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Nr. 51, September 2003
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Schloss Eggenberg 
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Artikel vom 27. September 2003
 
Schloss Eggenberg präsentiert sich zwar als scheinbar einheitlicher Neubau aus dem 17. Jahrhundert, doch bedeutende Teile des rückwärtigen Traktes stammen ursprünglich aus dem Spätmittelalter. Die Familienkapelle wurde sogar vollkommen unverändert belassen und zum Mittelpunkt der neuen Anlage bestimmt.
 
Zwischen 1460 und 1463 kaufte Balthasar Eggenberger auf den Algersdorfer Feldern, wo seine Frau Radegundis Weingüter besass, den befestigten Edelsitz "Orthof", der an einem uralten Verkehrsweg lag. Der Hof wurde in der Folge grosszügig erweitert und umgestaltet, wie es der sozialen Stellung eines erfolgreichen Kaufmanns der Grazer Bürgerschaft entsprach.
 
Der ab 1625 begonnene grundlegende Neubau von Schloss Eggenberg wurde vom Schüler des herausragenden italienischen Baumeisters Palladio (1508-1580), dem Hofarchitekten Giovani Pietro de Pomis (1569-1633) geleitet und entstand für Fürst Hans Ulrich von Eggenberg (1568-1634).
 
Der aus Lodi bei Mailand stammende Giovanni Pietro de Pomis war über die Vermittlung von Erzherzog Karls Bruder Ferdinand aus Innsbruck an den Grazer Hof gekommen. Als Architekt, Maler und Medailleur stieg er zum wichtigsten Künstler und Wortführer der gegenreformistischen Politik auf. Für die Familie Eggenberg war er nicht nur als Architekt, Maler und Medailleur tätig. Er errichtete auch die erste Grazer Menoritenkirche als Grablege für die Eggenbergs, nach dem Vorbild Palladios' San Giorgio Maggiore, und fertigte den Entwurf für das Mausoleum Ruprechts von Eggenberg am Ehrenhausener Burghügel. Mit Hans Ulrich von Eggenberg reiste er zweimal an den spanischen Hof.

Eggenberg investierte zu Beginn der Bauzeit jährlich dreimal soviel Geld in den Schlossbau, als die Stadt Graz zum Erhalt und Ausbau ihrer gesamten Militäranlagen in jener Zeit höchster Kriegsgefahr zur Verfügung hatte. Dennoch erlebte Hans Ulrich die Fertigstellung seines Schlosses nicht mehr.

Pietro de Pomis hatte bis zu seiner Erkrankung 1631 die Bauleitung in Schloss Eggenberg inne. Für zwei Jahre übernahm dann der niederländische Festungsbauer Laurenz van der Syppe die Weiterführung. Fertiggestellt wurde der Bau von de Pomis alten Polieren, Pietro Valnegro und Antonio Pozzo. Die Ausstattung im Sinne barocker Prachtentfaltung erfolgte erste in der nächsten Generation, unter Fürst Johann Seyfried (1644-1713), der dazu eine ganze Künstlerkolonie anstellte. Johann Leopold Herberstein, der dritte Gemahl der letzten Prinzessin Eggenberg (die Familie starb aus), erneuerte die Gartenanlage und sorgte zwischen 1754 und 1762 für eine zweite grosse Ausstattungsperiode im Geschmack des Rokoko. Um 1850 wurden die Wohnräume im ersten Stock vom Wiener Architekten Flohr zeitgemäss adaptiert. Nach dem Zeiten Weltkrieg erwarb das Land Steiermark Schloss Eggenberg und gliederte es 1947 dem Landesmuseum Joanneum ein. 1953 wurde es dem Publikum geöffnet.
 
Einiges an Fürst Hans Ulrich von Eggenbergs Schloss erinnert an Palladios und Oberitalien, so die warmtonige Farbigkeit, die Details der plastischen Gliederung, vor allem aber die Anlage des Grundrisses, die fast wörtlich den Palazzo Thiene wiederholt. Gleichzeitig weist Schloss Eggenberg verblüffende Ähnlichkeiten mit dem Typus der spanisch-habsburgischen Schlossbauten der Zeit Philipps II. auf, wobei das Kloster El Escorial bei Madrid (1563-1586) als wichtigstes Vorbild diente. Neben dem optischen Grundeindruck fallen eine Reihe stilistischer Ähnlichkeiten auf. Wie El Escorial so ist auch Schloss Eggenberg auffallend schmucklos, die Horizontalität der Fassaden wird betont, die Ecken sind turmartig erhöht und das Zentrum des Baus bildet ebenfalls die Gegenüberstellung von Festsaal und Kirchenraum. Die wichtigste Gemeinsamkeit bildet die Zeichenhaftigkeit der Architektur, der jeweils ein umfassendes intellektuelles Konzept unterlegt ist, das die Vorstellungen der Natur des Universums der jeweiligen Bauherren symbolisch wiedergibt.
 
Schloss Eggenberg wurde als architektonische Allegorie angelegt. Es bildet in seiner Gesamtheit einen mathematisch-harmonischen Kosmos, ein architektonisches Abbild des Universums, beeinflusst von naturphilosophischen Vorstellungen kosmischer Harmonie, wie sie damals Johannes Kepler in "Mysteria Cosmograhica" und "Tabulae Rudolfinae" vertrat. Beide Bände standen auch in der Eggenberger Bibliothek.

Die als göttlich erkannten Regeln der kosmischen Mechanik wurden auf die Architektur angewandt, die einer strengen Zahlenharmonik unterliegt. Die Ecken von Schloss Eggenberg sind nach den vier Windrichtungen orientiert. Die vier Türme stehen für die vier Jahreszeiten. Die 365 Aussenfenster des Gebäudes entsprechen den 363 Jahrestagen. Jedes Stockwerk hat 31 Räume, die mit den Tagen des längsten Monats korrespondieren. Die 24 Stunden des Tages finden sich im Kranz der 24 Prunkzimmer wieder, die peripher den Schlossbau umziehen. Die Prunkzimmer haben insgesamt 52 Fenster, was der Anzahl Wochen oder Sonntage pro Jahr entspricht. E
rgänzt man diese Zahl durch die acht Fenster des Planetensaales, erhält man die 60 Sekunden und die 60 Minuten. Die Beletage hat wiederum 52 Türen. Im Planetensaal sind die sieben Wochentage und die zwölf Monate repräsentiert.
 
Der k
ünstlerische Höhepunkt von Schloss Eggenberg bildet der seit 182 als "Planetensaal" bezeichnete Festsaal der Eggenberger Beletage. Der neue fürstliche Hofmaler Hans Adam Weissenkircher hat den Zyklus mit Planeten, Elementen, Sternbildern und dem Tierkreis zur Verherrlichung der Familie Eggenberg gemalt. Der Auftraggeber für die Ausgestaltung des Planetensaals war 1678 der Barockfürst Johann Seyfried von Eggenberg, dessen Mäzenatentum nicht nur der bildenden Kunst, sondern auch der Musik galt. Unter den Eggenbergischen Hofmusikern erscheinen so illustre Namen wie Biber, Motz und Fux, denen er ein eigenes barockes "Comedj-Hauß" als Spielstätte errichten liess.
 
Schloss Eggenberg ist in mehrfacher Hinsicht sehenswert: Die Prunkräume sind der Höhepunkt jeden Besuches. Daneben lädt der in seiner heutigen Form aus dem 19. Jahrhundert stammende Landschaftspark zum Flanieren ein. Im 17. Jahrhundert wurde der Hofgarten mit steinernen Trophäen und Büsten von Johann Baptist Fischer, dem Vater Fischers von Erlach, sowie vom Bildhauer Andre Marx ausgestattet. Das Schloss beherbergt übrigens auch die zweitgrösste Münzsammlung Österreichs, und in der archäologischen Abteilung ist der berühmte "Kultwagen" von Strettweg (600 v. Chr.) zu bewundern. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Konzerte, die in Schloss Eggenberg veranstaltet werden. So finden im Planetensaal die Konzerte der klassischen Musikfestspiele styriarte unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt statt.
 
Quelle: Landesmuseum Johanneum. Schloss Eggenberg. Lernbehelf für Guides, 2001.
 

Schloss Eggenberg. Foto Copyright: Graz Tourismus.
 

 

Schloss Eggenberg. Foto Copyright: Graz Tourismus.
 

 

Diana mit Pfau im Schlosspark. Foto Copyright: Schloss Eggenberg,
Landesmuseum Joanneum, Graz.
 
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