Christian Thielemann
Biografie, Konzerte,
CDs, Kritiken
Artikel vom 11. November 2003
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Biographie beruhend auf
Kläre Warnecke: Christian
Thielemann. Ein Porträt. Henschel Verlag, 2003, 288 S. Bestellen bei Amazon.de
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Schweiz.
Christian Thielemann wurde am 1. April
1959 in Berlin-Wilmersdorf geboren. Sein Vater war aus dem Zweiten Weltkrieg
verwundet zurückgekehrt, danach zuerst in Berlin als Handelskaufmann, dann in
führender Position bei der Berliner Niederlassung eines westdeutschen
Stahlunternehmens tätig. Christian Thielemanns Mutter stammte aus einer
pommerischen Beamten- und Offiziersfamilie. Die bürgerlich-konservativen
Eltern sorgten dafür, dass der Junge das Humanistische Gymnasium Steglitz bis
zum Abitur durchlief.
Die bildungsbürgerliche Familie von Thielemann war musikbegeistert. Mutter
und Vater spielten ausgezeichnet Klavier und waren enthusiastische
Konzertgänger, die ihr einziges Kind schon in frühen Jahren zu
Kammermusikabenden und den Sinfoniekonzerten der Berliner Philharmoniker
mitnahmen. Die Eltern hätten gerne selbst eine künstlerische Laufbahn
eingeschlagen. Da verwundert es nicht, dass sie ihren Sohn, der Talent zeigte,
von Beginn an unterstützten.
Lange so es so aus, als ob Christian Thielemann eine Karriere als Pianist
einschlagen würde. Mit sechs Jahren begann er systematischen Unterricht bei
der Berliner Klavierpädagogin Elisabeth Demmler zu nehmen, der Frau des
Solo-Flötisten der Berliner Philharmoniker, über den später die ersten
Kontakte zu Herbert von Karajan geknüpft wurden.
Mit acht Jahren entwickelte Christian eine Passion für die Orgel. Doch
Elisabeth Dremmler schob diesem Spiel rasch einen Riegel vor, weil sie meinte,
dass das Orgelspiel die bereits gut entwickelte Klaviertechnik ruinieren
würde. Stattdessen erhielt der Junge neben den Klavierstunden geregelten
Geigenunterricht.bei der Berliner Geigenprofessorin Charlotte Hampe. Nicht
wenige der Geiger der Berliner Philharmoniker stammen aus der Hampe-Schule.
Bald wechselte Christian von der Geige zur Bratsche, deren dunkler, samtig
satter Klang es ihm angetan hatte. Später wurde er Schüler bei Giusto
Cappone, dem Solo-Bratscher der Berliner Philharmoniker, der an der
Orchesterakademie der Berliner Philharmoniker lehrte. Cappone war ein
anspruchsvoller Lehrer, der keine Rücksicht darauf nahm, dass die Bratsche
Thielemanns Zweitinstrument war, was heute dem Dirigenten bei seiner Arbeit zu
gute kommt.
Der Berliner Pianist Helmut Roloff wurde für Christian Thielemann zur
künstlerisch wegweisenden Figur. Er nahm den Vierzehnjährigen als
Privatschüler an der Berliner Musikhochschule auf. Roloff war als Schüler
von Richard Rössler, der wiederum bei Max Bruch Kompositionsunterricht gehabt
hatte, fest in der alten deutschen Musiktradition verankert. Vom strengen und
sachlichen Roloff also wurde Thielemann in die Kunst des Phrasierens und
Artikulierens eingeführt, wobei ihm der Lehrer alle Freiheiten liess. So
konnte der Junge sich entfalten, ohne dass seine Fantasie im Keim erstickt
wurde.
An den Wochenenden spielte Thielemann als Pianist Kammermusik im Freundeskreis
in einem Pfarrhaus in Lichterfelde. Dazu kamen noch Kontrapunktstudien am
Sternschen Konservatorium.
Abschied vom Gedanken einer Solistenkarriere nahm Thielemann nach der
Begegnung mit Wagners Tristan und Isolde in der Berliner Inszenierung
von Wieland Wagner. Thielemann war damals dreizehn oder vierzehn Jahre alt.
Als er Heinrich Hollreiser in der Deutschen Oper dirigieren sah und hörte,
wurde ihm instinktiv klar, dass er dies auch machen musste.
Mit vierzehn oder fünfzehn Jahren erkannte er zudem, dass die von ihm
geschriebenen Werke doch nur "dritter, vierter oder fünfter Aufguss
waren". Da habe er "das Komponieren von einem zum anderen Tag
aufgegeben". Thielemann hatte damals bei Werner Thärichen, dem
Solopauker der Berliner Philharmoniker, Kompositionsunterricht gehabt. Doch
Thärichen versuchte ihm genau vorzuschreiben, was man beim Komponieren dürfe
und was nicht, während dem Thielemann glaubte, niederschreiben zu müssen,
was ihm aus dem Herzen kam. So trennte sich die zwei.
Als Thielemann 16 war, riet ihm Karajan zu einem Test-Dirigat bei Herbert
Ahlendorf, das jedoch völlig missriet. Ahlendorf leitete damals das Berliner
Städtische Konservatorium und meinte, Thielemann sei völlig unbegabt. Der
Wille sei zwar da, doch das Talent fehle. Thielemann steckte laut Warnecke
den Tiefschlag nur deshalb weg, weil ihn anschliessend Hans Hilsdorf unter die
Fittiche nahm, der damals Dirigent und Studienleiter an der Deutschen Oper
Berlin und Chefdirigent der Berliner Singakademie war. Mit 18 empfahl ihm
Karajan, erst einmal das Abitur zu machen und danach in die Praxis zu gehen.
Hilsdorf schlug Thielemann danach Heinrich Hollreiser als Korrepetitor an der
Deutschen Oper vor. Dieser stellte ihn nach dem Vorspielen 1978 für eine
Monatsgage von 1300 Mark ein. 1979 bis 1982 folgte eine erste Assistenz bei
Herbert von Karajan in Berlin, Salzburg und Paris. Daniel Barenboim
assistierte Thielemann in Bayreuth und Paris. In der Saison 1981 wechselte
Thielemann an das Stadttheater Gelsenkirchen als Korrepetitor mit
Dirigierverpflichtung. In der Saison 1982/83 wirkte er in gleicher Position am
Badischen Staatstheater in Karlsruhe. 1984/85 folgte eine Stelle am
Niedersächsischen Staatstheater Hannover, wo er im Mai 1985 sein
Wagner-Debüt gab, vorerst allerdings nur bei einem konzertanten Rienzi.
In seiner Zeit als Korrepetitor und Edel-Assistenz von Karajan und Barenboim
schoss Thielemann so manchen Bock. Beim Berliner Maskenball setzte die Banda
hinter der Bühne im Finale des dritten Akts unter Thielemann gleich beide
Male zu spät ein. In den Lehr- und Wanderjahren konnte er zugleich neue
Freundschaften schliessen, so als er unter Barenboim und Ponnelle beim "Jahrhundert-Tristan"
in Bayreuth auf René Kollo traf, für den er eine "grenzenlose
Verehrung" hat. Kollo und Thielemann gaben später zusammen einen
Liederabend in der Bonner Beethovenhalle, mit Thielemann am Klavier. 1992
nahmen sie in der Berliner Christuskirche eine Platte mit Orchesterliedern von
Richard Wagner und Richard Strauss für EMI auf.
1985 scheiterte
Christian Thielemann in der Berliner Hochschule der Künste
beim von Herbert von Karajan gegründeten Internationalen
Dirigentenwettbewerb. Vor der Jury unter dem Vorsitz des Intendanten der
Berliner Philharmoniker, Wolfgang Stresemann, musste er wie alle 25 anderen
Kandidaten das Vorspiel zu Wagners Tristan dirigieren. In den ihm zur
Verfügung stehenden 20 Minuten spielte er jedoch die Vorgabe nicht einfach
durch, sondern versuchte, den Musikern seine Interpretation nahe zu bringen. Nach
Ablauf der vorgeschriebenen Zeit war er auf Grund ständigen Korrigierens und
Wiederholens erst bei Takt 20 angekommen. Karajan und der Komponist Peter
Ruzicka unterlagen in der Jury mit ihrer Ansicht, diese Probe müsste bewertet
werden. Stresemann setzte die Mehrheitsmeinung durch, der auch Kurt Masur anhing, wonach man das Tristan-Vorspiel gar nicht gehört
habe und deshalb nichts bewerten könne.
Das frühzeitige Aus war zwar ein schwarzer Tag für Christian Thielemann,
doch brachte ihm seine Leistung die anhaltende Gewogenheit von Peter Ruzicka.
"Wenn ich irgendwann einmal etwas für Sie tun kann, will ich das gerne
tun", versicherte er dem jungen Dirigenten, den er mit Tränen in den
Augen am Ausgang der Berliner Musikhochschule hatte stehen sehen. In Ruzickas
erster Spielzeit als Intendant der Hamburgischen Staatsoper 1988/89 holte er
Thielemann für dessen ersten Tristan an sein Haus. Mit der
Wiederaufnahme der "skandalumtosten" Ruth-Berghaus-Inszenierung mit
Flugzeug-Rotor und eisiger Mondlandschaft setzte die zwei ein Zeichen.
Von 1985 bis 1987 wirkte Thielemann als Erster Kapellmeister an der Deutschen
Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg. Daneben dirigierte er 1986 die
Neuinszenierung von Janaceks Jenufa an der Zürcher Oper. 1987
debütierte er an der Wiener Staatsoper mit Mozarts Così fan tutte. In
den 1980er Jahren hatte er zudem viele Engagements in Italien, so in Mailand
(1982, 1983), Turin (1982, 1985), Venedig (1983, 1984) und Rom (1985).
Zu Teil
2 der Thielemann-Biographie.
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Kläre Warnecke: Christian
Thielemann. Ein Porträt. Henschel Verlag, 2003, 288 S. Biographie
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Schweiz. Der nebenstehende Artikel beruht auf der Biografie von Kläre
Warnecke.
Christian Thielemann, Orchester der Deutschen Oper Berlin: Pfitzner,
Strauss (Orchestermusik aus Opern von Pfitzner und Strauss). Deutsche
Grammophon, 1996. CD bestellen bei Amazon.de, Amazon.com oder
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Schweiz.

Thomas Quasthoff, Christian Thielemann, Orchester der Deutschen Oper Berlin: Die
Stimme: Deutsche Romantische Arien (Evening Star. German Opera Arias).
Deutsche Grammophon, 2002. CD bestellen bei Amazon.de
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Schweiz.
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