Deutsch Politik Geschichte Kunst Film Musik Lebensart Reisen
English Politics History Art Film Music Lifestyle Travel
Français Politique Histoire Arts Film Musique Artdevivre Voyages

Index  Advertise  Werbung  Links  Feedback
© Copyright www.cosmopolis.ch  Louis Gerber  All rights reserved.

Peter O'Toole, Biografie, Biographie, Teil 2
Artikel vom 3. April 2003
 
Kurz nach seiner ersten Liebe beendete Peter O'Toole seine nicht besonders erfolgreiche Schulzeit. Sein Vater hatte sich damals mit gewalttätigen "Geschäftspartnern" eingelassen, die das kleingedruckte in den Verträgen notfalls auch mit den Fäusten durchzusetzen gewohnt waren. Mit gebrochenen Fingern konnte er schlecht Karten spielen und angeknackste Rippen machen sich nicht gut auf der Rennbahn. Da Patrick O'Toole als Ernährer ausfiel, musste die Mutter Constance Jane für den Lebensunterhalt sorgen. Zuerst verkaufte sie, was vom Hausrat entbehrlich schien. Dann arbeitete sie als Bürohilfe und Putzfrau.
 
Peter begann, seinen Lebensunterhalt u.a. als Botenjunge, ehe er, von einem hilfsbereiten Lehrer vermittelt, in der Redaktion einer Zeitung landete, wo er zuerst als Juniorphotograph in der Dunkelkammer begann, ehe er mit 16 als Jungredakteur sämtliche Ressorts der Redaktion durchwanderte. Sein Talent als Schreiber (später in seinen Autobiografien dokumentiert), seine Neugier und sein Hinterfragen von Auskünften halfen ihm weiter.
 
Mit 17 wurde der Lehrling vom Gerichtsreporter ins Leichenschauhaus gesandt, um das Opfer eines Lustmordes zu begutachten. Dabei wurde es Peter so schlecht, dass er ein Bier brauchte. Im Pub war auch ein anderer Minderjähriger, Patrick O'Liver, der bei der zweiten Begegnung sein Freund und später ein renommierter Maler werden sollte.
 
Peter O'Tooles Chefredaktor hatte einen Freund bei einer überregionalen Zeitung, dessen Sohn. Dessen Sohn sei intelligent und hochbegabt, aber rebellisch und schwierig. Er ähnele Peter in der Art, der Sprache und sogar der Erscheinung. Ob sich die jungen Leute nicht treffen könnten. Genau, dieser junge Mann war Patrick O'Liver. Er führte Peter O'Toole in sein Elternhaus ein, in dem die Bohème, Schriftsteller, Maler, Musiker, Schauspieler, Bühnenbildner und Architekten verkehrten.
 
So wurde Peter in eine neue Welt eingeführt, von der der sonst so freche Junge beeindruckt und eingeschüchtert war, als begeisterter Zuschauer mit dem brennenden Wunsch, einmal selbst dazu zu gehören. Der Freund Patrick war mit dem Theater, insbesondere Shakespeare, gross geworden und sehr vertraut. Peter saugte das Wissen und die Atmosphäre im Haus des Freundes wie ein Schwamm auf.
 
Damals herrschte in England noch die allgemeine Wehrpflicht. Die Republik Irland war damals von England noch nicht anerkannt und so wurde er, der sich als ihre empfand, zum Militärdienst eingezogen. Er packte sein bestes Benehmen und seinen O'Toole-Charme aus und schaffte es in die Marine - auch, weil er aus "Captain Spats" einen Vater machte, der aus einer langen Reihe irischer Seefahrer stamme.
 
Doch O'Toole war kein Mann für die Armee. Bald fand er den Dienst langweilig und versuchte, die dreijährige Dienstzeit abzukürzen, indem er z.B. bei einem Intelligenztest mit todernster Miene eine halbe Stunde lang versuchte, ein achteckiges Hölzchen in das dafür nicht vorgesehene runde Loch zu setzen. Er überzeugte den Schiffsarzt, dass seine Füsse für Marinestiefel zu empfindlich seien und durfte daher leichte Segeltuchschuhe tragen. Seine Länge konnte er nicht unbeschadet in einer Hängematte verstauen, daher durfte er zur Schonung seiner Wirbelsäule in einem Bett schlafen. Er lernte die Marineterminologie nicht und sprach konsequent von "links" und "rechts" anstatt von "backbord" und "steuerbord". Nach weiteren Kapriolen und einigen Besuchen in der Arrestzelle hatte die Royal Navy genug von ihm und entliess ihn nach 18 Monaten frühzeitig.
 
In Leeds hatte Patrick O'Liver das von der Marxist Association und der Young Communist League geführte Arts Centre entdeckt, das auch den Individualisten Peter faszinierte, allerdings weniger wegen der politischen Ausrichtung, als wegen der hübschen Mädchen, der toleranten Atmosphäre und der dortigen Amateurtheatergruppe.
 
Peter O'Toole begann seine Karriere allerdings nicht direkt auf der Bühne, sondern auf dem Umweg über ein Theaterstück, das er schrieb. Den ersten dramatischen Versuch verbrannte er jedoch, wozu er später schrieb: "Seinen leuchtendsten Moment hatte es, als ich es ins Feuer warf."
 
Seine erste Chance auf der Bühne kam, als ein Hauptdarsteller für Turgenjews Väter und Söhne erkrankte. Der Leiter des Civic Theatre des Arts Centres, Ben Awad, hatte O'Toole in einer Weihnachtsshow mit kleinen Sketchen gesehen und bot ihm den Part in einem mit Profis besetzten Stück an. Peter, der mit seinem Job bei der Zeitung nicht glücklich war, nahm an. Anstatt über Ereignisse zu berichten, wollte er lieber selbst im Zentrum stehen. So kam Peter O'Toole langsam zum Theater. Doch noch fehlte ihm das Vertrauen.
 
Phillip Stone, ein Schauspieler, dessen in London erfolgreich begonnen Karriere durch eine Tuberkulose zum Erliegen gekommen war und nun am Arts Centre tätig war, half Peter weiter, indem er ihn hart aber kompetent kritisierte. Er sei talentiert, aber ein unverschämter Trottel, der noch viel zu lernen habe.

Peter O'Toole verdingte sich als Bauarbeiter, um an den Abenden und Wochenenden für das Theater frei zu sein. Er nahm bei einer betagten Schauspielerin Unterricht und las alles zum Thema Theater, was er finden konnte. Ein Einakter, für den Patrick O'Liver das Bühnenbild gestaltete, wurde ein Erfolg. Nun traute man ihm Grösseres zu.
 
Peter O'Toole Teil 1, Peter O'Toole Teil 3.
  




Die Quelle für nebenstehenden Artikel: Sibylle Luise Binder: Peter O'Toole. Ein Porträt. Henschel Verlag, Berlin, Juli 2002, 222 S. Buch bestellen bei Amazon.de.