand. Das ist nicht genug. Mehr Liberalismus
braucht das Land - auch zum Wohle des Euro.
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