Der Neue Garten in
Potsdam und Peter Joseph Lenné
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Artikel vom 14. Juli 2003
Der Neue Garten in Potsdam nahm seinen
Anfang im Jahr 1786. Friedrich Wilhelm II (1744-1797), der Neffe von Friedrich II der Grosse und
der Sohn von Prinz August Wilhelm, holte damals den
Landschaftsgärtner Johann August Eyserbeck (1862-1811) aus Wörlitz, wo
dieser für den Fürsten von Anhalt-Dessau den ersten deutschen
Landschaftspark geschaffen hatte. Friedrich Wilhelm II gab Eyserbeck den
Auftrag, ihm
einen "sentimentalen Landschaftsgarten" zu schaffen. Da der Park
Sanssouci bereits bestand, erhielt die neue Anlage den Namen "Neuer
Garten".
Im Nordosten von Park Sanssouci lagen einst Obstgärten und Weinberge.
Eyerbeck integrierte bereits bestehende Gartenstrukturen in sein
Landschaftskonzept. Das Zentrum des Neuen Gartens bildete das von 1787 bis
1790 im neoklassizistischen Stil errichtete, am Ufer des Heiligen Sees
gelegene frühklassizistische Marmorpalais,
von Karl von Gontard (1731-1791) in den Jahren 1787-1792 für Friedrich
Wilhelm II als Sommerwohnsitz erbaut.
Der aus Bonn stammende Landschaftsgärtner Peter Joseph Lenné (1789-1866) verband von 1816 bis
1828 die verschiedenen Gärten in einem umfassenden Landschaftsgarten. Lennés
Vater und Grossvater waren bereits Gärtner gewesen und stammten aus der
Gegend um Lüttich. Peter Joseph hatte bei Gabriel Thouin, dem Meister der jardins
romantiques, in Paris studiert, wohin die Gartenmode aus England kommend
übergeschwappt war. Danach hatte Lenné in München für Friedrich Ludwig
Sckell, den Schöpfer des Englischen Gartens, gearbeitet. Wien und Laxenburg,
wo er zuletzt als "Kaiserlicher Garten-Ingenieur" tätig gewesen
war, hiessen seine weiteren Stationen, ehe er nach Potsdam kam.
Ebenfalls ab 1816-17 kreierte er für das heute über die Glienicker Brücke
mit dem Neuen Garten verbundene Landgut Glienicke für den damaligen
Staatskanzler Karl August Fürst von Hardenberg einen pleasure ground.
1824 erwarb der Sohn von König Friedrich Wilhelm III und Königin Luise,
Prinz Carl von Preussen, das Glienicker Landgut, das von 1825 bis 1850
zusammen mit den Nebengebäuden von Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) mit
klassizistischen Formen versehen wurde. Erneut war es Lenné, der den
adäquaten Garten dazu gestaltete.
Schinkel und Lenné arbeiteten übrigens auch bei der Gestaltung von
Charlottenhof, um den der Park Sanssouci erweitert wurde, von 1825-35
erfolgreich zusammen. Und als der zweitgeborene Königssohn, Wilhelm, und
seine Gemahlin Augusta auch ihr Arkadien haben wollten, bildeten Schinkel und
Lenné erneut ein Team für Schloss Babelsberg. Doch diesmal scheiterten die
zwei kongenialen Männer mit ihrem englisch-neugotischen Schlösschen und
Garten an der neurotischen Augusta und ihren Aus- und Umbaulaunen. Schinkel
nahm die Promenadenmischung von einem Bau nicht einmal in sein Werkverzeichnis
auf. Lenné fehlte das Wasser, sodass ganze Anpflanzungen verdorrten. Der
Gartenarchitekt wurde nicht nur den Auftrag los, sondern sein Rivale, Hermann
Fürst von Pückler-Muskau, nahm erfolgreich Revanche für bei Schloss
Glienicke erlittene Niederlage.
Dank dem Machtantritt von Friedrich Wilhelm IV (1795-1861; König von Preussen
1840-1861) im Juni 1840 und Borsigs Dampfmaschinenhaus konnte Lenné im
Oktober 1842 den Park Sanssouci und dessen Umgebung mit "fliessendem und
springendem Wasser" versorgen, so wie er es bereits seit 1816 geplant
hatte, zusammen mit der Verschönerung der Promenaden von Sanssouci. Die
Grosse Fontäne stieg nun gewaltige vierzig Meter hoch. Später fügte Lenné
noch den Nordischen, den Sizilianischen sowie den zwischen der Friedenskirche
und der Hauptallee gelegenen Marlygarten dem Park Sanssouci hinzu.
Friedrich Wilhelm IV liess von 1847 bis 1863 auf dem Pfingstberg
ein kolossales, italienisch beeinflusstes Belvedere errichten. Erneut rief er
nach dem Rheinländer Lenné, der 1862 die verschiedenen Anlagen mit dem Neuen Garten
verband.
Lenné entwarf für Friedrich Wilhelm IV 1843 einen Stadt-Land-Plan, der die
titanische Vision des Monarchen von einer Gartenstadt Berlin umsetzen sollte.
Doch nach dem Schlaganfall des Königs von 1857 wurde Lenné sofort
kaltgestellt. Die Zeit der Gartenfürsten war vorbei.
Am Nordende des Neuen Gartens errichtete der Architekt Paul Schulze-Naumburg
von 1913 bis 1917 Schloss
Cecilienhof, die Residenz des letzten Kronprinzenpaares. Das im englischen
Landhausstil gebaute Schloss mit fünf Innenhöfen beherbergt heute ein Museum und ein Hotel. 1945
fand darin die Potsdamer Konferenz statt.
Der Neue Garten mit seinen 730'000 m2 besteht heute noch im
Wesentlichen so, wie ihn der Gartenarchitekt Lenné einst gestaltet hat, eingerahmt vom Heiligen
See, dem Jungfernsee und der Havel. Sehenswert sind neben dem Marmorpalais
und dem Schloss
Cecilienhof auch die 1791/92 von Carl Gotthard Langhans (1733-1808) und
Andreas L. Krüger erbaute Orangerie, der Blumengarten und das Holländische
Etablissement, 1789/90 ebenfalls von Gontard und Krüger geschaffen.
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Blick von der Gotischen Bibliothek über den Heiligen See. Im Hintergrund in
der Mitte, leider nicht zu erkennen, das Marmorpalais im Zentrum des Neuen
Gartens. Foto Copyright: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin
Brandenburg/Fotograf: Prof. Dr. Michael Seiler.
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Literatur, Bücher zu Potsdam und Umgebung
- Merian. Potsdam. Mai 1993, 138 S. Darin u.a. hier verwendete
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- Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Von 1862 bis
1889 entstanden. Aufbau TB, 2001, 4688 S. Bestellen bei Amazon.de.
- Museen in Brandenburg. Museumsverband Land Brandenburg, Henschel,
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- Wolfgang Benz: Potsdam 1945. Dtv, 1994. Bestellen bei Amazon.de.
- Gustav Meyer: Lehrbuch der schönen Gartenkunst. 1859 verfasst, blieb
das Buch von Lennés Meisterschüler lange Zeit die "Bibel" der
Gartenarchitekten und Landschaftsgärtner.
- Silke Holländer: Der Neue Garten in Potsdam, Amtlicher Führer der
Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam Sansouci 1994.
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