Das Landeszeughaus Graz
Das grösste Zeughaus der Welt
Artikel vom 27. September 2003
Das Landeszeughaus Graz wurde von
Antonio Solar 1643/44 als ständiges Waffendepot gegen die Türkeneinfälle
erbaut. In vier, durch hölzerne Balkendecken unterteilten Stockwerksälen
lagern rund 32,000 Waffen und Kriegsgeräte, womit das Zeughaus die grösste
Sammlung historischer Waffen der Welt darstellt. Das Landeszeughaus ist zudem das einzige weltweit,
das seine Funktion als Waffenkammer von 1644 bis heute ununterbrochen behielt.
Im späten 15. Jahrhundert hielten die Truppen des ungarischen Königs
Matthias Corvinus (1458-1490) den Osten des Landes besetzt. Seit 1471 begannen
zudem die osmanischen Türken vom Süden her einzufallen. Den Höhepunkt
bildete der Gefahr bildete das Jahr 1480, als eine Abteilung der für Terror-
und Beutezüge bekannten türkischen Akindschi bei ihrem von Kärnten her
kommenden Streifzug durch das Land eine Schneise der Verwüstung hinterliessen.
Im selben Jahr beschloss man in Graz eine neue Besteuerung der Grundherren des
Landes, wodurch auch gleich die Truppenaushebung geregelt werden sollte. Für
je 100 Gulden Einnahmen von ihren Untertanen hatten der grundbesitzende Adel
sowie die Stifte und Klöster einen bewaffneten Reiter zu stellen. Bei der
etwas später etablierten Aufbietung von Fusstruppen mussten je drei
Büchsenschützen oder Fussknechte pro 100 eingenommene Gulden aufgebracht
werden. In Zeiten der unmittelbaren Kriegsgefahr wurden vom Land zusätzlich
noch leicht bewaffnete Bauernaufgebote einberufen.
Um die nötige Bewaffnung und Ausrüstung für all diese Truppen jederzeit
bereitzuhalten, legten die Landstände in Graz ein Waffendepot an, aus dem die
Grundherren leihen oder kaufen konnten.
Rund ein Jahrhundert später, 1578, erhielt Erzherzog Karl von
Innerösterreich vom Kaiser den Oberbefehl über die Militärgrenzen
übertragen. Damals setzte ein alle vorherigen Anstrengungen in den Schatten
stellendendes Rüsten ein. Die Landstände und der Landesfürst kauften in
Nürnberg und Augsburg Tausende von Harnischen, Helmen, Gewehren, Pistolen und
deren Zubehör. Aus Passau wurden Klingen, aus dem oberösterreichischen
Eisengebiet Spiesse und Helmbarten angeschafft. Die heimischen Plattner,
Klingenschmiede, Büchsenmacher und Stückgiesser kamen ebenfalls zu wichtigen
Aufträgen. Zu ihnen gesellten sich Zulieferer von Pulverflaschen,
Patronenköchern, Kugelgiesszangen, Musketengabeln, Bandelieren,
Luntenstöcken, Feuersteinen, Kugelblei und Schiesspulver.
So entstand in wenigen Jahren ein gewaltiger Waffenvorrat, der in Graz
gesammelt und aufbewahrt wurde, um bei Bedarf an die Aufgebotsorte und
Grenzfestungen ausgegeben zu werden. Die bisherigen Lagerräume reichten nicht
aus. Auch das 1565 erbaute Landhaus, ein Zeughaus in der Herrengasse, war bald
überfüllt. Die Landstände erwarben daher ein daneben gelegenes Gebäude,
liessen es niederreissen und an seiner Stelle durch Baumeister Anton Solar das
Landeszeughaus, einen nüchternen, aber geräumigen, fünfstöckigen Zweckbau
errichten, der 1645 vollendet wurde.
In der Erdgeschosshalle des Landeszeughauses wurden Geschütze samt Wagenpark,
Reinigungsgeräten und Munition aufgewahrt. In den oberen vier Stockwerken war
Platz für Handwaffen und Rüstungen für Fuss- und Reitersoldaten. Das
Einlagern bzw. Ausgeben erfolgte mit Hilfe von Seilaufzügen an der Hofseite.
Das Landeszeughaus leistete in der Folge wichtige Dienste in der Zeit der
Auseinandersetzungen mit den Türken (Mogersdorf 1664, Wien 1683), den
ungarischen Kuruzzen (1703-1711) sowie im Österreichischen Erbfolgekrieg
(1741-1748). Es war zudem die Zeit der Rekrutenaufbringungen, die bis 1748
Ländersache blieben.
Bereits 1749 wollte Kaiserin Maria Theresia das Zeughaus im Zuge der Reform
der Militärverwaltung auflösen, da fortan die Bewaffnung des Heeres zentral
vom Wiener Hofkriegsrat durchgeführt wurde. Den steirischen Landständen war
das Zeughaus, das sie soviel gekostet hatte, materiell und ideell so ans Herz
gewachsen, dass sie die Kaiserin erfolgreich von ihrem Plan abbringen konnten.
Das Denkmal der Opferbereitschaft und Tapferkeit der Vorfahren wurde (bis
heute) bewahrt, durfte aber den Staatssäckel nicht mehr belasten. Es musste
sich fortan selbst erhalten.
Um die Wartungskosten zu decken, wurden in der Folge Abverkäufe aus den
riesigen und veralteten Beständen getätigt. 1699 wurde mit 185.700 die
Höchstzahl an Objekten im Landeszeughaus registriert. Heute sind es noch
immer über stattliche 32.000. Der grösste Verlust kam 1797, als die gesamte
Artillerie vor dem anrückenden Napoleon nach Novisad verbracht und dort wenig
später verkauft wurde. Bereits 1882 wurde die Sammlung dem Publikum
zugänglich gemacht, 1892 als eigene Abteilung in das Landesmuseum Joanneum
eingebunden.
Quellen, weiterführende Literatur:
- Peter Krenn: Das Landeszeughaus in Graz. Bonechi Verlag Styria,
1991, 64 S.
- Leopold Toifl: "Zur Geschichte des Landeszeughauses in Graz", in: Landesmuseum
Joanneum Graz Jahresbericht 2003, Neue Folge 22, Graz, 1993, S. 233-264.
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Rossharnisch, Conrad Seisenhofer, Innsbruck um 1510.
Foto: © Landeszeughaus Graz, Landesmuseum Joanneum.

Riefelharnisch, Nürnberg um 1500.
Foto: © Landeszeughaus Graz, Landesmuseum Joanneum.
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Foto: © Graz Tourismus.

Rossharnisch, Conrad Seisenhofer, Innsbruck um 1510.
Foto: © Graz Tourismus.
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