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William Turner
Biografie und Ausstellung "Licht und Farbe" im Kunsthaus Zürich in Zusammenarbeit mit Tate, London

Artikel vom 24. Mai 2002
 
Joseph Mallard William Turner erblickte 1775 im Londoner Stadtzentrum, in Covent Garden, als Sohn des Barbiers William Turner und seiner Frau Mary, geb. Marshall, das Licht der Welt. 1778 wurde seine Schwester geboren, die sieben Jahre später an einer Krankheit starb. Aus Sorge um die Gesundheit ihres Sohnes sandten die Eltern William zu seinem Onkel nach Brentford, Middlesex, wo er die Brentford Free School besuchte.
 
1787 fertigte William Turner seine früheste bekannte Zeichnung an: die Kopie eines Stichs aus dem Oxford Almanack von 1780. Weitere Zeichnungen, Kopien und Bearbeitungen vorhandener Stiche, Landschaftsskizzen um Brentfort und London sowie Aquarelle, die sein Vater in seinem Geschäft für ein bis drei Shilling zum Verkauf anbot, folgten.
 
Im Dezember 1790 wurde William Turner durch die Vermittlung von John Francis Rigaud als Schüler in die Royal Academy aufgenommen, an der er bis 1793 studierte. 1790 lernte er bei Thomas Malton Jr. (1848-1804) die Regeln der Perspektive und fertigte Architekturzeichnungen an. Im Mai jenen Jahres war er mit einem Aquarell erstmals auf der Jahresausstellung der Royal Academy vertreten.
 
Im Dezember war Turner Zeuge von Sir Joshua Reynolds' Abschiedsvorlesung als Präsident der Royal Academy. Dessen Auffassungen von der starken Verbindung zwischen Malerei und Dichtung sowie dessen Interesse an Humanität und Moral sollten Turners Werk zeitlebens beeinflussen.
 
1792 trat Turner in die Aktklasse der Akademie ein. Im darauffolgenden Jahr wurde er von der Royal Society of Arts mit der Greater Silver Pallet für Landschaftsdarstellung ausgezeichnet. Im Sommer reiste er durch England und Wales. Die Arbeit an Skizzen und Aquarellen nahm in den Rest des Jahres so in Anspruch, dass er kaum noch den Unterricht an der Akademie besuchte. Ein Zimmer über dem Geschäft seines Vaters wurde zu seinem Atelier. William Turners Vater erkannte rasch die finanziellen Möglichkeiten, welche die Kunst seinem Sohn bot. Er bestärkte ihn deshalb darin, aufs Geld zu achten.
 
Bereits Turners im Alter von 20 Jahren in der Royal Academy in London ausgestellte Ölgemälde erregten allgemeines Aufsehen. Dort zeigte er noch bis 1850, ein Jahr vor seinem Tod, seine Werke. Doch gegen Ende seines Lebens galt sein Malstil vielen als antiquiert. Allerdings gab es da den jungen Freund und Kritiker John Ruskin, der Turners Werk anders einschätzte und bis heute unsere Sicht auf den Engländer prägt. In seinem fünfbändigen Werk Modern Painters (1843-59) wies Ruskin Turner überragende Bedeutung als Naturmaler zu.
 
Auf Ruskins Bitte hin vermittelte Turners Agent Thomas Griffith das erste Treffen zwischen Kritiker und Künstler, das am 22. Juni 1840 stattfand. Dazu notierte Ruskin: "Alle haben ihn mir als derb, ungehobelt, geistlos und vulgär beschrieben. Ich wusste, dass das nicht stimmen konnte. Ich fand in ihm einen etwas exzentrischen, scharfsinnigen, nüchternen und englisch gesinnten Gentleman: offensichtlich gutmütig, offensichtlich reizbar, jedem Unsinn abhold, gewitzt, vielleicht ein wenig egoistisch, hoch intellektuell, wobei er seine geistigen Fähigkeiten keineswegs selbstverliebt demonstriert oder zur Schau stellt, sondern sie nur gelegentlich in einem Wort oder einem Blick aufblitzen lässt." Ruskin fand diese Eindrücke so treffend, dass er die Stelle später in seine Autobiografie übernahm.
 
Turner setzte sich von Anfang an dafür ein, seiner Kunst Geltung zu verschaffen. Im London des späten 18. Jahrhunderts stand die Ölmalerei über dem Aquarell, die Landschaftsmalerei galt als mindere Kunstgattung und die englische Malerei musste erst noch ihren europäischen Rang beweisen. Turner stand in seinem Kampf natürlich nicht allein, doch kommt ihm dabei eine herausragende Bedeutung zu.
 
Zu den prominenten Kritikern Turners - insbesondere sein Früh- und Spätwerk irritierte seine Zeitgenossen - gehörte Sir George Beaumont, der ein glühender Fürsprecher von Constable war. Das war gemäss Andrew Wilton "insofern merkwürdig, als Turners Stil, ganz der Theorie des Erhabenen und Reynoldsschen Vorbildern verpflichtet, eigentlich viel eher Beaumonts Bewunderung für die alten Meister entsprach als Constables freie, anti-akademische Malweise."
 
Die Ausstellung im Kunsthaus Zürich und der dazugehörige Katalog decken das gesamte Schaffen von Turner ab: das Werk des jungen Künstlers, den Akademiker, den Europareisenden, England, Italien, Nordeuropa und die Schweiz, die späten Ölgemälde sowie die Druckgrafik und Buchillustrationen. Im Museum Folkwang in Essen sowie im Kunsthaus Zürich wurden/werden rund 200 Werke von Turner gezeigt. Der Kurator Andrew Wilton ist ein Turner-Experte. Er verwaltet den herausragenden Turner Bequest in der Clore Gallery, die 1987 an die Tate angegliedert worden ist. Turners Evolution in Fantasie und Technik vom dem Erhabenen verpflichteten jungen Romantiker bis zum späten Künstler, in dessen Alterswerk sich Formen und Farben im Licht auflösen und sich oft spektakuläre Licht- und Witterungseffekte finden, kommt in der chronologischen Ausstellung eindringlich zur Geltung.
 

William Turner: Selbstportrait, 1799? Öl auf Leinwand. 74,5 x 58,5 cm. Tate. Copyright: Tate, London, 2002.
 

 

William Turner: Landschaft: Komposition von Tivoli, 1817. Aquarellfarbe. 67,6 x 102 cm. England, Privatbesitz. Foto: Katalog William Turner. Licht und Farbe.
 

William Turner: Die Dogana, San Giorgio, Citella, von den Stufen des "Europa" aus gesehen, 1842. Öl auf Leinwand. Tate. Copyright: Tate, London, 2002.


Der nebenstehende Artikel beruht auf der Einführung von Andrew Wilton, der die Ausstellung zusammen gestellt hat, und auf der Katalog-Biografie von Helena Robinson. William Turner: Licht und Farbe, im Kunsthaus Zürich vom 1. Februar bis am 26. Mai 2002 (zuvor im Museum Folkwang Essen), in Zusammenarbeit mit Tate. Katalog und Buch bei Dumont, 2001/2002, 374 S.

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