Die deutsche
Aussenpolitik
Die Gesamtdarstellung von Helga
Haftendorn
Artikel vom 8. August 2002
Helga Haftendorn, bis 2001 Inhaberin des
Lehrstuhls für Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen an der
Freien Universität Berlin, legt eine voluminöse Darstellung der deutschen
Aussenpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg vor.
Der Weg zu einer eigenständigen deutschen Aussenpolitik war steinig. Die auswärtige
Politik lag zu Beginn weitgehend in den Händen der Alliierten Hohen
Kommissare. Erst ab 1951 verfügte die Bundesrepublik wieder über ein Auswärtiges
Amt. Zuvor hatte sie auch keinen Aussenminister. Es war nicht zuletzt das
Verdienst von Kanzler Adenauer, der in den ersten Jahren der Bundesrepublik
auch aussenpolitische Funktionen wahrnahm, dass Deutschland wieder relativ
rasch in die internationale Staatengemeinschaft aufgenommen wurde. Zu diesen
frühen Jahren ist Haftendorns Werk allerdings stellenweise zu konzis, zu
wenig detailgenau.
Die Autorin verweist in ihrer Einführung darauf, dass es ihr aus Umfangsgründen
nicht möglich gewesen sei, auf innenpolitische Antriebskräfte
aussenpolitischen Handelns und auf die Rückwirkungen internationalen
Entscheidungen auf Staat und Gesellschaft in Deutschland einzugehen. Doch von einer über 500 Seiten
umfassenden Gesamtdarstellung dürfte man sich eine tieferlotende
Untersuchung der aussenpolitischen Ideen der verschiedenen politischen Kräfte
erwarten. So wird das von der SPD lange Jahre verfochtene Neutralitätskonzept für Deutschland
nicht analysiert. Ein neutraler Riese im Herzen Europas wäre allein durch das
entstehende Machtvakuum ein Faktor der Instabilität gewesen. Ein vereintes,
neutrales Deutschland hätte die Machtbalance in Europa jederzeit entscheidend
beeinflussen können.
Auf die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition geht die Autorin zu recht
detailliert ein, doch unverständlicherweise erwähnt sie die Verabschiedung
des Entschliessungsantrags des Bundestages vom 17. Mai 1972 nicht, wonach sich
Wiedervereinigung und Gewaltverzicht nicht mehr widersprachen. Er erfolgte an
jenem historischen Tag, an dem das Parlament den Moskauer und den Warschauer
Vertrag
billigte. Der Entschliessungsantrag war von fast allen Fraktionen eingebracht
und fast einstimmig verabschiedet worden. Er bildete den wichtigsten
konstruktiven Beitrag der CDU/CSU-Opposition zur Ostpolitik.
Angesichts von Helga Haftendorns wissenschaftlichem Ausweis - sie hat nicht
nur in Berlin, sondern auch in Washington, Stanford, Harvard, Florenz und
Hamburg gelehrt, als Mitherausgeberin der Akten zur Auswärtigen Politik
gewirkt und wurde 1995 mit dem Max-Planck-Forschungspreis ausgezeichnet -
weist ihre umfangreiche Gesamtdarstellung, die viel Wissenswertes zumeist
konzis dargestellt enthält, einige erstaunliche Schwächen auf.
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Helga Haftendorn: Deutsche Aussenpolitik zwischen Selbstbeschränkung und
Selbstbehauptung. DVA, 2001, 536 S. Bestellen bei Amazon.de
oder citydisc
Schweiz.
Wer sich sein eigenes Bild machen will, kann auf Quellensammlungen wie die
Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland zurückgreifen,
bei denen Helga Haftendorn als Mitherausgeberin wirkte:

Hans-Peter Schwarz, Helga Haftendorn, Klaus Hildebrand, Hg.: Akten zur Auswärtigen
Politik der Bundesrepublik Deutschland 1953. 1. Januar bis 30. Juni.
Oldenbourg, München, 2001, 1400 S. Bestellen bei Amazon.de.
Eine zeitlich weiter ausgreifende Darstellung der deutschen Aussenpolitik:

Gregor Schöllgen: Die Macht in der Mitte Europas. Stationen deutscher
Aussenpolitik von Friedrich dem Grossen bis zur Gegenwart. C.H. Beck,
2000, 237 S. Bestellen bei Amazon.de.
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und English.
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