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Nr. 51, September 2003
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Lady Hamilton
Biographie, Biografie, Teil 1

 
Artikel vom 1. September 2003
 
Das Leben von Lady Hamilton ist romanesker und spannender als "Pretty Woman", allerdings ohne Happy End. Da wundert es nicht, dass es immer wieder in Büchern dargestellt wird, mehrfach verfilmt wurde und ein Hotel in Stockholm den Namen der bezaubernden Dame aus einfachsten Verhältnissen trägt.

Lady Hamilton wurde 1765 als Emily Lyon und Tochter eines einfachen Schmieds und einer Hausfrau in Ness, einem kleinen Ort in der Grafschaft Cheshire, geboren. Zweieinhalb Monate nach ihrer Geburt starb ihr Vater, Henry, der überall als Smith of Ness bekannt gewesen war. Die beiden des Schreibens unkundigen Eltern hatten erst ein Jahr zuvor, im Juni 1764, geheiratet.
 
Nach diesem schweren Schicksalsschlag zog Mary Lyon nach Hawarden, wo Emilys Grosseltern lebten, mitten im Steinkohlerevier. 1779 zogen Mutter und Tochter nach London, wo sie sich als Dienstmädchen bei einem angesehenen Chirurgen verdingten.
 
Dort traf Emily Jane, ein Mädchen gleichen Alters und Charakters, das ebenfalls zum Hauspersonal gehörte. Jane träumte von einer Karriere als Theaterschauspielerin, was ihr auch gelang. Sie heiratete nicht nur den berühmten Schauspieler William Powell, sondern sollte ihn sogar noch an Berühmtheit übertreffen. Die Mädchen waren der Chirurgenfamilie wohl zu kess und standen eines Tages vor verschlossener Türe. Biograf Gilbert Sinoué findet die die Spur von Emily erst im Juli 1780 wieder, als sie sich als Dienstmädchen bei der Familie Linley in London verdingte. Über den Verbleib der Mutter ist für längere Zeit nichts bekannt.
 
Die Linleys hatten das Drury Lane Theatre erworben, dessen Vorbesitzer kein anderer als der legendäre Schauspieler David Garrick war. Emily soll grosse Zuneigung zum ältesten Sohn der Linleys empfunden haben und ihn bis zu seinem plötzlichen Tod 1781 "wie eine Mutter" gepflegt haben. Allerdings wohnte Emily damals bereits nicht mehr bei den Linleys, wie Biograf Gilbert Sinoué anmerkt. Ihre spätere Affinität zum Theater könnte allerdings aus jener Zeit stammen.
 
Ihrer Schönheit verdankte es Emily, dass sie einer Mrs. Kelly auffiel, die als "Äbtissin von der Arlington Street" bekannt war. Sie wurde als Zimmermädchen im "Kloster", das nur Männer als Besucher empfing, angestellt und verlor mit sechzehn Jahren ihre Unschuld.
 
Danach arbeitete Emily für den aus Edinburgh stammenden "Doktor" James Graham, einen Scharlatan, Spitzbuben und Mythomanen, der behauptete, Medizin studiert, Frankreich und Amerika besucht sowie eine Abhandlung über das Werk von Benjamin Franklin geschrieben zu haben.
 
Graham besass eine Art prunkvolles Theater, "Tempel des Äsculap" bzw. "Tempel der Gesundheit" genannt. Für die stolze Summe von fünf Schilling wurden Gäste von zwei angeblich über zwei Meter grossen Dienern in funkelnden Livreen und mit Dreispitz auf dem Kopf empfangen. Zu den vom "Doktor" empfohlenen Heilmethoden gehörten vor allem Schlammbäder. Im Zeitalter des Okkultismus bot Graham aber auch Einführungen in die "Mysterien des Jenseits" an. Den Zuschauern wurden Vorführungen wie die von "Hygiene, die gewaltige, riesige und wunderbare Göttin der Gesundheit", in antikisierenden Posten präsentiert. Für das kleine Vermögen von fünfzig Pfund konnten Eheleute das "himmlische Bett" oder "Bett Apollos" für eine Sitzung mieten.
 
Die siebzehnjährige Emily mit ihrem bewundernswerten Körper wurde innerhalb weniger Wochen zur Hauptattraktion im "Tempel". Sie zeigte dort erstmals ihre antiken Statuen nachempfundenen Posen, die später unter dem Namen Attitüden bekannt werden und sie zeitlebens mit nie ausbleibendem Erfolg begleiten sollten.
 
Lady Hamilton Biografie Teil 2.
 

Die Quelle für den nebenstehenden Artikel: Gilbert Sinoué: Emma. Das Leben der Lady Hamilton. C. H. Beck, 2003, 319 S. Buch bestellen bei Amazon.de. Sinoué hat sich vor allem als Autor von historischen Romanen einen Namen gemacht. Das kommt ihm bei der im Präsens gehaltenen Erzählung des Lebens von Lady Hamilton zugute, wobei er allerdings öfters ins populär-triviale Genre abgleitet. Mit Verweisen auf seine Quellen geht Sinoué zu sparsam um. Etwas mehr als nur 55 Fussnoten hätten dem interessierten Leser sicher weitergeholfen. Eine Biographie, die Unterhaltung mit dem Blick auf vergangene Zeiten verbindet.

Verfilmungen des Lebens von Lady Hamilton:
- Lady Hamilton, 1941, GB. Mit Vivien Leigh und Sir Laurence Olivier.
- Lady Hamilton, 1968, F, USA, RFN. Mit Michele Mercier und Richard Johnson
 

 

 

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