Lady Hamilton
Biographie, Biografie, Teil 2
Lady Hamilton
Teil 1
Artikel vom 2. September 2003
In die Zeit der Auftritte im
"Tempel des Äsculap" fällt vermutlich die erste Begegnung von
Emily, der späteren Lady Hamilton, mit dem damals 47jährigen Maler George
Romney (1734-1802), der ihr häufigster Porträtist werden und sie seine divine
lady nennen sollte. Das erste bekannte Porträt stammt von 1782, doch
nichts spricht dagegen, dass Emily dem Maler bereits vor dieser Zeit Modell
stand.
Romney, etwas jünger als Reynolds und Gainsborough, wurde von bösen Zungen
mit geringschätzigem Ton als "mondäner Porträtist" bezeichnet. Er
habe sich weniger für die körperliche Gestalt der Modelle als für ihre
soziale Stellung interessiert. Der Biograf Gilbert Sinoué bemerkt dazu, dass
Romney "vor Thomas Lawrence (dessen Kunst er in vieler Hinsicht
vorwegnimmt) unter Wahrung der notwendigen Distanz die Förmlichkeit einer
Gesellschaft zum Ausdruck [bringt], die auf dem äusseren Schein beruht und in
der letztendlich die Maske und die Kleidung häufig den Menschen
ausmachen."
Im "Tempel" machen viele Emily den Hof, doch nur einer, Sir Harry
Fetherstonehaugh, ein 26jähriger sportlicher Frauenheld, hat bei der jungen
Frau Erfolg. Mit Sir Harry fährt Emily auf den prunkvollen Landsitz Up Park
in Sussex, der dem Vater ihres "Prinzen" gehört. Diener und
Zimmermädchen sind da, um die Wünsche des kleinen Bauernmädchens zu
erfüllen. Nur wenn Sir Harrys Mutter oder gestimmte "vornehme"
Gäste zu Besuch kam, galt es, den Anschein zu wahren. Emily verschwand, wenn
nötig, diskret durch den Dienstboteneingang und wohnte hauptsächlich in
Rosemary Cottage, einige Meilen vom Landsitz entfernt.
Laut Sinoué begann sich Emily Charakter auszuprägen. Sie konnte
"empfindsam und feinfühlig, schrankenlos in ihrer Grosszügigkeit wie in
ihrer Offenherzigkeit, zärtlich und mit einem an Dünkel grenzenden Stolz
beseelt, [... aber] auch heftig, launisch, wütend und unglaublich kopflos
sein."
Auf Up Park lebte Emily mit Sir Harry in Saus und Braus. Zumeist gingen sie
den Tag über auf die Jagd. Die Abende verbrachten sie bei üppigen Soupers
bei Kerzenschein. In kurzer Zeit wurde sie eine hervorragende Reiterin, die
ihren Lehrmeister überholte. Mit ihrer Begabung für "mimisches Spiel
und Gesang" nahm sie bald die Gäste in Up Park für sich ein. Selbst ihr
ländlicher Akzent und ihre Neigung, wie ein Fuhrmann zu fluchen, schadeten
ihr nicht. Ihre verrücktesten Einfälle wurde beklatscht. Sie tanzte schon
mal splitternackt auf dem grossen Esstisch. Sie liebte es, die Leute zu
verblüffen. Ihre Leichtgläubigkeit und Bereitwilligkeit, sich hinzugeben und
anderen blind zu vertrauen, sollten später ihrem Leben eine tragische Wendung
geben. Nicht zuletzt widerspricht Sinoué - mit guten Argumenten - jenen
Biographen, die Lady Hamilton als egoistische, geldgierige und herzlose Frau
beschrieben haben.
Lady Hamilton
Teil 1 der Biografie. Fortsetzung folgt im Oktober!
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Die Quelle für den nebenstehenden Artikel: Gilbert Sinoué: Emma. Das
Leben der Lady Hamilton. C. H. Beck, 2003, 319 S. Buch bestellen bei Amazon.de.
Sinoué hat sich vor allem als Autor von historischen Romanen einen Namen
gemacht. Das kommt ihm bei der im Präsens gehaltenen Erzählung des Lebens
von Lady Hamilton zugute, wobei er allerdings öfters ins populär-triviale
Genre abgleitet. Mit Verweisen auf seine Quellen geht Sinoué zu sparsam um.
Etwas mehr als nur 55 Fussnoten hätten dem interessierten Leser sicher
weitergeholfen. Eine Biographie, die Unterhaltung mit dem Blick auf vergangene
Zeiten verbindet.
Verfilmungen des Lebens von Lady Hamilton:
- Lady Hamilton, 1941, GB. Mit Vivien Leigh und Sir Laurence Olivier.
- Lady Hamilton, 1968, F, USA, RFN. Mit Michele Mercier und Richard Johnson
Hotel:
- Hotel
Lady Hamilton in Stockholm
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