Fête de l'Escalade
Ein Fest in Genf im Angedenken an den nächtlichen Angriff der Savoyer 1602
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Artikel vom 2. November 2003
Seit über 400 Jahren gedenken
die Genfer alljährlich an der Fête de l'Escalade jener (gemäss dem
julianischen Kalender längsten) Nacht vom 11.
auf den 12. Dezember 1602, in der sich die aufmerksamen und beherzten Bewohner
der Stadt des nächtlichen Angriffs der Savoyarden erwehrten, die mit
mitgebrachten Leitern erfolglos versuchten, die Stadtmauern zu erklettern
(erklettern = escalader). Herzog Charles-Emmanuel von Savoyen musste mit seinen
rund 2000 Männern
erfolglos von dannen ziehen.
Herzog Charles-Emmanuel von
Savoyen hatte den Thron 1580 bestiegen und schon lange ein Auge auf den
unabhängigen und prosperierenden Stadtstadt am Ende des Genfersees, beim
Einfluss der Rhone, geworfen. Er wollte Genf zur Hauptstadt der Nordalpen
machen und gleichzeitig dem dortigen Protestantismus ein Ende bereiten. Nach
all den Drohungen, Einschüchterungen, Friedensangeboten, diplomatischen und
militärischen Offensiven war 1602 der letzte Versuch der Savoyer, sich die calvinistische Stadt einzuverleiben. Der erfolgreiche Widerstand gegen die nächtliche "Escalade"
ist für die Genfer zum Symbol ihres Unabhängigkeitswillens geworden.
In der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember hatte der Herzog von Savoyen mit
Hilfe seines Schwagers, Philipp III. von Spanien, eine rund
zweitausendköpfige Söldnertruppe zusammengestellt, die dem Fluss Arve
entlang heimlich vor die Tore Genfs marschiert war und sich um zwei Uhr
Morgens bei Plainpalais zum Angriff auf die Stadtmauern mit Leitern
bereithielt. Soldaten sollten die Mauern erklettern und die Stadttore für die
Truppen öffnen. Doch ein Schuss aus der Arkebuse eines sterbenden Wächters
weckte die Bevölkerung, die noch rechtzeitig beherzt zu den Waffen griff. Um
fünf Uhr zogen die Savoyer, die Hunderte von Männern verloren hatten, ab.
Die Genfer dagegen hatten nur achtzehn Todesopfer zu beklagen. In der Folge
garantierte der Herzog von Savoyen am 12. Juli 1603 im Vertrag von St. Julien
dem Stadtstaat langfristig seine Unabhängigkeit.
Rund um die historisch verbürgten Ereignisse ranken sich Anekdoten. So soll
die Genferin und Mutter von vierzehn Kindern, Catherine Royaume, einen
schweren Suppenkessel samt heissem Inhalt auf die Angreifer geworfen bzw.
über sie ergossen haben. Jedes Jahr spielt daher die "Marmite" (der
Kessel oder Topf) beim Fest der Escalade eine wichtige Rolle. Zum einen wird
in den Gassen der Altstadt während des Festes eine schmackhafte Gemüsesuppe
aus eben solchen grossen Kesseln verkauft, zum anderen wird in Konditoreien, im
Familienkreis und
am Arbeitsplatz eine "Marmite" aus Schokolade
zerbrochen, die mit Marzipangemüse gefüllt und deshalb noch viel beliebter
ist, auch beim Schreibenden, der 16 Jahre in der Calvinstadt gewohnt hat. Daneben wird
während der Escalade auch Glühwein angeboten und Kinder singen in der Strasse
und an der Türe Escalade-Lieder aus alter Zeit, um sich so Geld und
Süssigkeiten zu verdienen.
Der Höhepunkt jeder Fête de l'Escalade ist der Umzug am Sonntagnachmittag
mit Reitern, Musketieren, Armbrustschützen, Fackelträgern sowie einem Henker
und seinen Helfer. Alle tragen alte Uniformen. Das Fest ist mit viel Pulverdampf,
Knallern und Böllern verbunden. Der Umzug endet jährlich mit der Verkündigung des
Genfer Sieges über die Savoyer im Schein eines Freudenfeuers vor der Cathédrale
de Saint-Pierre.
Um die Fête de l'Escalade gebührend feiern zu können, wurde 1926 die
private "Compagnie 1602" gegründet, welche einen früheren Verein
von 1898 ("L'association patriotique genevoise pour la rénovation de
l'Escalade") ablöste. Das Feiern der Escalade war zwischenzeitlich
mehrfach, insbesondere nach 1798, verboten gewesen.
Die "Compagnie 1602" kommt ohne Subventionen aus.
Mitgliederbeiträge, der Verkauf von Publikationen und der berühmten Suppe
sowie weitere Aktivitäten müssen genügen, um die Sammlung von rund 600
historischen Kostümen für Männer, Frauen und Kinder, die alten Rüstungen,
Helme, Waffen, Flaggen und vieles mehr zu erhalten. Die rund 2300 Mitglieder
der "Compagnie 1602" nehmen nicht nur jährlich an der Fête de
l'Escalade teil, sondern auch an den Feiern zum Schweizer Nationalfeiertag am
1. August ("Rütlischwur" von 1291, bei dem die Urkantone Uri,
Schwyz und Unterwalden einen "Ewigen Bund" schlossen) sowie zum Tag
der Landung der Schweizer Truppen in Port-Noir am 1. Juni 1814, was 1815 zum
Beitritt Genfs zur Eidgenossenschaft führte.
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Fête de l'Escalade. Foto: © Genève Tourisme.
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Fête de l'Escalade. Foto: © Genève Tourisme.
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