Die Geschichte von Graz
Die Geschichte der Stadt Graz und
einiger ihrer Sehenswürdigkeiten
Artikel vom 27. September 2003
Um 800 entstand in Graz eine erste Siedlung, im 12. Jahrhundert der Kern der
Altstadt um die nach dem Vorbild der deutschen Ackerbürgerstädte planmässig
angelegte Marktanlage zwischen dem Schlossberg und der Mur, dem 444 km langen
linken Nebenfluss der Drau. Erstmals erwähnt wird Graz 1164 als Marktsiedlung
(bei der Burg), woraus die Stadt erwuchs. Ein Grossteil der Bürger betrieb
ursprünglich neben dem Gewerbe auch Landwirtschaft, wovon die langgestreckten
Hofstättengrundrisse z.B. in der Sackstrasse zeugen.
Graz besass im Mittelalter kein innerstädtisches Kirchenzentrum. Die als
Pfarrkirche dienende Ägydiuskirche wurde im 13. Jahrhundert in erhöhter Lage
ausserhalb des Zentrums errichtet. Der Dualismus von Marktanlage und
Wehrkirche bildete den Grundstein für die spätere Entwicklung von Altstadt
und Stadtkrone.
Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts stand Graz unter dem Einfluss der
Habsburger. 1379 wurden die habsburgischen Länder geteilt und damit die
Grundlage für ein selbständiges Innerösterreich geschaffen, das aus den
Ländern Steiermark, Kärnten, Krain, Götz, Köstenland und Istrien bestand.
In jenem Jahr erkor die Leopoldinische Linie der Habsburger Graz zur Residenz.
Herzog Friedrich V. leitete den baulichen Aufschwung der Stadt ein. Als er als
Friedrich III. zum Kaiser (1452-1493) gewählt wurde, machte er Graz zur
Kaiserresidenz.
Kaiser Friedrich III. verknüpfte wie alle Habsburger die weltliche und die
geistliche Macht, was er durch den Neubau der Stadtburg und der gotischen
Pfarr- und Hofkirche symbolisieren liess. Burg und Dom entstanden ab 1438.
An der Stelle des heutigen Doms stand eine Wehrkirche, die erstmals 1174 urkundlich
genannt wird. Von 1438 bis 1462 erfolgte unter
Kaiser Friedrich III. der Neubau des als Pfarrkirche
ursprünglich dem heiligen Ägydius geweihten
Gotteshauses im spätgotischen Stil. Auf der südlichen Aussenseite des vom
Kaiser zur Hofkirche erklärten Bauwerks befindet sich die älteste Grazer Stadtansicht
(1481) in Form des Landplagenbildes (Türken, Heuschrecken und Pest
bedrohten Graz 1480, wodurch die Region völlig verarmte). Die bedeutendsten
Kunstwerke im
Inneren des Doms stellen die Renaissance-Brauttruhen von 1477 der Paola Gonzaga aus Mantua
dar, die 1617 als Reliquienschreine adaptiert wurden. 1577 wurde das Gotteshaus den Jesuiten übergeben,
die der spätgotischen Staffelhalle in zwei Umgestaltungen im 17. und 18.
Jahrhundert ihr barockes Gepräge gaben. Nach der Auflösung des
Jesuitenordens im Jahr 1786 machte der Bischof der Diözese Graz-Seckau die Kirche
zum
Dom, zur Kathedrale, die heute als Beispiel der Harmonie
verschiedener Stilepochen gilt.
Neben dem Dom steht das manieristisch-barocke Mausoleum
Kaiser Ferdinands II., der im 17. Jahrhundert vorübergehend von Graz aus Österreich
regiert hatte. Das Mausoleum wurde von Pietro de Pomis 1614 begonnen und von
Pietro Vallnegro 1714 vollendet. Der Barockbau, an dem auch Fischer von Erlach
mitgearbeitet hat, war aus einer ehemaligen Friedhofskapelle entstanden.
Schräg gegenüber dem frühbarocken Landeszeughaus
steht die gotische Stadtpfarrkirche mit barocker Schaufassade und einem
Dachreiter. Die gotische Hallenkirche wurde von 1484 bis 1519 erbaut. Die
barocke Fassade entstand Mitte des 18. Jahrhunderts. Ende des 19. Jahrhunderts
wurde das Kircheninnere regotisiert, sodass nur wenig von der ursprünglichen
Innenausstattung erhalten ist. Das bedeutendste Kunstwerk der Stadtpfarrkirche
ist das im Johannesschiff sich befindende Altarbild Maria Himmelfahrt
(1594) des Venezianers Jacopo Tintoretto. Aus dem 20. Jahrhundert stammen die
Glasfenster von Alfred Birkie in der Apsis. Im Glasfenster zur Dornenkrönung
Jesu hat der Künstler Hitler und Mussolini eingefügt.
Kaiser Friedrich III. hatte mit der Errichtung zahlreicher kirchlicher und
profaner Bauten das Fundament und die Entwicklungsmöglichkeit für die in
Österreich einzigartige und noch weitgehend erhaltene bipolare historische
Stadtanlage gelegt.
Sein Sohn Kaiser Maximilian I. liess 1499 in einem Trakt der Grazer Burg eine
Doppelwendeltreppe erbauen. Mit ihren
gegenläufig gedrehten Steinstufen stellt sie nicht nur eine Sehenswürdigkeit
von Graz, sondern auch ein im deutschen Sprachraum einzigartiges Meisterwerk
der spätmittelalterlichen Architektur dar.
Nach einer weiteren Teilung des Habsburgerreiches wurde Graz unter Erzherzog
Karl II. 1564 erneut die Residenz Innerösterreichs, das als eigener Staat
institutionalisiert wurde.
Die Türkeneinfälle zwangen die Habsburger zur Sicherung ihrer Südostgrenze
eine durchgehende Festungskette von Wien über Graz bis zum Adriatischen Meer
zu errichten. Graz kam dabei eine Schlüsselstellung zu. Die Stadt wurde ab
1543 zu einem Bollwerk gegen die Türken ausgebaut. Die Stadtbefestigung und
die unter Kaiser Friedrich III. errichteten Befestigungsanlagen am Schlossberg
wurden nach dem neuen italienischen Bastionärsystem erweitert. Das Stadtareal
wurde durch den Bau von zwölf Bastionen und zwei Ravelins fast verdoppelt.
Von den Bastionen ist das "Äussere Paulustor" (1606-1614) erhalten.
Erzherzog Karl II. holte für die Erweiterungsbauten herausragende Architekten
aus Italien, die daneben auch grosszügige zivile Neu- und Umbauten vornahmen.
Dadurch erhielt das Stadtbild von Graz starke Einflüsse der italienischen
Renaissance, wodurch das einzigartige architektonische Gemisch der Stadt
entstand.
Zu den bedeutendsten italienischen Renaissancebauten ausserhalb Italiens
gehört das von Domenico dell'Allio erbaute Landhaus in der Herrengasse mit
seiner oberitalienischen Hauptfassade und dem grosszügigen Innenhof. Heute
finden hier Konzerte und Freilichtaufführungen in stimmungsvollen Rahmen
statt.
Die Gegenreformation erreichte auch Graz. 1572 wurden die Jesuiten in die
Stadt gerufen, wo seine eine fruchtbare bauliche Aktivität entwickelten. Der
italienische Baumeister Vinzenz de Verda errichtete ab 1572 das monumentale
Jesuitenkollegien, das heutige Priesterseminar. Mit der 1586 gegründeten
Universität wurde Graz auch zum bedeutenden Kulturzentrum.
Die Wahl des Sohnes von Erzherzog Karl von Innerösterreich zum Kaiser
(Ferdinand II.) im Jahr 1619 bedeutete das Ende von Graz als Residenzstadt;
der Hof zog nach Wien. Graz blieb aber Landeshauptstadt. Die 1625 neu
organisierten Grazer Behörden verwalteten weiterhin die
innerösterreichischen Länder.
Ferdinand II. war ein entschiedener Unterstützer der Gegenreformation. Unter
ihm wurde die Universität Graz zu einem geistigen Zentrum der
gegenreformatorischen Aktivitäten. Zusammen mit dem Priesterseminar bildete
die ehemalige Jesuitenuniversität (1607/09), die Wiege der heutigen
Karl-Franzens-Universität (die heute u.a. mit einer begehrten Jazz-Fakultät
aufwarten kann), das wichtigste geistige Zentrum im gesamten
südosteuropäischen Habsburgerreich.
Der Wegzug des Hofes im Jahr 1619 führte zu einem Aufschwung adeliger und
bürgerlicher Baukultur, der von den weiterhin in Graz tätigen italienischen
Handwerkern und Künstlern getragen wurde. So wurden in der Barockzeit
baugeschichtlich bedeutende Palais errichtet, darunter die von Attems,
Stubenberg, Welsersheim und Wildenstein, die mit künstlerisch hochwertigen
Stuckdekorationen in den Innenräumen wie den Aussenfassaden aufwarten.
Der Verlust an politischer Bedeutung erwies sich für die Grazer Bausubstanz als
konservierender Faktor. Die Bauten der Gründerzeit
aus dem späten 19. und dem frühen 20. Jahrhundert betrafen die Altstadt nur
wenig, sondern wurden ausserhalb des historischen Zentrums und in hoher
baukünstlerischer Qualität errichtet. Erst durch den Friedensvertrag von Schönbrunn, der die
Schleifung der Stadtmauern und der Befestigungsanlagen des Schlossberges
vorsah, veränderte sich der Charakter der Stadt.
Es verwundert nicht, dass die
historische Grazer Altstadt am 1. Dezember 1999 in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe
aufgenommen wurde. Die mit zirka 250,000 Einwohnern
zweitgrösste Stadt Österreichs ist nicht nur die Hauptstadt der Steiermark,
sondern im Jahr 2003 zudem Kulturhauptstadt Europas.
Quellen: Graz Tourismus, HB Bildatlas Steiermark
Graz, Brockhaus
multimedial premium,
Peter Laukhardt: Der Grazer Schloßberg. Weltkulturerbe im Sturm der
Zeit. Verlag für Sammler, Graz, 2000.
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Die Dächerlandschaft der Grazer Altstadt.
Foto Copyright: Graz Tourismus.
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Blick auf die Altstadt im Winter. Foto Copyright: Graz Tourismus.

Der 28 Meter hohe Uhrturm (1560) auf dem Schlossberg. Foto Copyright: Graz Tourismus.
Für das Jahr 2003
hat der Uhrturm einen "Schatten" in Form eines Zwillingsturms bekommen,
der vom steirischen Künstler
Markus Wilfling stammt. Der Uhrturm gilt als Wahrzeichen der Stadt, seit er
1809 von der Grazer Bevölkerung von der französischen Besatzungsmacht
freigekauft und so vor der Zerstörung bewahrt wurde. Der Uhrturm ist nur einer der Reste der mittelalterlichen
Herrschaftsburg, die unter der Bedrohung der Türken zur Renaissance-Festung
ausgebaut und von Napoleon 1809 weitgehend gesprengt wurde. Der Uhrturm
dürfte im Kern aus dem 13. Jahrhundert stammen, denn das Urbar über die
Steiermark aus der Zeit der Herrschaft des Böhmenkönigs Ottokar nennt den
Turm bereits um 1265. Gemäss Bauberichten wurde der Uhrturm um 1560 anlässlich
des Neubaus der Festung in seine heutige Form gebracht. Die vier Turmseiten
schmückt ein über fünf Meter grosses Zifferblatt aus dem Jahre 1712. Die
vergoldeten Zeiger sind allerdings vertauscht montiert. Der lange zeigt auf
die Stunden, der kurze auf die Minuten. Das hat einen praktischen Grund: Die
Uhr hatte ursprünglich nur einen grossen Zeiger. So konnten die Grazer von
der Stadt aus die Zeit leichter lesen. Erst später wurde der zweiter, kleine
Zeiger für die Minuten angebracht. Der Uhrturm beherbergt drei Glocken. Die
Feuerglocke, die Stundenglocke, die zumindest der Inschrift nach die älteste
Glocke von Graz (1382) ist, sowie die um 1450 gegossene Armensünderglocke.
Letztere zeigte mit ihrem kläglichen Ton die Hinrichtung von Verbrechern an,
wurde aber auch bei Beginn und Ende von Jahrmärkten sowie bei der Schliessung
der Stadttore geläutet. Heute zeigt die Armensünderglocke die Viertelstunden
an.
Ebenfalls erwähnenswert ist der Glockenturm (1588), der als achteckiger "Campanile"
für die Thomaskapelle im Auftrag von Erzherzog Karl II. erbaut wurde. Der Glockenturm beherbergt
ein Museum zur Grazer Geschichte sowie die drittgrösste historische Glocke der
Steiermark, die "Türkenglocke". Sie wurde 1587 vom sächsischen
Meister Martin Hilger in Graz angeblich aus 101 von den Türken eroberten
Kanonenkugeln gegossen. Volkstümlich wird sie auch "Liesl"
genannt. In dieser Bezeichnung lebt vermutlich die Erinnerung
an die der heiligen Elisabeth geweihte Kapelle des 1577 niedergerissenen Wohntraktes
der alten Burg weiter.

Das Rathaus. Foto Copyright: Graz Tourismus.

Das Grazer Bermudadreieck. Foto Copyright: Graz Tourismus.
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