Klaus Kinski in Jess
Franco's Jack The Ripper
(1976)
Der Film nun auf DVD. Filmkritik und Infos zum Film.
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Regisseur: Jeff Franco.
Klaus Kinski - Doktor Orloff/Jack
the Ripper
Andreas Mannkopff - Scotland Yard Inspector Selby
Josephine Chaplin - Cynthia
Herbert Fux - Charlie
Lina Romay - eine Prostituierte
Artikel vom 1. Januar 2003
Klaus Kinski hat in unzähligen B-Movies
mitgespielt. Einer davon ist Jack The Ripper (1976) des Spaniers Jeff
Franco, mit dem Kinski insgesamt vier Filme drehte. Der Kinostreifen dreht
sich um den Mann, der im Herbst 1888 fünf Londoner Prostituierte auf
bestialische Weise ermordet haben soll (zum Teil werden ihm noch weitere Morde
zugesprochen).
Im Film von Jess Franco spielt Klaus Kinski den Arzt Dr. Orlof, der am Tag
eine Praxis führt und sich für wenig bis kein Geld um arme Patienten
kümmert. In der Nacht jedoch wird er zum Prostituiertenmörder.
Jack The Ripper wurde ohne Ton gedreht. Die Schauspieler sprachen zwar
Dialoge, doch sie wurden nicht aufgenommen. In der Postproduktion wurden dann
die englische und die deutsche Fassung synchronisiert, wobei zumindest die
deutschsprachigen Schauspieler (wie Klaus Kinski, Herbert Fux, der Berliner
Andreas Mannkopff oder die vielen Schweizer, darunter Esther Studer) die
englischen Texte nicht selbst sprachen. Bei der deutschen Fassung dagegen ist
z.B. Herbert Fux eindeutig an seinem Akzent erkennbar. Unter den Schweizern
sei noch auf Dr. Orlofs Zimmervermieterin verwiesen: Es handelt sich um die
Schauspielerin Olga Gebhard, die oft im Bernhard Theater zu sehen war. Sie ist
u.a. in Der Mustergatte mit Walter Roderer zu sehen, einem wie Jack
The Ripper von Erwin C. Dietrich produzierten Film.
Die DVD bietet eine restaurierte Fassung, die besser ist, als das, was die
Kinobesucher 1976 zu sehen bekamen, nicht zuletzt auch, weil es sich um eine
unzensurierte Version handelt. Der Film selbst ist kein Meisterwerk.
Interessant an der DVD ist vor allem der Audio-Kommentar des Produzenten Erwin
C. Dietrich, der mit Klaus Kinski später noch zwei Filme auf den Philippinen
drehte: 1984 Code Name: Wild Geese (bestellen bei Amazon.de
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Einzig 1985 habe der Star einen seiner berühmten Kinski-Anfälle gehabt, aber
auch nur, als eine Kamera auf ihn gerichtet war. Daher sei er, Dietrich,
gegenüber dem Portrait von Werner Herzog in Mein liebster Feind
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skeptisch. Dietrich trennt also die mediale Selbstinszenierung Kinskis klar
von dessen am Set gezeigten professionellen Einstellung. Im Vertrag für Jack
The Ripper standen für Kinski acht Stunden Arbeit pro Tag, doch habe er
gemäss Dietrich oft zwölf bis dreizehn Stunden gearbeitet, ohne Murren und
Forderungen nach mehr Geld. Wenn die Gage pünktlich bezahlt wurde, habe
Kinski nie Probleme gemacht.
Während der Dreharbeiten wohnte Kinski gemäss Dietrich mit seiner dritten Gattin, der Vietnamesin
Minhoi, im Hotel Waldhaus Dolder, wo sie kurz nach ihrer Ankunft ihren
gemeinsamen Sohn Ninhoi gebar. Kurz danach zogen sie ins Grand Hotel Dolder,
wo sie in der Turmzimmer-Suite wohnten, wo einst Thomas Mann an Bekenntnisse
des Hochstaplers Felix Krull geschrieben hatte.
Dietrich erläutert auch, wo und wie der Film gedreht wurde. In drei Tagen
wurde einige stock shots in London geschossen, so von der Tower Bridge
und der Scotland Yard-Tafel, um glaubwürdig darzustellen, dass der Film in
der britischen Hauptstadt spielt. Doch eigentlich entstand der Streifen in
Zürich, in der Zeit vom 2. Juni bis am 22. Juni 1976. Es wurde
hauptsächlich nachts gedreht. Eine gratis zur Verfügung gestellte Villa am
Zürichberg, in der zuvor Landstreicher gehaust hatten, wurde für den Film
als Studio hergerichtet. Gedreht wurde unter anderem an der Schanze, der aus
dem Mittelalter stammenden Verteidigungsmauer der Stadt Zürich, im
Schanzengraben, der als Themse herhalten musste, im damals beim Schanzengraben
liegenden botanischen Garten, im Freiband, am Rindermarkt, im Kreuzgang des
Fraumünsters sowie im Restaurant Theater am Neumarkt. Klaus Kinski drehte
alle seine Szenen in sieben Tagen ab. Das Budget soll zwei Millionen
Schweizerfranken betragen haben.
In seiner Eloge des Kinos von Jess Franco geht Produzent Dietrich soweit, im
Spanier einen Vorläufer der Dogma-Filme wie Festen zu sehen. Zudem sei
der Schlangentanz in Quentin
Tarantinos From Dusk Till Dawn von Franco beeinflusst. Hierzu ist
anzumerken, dass sich Tarantino in seinen Filmen tatsächlich und
ausdrücklich beim Trash-Kino bedient hat bzw. davon inspirieren liess.
Der 1930 als Jesús Franco Manera in Madrid geborene Jess Franco drehte 1957
seine ersten Kurzfilme, 1958 den ersten Spielfilm. Bis heute sollen es weit
über 150 (B-Movies) geworden sein, wovon 15 von Dietrich produziert wurden.
Der europäische Ed Wood und König des Horror-, Science Fiction- und
Erotik-Trashs, Jess Franco, arbeitete 1966/67 allerdings auch als second
unit director für Orson Welles bei der Realisierung von Chimes At
Midnight, auch bekannt als Falstaff. Zudem half Jess Franco in den
frühen 1990er Jahren den Film Don Quijote von Orson Welles zu
restaurieren und fertig zu stellen.
Jess Franco hat neben Jack The Ripper noch einen weiteren Film gedreht, in dem ein Dr. Orlof vorkommt,
nämlich The Awful Doctor Orlof von 1962 mit Howard Vernon und Riccardo
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Darin geht es allerdings um einen Arzt, der Showgirls entführt und
verunstaltet im Versuch, die schlimmen Narben im Gesicht seiner Tochter zu
beheben.
Gemäss dem Filmproduzenten Erwin C. Dietrich war Lina Romay, die 1954 als
Rosa Maria Almirall in Barcelona auf die Welt kam, während den Dreharbeiten
Jess Francos Muse und Freundin, später wurde sie seine Frau. Sie spielte in
über 100 Filmen mit. In Jack The Ripper hat sie die Rolle einer
Prostituierten, die von Jack ermordet wird (siehe nebenstehende Fotos).
Die zweitälteste Tochter von Charles
Chaplin, Josephine Chaplin spielt in Jack The Ripper die Freundin
von Inspektor Selby, Cynthia, von dem sie sich zu Beginn des Films
vorübergehend getrennt hat. Doch dann versucht sie auf eigene Faust, ihrem
Freund zu helfen. Sie begibt sich ins Rotlichtmilieu im Londoner East End, um
Jack The Ripper ausfindig zu machen, und gerät dabei in Lebensgefahr.
Josephine Chaplin hatte im richtigen Leben Ballettunterricht gehabt. In Jess
Francos Film kann sie deshalb glaubwürdig in die Rolle der Ballett-Tänzerin Cynthia
schlüpfen.
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Der Arzt Dr. Orlof mit einem Patienten in seiner Praxis. Foto Copyright: VIP.

Dr. Orlof in der Nacht als Jack The Ripper auf der Suche nach einem Opfer;
Regisseur Jeff Franco hinter der Kamera. Foto Copyright: VIP.

Jack The Ripper geht einem Opfer an die Gurgel. Regisseur Jeff Franco
gibt Anweisungen. Foto Copyright: VIP.

Jack The Ripper in den Fängen von Inspektor Selby. Foto Copyright: VIP.

Jack The Ripper, 1976. Elite Film AG/VIP. In der Schweiz erfolgt der Vertrieb der VIP-Titel durch
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Siehe zum Thema "Jack The Ripper im Film" das Buch von
Gary Coville und Patrick Lucanio: Jack The Ripper. His Life
and Crimes in Popular Entertainment. McFarland & Company, 1999, 203 S.
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Weitere Filmkritiken: deutsch +
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