Hans Ulrich von Eggenberg
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Artikel vom 27. September 2003
Von 1619 bis 1623 kam es durch Ausbringung der Münzen weit unter Wert zu
einer massiven Inflation im gesamten Reich. Der Höhepunkt der Krise kam 1622,
als Kaiser Ferdinand II. das gesamte Münzwesen im Königreich Böhmen, in
Niederösterreich und Mähren dem in Prag ansässigen niederländischen
Handelsherren Hans de Witte und Konsorten für ein Jahr verpachtete. Neben de
Witte gehörten dem Münzkonsortium Karl von Liechtenstein, Albrecht von
Wallenstein, der jüdische Finanzier Jakob Passevi und unbekannte Parteien an,
zu denen höchstwahrscheinlich auch Kanzler Eggenberg gehörte; aktenkundig
ist, dass Eggenberg grossen Gewinn aus der "langen Münze" gezogen
hat. Mit grossen Mengen an Kippmünzen (minderwertigen Fälschungen)
erwirtschaftete das Konsortium riesige Gewinne auf Kosten einer schrecklichen
Inflation. Der Prozess um den Münzskandal endete erst 1665. Hans de Witte
endete als Selbstmörder im Brunnen seiner Hauses in Prag, die wahren
Nutzniesser des Betrugs jedoch wurden nie zur Verantwortung gezogen. Der
Kanzler und langjährige Bankier des Kaisers, Eggenberg, überstand den
Skandal unter dem Schutz seines Herren unbeschadet.
Eggenberg erwies sich als würdiger Kaufmannssohn. Seit Jahren streckte er
Ferdinand aus seinem Privatvermögen Millionenbeträge als Darlehen vor, die
er sich in Form günstiger Pachtverträge und Übertragung von Grundbesitz
abgelten liess. So kam er zu einem riesigen Barvermögen, zu einträglichen
Herrschaften und Ämtern.
1619 erhielt Eggenberg die Grafschaft Adelsberg in Krain. Dazu kamen die
Herrschaften Thal bei Graz, Gösting und Wildon. Ebenso erhielt er das
landesfürstliche Hubmeisteramt. 1623 wurden die grosszügigen Schenkungen zu
einem Fürstentum erhoben. 1620 nahm König Philipp III. ihn in den höchsten
Orden der Casa Austria, den Orden des Goldenen Vlieses aufgenommen. 1621 wurde
er Landeshauptmann der Steiermark und oberster Erblandkämmerer des
Herzogtums, 1622 Obrister Erblandmundschenk in Krain und der Windischen Mark.
Zudem schenkte ihm Ferdinand II. die riesige und einträgliche Herrschaft
Krumau in Südböhmen mit über 300 Ortschaften und reichen Vorkommen an
Bodenschätzen. 1628 erhielt Hans Ulrich den Herzogstitel, wodurch er
gleichzeitig Mitglied der böhmischen Stände wurde.
Seine wichtigste Bedeutung erlangte Eggenberg durch seine Tätigkeit als
Direktor des Geheimen Rates. Ferdinand II. soll von 1619 bis 1634 keine
bedeutende staatspolitische Entscheidung ohne den Rat seines Freundes
getroffen haben, allerdings nicht immer im Sinne von Eggenberg. In der noch
erhaltenen Korrespondenz titulierte ihn der Kaiser als "mein getreuer,
alter und vertrauter Diener" und als "unser vielliber Oheim",
was auf ein für das 17. Jahrhundert ungewöhnliches Mass an Intimität und
persönlicher Vertrautheit, eine echte Freundschaft schliessen lässt.
Die Krönung seiner Laufbahn erreichte Eggenberg 1625, als ihn der Kaiser zum
Gubernator von Innerösterreich ernannte. Er regierte nun "an Kaisers
statt" in den innerösterreichischen Erblanden Steiermark, Kärnten und
Krain mit absoluter Gewalt in politischen, juridischen und militärischen
Angelegenheiten. Nie hat je sonst ein Statthalter eine solche Funktion
erhalten und ausgeübt.
In den letzten Lebensjahren lockerten sich die regelmässigen Kontakte zum
Kaiser erheblich. Als innerösterreichischer Statthalter blieb Hans Ulrich
immer öfter dem Wiener Hof fern. Zudem erlangte der Jesuitenpaters Wilhelm
Lamormaini mit seiner Erhebung zum Beichtvater bedeutenden Einfluss auf
Kaiser Ferdinand. Da Hans Ulrich seinen Herrn vor Abhängigkeiten bewahren
wollte und er eine tiefe Abneigung gegen Kompromisslosigkeit und überstürzte
Entscheidungen hatte, wurden der Jesuitenpater und Eggenberg Rivalen.
Hans Ulrich von Eggenberg und Albrecht von Wallenstein waren Kampfgefährten,
die sich seit dem Gradiskaner Krieg kannten und auch familiär verbunden
waren. Beide betrachteten die dominierende Rolle Maximilians von Bayern und
der katholischen Liga mit wachsendem Misstrauen. Sie wollten daher die
kaiserliche Zentralgewalt stärken. Als Wallenstein 1625 die Aufstellung einer
Streitmacht, die in den Krisenherden des Reiches operieren sollte, auf eigene
Rechnung vorschlug, fand er sofortige Unterstützung Eggenbergs. Nach
mehrmaligen Verhandlungen wurde der Vorschlag vom Kaiser gebilligt. Später
kam Eggenberg wegen der Unterstützung Wallensteins unter den Beschuss der
Gegner des Generals und wurde mit Anklagen und Protesten aus allen
Bevölkerungsschichten konfrontiert, die unter den Massnahmen der Kriegknechte
und Offiziere Wallensteins zu leiden hatten.
Die Armeen Wallensteins waren erfolgreich und beherrschten den Norden des
Reiches, der Widerstand der Union schien gebrochen. 1629 wurde bei einer
Zusammenkunft des Geheimen Rates, bei der Eggenberg krankheitshalber abwesend
war, ein Restitutionsedikt erlassen, mit dem die Rückgabe der in den
protestantischen Gebieten enteigneten Kirchengüter verordnet.
Am Kurfürstentag zu Regensburg vom 3. Juni 1630 nahmen mehrere Kurfürsten,
Gesandte aus Spanien und Frankreich sowie der Kaiser in Begleitung von
Eggenberg teil. Im Mittelpunkt der erbitterten Diskussionen stand die Frage
der künftigen Armeeführung und der Heeresfinanzierung. Schliesslich setzte
der Kaiser Wallenstein ab, trotz des Widerstandes der Spanier und Eggenbergs.
Diese Entscheidung machte Hans Ulrich so zu schaffen, dass er sich,
körperlich erschöpft und krank, bis 1631 aus dem politischen Geschehen
zurückzog.
Nach der Abberufung Wallensteins wurde auch ein Teil der ehemals kaiserlichen
Armee entlassen. Der Grossteil der Truppen wurde dem Oberbefehl des
Ligagenerals Graf von Tilly unterstellt, dessen Eroberung, Plünderung und
Zerstörung Magdeburgs 1631 zum Innbegriff der Grausamkeit des
Dreissigjährigen Krieges wurde. Von König Gustav II. Adolf von Schweden
wurde Tilly 1631 bei Breitenfeld sowie 1632 bei Lech am Rhein, wo er tödlich
verwundet wurde, geschlagen. Frankreich hatte sich mit dem Schwedenkönig
verbündet, der seinerseits eine Allianz mit den protestantischen deutschen
Fürsten eingegangen war. Unter dem wachsenden Druck wandte sich der Kaiser an
Spanien, das die Rückkehr Wallensteins forderte. Der Kaiser kam zur Einsicht,
dass die Entlassung Wallensteins ein Fehler gewesen war, doch zuerst holte er
Hans Ulrich von Eggenberg wieder an den Wiener Hof.
Wallenstein akzeptierte die erneute Übernahme der Armeeführung unter der
Bedingung unbeschränkter Vollmachten für Kriegführung und
Friedensverhandlungen. Doch nach dem Tod des Schwedenkönigs Gutav Adolf
gewannen die Kritiker Wallensteins beim Kaiser wieder die Oberhand. Wegen
seiner hinhaltenden Kriegsführung und Verhandlungen mit den Schweden und
Sachsen wurde Wallenstein des Hochverrats bezichtigt; die Absichten
Wallensteins sind allerdings bis heute umstritten. Im Januar 1634 wurde der
Generalissimus von Kaiser erneut abgesetzt. Trotz Ergebenheitserklärungen
fielen fast alle Offiziere von Wallenstein ab, der im Februar 1634 in Eger von
schottischen Söldnern ermordet wurde.
Eggenberg hatte Wallensteins Verrat bis zuletzt bezweifelt, weshalb er nun um
seinen guten Ruf kämpfen musste. Nur das alte Vertrauen des Kaisers rettete
ihn vor dem Vorwurf des Verrats und dem Verlust seiner Stellung. Im Juni 1634
nahm Eggenberg zuletzt an einer Sitzung des Geheimen Rates teil. Zehn Tage
danach reiste er nach Graz, er sollte den Kaiser nicht wiedersehen.
Hans Ulrich von Eggenberg musste bereits in den Jahren zuvor seine Geschäfte
immer wieder vom Krankenbett aus führen. Der Fürst litt an Gicht, dazu kam
nun die Wassersucht. Am 10. Oktober 1634 verstarb er im Alter von 66 Jahren an
fortgeschrittener Hydropsie. Sein Herz wurde neben seiner Mutter in der
Laibacher Jesuitenkirche bestattet, sein Leichnam in der Michaelskapelle der
von ihm gestifteten Mariahilferkriche der Grazer Minoriten. Zu
Teil 1 der Biografie.
Quelle: Barbara Kaiser: Landesmuseum Johanneum. Schloss Eggenberg. Lernbehelf für
Guides, mit Beiträgen von Thomas Höft, 2001, 191 S.
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Schloss Eggenberg. Foto Copyright: Graz Tourismus.

Schloss Eggenberg. Foto Copyright: Graz Tourismus.

Diana mit Pfau im Schlosspark. Foto Copyright: Schloss Eggenberg,
Landesmuseum Joanneum, Graz.
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