Deutsch Politik Geschichte Kunst Film Musik Lebensart Reisen
English Politics History Art Film Music Lifestyle Travel
Français Politique Histoire Arts Film Musique Artdevivre Voyages

Index  Advertise  Werbung  Links  Feedback
© Copyright www.cosmopolis.ch  Louis Gerber  All rights reserved.

Nikolaus Harnoncourt
Biographie, Biografie, CDs, Aufnahmen

Artikel vom 28. September 2003
 
Nikolaus Harnoncourt wurde am 6. Dezember 1929 in Berlin geboren, wo sein Vater als Bauingenieur an der Errichtung des Spree-Havel-Kanals beteiligt war. Weil Kollegen Baumaterial abzweigten, war der Vater jedoch bald gezwungen, zurück in seine Heimat Graz zu gehen, wo Nikolaus aufwuchs.
 
Die Eltern des späteren Dirigenten stammten beide aus adligem Haus: Eberhard de la Fontaine Graf d'Harnoncourt-Unverzagt und Ladislaja Gräfin von Meran, Freiin von Brandhofen. Unter den Vorfahren von Nikolaus findet man deshalb illustre Namen. Der berühmteste ist derjenige des Urgrossvaters seiner Mutter: Erzherzog Johann (1782-1859; siehe den Artikel zum Hotel Erzherzog Johann). Die Nachkommenschaft des Erzherzogs umfasst heute bereits an die tausend Personen.

Nikolaus Harnoncourt wuchs im Palais Meran in Graz auf, obwohl sein Zweig der Familie nicht sehr begütert war. Als Hitler 1938 Österreich "heim ins Reich" holte, wurde das Palais zwangsverkauft.
 
Von Kindheit an lehnte Nikolaus vorhandene Meinungen und Urteile erst einmal ab, um sich dann unbefangen und selbständig seine eigenen zu bilden. In diesem Wesenszug wurde er mit dreizehn Jahren von der Kulturgeschichte der Neuzeit des Wiener Kulturhistorikers, Feuilletonisten, Kabarettisten und Schauspielers Ernst Friedell, der 1938 beim Einmarsch der Nazis in Österreich Selbstmord beging, bestätigt. In den Jahren äusserer und innerer Unsicherheit wurde Friedell zum Leitstern von Harnoncourt.

In den Jahren an der Volksschule begann Nikolaus mit dem Cellounterricht beim Grazer Musiklehrer Hans Kortschak. Mit seinem Bruder Philipp versuchte er sich vierhändig auf dem Klavier. Als Ministranten im Grazer Dom erwerben sich die zwei elementare Erkenntnisse der Kirchenmusik. Vor allem aber wird regelmässig im Kreis der Familie mit Vater, Mutter und Geschwistern musiziert.

Zu Weinachten 1944 zieht die Familie nach Grundlsee, was sich für die musikalische Karriere von Nikolaus als Glücksgriff erwies, denn dort erhielt er Cellounterricht bei Paul Grümmer, dem Cellisten des legendären Busch-Quartetts, der zudem ein hervorragender Pädagoge war und früher an der Wiener Musikhochschule unterrichtet hatte. Nach dem Krieg erhielt Harnoncourt bis 1948 Unterricht von Paul Grümmer, gleichzeitig weiterhin auch von Hans Kortschak.

1944 beschäftigte sich Nikolaus auch intensiv mit dem Marionettentheater, schnitzte Puppen, klebte Kleider, baute eine Bühne, organisierte ein Team und gab Vorstellungen. Spätestens im Herbst 1948 gab er die Idee einer Karriere als professioneller Marionettenspieler zugunsten eines Studiums an der Wiener Musikakademie auf. Dort war er Schüler bei Emanuel Brabec, einem der zwei Solocellisten der Wiener Philharmoniker. 1952 schloss er die Wiener Akademie mit Auszeichnungen ab. 1952 bekam Harnoncourt sogleich einen (schlecht bezahlten) Posten als Cellist bei den Wiener Symphonikern, bei denen er bis 1969 spielte.
 
Bereits 1949 hatte er zusammen mit Eduard Melkus, Alfred Altenburger und Alice Hoffelner das Wiener Gamben-Quartett gegründet, womit die Zeit der Erforschung von Spielweise und Klang alter Instrumente einsetzte. Damals "ein obskures Reservat für ein paar Spinner, umweht vom Geruch des Dilettantismus und ohne jede Relevanz für das Konzertleben". Josef Mertin, Lehrer am Collegium Musicum in Wien, ist der lokale Pionier. Bei ihm lernen auch Harnoncourt und sein Kreis. Im Bach-Jahr 1950 präsentieren Mertins Studenten Die Kunst der Fuge im Rahmen der Albertina-Konzerte. Das Presseecho war gemischt.
 
1953 heiratete er die Wiener Geigerin Alice Hoffelner, die ihm bis 1961 vier Kinder schenkte. Zusammen mit seiner Frau gründete der Cellist 1953 den Concentus Musicus Wien, um sich intensiv dem Spiel auf Originalinstrumenten und der historischen Aufführungspraxis von Renaissance- und Barockmusik zu widmen. Zuerst allerdings nur im kleinen Kreis. Erst im Mai 1957 wagte der Concentus Musicus den Schritt an die Öffentlichkeit mit einem Konzert zur Wiedereröffnung des Palais Schwarzenberg in Wien.
 
Harnoncourt sammelte bereits in den 1950 er Jahren historische Instrumente, wofür die Familie zu rigorosem Verzicht gezwungen war. "Die Harnoncourts sitzen daheim unter ihren teuren Geigen auf Apfelkisten und ernähren sich von Erdäpfeln und Salat", erzählte man sich in gewissen Wiener Kreisen kopfschüttelnd.

1958 nahm der Concentus Musicus seine regelmässige Konzerttätigkeit im Palais Schwarzenberg auf. Von 1962 bis 1971 spielten die Musiker eigene Konzertserien im Wiener Konzerthaus. 1966 unternahm der Concentus Musicus eine Amerikatournee, 1968 eine erste durch Deutschland. 

Die Anfänge des Concentus Musicus waren schwierig. Zu Beginn gaben die Skeptiker unter den Kritikern den Ton an. Sie bemängelten die fehlende Brillanz des Gesamtklangs, die "Unzulänglichkeiten" der alten Blasinstrumente, den "kurzen Geigenstrich" und mehr.

Harnoncourt setzte seine Arbeit hartnäckig fort, entdeckte vergessene Werke, versuchte verschüttete Klangerfahrungen zurückzuholen und entwickelte allmählich seine Ideen der Musik als Klangrede (1982; Buch bestellen bei Amazon.de) in musikphilosophischen Schriften, die zu Standardwerken der historischen Aufführungspraxis werden sollten.
 
1971 begann Nikolaus Harnoncourt zusammen mit dem Cembalisten Gustav Leonhardt, mit dem er seit 1950 befreundet ist, seine sich bis 1990 erstreckende Gesamteinspielung der Bach-Kantaten.

Von 1973 bis zu seiner Pensionierung 1993 unterrichtete Harnoncourt als Professor an der Hochschule Mozarteum in Salzburg Aufführungspraxis und historische Instrumentenkunde im Seminar "Theorie und Praxis der Alten Musik".

1972 gab Harnoncourt mit Il ritoroni d'Ulisse an der Piccola Scala in Mailand sein Debüt am Dirigentenpult. Aufführungsgeschichte schrieb er zusammen mit dem Bühnenbildner und Regisseur Jean-Pierre Ponelle mit den Neueinstudierungen der Bühnenstücke von Monteverdi (1976) und Mozart (ab 1980) für das Opernhaus Zürich, wofür extra ein Ensemble mit Barockinstrumenten gebildet wurde. Der erste Auftritt als Dirigent in Österreich kam erst 1980, mit dem Concentus Musicus bei der Salzburger Mozartwoche.
 
Einige Grazer hatte schon lange überlegt, wie sie den verlorenen Sohn in ihre Stadt zurückholen könnten. 1985 wurde deshalb das Festival styriarte gegründet. Im Eröffnungsjahr dirigierte Harnoncourt die beiden Bach-Passionen mit dem Concentus Musicus. Der styriarte ist er bis heute verbunden geblieben.
 
1987 leitete Harnoncourt den Concentus Musicus zum letzten Mal von Cello aus. Seine Tätigkeit als Dirigent führte ihn seit den 1970er Jahren an die grossen Opernhäuser und brachte ihn mit vielen der führenden Orchester wie den Berliner und den Wiener Philharmonikern zusammen. Harnoncourt und sein Werk sind mit vielen Preisen ausgezeichnet worden, darunter: Erasmus-Preis 1980, Goldene Ehrennadel der Deutsche Schallplattenkritik für seine Verdienste um die Alte Musik 1985, Grammy für die beste Choreinspielung 2001, Polar Music Prize der Schwedischen Königlichen Musikakademie 1994, Ernst-von-Siemens-Musikpreis 2002, "Record of the Year" des Magazins Gramophone, "Diapason d'Or du siècle" im Januar 200, den Edison Award im März 2000, etc.
 
Harnoncourt ist kein bequemer Dirigent für Orchester. Er verteilt sein eigenes Stimmenmaterial, in dem "tradierte" Fehler ausgemerzt und die für seine Interpretation wesentlichen Vortragszeichen eingetragen sind. Er konzentriert sich auf Passagen, in denen es gilt, Details auszuarbeiten. Was er voraussetzen zu können glaubt, probt er kaum oder gar nicht. Bewusst hat er bis heute auf die Stellung als Chefdirigent bei einem etablierten Orchester verzichtet. Mit dem Chamber Orchestra of Europe, dem Concertgebouw Orkest und den Wiener Philharmoniker arbeitet er seit Mitte der 1980er Jahre regelmässig zusammen.
 
In einer Rede zum Abschluss des Mozart-Jahres formulierte Nikolaus Harnoncourt 1991 sein von fundamentalem Ernst geprägtes Verständnis von Musik: "Aus der Denkweise des Herzens entsteht die Musik." - "Das Denken des Herzens ist das Vermittlungsorgan der Religion, und die Kunst seine Sprache". - "Ohne Religion kann es keine Kunst geben." - "Die Kunst ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet."
 
Quelle: Monika Mertl: Vom Denken des Herzens. Alice und Nikolaus Harnoncourt. Eine Biographie. Residenz Verlag, 1999, 275 S. Bestellen bei Amazon.de. - CDs und MP3-Aufnahmen von Nikolaus Harnoncourt bei Amazon.de, Amazon.fr, Amazon.com oder .Amazon.co.uk.


Nikolaus Harnoncourt, 2009. Photo Copyright Sony Classical / Johannes Ifkovits.




Nikolaus Harnoncourt. Photo Copyright Sony Classical.
 


Neu im März 2012: Nikolaus Harnoncourt und der Concentus Musicus Wien: Walzer Revolution: From Mozart's Dances to Lanner and Strauss. Sony Classical, März 2012. Die Doppel-CD bestellen bei Amazon.de, Amazon.fr oder Amazon.co.uk. Die Doppel-CD hat bei den renommierten französischen Klassik-Zeitschriften Diapason und Classica die höchsten Auszeichnungen erhalten, „Diapason d'Or“ respektive „Choc“. Auf der Doppel-CD befindet sich zum Beispiel die eher selten gespielte Urfassung des „Radetzky-Marsches“. - CDs und MP3-Aufnahmen von Nikolaus Harnoncourt bei Amazon.de, Amazon.fr, Amazon.com oder .Amazon.co.uk.


Nikolaus Harnoncourt, 2012. Photo Copyright Sony Classical / Marco Borggreve.
 

Monika Mertl: Vom Denken des Herzens. Alice und Nikolaus Harnoncourt. Eine Biographie. Residenz Verlag, 1999, 275 S. Monika Mertl erhielt vom Ehepaar Harnoncourt, das sich "viel kostbare Zeit" für die Biografin nahm, Zugang zu seinem Privatarchiv. Bestellen Sie diese Biografie, auf dem der nebenstehende Artikel basiert, bei Amazon.de.
 

Monika Mertl, Milan Turkovic: Die seltsamsten Wiener der Welt. Nikolaus Harnoncourt und sein Concentus Musicus. Residenz Verlag, 2003, 150 S. Buch bestellen bei Amazon.de.
 

Nikolaus Harnoncourt, Chamber Orchestra of Europe: Beethoven Symphonien Nr. 1-9. Teldec, 2003. Bestellen bei Amazon.de.
 

Nikolaus Harnoncourt, Cecilia Bartoli: Haydn: Armida. Teldec, 2000. Bestellen bei Amazon.de. - CDs und MP3-Aufnahmen von Nikolaus Harnoncourt bei Amazon.de, Amazon.fr, Amazon.com oder .Amazon.co.uk.
 

Nikolaus Harnoncourt, Wiener Philharmoniker: Bruckner Symphonie Nr. 7, Teldec, 1999. Bestellen bei Amazon.com oder Amazon.de.
 

Nikolaus Harnoncourt, Wiener Philharmoniker: Neujahrskonzert 2001. Teldec 2001. CD bestellen bei Amazon.de. DVD bestellen bei Amazon.de.
 

Nikolaus Harnoncourt, Chamber Orchestra of Europe: Dvorak: Slavonic Dances/Slawische Tänze. Teldec, 2002. Bestellen bei Amazon.de.
 

Nikolaus Harnoncourt, Cecilia Bartoli: Mozart - Famous Opera Arias, Teldec/Apex, Mai 2002. Bestellen bei Amazon.de.
 

Nikolaus Harnoncourt, Concentus Musicus Wien: Bach - Brandenburgische Konzerte 1-6. Teldec, 1997. Re-issue der legendären Aufnahme aus den 1960er Jahren. Bestellen bei Amazon.de.
 

Nikolaus Harnoncourt, Concentus Musicus Wien: Bach - Brandenburgische Konzerte 1-6. Teldec, 1992. Re-issue der legendären Aufnahme aus den 1960er Jahren. Bestellen bei Amazon.de. - CDs und MP3-Aufnahmen von Nikolaus Harnoncourt bei Amazon.de, Amazon.fr, Amazon.com oder .Amazon.co.uk.


Nikolaus Harnoncourt dirigiert an der Styriarte in Graz. Foto Copyright: Graz Tourismus.
 
Artikel zu Graz (hier wuchs Nikolaus Harnoncourt auf und prägte ab 1985 das Festival styriarte)
- Die Geschichte von Graz 
- Alte Galerie, Landesmuseum Joanneum, Graz
- Das Grazer Landeszeughaus 
- Hans Ulrich von Eggenberg
- Schloss Eggenberg
- Die Oper Graz 
- Das Grand Hotel Wiesler
- Hotel Erzherzog Johann 
- Restaurant Wintergarten
- Die Ernst Fuchs Bar
- Der Marienhof Hotel garni