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Artikel vom 4. November 2003
Genf bietet eine Reihe an
Sehenswürdigkeiten. Da ist die Cathédrale de Saint-Pierre, die seit
der Reformation Temple de Saint-Pierre genannt wird. Sie steht am höchsten
Punkt der Vieille-Ville (Altstadt), auf 404 Meter über Meer. Zu römischer
Zeit stand hier vermutlich ein Tempel. Seit dem 4. und 5. Jahrhundert
entstanden kleinere christliche Basiliken. Unter der Kathedrale liegt eine der
grössten archäologischen Fundstätten Europas (site archéologique), der
frühere Gotteshäuser, eine Taufkapelle aus dem 4. Jahrhundert und Mosaiken
aus dem 5. Jahrhundert umfasst.
Die Kathedrale entstand um 1150-1232 in romanischen Stil mit gotischen
Elementen. Die Kapitelle entstammen der späten Romantik und der frühen
Gotik. Seit dem 13. Jahrhundert wurde die Cathédrale de Saint-Pierre vor
allem aussen mehrfach umgestaltet. Die beiden unvollendeten Haupttürme
stammen aus dem 13. Jahrhundert. Die ursprüngliche Portalfassade in den
Jahren von 1749 bis 1756 durch einen Portikus mit sechs korinthischen Säulen
ersetzt. Der metallene Spitzturm stammt von 1895 und wurde anstelle eines im
15. Jahrhunderts abgebrannten Glockenturms aufgesetzt.
Der Innenraum der Kathedrale ist streng calvinistisch und daher schlicht. Vor
dem letzten Wandpfeiler des nördlichen Seitenschiffes steht die "Chaise
de Calvin", ein dreieckiger Stuhl, der einst vom aus Paris nach Genf
geflohenen Theologen und Reformator Jean Calvin (1509-1565) benutzt worden
sein soll. Calvin hatte mit Hilfe des Genfers Guillaume Farel (1489-1565) die
Reformation in der Calvinstadt durchgesetzt. Den Jochen im Querschiff sind
Kapellen vorgesetzt. In der Rohan-Kapelle befindet sich seit 1889 das Grabmal
von Herzog Henri de Rohan (1579-1638), der unter Ludwig XIII. der Führer der
französischen Protestanten gewesen war.
In der Altstadt befindet sich auch die Maison Tavel, das älteste
erhaltene Genfer Privathaus, das erstmals 1303 erwähnt und 1334 erneuert
wurde. Im Bau mit gotischer Fassade befindet sich das Musée du Vieux Genève,
das ein Relief der Stadt Genf im Jahr 1850 vor der Schleifung der Stadtmauern
zeigt. Es wurde von 1880 bis 1896 von A. Magnin im Masstab 1:250 angefertigt.
Daneben befinden sich in der Maison Tavel Stühle, Glocken, Gast- und
Ladenschilder, Türen und andere Zeugen der Stadtgeschichte.
Südwestlich der Altstadt liegt die Place Neuve, in deren Mitte ein
bronzenes Reiterbild von Alfred Lanz (1879-1894) den Schweizer General
Guillaume Henri Dufour (1787-1875) zeigt. Dufour schuf als Leiter der
schweizerischen Landesvermessung von 1832-1864 die Topgraphische Karte der
Schweiz, auch als "Dufourkarte" bekannt (Masstab 1:100'000; 25
Blatt). Im Bürgerkrieg 1847 führte es das Oberkommando gegen die
katholischen Sonderbundkantone. 1857 schliesslich vermittelte der den Verzicht
Preussens auf das heute schweizerische Neuenburg.
Ebenfalls an der Place Neuve steht das Grand Théâtre, das 1874 bis
1879 entstand und der Pariser Oper nachempfunden ist. Gleich daneben steht das
Musée Rath, das 1824 und 1825 nach Plänen von Samuel Vaucher im
klassizistischen Stil als eines von Europas ersten Museen errichtet wurde. Es
wurden den Genfern von Jeanne-Françoise und Henriette Rath geschenkt. Das
dritte sehenswerte Gebäude an der Place Neuve ist das neoklassizistische Conservatoire
de Musique von 1858. Im Musikkonservatorium findet der berühmte
jährliche Genfer Musikwettbewerb statt. Insbesondere am Abend, wenn die
Fassaden der drei Gebäude angestrahlt werden, ist die Place Neuve einer der
schönsten Genfer Plätze.
Nur einige Schritte von der Place Neuve entfernt steht die Victoria Hall,
in der das Orchestre de las Suisse Romande, führende Gastorchester und
Solisten aus aller Welt sowie die Preisträger des jährlichen Genfer
Musikwettbewerbs spielen. Erbaut wurde die Victoria Hall von 1891 bis 1894 vom
Genfer Architekten John Camoletti im Auftrag des steinreichen englischen
Konsuls Daniel Fitzgerald Packenham Barton (1850-1907), der seit seiner Jugend
in Genf wohnhaft war und den Konzertsaal seiner Königin widmete. In der Villa
Barton, die heute zum Institut des Hautes Etudes Internationales (IUHEI)
gehört, hat der Schreibende übrigens zwei Jahre studiert. Zurück zur
Victoria Hall, die eine Fassade im Beaux-Arts-Stil ziert. Der Konzertsaal ist
opulent und mit neobarockem Stuck ausgestaltet. 1904 schenkte Barton das
Gebäude der Stadt Genf. 80 Jahre später brannte das Haus und Teile des
Innendekors wurden zerstört. Die Stadt entschloss sich, das Gebäude zu
renovieren. Die Stuckaturen wurde wieder hergestellt. Die Deckengemälde von
Ernest Biéler wurden leider unwiederbringlich zerstört und durch kitschige
Werke von Dominique Appia ersetzt.
Das Musée d'art et d'histoire vereint mehrere Kollektionen ehemaliger
Genfer Museen - einige davon aus dem 18. Jahrhundert - unter einem Dach. Der
1910 eingeweihte Bau stammt vom Architekten Marc Camoletti, bezahlt wurde er
vom Mäzen Charles Galland. Die Sammlungen des Musée d'art et d'histoire
haben einen enzyklopädischen Charakter. Sie reichen von Ägypten,
Griechenland und dem Antiken Rom über Waffen und Rüstungen vom 15. bis 18.
Jahrhunderts , Enterleitern, Fahnen und anderen Siegestrophäen von der Escalade
von 1602 und über Gemälde deutscher, flämischer, französischer und
italienischer Schulen bis zu Kunstwerken des 20. Jahrhunderts. Natürlich sind
auch Schweizer Maler und insbesondere die Genfer Schule des 18. und 19.
Jahrhunderts gut vertreten. Die Wandgemälde im Treppenhaus stammen von
Ferdinand Hodler.
Weitere herausragende Museen von internationaler Bedeutung können hier nur
kurze Erwähnung finden: Ein Besuch im Musée Barbier-Muller mit seinen
über 7000 Werken klassischer wie "primitiver" Kunst aus Afrika und
Ozeanien ist unbedingt zu empfehlen, auch wenn die präkolumbischen Werke
unterdessen in Barcelona ausgestellt sind. Das gleiche gilt es von einer
zweiten herausragenden Privatsammlung, den Collections Baur, zu sagen.
Die über 7000 Werke aus Asien wurden vom Schweizer Alfred Baur (1865-1951)
gesammelt. Sie gehören zum besten an chinesischer und japanischer Kunst, was
es ausserhalb Chinas und Japans zu sehen gibt. Da ist auch noch die Fondation
Martin Bodmer - Bibliotheca Bodmeriana im Nobelvorort Cologny. Martin
Bodmer (1899-1971) hat dort 160'000 Bücher, Manuskripte, Inkunabeln,
griechische und koptische Papyri und vieles mehr zusammen getragen.
Nicht zu vergessen sind das Mamco, das Museum für moderne und
zeitgenössische Kunst (siehe die Kritik zur Ausstellung "French
Collection"), das auf die Initiative des Sammlers Gustave Revilliod
(1817-1890) erbaute Musée Ariana mit 16'000 Werken aus Glas und
Keramik, das Musée international de la Croix-Rouge et du Croissant-Rouge,
das Musée d'etnographie mit rund 100'000 Objekten, das Musée
d'histoire des sciences in der neoklassischen Villa Bartholoni von 1828,
das sehenswerte Uhrenmuseum von Patek Philippe. Zuletzt sei noch der
von 1929 bis 1936 erbaute und 1973 erweiterte Völkerbundspalast oder Palais des Nations
erwähnt, in dem heute die
Vereinten Nationen zu Hause sind. Damit hier keine Missverständnisse
entstehen, wir haben hier nur auf einen Teil der Sehenswürdigkeiten und
Museen der Stadt hingewiesen. Genf ist mit seinen rund 400'000 Einwohnern - im
ganzen Kanton, nicht etwa allein in der Stadt - wahrlich die kleinste
Weltstadt der Erde.
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Der Jet d'Eau, das Wahrzeichen Genfs.
Foto: © Genève Tourisme.
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Sommaruga, Präsident des IKRK + English
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Le Mur de la Réforme (Reformmauer), 1917, Park des Bastions.
Das Reformationsdenkmal vereint die Hauptvertretern des
Calvinismus (Farel, Calvin, Bèze, Knox).
Foto: © Genève Tourisme.

Die Genfer Oper, das Grand Théâtre. Foto: © Genève Tourisme.

Die Blumenuhr beim See, ein weiteres Wahrzeichen Genfs.
Foto: © Genève Tourisme.
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