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Between Art and Life
Vom Abstrakten Expressionismus zur Pop Art in der Schirn Kunsthalle Frankfurt

Nr. 4, 15. Juni/14. Juli 1999


Mit Gruppenausstellung ist es immer so eine Sache. Mit einem oder zwei Bildern kann man dem Werk keines Künstlers gerecht werden. In der Schirn Kunsthalle Frankfurt wird wird versucht, mit 56 Gemälden von 22 amerikanischen Malern die amerikanische Kunst von 1940 bis 1970 vorzustellen. Genauer: die Entwicklung vom Abstrakten Expressionismus bis zur Pop Art. Dass der Versuch doch nicht ganz misslungen ist, verdanken wir dem Kurator Thomas M. Messer, der als langjähriger Direktor des Solomon R. Guggenheim Museums in New York mit dieser Epoche bestens vertraut ist. Auch Irving Sandlers Artikel ist zu erwähnen, der die Stilentwicklung jener Zeit untersucht, wobei auch er die Dimensionen der verschiedenen Künstler auf so engem Raum nicht wirklich ausloten kann. Ausstellung und Buch haben Einführungscharakter und regen zur weiteren Beschäftigung mit den präsentierten Objekten und den dahinterstehenden Subjekten an.
 
Die Ausstellung ist in drei Perioden unterteilt. Die erste (1945-55) gilt dem Abstrakten Expressionismus eines Jackson Pollock, Willem de Kooning oder Franz Kline. Werke von Mark Rothko, Barnett Newman oder Clifford Still sind <zwar abstrakt, aber nicht expressionistisch>. So werden diese drei Künstler der Untergruppe der Farbfeldmalerei (Colorfield Painting) zugeordnet, der auch Pollock angehört, und sind in der Ausstellung bewusst ausgeklammert. Eine Entscheidung, die sich diskutieren liesse, worauf wir hier aber verzichten. Arshile Gorky, Pollock, de Kooning, Kline, Hans Hoffmann und Philipp Guston, teilweise auch Pollock und der nicht präsente Still, werden der Untergruppe des Action Painting zugerechnet. Sandler zieht diesem problematischen Begriff die Bezeichnung gestische Malerei (Gestic Painting) vor. Was die erwähnten amerikanischen Künstler bei aller Diversität einte, war ihre Ablehnung des Sozialen Realismus und des Regionalismus. Ihre Vorbilder fanden sie in den Europäern Picasso, Miró oder Mondrian, ohne diese jedoch kopieren zu wollen.
 
In einer zweiten Periode (1950-60) zeichnete sich eine Gegenbewegung zur rigorosen Abstraktion ab. Den Titel verdankt die Ausstellung Robert Rauschenberg, der einmal festgehalten hat, <I act in the gap between art and life>. Messer sieht darin den <inhaltlich verbindenden Faden> der Ausstellung, dank der wir die Verlagerung des Scherpunktes der Malerei, die sich zuerst noch <vom Künstlerischen selbst bestimmen liess, zu einer Malweise, für die allgemein zugängliche, weltliche Dimensionen des alltäglichen Lebens bestimmend sind.> Rauschenberg, Larry Rivers, Jasper Jones, Sam Francis und Jim Dine führen wieder gegenständliche Motive in die Kunst ein. Auch diese zweite Generation gehört zur gestischen Malerei. Sie beschäftigen sich mit dem <städtischen Leben und/oder der populären Kultur> wie vor allem auch de Kooning, <den sie als den grössten Maler der damaligen Zeit betrachteten>. Auch Hoffmann, bei dem viele studiert hatten, beeindruckte sie. Meistens begannen die Künstler der zweiten Generation ein Bild improvisierend, um sich im Verauf des Malprozesses der Natur anzunähern. Rauschenberg und Johns lenkten die Malerei in eine neue <objektive> Richtung, in dem sie reale Gegenstände abbildeten, im Fall von Johns Zielscheiben und Flaggen. Sandler verweist auch auf Bezüge zu Marcel Duchamp und Anregungen von John Cage.
 
Die dritte Periode (1960-70) der Pop Art begann 1962 mit einer Explosion in New York: Wham! Diese Künstler schufen einen Gegenpol, indem sie Comics, Berühmtheiten oder Coca-Cola Flaschen in ihre Kunst aufnahmen. Dinge, welche <die Abstrakten Expressionisten mit aller Macht übersehen wollten>, wie Andy Warhol festhielt. Kitsch wurde geschaffen. Techniken der kommerziellen Kunst wie Schablonen, Rasterpunkte, Plakatkunst und Siebdruckverfahren wurden angewandt. Gegenstände wurden vergrössert, isoliert, zur Kunst erhoben. Automatisierung, Massenproduktion, -Konsum und -Medien spiegelten sich in ihren Arbeiten. Die Zeit der kommerziellen Kunst hatte geschlagen. Pop Art als Kritik von Konsumismus und Kommerzialisierung? Robert Indiana meinte: <Pop ist der amerikanische Traum - optimistisch, grosszügig und naiv.[...]> Warhol, Lichtenstein, Wesselmann und Rosenquist heissen die ausgestellten Helden. Sie schufen ihr eigenes Vokabular und damit die Ikonen unserer Zeit. Anders ausgedrückt: sie revolutionierten die Kunstwelt.
 
Erstaunlich ist, dass bei Sandler kein Hinweis auf den Einfluss der amerikanischen Kunst des 19. Jahrhunderts eines William Michael Harnett, eines John Frederick Peto oder eines John Haberle auf Warhol, Rauschenberg, Jasper Johns (oder auch auf Rothko, der das Spätwerk George Inness in gewisser Weise weiter entwickelte) erfolgt. In den dreissiger Jahren hatte die New Yorker Galeristin Edith Gregor Halpert (1900-1970) mit ihrer Downtown Gallery die Trompe-l'oeil-Stilleben jener Künstler des letzten Jahrhunderts wiederentdeckt, so Harnetts und Haberles Dollarnoten-Stilleben. 1953 erschien Alfred Victor Frankensteins bahnbrechendes Werk dazu, das den Künstlern ebenso bekannt gewesen sein dürfte wie die Kunst selbst. In der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien besteht noch bis zum 20. Juni die Gelegenheit, eine Ausstellung zur amerikanischen Malerei des 19. Jahrhunderts zu sehen, die im Saal <Dringlichkeit und Illusion> die oben erwähnten Stilleben-Maler versammelt.
 

Between Art and Life. Vom Abstrakten Expressionismus zur Pop Art, 1. Mai bis 11. Juli 1999, Schirn Kunsthalle Frankfurt zusammen mit der Fundación la Caixa, Barcelona. Kurator und Einleitung Thomas M. Messer. Der lesenswerte Artikel zur Ausstellung stammt von Irving Sandler. Er ist in deutscher und englischer Sprache abgedruckt. Katalog: 158 S.
 
Siehe Cosmopolis Nr. 1 zur Pollock-Ausstellung in der Tate Gallery.
 
Bezüglich Mark Rothko verweisen wir auf die Ausstellung im Musée d'Art moderne de la Ville de Paris mit 69 Exponaten, die am 18. April 1999 zu Ende gegangen ist (zuvor waren in Washington und New York 116 Werke zu sehen gewesen). Der Katalog umfasst 292 S.
 
Siehe zu Rauschenberg die hervorragende Publikation: Robert Rauschenberg. Retrospektive, Ausstellung im Museum Ludwig in Köln vom 26.6. bis 11.10.1998, Hg. Solomon R. Guggenheim Museum, New York. Deutsche Ausgabe erhältlich bei Hatje Cantz Verlag, 1998, 632 S. mit 735 Abb., davon 490 farbig. Mit Beiträgen von Trisha Brown, Ruth E Fine, Billy Klüver/Julie Martin, Rosalind Krauss, Steve Paxton, Nancy Spector und Charles F. Stuckey.
 
Siehe zu Marcel Duchamp Cosmopolis Nr. 3 mit der Besprechung der von Calvin Tomkins verfassten Biographie des Künstlers.
 
Eine Warhol-Retrospektive reist durch Europa: nach Wolfsburg und Wien (bis 2. Mai) heissen Brüssel, Bilbao und Porto die weiteren Stationen. Katalog: Andy Warhol: A Factory, Kunsthalle Wien.
 
Alfred Victor Frankenstein: After the Hunt; William Harnett and other American still life painters, 1870-1900, Berkeley, University of California Press, 1953, 189 S. (neu aufgelegt 1969, 200 S.).
 
America. Die Neue Welt in Bildern des 19. Jahrhunderts, Österreichische Galerie Belvedere, Wien, 17.3.-20.6.1999. Katalog in deutscher und englischer Sprache: München, Prestel Verlag. Stephan Koja hat bewusst verzichtet, auf die oben erwähnten Bezüge zu den Abstrakten Expressionisten oder den Pop Art Künstlern hinzuweisen, da ja auch Klimt dadurch nicht besser werde, weil Hundertwasser ihn gesehen habe.


 

 

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