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Nr. 41, Oktober 2002
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A Beautiful Mind
Kritik des Films von Ron Howard mit Russell Crowe, Jennifer Connelly und Ed Harris
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Artikel vom 1. Oktober 2002
 
A Beautiful Mind hat bei der Verleihung der 74. Academy Awards vom 24. März 2002 vier Oscars erhalten: Ron Howard für die beste Regie, Brian Grazer und Ron Howard für den besten Film, Akiva Goldsman für das beste Drehbuch nach einer Vorlage sowie Jennifer Connelly als beste weibliche Nebendarstellerin. Zudem war Russell Crowe zurecht als bester Hauptdarsteller nominiert worden, was ja bereits eine Anerkennung seiner Leistung bedeutet.
 
Die Schmutzkampagne gegen A Beautiful Mind im Vorfeld der Oscar-Verleihung blieb wirkungslos. Der Mathematiker und Nobelpreisträger von 1994, John Forbes Nash Jr., dessen Lebensgeschichte die von Russell Crowe gefilmte Filmfigur darstellen soll, wurde des Antisemitismus und der Homosexualität (ein Verbrechen?) beschuldigt. In der Filmvorlage, der Biografie von Sylvia Nasar: A Beautiful Mind: The Life Of The Mathematical Genius and Nobel Laureate John Nash, findet sich ein Briefauszug, in dem Nash 1967 schrieb: "The root of all evil, as far as my personal life is concerned, are Jews." Daraufhin erklärte der reale John Nash am amerikanischen Fernsehen, dass er diese Aussagen in einer "psychotischen Phase" gemacht habe, während der er u.a. auch glaubte, der Kaiser der Antarktis zu sein.

Eines ist jedoch gewiss: Im wirklichen Leben trennte sich die Nashs Frau zwischenzeitlich von ihrem Mann, während dem sie im Film an seiner Seite bleibt.
Gemäss Quellen hatte Nash übrigens 1956 eine Affäre mit einer Studentin namens Alicia Narde, im Film gespielt von Jennifer Connelly, während dem er sich gleichzeitig mit einer Frau namens Stier traf. 1957 heiratete Nash Alicia.
 
Wie dem auch sei, wer in Hollywood-Filmen die biografische "Wahrheit" sucht, ist selber schuld. Filme sind (oder sollten es sein) ein Ausdruck künstlerischen Schaffens. Ein Regisseur nimmt sich nun einmal gewisse Freiheiten. Zudem ist klar, dass niemand die schizophrenen Wahrnehmungen der Welt von John Nash kennt. Was zählt ist das Resultat der Arbeit von Regisseur und Darstellern: Ist es ein guter Film, ja oder nein?
 
A Beautiful Mind ist, wie erwähnt, vom Leben des Mathematikers John Forbes Nash, Jr. (*1928) inspiriert. Dieser machte in jungen Jahren eine erstaunliche Entdeckung und stand auf der Schwelle internationalen Erfolgs, als sein Aufstieg durch Schizophrenie gestoppt wurde. Später überwand er seine Krankheit bzw. lernte, sie zu kontrollieren. 1994 wurde er mit dem Nobelpreis für Wirtschaft geehrt.
 
Der Film von Ron Howard beginnt im Jahr 1947 mit der Ankunft von John Nash (Russell Crowe) an der Universität von Princeton, wo er das Stadium der Mathematik aufnimmt. Der aus einfachen Verhältnissen stammende junge Mann hat Probleme mit gesellschaftlichen Konventionen. Zudem besucht er nicht regelmässig die Vorlesungen, sondern ist von der Idee besessen, eine originelle Idee zu finden, die ihm zu Anerkennung, zum Durchbruch verhelfen würde. Das Leben an der wettbewerbsorientierten Elite-Universität ist nicht einfach für ihn.
 
Eines Abends mit Klassenkameraden in einer Hotelbar wird sein Interesse von einer Blondine gefesselt. Die Rivalität unter den Studenten im Kampf um die Gunst von Frauen führt ihn zur Niederschrift eines Papiers zur Spieltheorie (game theory); Nash hatte seine originelle Idee gefunden, die mutig einer von Adam Smith (dem Vater der modernen Ökonomie) formulierten Grundidee widerspricht.
 
Daraufhin gewinnt Nash einen gesuchten Forschungs- und Lehrstelle am Massachusetts Institute of Technology, MIT. Unzufrieden mit seinem Posten ist Nash darauf erpicht, im Kalten Krieg eine wichtige Rolle zu spielen, da die Wissenschaft bereits im Zweiten Weltkrieg ein bedeutender Faktor gewesen war. Sein Wunsch wird erhört, als der schattenhafte, mysteriöse William Parcher (Ed Harris) in für einen hochgeheimen Auftrag als Codebrecher für das Verteidigungsministerium rekrutiert.
 
Nash lehrt weiterhin am MIT, wo eine ebenso hübsche wie intelligente Studentin, Alicia Larde (Jennifer Connelly), den etwas unbeholfenen Professor herausfordert und später heiratet. Dieser arbeitet weiterhin für Parcher. Der Zuschauer erkennt nun, dass Nash in eine Welt von Obsessionen, Wahnvorstellungen und Illusionen abzugleiten droht. Er wird mit paranoider Schizophrenie diagnostiziert. Dieser Herausforderung muss Nash mit der Hilfe seiner Frau begegnen: "The only thing greater than the power of the mind is the courage of the heart." Daher wohl der Filmtitel: A Beautiful Mind.
 
All dies klingt nach einem konventionellen Film. Jedoch nicht alles, was man im Leben von Nash von Beginn an für real hält, ist wirklich. Daher warten im Verlauf des Films einige Überraschungen auf die Zuschauer, die in ihrer Wirkung umso erstaunlicher sind, als A Beautiful Mind strikt chronologisch erzählt wird.
 
Die herausragende schauspielerische Leistung  in A Beautiful Mind - neben der Hauptrolle - kommt von Ed Harris als  Nashs Boss im Verteidigungsministerium. Was Russell Crowe anbelangt, so spielt er wie immer mit einer seltenen Intensität und der Fähigkeit, sich zu verwandeln; nicht nur von einem Film zum anderen, sondern auch innerhalb eines Filmes. Je weiter die Handlung fortschreitet und je älter Nash wird, desto überzeugender spielt Crowe seine Rolle. Er altert volle 47 Jahre - nicht nur mit Hilfe von Makeup. Jennifer Connellys Oscar als beste Nebendarstellerin ist sicherlich nicht unverdient, auch wenn es im Jahr 2001 noch bessere Frauen in Nebenrollen gegeben hat.
 
Der Produzent Brian Grazer und Regisseur Ron Howard haben Russell Crowe noch vor seinem weltweiten Erfolg von Gladiator engagiert. Grazer war insbesondere von Crowes Leistungen in L. A. Confidential und The Insider beeindruckt gewesen.
 
Jennifer Connelly hatte mit Grazer und Howard bereits 1997 in deren Film Inventing the Abbotts zusammen gearbeitet. Connelly und Ed Harris ihrerseits spielten zusammen in Harris' Meisterwerk aus dem Jahr 2000, der Malerbiografie Pollock. Harris wiederum kannte Grazer und Howard vom Film Apollo 13 her. Diese Zusammenarbeit hatte dem Schauspieler eine Oscarnomination eingebracht. Christopher Plummer (er spielt in A Beautiful Mind den Arzt von Nash, Dr. Rosen), hatte neben Crowe in The Insider gespielt. Cast und Crew kannten sich folglich bereits weitgehend, was die professionelle Zusammenarbeit erleichtert haben dürfte.
 
Übrigens: Während der Vorproduktion zu A Beautiful Mind luden Regisseur Ron Howard und Executive Producer Todd Hallowell den realen John Nash ein, sie in sein Werk einzuführen. Bei den Dreharbeiten kam Nash später auch ans Set, wo er Crowe beobachten konnte. Die zwei Männer sprachen miteinander, und Crowe lernte nach eigener Aussage alleine dadurch viele wertvolle Dinge, dass er Nash gegenüber stand. Jennifer Connelly ihrerseits traf Alicia Nash, die ihre Erinnerungen mit der Schauspielerin teilte.

Die Doppel-DVD bietet u.a. den Audiokommentar von Regisseur Ron Howard sowie von Drehbuchautor Akiva Goldsman. Ein Treffen mit John Nash sowie die Verleihung des Nobelpreises an den Mathematiker sind ebenso zu sehen wie das Casting von Russel Crowe und Jennifer Connelly. Den Spezialeffekten und dem Alterungsprozess von Nash sind weitere Features der DVD gewidmet.
 

Foto Copyright: Universal Pictures.
 

Foto Copyright: Universal Pictures.
 

Foto Copyright: Universal Pictures.
 

Photo Copyright: Universal Pictures.
 

Der Roman von Silvia Nasar, der die Grundlage für den Film von Ron Howard bildet: A Beautiful Mind. Bestellen Sie das Buch auf deutsch (Piper) bei Amazon.de oder auf englisch (Touchstone Books) bei Amazon.com, Amazon.de (bzw. Faber & Faber) bei Amazon.co.uk, Amazon.de, Amazon.fr.
 
Weitere Filmkritiken: deutsch + English.
 

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