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Harald Haerter
Biographie, CD Cosmic, Konzertkritik
Artikel vom 21. Januar
2002
Konzert
von Harald Haerters "Electric Roses" und Gast Arthur Blythe
Konzertkritik von Jacques Rohner
Harald
Haerters „Electric Roses“ und Gast Arthur Blythe brachten einen weiteren Höhepunkt für Entdecker
und Geniesser aktueller Jazzmusik, die sich am 19. Dezember 2001 ins Theater
am Gleis in Winterthur drängten.
Kaum
ist die zusätzliche Stuhlreihe vor der Bühne besetzt, legen die fünf schon
los. Mit ein paar schnörkellosen
Takten des schnellen Themas geben sie den Tarif bekannt. Energiebündel
Haerter schafft es sofort, mit zwei drei überraschenden Akkordkaskaden
Hochspannung zu erzeugen. Blitzartig springt der Funke auf seine Mitmusiker,
die sich gegenseitig tüchtig einheizen und den prominenten Gastsaxofonisten
in den hektischen Grossstadtdschungel entführen wollen. Doch Arthur Blythe
steht da, wie ein Fels in der Brandung, und bläst zum momentanen Rückzug ins
Land der Gelassenheit. Mit seinem urig klingenden Altsaxofon ruft er allen
Afrika als Urquell des Jazz in Erinnerung, bevor er sich in den virtuos
urbanen Diskurs seiner drei Partner einmischt.
Der
1940 in Los Angeles geborene Musiker hat im Wechselbad der Entwicklungen des
zeitgenössischen Jazz – auch Free und Rock Jazz – als hochgepriesener
Innovator an vorderster Front teilgenommen und ist sich selbst treu geblieben.
Die Frische und Kraft mit der er hier mit den jüngeren Schweizer Kollegen
kommuniziert, ist ein Lehrstück in Bewältigung des Generationen- konflikts:
gegenseitige Anerkennung löst die Verkrampfung, nicht nur im Jazz.
Ins
gleiche Thema gehört auch das Nebeneinander von zwei Gitarristen in
„Electric Roses“. Chef Haerter und Philippe Schaufelberger sind zwei
Verschworene, der eine klar der extravertierte, energiegeladene Stürmer und
Dränger, der andere ebensoklar introvertiert, feinnervig aufmerksam, nicht
minder kraftvolle Ergänzung. Ihr Zusammenspiel beeindruckt durch
blitzschnelle Unisonopassagen und gegenseitiges Zuspielen von Motiven und
Floskeln, die zum gewaltigen Orkan anwachsen und – begleitet von Blitz und
Donner – den Zuhörer packen und schütteln. Die geballte Energie dieser
Musik stammt nicht nur aus der Steckdose, obschon sie natürlich ohne Strom
nicht auskommt.
Dass
Dramatik, Spannung und Entspannung auch durch das beherrschte Spiel der mit
der Lautstärke entsteht, liess auch der Meister am Schlagzeug sein Publikum
erfahren. Marcel Papaux - phantasievoll, einfühlsam und doch mitreissend,
trickreich, vollkonzentriert und doch locker und humorvoll – ein häufiger
Gast im Theater am Gleis in Winterthur - spielte auch in dieser Formation
seine grosse Musikalität aus. Einmal mehr war er als Begleiter, Unterstützer,
Ergänzer, Einheizer und als Solist hervorragend.
Sein
verschworener Seelenbruder bei „Electric Roses“ ist Bänz Oester, der
Bassist. Natürlich steht er zuweilen im Regen, wenn die Gitarristen ihr
Gewitter losbrausen lassen, aber das kratzt ihn nicht. Er weiss um seine
Unentbehrlichkeit als harmonisch-rhythmische Stütze des Ensembles und
geniesst seine Rolle sichtlich. Bei der Vorstellung seiner Mitmusiker weist
Haerter besonders auch auf die kompositorischen Leistungen Bänz Oesters hin.
Aus seiner Feder stammen drei der gespielten Kompositionen: „Jones Bones“,
„June is Always“ und „You Could be Gone by Tomorrow“, dem letzten Stück.
Mit
dem „Hip Dripper“-Blues von Arthur Blythe als Zugabe endete eine
fantastische Reise ins Land der wohltuend elektrisierenden Rosen.
Ausser
den bereits erwähnten Stücken kamen folgende Kompositionen zur Aufführung: „Misterioso“
von Thelonious Monk, „Hardly“ von Arthur Blythe, „Mute“, „Deanevils“
und „Ball“ von Harald Haerter und „Cosmic“ – Titelsong der neuen CD
– von Peter Kopf.
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Harald Haerter. Foto Copyright: Palma Fiacco.
Biographie,
Biografie von Harald Haerter
Artikel von Louis Gerber
Der 1958 im schweizerischen
Zürich geborene Harald Haerter wurde mit 15 durch Alben
des Gitarristen Django Reinhardt zum Jazz geführt. 1979 spielte er auf dem
Trottoir vor dem Casino in Montreux bereits so überzeugend, dass ihn Claude
Nobs auf die Hauptbühne am Montreux Jazz Festival bat. In der ersten Hälfte
der 1980er Jahre studierte Haerter am renommierten Berklee College of Music
sowie bei John Scofield. 1985 gründete er die Band "The Intergalactic
Maidenballet", eine Electric-Jazz-Combo. In der Folge arbeitete Haerter
mit Musikern wie John Zorn, Lee Konitz, Eddie Harris und Dave Liebmann. 1994
gründete Haerter zusammen mit Dewey Redman ein Quintett, mit dem er bis heute
über 200 Konzerte gegeben hat. Haerters CD Mostly Live (Enja/Tip Toe,
1996) beeindruckte den Saxophonisten Michael Brecker so sehr, dass er sich
1997 mit dem Gitarristen auf Europatournee begab. Im Mai 2001 tourte das
Haerter Quartett mit Brecker erneut durch Europa, rechtzeitig zum Erscheinen
der gemeinsamen CD Cosmic.

Cosmic.
TCB, 2001. CD bestellen bei Directmedia
Schweiz, Amazon.de
oder Amazon.com.
Auf Cosmic vereint der
Gitarrist Harald Haerter Live-Aufnahmen der Jahre 1997-2000 mit einem
hochkarätigen Team bestehend aus den Saxophonisten Michael Brecker und Dewey
Redman, dem Gitarristen Philipp Schaufelberger, dem Bassisten Bänz Oester
sowie den Schlagzeugern Marcel Papaux und Bill Stewart. Am im nebenstehenden
Artikel besprochenen Konzert in Winterthur spielte Haerter zusammen mit
Gastmusiker Arthur Blythe drei Stücke, die auch auf Cosmic zu finden
sind: den Titelsong sowie Ball und Misterioso.

Harald Haerter und Michael Brecker (rechts).
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