Das Marmorpalais in
Potsdam
Geschichte und Museum
Artikel vom 14. Juli 2003
Das Marmorpalais als Zentrum des Neuen
Gartens entstand von 1787 bis 1792, zunächst nach Planen von Carl von
Gontard (1731-1791). Dieser verband in seinem Werk Formen des ausgehenden
Barocks mit frühklassizistischen Zügen. Seit 1765 war er für Friedrich den
Grossen tätig. Das Marmorpalais am Ufer des Heiligen Sees errichtete Karl von
Gontard im frühklassizistischen Stil als Sommerwohnsitz für König Friedrich
Wilhelm II, dessen Lieblingsschloss es wurde. Die Küche wurde nebenan als
romantische Ruine gebaut und mit dem Marmorpalais unterirdisch verbunden.
Vollendet wurde das Marmorpalais von Carl Gotthard Langhans (1732-1808),
insbesondere die Innendekoration. Seit
1788 war Langhans in Berlin als Direktor des Oberhofbauamts tätig. Sein
bekanntestes Werk ist das von 1788 bis 1791 entstandene Brandenburger Tor, auf
das Berlins Prachtstrasse Unter den Linden mündet. Das zu Ehren von Herzog
Karl Wilhelm Ferdinand errichtete Brandenburger Tor war das erste
frühklassizistische Werk von Langhans.
Die Seitenflügel des Marmorpalais stammen von Johann Boumann d. J. aus dem
Jahr 1797. Die Innendekoration in den Seitenflügeln vollendeten Ludwig Persius und
L. Hesse (1843-48) für Friedrich Wilhelm IV. Die Fresken in den Säulengängen stellen Motive aus der
Nibelungensage dar.
Das Marmorpalais mit seinem Garten war dem Privatleben von König Friedrich
Wilhelm II vorbehalten. Der musisch veranlagte Monarch verbrachte eine
glückliche Zeit im Neuen Garten, wo er seiner bürgerlichen Mätresse
Wilhelmine Encke (1753-1820), der späteren Gräfin Lichtenau, gegenüber der
Gotischen Bibliothek das Palais Lichtenau (1796-97) erbauen liess. Heute ist
das Palais vom Neuen Garten durch eine Strasse abgetrennt.
Ab 1881 war das Marmorpalais die Sommerresidenz des späteren Kaiserpaars Wilhelm
II und Auguste Victoria. Ab 1905 wohnten bis zur Fertigstellung des Cecilienhofes
im Jahr 1917 Kronprinz Wilhelm und
seine Familie im Schloss.
Im Landschaftszimmer des Marmorpalais
brachte seine Frau Cecilie drei Söhne zur Welt: den Thronfolger Wilhelm, Louis Ferdinand
und Hubertus. Sie wuchsen zusammen mit den anderen Kindern, Friedrich und Alexandrine,
im
frühklassizistischen Sommerschloss auf. In der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts beherbergte das in der DDR liegende Schloss ein Militärmuseum.
Im Marmorpalais sind heute Gemälde von Anton Graff, Angelika Kauffmann, Eduard
Francis und anderen zu bewundern. Intarsienkabinette,
Kommoden und weitere Möbelstücke stammen
von Hacker, Fiedler, Röntgen und Eben. Die Keramik stammt von Wedgwood. Der
Orient war damals in Mode, weshalb das Marmorpalais ein Orientalisches
Kabinett besitzt, das mit blau-weissem Atlas,
Leopardenseide und einem Diwan als türkisches Zeltzimmer eingerichtet wurde.
Die weitgehend frühklassizistische Innenausstattung des Marmorpalais ist zum
Teil original, zum Teil wurde sie um zeitgenössische Werke aus anderen Museen
ergänzt.
Dank der 1988 begonnenen und heute fast abgeschlossenen Renovierung erstrahlt
das Marmorpalais wieder in altem Charme. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt
finanzierte das Projekt "Schadensanalyse und modellhafte Sanierung von Architekturteilen am
Marmorpalais Potsdam". Dabei wurden anwendungsorientierte Grundlagenforschung und
praktische Denkmalpflege beispielhaft miteinander verknüpft. Das vorrangige Projektziel war
die modellhafte Konservierung von Säulen aus Kauffunger Marmor an den
Seitenflügeln und von Säulen aus Priborner Marmor am Balkon auf der Seeseite
des Hauptgebäudes. Friese und Wandverkleidungen am Hauptgebäude wurden mitberücksichtigt.
Die interdisziplinäre Arbeit involvierte neben Konservatoren, Handwerkern,
etc. auch Geologen,
Mineralogen, Petrophysiker, Chemikern und Ingenieure.
Das Marmorpalais gehört zum Ensemble von Palästen und Gärten, das 1990 von
der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde.
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Das Marmorpalais von Norden her gesehen. Foto Copyright: Stiftung Preußische
Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg/ Fotograf: Gerd Schurig.
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