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Oper Graz
Die Geschichte des Grazer Opernhauses

Artikel vom 27. September 2003, ergänzt am 30.10.2003
 
Erste Opernaufführung in Graz sind bereits für das 17. Jahrhundert nachweisbar. Der erste Theaterbau war eine 1736 für Opernaufführungen umgebaute Remise der Hofstallungen. Es wurden die damaligen Avantgardisten Gluck und Pergolesi gespielt. Der Ruf von Graz war so gut, dass Kaiserin Maria Theresia das sogenannte Vizedomhaus in der Hofgasse für einen Theaterbau zur Verfügung stellte. Bekannt wurde das Haus jedoch für seine Opernaufführung, vor allem vom damals aktuellen Mozart. 1864 bekam die Oper in Graz mit dem Thalia am Stadtpark ihr erstes "eigenes" Haus. Der zwölfeckige, adaptierte Zirkusbau konnte 2000 Personen fassen.
 
Die heutige neobarocke Oper Graz wurde am 16. September 1899 als "Grazer Stadttheater" mit Schillers Wilhelm Tell eröffnet. Am Tag darauf wurde Wagners Lohengrin gegeben.
 
Das Architektenduo Fellner & Helmer in Wien errichtete das Grazer Opernhaus am Ring. Ferdinand Fellner (Wien 1847-1916) und Hermann Helmer (1849-1919) waren vor allem auf den Bau von Theatern spezialisiert, die sie in historisierenden Stilen errichteten. Zu ihren Bauten der Gründerzeit gehören das Stadttheater Wien (1872), das Deutsche Theater in Prag (1882), das Volkstheater in Budapest (1889) und das als "Stadttheater" gebaute Opernhaus Zürich (1890).
 
Die Oper Graz gilt laut Johannes Frankfurter als das "stilistisch gelungenste und in sich geschlossenste Werk" von Helmer & Fellner. Auf Wunsch des Grazer Gemeindehauses wurde das Opernhaus dem Stil des österreichischen Barockbaumeisters Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656-1723) nachempfunden. Der Hauptvertreter des österreichischen Hochbarock hatte in Graz das Licht der Welt erblickt und vor allem in Wien berühmte Bauten wie Schloss Schönbrunn, das Winterpalais des Prinzen Eugen, die Hofbibliothek und die Karlskirche errichtet.

Das Grazer Opernhaus blieb bis heute im Innern weitgehend erhalten. Bei der Renovation von 1998 näherte sich das Innere sogar noch mehr dem Original: wie 1899 kamen erneut ein Holzboden sowie filigrane Sessel von Thonet zum Zug (Gebrüder Thonet. Möbel aus gebogenem Holz. Böhlau, 2003. Bestellen bei Amazon.de). Das Äussere jedoch wurde nach den relativ leichten Bombenschäden von 1944 wesentlich verändert: Der von Säulen getragene Porticus über dem Balkon des Haupteingangs wurde abgetragen und die üppigen Figurenensembles der Giebel und Dachbegrenzungen verschwanden.

Richard Wagners Lohengrin steht am Anfang der Geschichte des Grazer Opernhauses. Die Oper wurde nicht nur am Tag nach der Eröffnung des Hauses unter der Leitung von Dirigent Dr. Muck gespielt, sondern das Werk wurde auch als Deckengemälde verewigt. Laut Johannes Frankfurter stand Lohengrin zudem stellvertretend für die Utopie der heilen Welt der bürgerlichen Gesellschaft.
 
Wagners Oper ging bekanntlich nicht gut aus, was  bei der Planung vielleicht einigen entgangen war. Doch die Oper Graz hat alle Höhen und Tiefen der ersten 100 Jahre überlebt. Die bürgerliche Gesellschaft der Gründung existiert zwar nicht mehr, doch das Haus hat die Krisen, Probleme und Diskussionen um Kunst, Subventionen, Spielpläne und mehr überstanden.

Die Auslastung der ursprünglich für 1900 Besucher konzipierten Oper - bei 138,000 Einwohnern um 1900 - sank rasch, da der Innenraum zu prunkvoll für das einfache Volk war, das den Ort mied. Die Akustik, insbesondere auf den billigen Plätzen, wurde bemängelt.
 
Ein Höhepunkt in der Geschichte der Grazer Oper war die österreichische Erstaufführung von Salome, unter der Leitung des Komponisten Richard Strauss höchstpersönlich.
 
Auf den ersten Direktor der Oper Graz, Otto Purschian, folgten: 1903-1908 Alfred Cavar, 1908-1911 Heinrich Hagin, 1911-1923 Julius Grevenberg. Von 1922 bis 1924 übernahm der Grossindustrielle Viktor Wutte die geschäftliche Leitung des Hauses und richtete zusätzlich am Nachmittag einen Kinobetrieb im Opernhaus ein. Ende Februar 1924 übernahm die Stadt wieder die geschäftliche Leitung. Von 1926 bis 1928 wurde der Opernbetrieb weitgehend eingestellt, Lustspiele, Operetten und Revuen dominierten.

Um 1930 wirkte Felix Knüpfer als Intendant, von 1932 bis 1933 sowie von 1946 bis 1949 Hellmuth Ebbs, von 1933 bis 1936 Herbert Furegg, 1949 kam Alfred Huttig für eine Saison, von 1936 bis 1938 sowie von 1950 bis 1954 Viktor Pruscha, 1938-39 Willy Hanke, 1939 bis 1944 Rudolf Meyer, von 1955 bis 1965 André Diehl, von 1972 bis 1990 Dr. Carl Nemeth.

In der Zeit der Wirtschaftskrise nach dem New Yorker Crash von 1929 wurde mehrfach die Schliessung der Oper diskutiert. Bei einer solchen Diskussion von 1932 waren die Proteste der Bevölkerung massiv. Der "steirische Kulturschutzbund" gründet einen eigenen Theaterverein, der dafür wirbt, dass möglichst viele Grazer ein Sonderabonnement kaufen. So kommen rund 36,000 "Zustimmungskarten" zusammen. Das Theater ist gerettet. Mit Heinrich Haas springt erneut ein Grazer Industrieller als Pächter der Oper in die Bresche. Aus Dessau kommt Helmuth Ebbs als Intendant, doch aus seinen hochfliegenden Plänen wird vorerst nichts.
 
Bereits 1933 wird wegen schlechten Kartenverkaufs und geringen Steuereinnahmen der Stadt erneut die Schliessung der Oper diskutiert. Die Stadt kündigt den Vertrag mit Haas. Das darstellende Personal und die Bühnenarbeiter bilden eine "Betriebsgemeinschaft" als Träger des Theaterbetriebs. Herbert Furegg kommt als neuer Intendant.

Ein Kuriosum aus dem Jahr 1933 bildet die "festliche Aufführung" von Benito Mussolinis Theaterstück Hundert Tage, das insgesamt fünfmal gegeben wurde.

Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es an der Grazer Oper kaum Regiearbeit im heutigen Sinn. Der oberflächliche Ablauf der Handlung wurde in "Stellproben" erarbeitet. Die Inszenierung wurde nicht als wichtiges, eigenständiges Element der Interpretation der jeweiligen Stücke betrachtet.

Unter Viktor Pruscha, der im Herbst 1936 die Intendanz übernimmt, erlebte die Oper Graz einen Aufschwung. Der vermehrte Zuspruch des Publikums hielt in der Zeit des Nationalsozialismus zunächst an. Hermann Göring "schenkte" dem Haus eine Drehbühne. Die finanzielle Situation verbesserte sich wesentlich durch Hilfe aus dem "Reich".
 
Der erste von den Nazis installierte Intendant, Willy Hanke, machte sich mit seinen "kulturpolitisch" motivierten hohen Ansprüchen rasch unbeliebt, nicht zuletzt, weil er den Theaterbesuchern eine Art Zwangs-Abonnement für zwanzig Vorstellungen aller Sparten pro Saison verordnen wollte. Bereits nach einem Jahr wurde Hanke durch Rudolf Meyer abgelöst, der wieder vermehrt Unterhaltung und Ablenkung auf den Spielplan setzte.

Werke von Juden und "entartete" Kunst (von Juden und Nichtjuden) waren gemäss einer Liste der Reichsmusikkammer verboten. Für Künstler jüdischer Herkunft gab es keinen Platz mehr an der Oper Graz. So musste die junge "halbjüdische" Schauspielerin Herta Heger die in die Schweiz emigriere.

Im Juli 1944 wurde der Spielbetrieb "kriegsbedingt" eingestellt. Am vorletzten Abend vor der Schliessung stand sinnigerweise die Götterdämmerung auf dem Programm.

Am 30. Mai 1945 folgte das erste Konzert nach dem Krieg. Die Oper wurde einen Monat später wieder eröffnet. Von 1946 bis 1949 übernahm Hellmuth Ebbs erneut die Intendanz.

Die andauernde Finanzmisere führte 1950 zur Schaffung der "Vereinigten Bühnen Graz/Steiermark", ein Zusammenschluss  von Oper und Schauspielhaus (am Freiheitsplatz, das 1952 wegen Baufälligkeit geschlossen wurde). Das Orchester der Oper wurde ebenfalls als "Grazer Philharmonisches Orchester" auf eine neue Rechtsgrundlage gestellt und erhielt neben dem neuen Namen auch eine neue Funktion: als Konzertorchester steht es seither zusätzlich dem Musikverein Steiermark zur Verfügung.

In den Jahren 1950 bis 1965, unter Viktor Pruscha und André Diehl reduzierte sich die Anzahl der Neuproduktionen pro Saison. Eine wesentliche Veränderung kam erst in der Zeit der Intendanz von Dr. Carl Nemeth (1972-90): Der 1969 gegründete "steirische Herbst" etablierte sich trotz kulturpolitischer Widerstände regional und international als Avantgarde-Festival. Der "steirische Herbst" wirkte als Katalysator sowie Ideenbringer und -ermöglicher, verschaffte den Theatern durch zusätzliche finanzielle Mittel erweitere Spielräume. Im Bereich des Musiktheaters wurde so eine dichte Folge von Erstaufführungen ermöglicht. Die Zahl der Uraufführung blieb jedoch weiterhin gering; in der Langzeitintendanz von Nemeth gab insgesamt nur fünf. Für Provokationen und Kontroversen sorgte vor allem das Sprechtheater.

1983/84 wurde das Grazer Opernhaus einer dringend notwendig gewordenen Generalsanierung unterzogen: Im Süden von Graz entstanden moderne Werkstätten und die Bühnentechnik wurde auf den neuesten Stand gebracht. Neben der Oper entstand ein Verwaltungsgebäude mit Montage- und Lagerhalle. Es wurde viel von dem realisiert, was bereits Fellner & Helmer geplant hatten, aber dem Rotstift zum Opfer gefallen war.

1990 erneuerte der neue Intendant Dr. Gerhard Brunner mit seinem Team die Spielplanstruktur. Laut Frankfurter wurde das Musiktheater immer wieder als "aktuelles szenisches Ereignis zur Diskussion [gestellt], verbunden mit dem Bestreben, immer ein maximales musikalisches Niveau zu erreichen." Neben fünf Opernpremieren gab es unter Brunner pro Saison eine Operette, ein Musical, eine Ballettproduktion sowie ein Kindermusical. Das Opernhaus wurde zu einem Ort der Begegnung verschiedener Stile und Sparten.

Im letzten Jahr der Intendanz von Dr. Brunner, 2001, wurde die Oper Graz zum "Opernhaus des Jahres" gewählt. Der Österreichische Bundesrechnungshof bescheinigte dem Haus darüber hinaus, ein wirtschaftlich gut geführtes Unternehmen gewesen zu sein
 
Quelle: Welch ein Augenblick! 100 Jahre Oper Graz. Hg. von den Vereinigten Bühnen Graz, Leykam, 1999, 239 S. Der Band bietet eine rund 20seitige Geschichte des Opernhauses aus der Feder von Johann Frankfurter, gut 100 Seiten historische Fotos sowie einen knapp 90seitigen chronologischen Premierenspiegel mit Kurzinformationen.


 

Valery Gergiev. Foto: © Decca/Marco Borggreve, 2002.


Die Grazer Oper. Foto: © Graz Tourismus.
 

Die Grazer Oper. Foto: © Graz Tourismus.
 
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Philippe Jordan: Chefdirigent des Grazer Philharmonischen Orchesters und des Grazer Opernhauses seit der Saison 2001/2002
 
Philippe Jordan wurde 1974 in Zürich als Sohn des Dirigenten Armin Jordan geboren (Armin Jordan arbeitete mit mittelmässigem Erfolg als Chefdirigent des Orchestre de la Suisse Romande in Genf, als der Schreibende dort studierte). [hinzugefügt am 21.9.2006: Armin Jordan war von 1985 bis 1997 Chefdirigent beim OSR. Er ist in der Nacht auf Mittwoch den 20.9.2006 verstorben].
 
Philippe begann mit sechs Jahren mit Klavierunterricht. Heute noch arbeitet er als Pianist im Fach Liedbegleitung und gibt Kammermusikkonzerte. Mit acht Jahren wurde er Mitglied der Zürcher Sängerknaben und sang am Opernhaus Zürich die Rolle des ersten Knaben in Mozarts Zauberflöte. Mit 11 begann er das Studium der Violine und setzte gleichzeitig das Klavierstudium beim Pianisten und Dirigenten Boris Merrson fort. 1994 schloss er sein Studium am Zürcher Konservatorium (Klavier und Tonsatz) mit Auszeichnung ab.

Philippe Jordan arbeitete ab der Saison 1996/97 als Erster Kapellmeister am Stadttheater Ulm und ab 1998/99 als Kapellmeister und  Assistent des damaligen Musikdirektors Daniel Barenboim an der Staatsoper Berlin. Seit der Spielzeit 2001/2002 leitet Philippe Jordan als Chefdirigent das Grazer Philharmonische Orchester und das Grazer Opernhaus. Balletdirektor ist Darrel Toulon. Die Intendanz lag bis 2003 in den Händen von Karen Stone, in der Saison 2003/2004 amtet Jörg Kossdorff als interimistischer Intendant. Der amtierende GMD, Philipp Jordan, wird sich 2004 von der Oper Graz verabschieden.
 
Seit 1995/96 gastierte Philippe Jordan u.a. in Paris, Genf, Rom, Wien, Glyndebourne, Lyon und Salzburg. In der Saison 2002/2003 debutierte er an der Metropolitan Opera in New York sowie am Royal Opera House, Covent Garden, in London.
 

Anna Kiknadze (links) & Olga Trifonova (die bei der Premiere
nicht den Part von Cleopatra sang) bei der Probe zu Cleopatra an
der Oper Graz 2003. Foto: © Peter Manninger/Oper Graz.
 
Cleopatra an der Oper Graz 2003
 
Valery Gergiev und das Mariinsky Theater kamen 2003 im Rahmen des Projektes Drei Jahrhunderte russische Musik für ein längeres Gastspiel an die Oper Graz. Am 12. Februar 2003 standen die Premieren von Cleopatra und Oedipus Rex auf dem Programm.

Im ersten Teil des Abends dirigierte Michael Agrest La Cleopatra, die azione teatrale von Domenico Cimarosa, dem Hofkapellmeister am Zarenhof von 1787 bis 1791. Die opera seria war ursprünglich in drei Akten angelegt, wurde aber (wohl auf Druck der Zarin Katharina II., die Cimarosa rasch kritisch gegenüberstand) auf zwei Akte ungeschrieben, wodurch einige Unstimmigkeiten entstanden. Am 27. September 1789 in St. Petersburg uraufgeführt, wurde La Cleopatra dort 1804 auch zuletzt gespielt.
 
In Graz wurde das den Archiven entrissene Werk nach über 200 Jahren erstmals wieder szenisch aufgelöst und in italienischer Sprache mit eingeblendeten deutschen Untertiteln gespielt. Kostüme (Sue Willmington), Regie und Bühnenbild (beide Sir Jonathan Miller) waren gekonnt stilisiert, auf einfache Formen und Farben reduziert, die allerdings nicht das Alte Ägypten aufleben liessen.
 
Nicht nur die Rolle von Cleopatra (Larissa Yudina), der Königin von Ägypten, sondern auch die von Antonio (Anna Kiknadze/Kiknadse), dem römischen Triumvir, wurde von einer Frau gesungen. Unter zwei überzeugenden Sängerinnen war die temperamentvolle Larissa Yudina die stärkere. Sie bot auch schauspielerisch die bessere Leistung. Anna Kiknadze nahm man den Mann nicht ab. Am liebsten wäre man auf die Bühne gesprungen, um diesen zierlichen Antonio zu beschützen. Der Part war von Cimarosa vielleicht für einen Kastraten geschrieben worden. Bei der Besetzung mit zwei Frauen hätte man durchaus die freche Inszenierung einer lesbischen Liebe wagen können.
 
Die Inszenierung bot einige Gags, wie den Mann, der beim Auftritt von Cleopatra im Hintergrund mit einer Tasche die Bühne überquerte, auf der handgeschrieben "Avis Cleopatra" stand. Mehrere Statisten wandelten die Idee später mit Taschen ab, auf denen zusammengesetzt "Desert Storm" zu lesen war. Cleopatra war zudem einmal mit einem Beauty Case unterwegs.
 
Insgesamt boten Solisten, Dirigent, Chor, Orchester und Tänzer des Mariinsky Theaters eine solide Leistung. Der italienisch gesungene Text wurde von den russischen Sängerinnen und Sängern bestens verständlich vorgetragen, leider keine Selbstverständlichkeit im Opernbetrieb. Für die Schwächen der (zu statischen) Handlung ist weitgehend Cimarosa verantwortlich.
 

Marianna Tarassowa & Oleg Balaschow bei Probe zu Oedipus Rex an
der Oper Graz 2003. Foto: © Peter Manninger/Oper Graz.

 
Oedipus Rex an der Oper Graz 2003  
 
Igor Strawinskys zweiaktiges Opernoratorium Oedipus Rex entstand ab 1922/23 und wurde 1927 in Zusammenarbeit mit Jean Cocteau, der das Libretto in lateinischer Sprache schrieb, vollendet. Die konzertante Uraufführung erfolgte 1927 in Paris, die szenische 1928 in Wien.

Im Vordergrund dieser Interpretation der antiken Tragödie des Atheners Sophokles steht der emotionale Konflikt des Titelhelden, der sich unwissend in Schuld verstrickt, den eigenen Vater erschlägt und in Blutschande mit der eigenen Mutter lebt.

Das Orchester des Mariinsky Theaters unter der Leitung von Valery Gergiev begleitete am 12. Februar 2003 das Drama souverän und präzise. Klaus Maria Brandauer spielte sich als deutsch sprechender Erzähler unter lateinisch Singenden nicht in den Vordergrund, sondern begleitete die Handlung zurückhaltend und gekonnt mit seinen Erläuterungen.

Der Männerchor beeindruckte bereits zu Beginn mit seinem gewaltigen, verzweifelten und düsteren Gesang, der vom Orchester in dramatischer Geste perfekt unterstützt wurde. Mit Oleg Balaschow (Balashov) als Oedipus stand ein grossartiger Sänger auf der Bühne, der als Solist gegen einen solch eindrucksvollen Chor bestehen konnte.

Auf der bis auf einige Stühle fast immer requisitenfreien Bühne agierten Solisten und Choristen, die ihr schauspielerisches Handwerk verstanden. Balashov als Oedipus glänzte nicht nur mit stimmlicher Stilsicherheit, Ausdruck und Volumen, sondern auch mit dramatischer Gestik, insbesondere als er sich in einer Szene mit seiner Frau (und Mutter, was er noch nicht weiss) an den von ihm erschlagenen Greis erinnert (der sein Vater war).

Das Mariinsky Theater bescherte Graz mit Oedipus Rex eine gelungene zweite Hälfte des Abends vom 12. Februar, bei der Balashov und der Chor herausragten.

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