www.cosmopolis.ch
Nr. 53, November 2003
Deutsche Ausgabe  Archiv  Kunst  Film  Musik  Geschichte  Politik  Lebensart  Reisen
English edition  Archives  Art  Film  Music  History  Politics  Lifestyle  Travel
Copyright 2003  www.cosmopolis.ch  Louis Gerber  All rights reserved.

Sehenswürdigkeiten in Genf
Genfer Sehenswuerdigkeiten
Buchen Sie Hotels aller Kategorien in Genf
Artikel vom 4. November 2003
 
Genf bietet eine Reihe an Sehenswürdigkeiten. Da ist die Cathédrale de Saint-Pierre, die seit der Reformation Temple de Saint-Pierre genannt wird. Sie steht am höchsten Punkt der Vieille-Ville (Altstadt), auf 404 Meter über Meer. Zu römischer Zeit stand hier vermutlich ein Tempel. Seit dem 4. und 5. Jahrhundert entstanden kleinere christliche Basiliken. Unter der Kathedrale liegt eine der grössten archäologischen Fundstätten Europas (site archéologique), der frühere Gotteshäuser, eine Taufkapelle aus dem 4. Jahrhundert und Mosaiken aus dem 5. Jahrhundert umfasst.
 
Die Kathedrale entstand um 1150-1232 in romanischen Stil mit gotischen Elementen. Die Kapitelle entstammen der späten Romantik und der frühen Gotik. Seit dem 13. Jahrhundert wurde die Cathédrale de Saint-Pierre vor allem aussen mehrfach umgestaltet. Die beiden unvollendeten Haupttürme stammen aus dem 13. Jahrhundert. Die ursprüngliche Portalfassade in den Jahren von 1749 bis 1756 durch einen Portikus mit sechs korinthischen Säulen ersetzt. Der metallene Spitzturm stammt von 1895 und wurde anstelle eines im 15. Jahrhunderts abgebrannten Glockenturms aufgesetzt.
 
Der Innenraum der Kathedrale ist streng calvinistisch und daher schlicht. Vor dem letzten Wandpfeiler des nördlichen Seitenschiffes steht die "Chaise de Calvin", ein dreieckiger Stuhl, der einst vom aus Paris nach Genf geflohenen Theologen und Reformator Jean Calvin (1509-1565) benutzt worden sein soll. Calvin hatte mit Hilfe des Genfers Guillaume Farel (1489-1565) die Reformation in der Calvinstadt durchgesetzt. Den Jochen im Querschiff sind Kapellen vorgesetzt. In der Rohan-Kapelle befindet sich seit 1889 das Grabmal von Herzog Henri de Rohan (1579-1638), der unter Ludwig XIII. der Führer der französischen Protestanten gewesen war.

In der Altstadt befindet sich auch die Maison Tavel, das älteste erhaltene Genfer Privathaus, das erstmals 1303 erwähnt und 1334 erneuert wurde. Im Bau mit gotischer Fassade befindet sich das Musée du Vieux Genève, das ein Relief der Stadt Genf im Jahr 1850 vor der Schleifung der Stadtmauern zeigt. Es wurde von 1880 bis 1896 von A. Magnin im Masstab 1:250 angefertigt. Daneben befinden sich in der Maison Tavel Stühle, Glocken, Gast- und Ladenschilder, Türen und andere Zeugen der Stadtgeschichte.
 
Südwestlich der Altstadt liegt die Place Neuve, in deren Mitte ein bronzenes Reiterbild von Alfred Lanz (1879-1894) den Schweizer General Guillaume Henri Dufour (1787-1875) zeigt. Dufour schuf als Leiter der schweizerischen Landesvermessung von 1832-1864 die Topgraphische Karte der Schweiz, auch als "Dufourkarte" bekannt (Masstab 1:100'000; 25 Blatt). Im Bürgerkrieg 1847 führte es das Oberkommando gegen die katholischen Sonderbundkantone. 1857 schliesslich vermittelte der den Verzicht Preussens auf das heute schweizerische Neuenburg.
 
Ebenfalls an der Place Neuve steht das Grand Théâtre, das 1874 bis 1879 entstand und der Pariser Oper nachempfunden ist. Gleich daneben steht das Musée Rath, das 1824 und 1825 nach Plänen von Samuel Vaucher im klassizistischen Stil als eines von Europas ersten Museen errichtet wurde. Es wurden den Genfern von Jeanne-Françoise und Henriette Rath geschenkt. Das dritte sehenswerte Gebäude an der Place Neuve ist das neoklassizistische Conservatoire de Musique von 1858. Im Musikkonservatorium findet der berühmte jährliche Genfer Musikwettbewerb statt. Insbesondere am Abend, wenn die Fassaden der drei Gebäude angestrahlt werden, ist die Place Neuve einer der schönsten Genfer Plätze.

Nur einige Schritte von der Place Neuve entfernt steht die Victoria Hall, in der das Orchestre de las Suisse Romande, führende Gastorchester und Solisten aus aller Welt sowie die Preisträger des jährlichen Genfer Musikwettbewerbs spielen. Erbaut wurde die Victoria Hall von 1891 bis 1894 vom Genfer Architekten John Camoletti im Auftrag des steinreichen englischen Konsuls Daniel Fitzgerald Packenham Barton (1850-1907), der seit seiner Jugend in Genf wohnhaft war und den Konzertsaal seiner Königin widmete. In der Villa Barton, die heute zum Institut des Hautes Etudes Internationales (IUHEI) gehört, hat der Schreibende übrigens zwei Jahre studiert. Zurück zur Victoria Hall, die eine Fassade im Beaux-Arts-Stil ziert. Der Konzertsaal ist opulent und mit neobarockem Stuck ausgestaltet. 1904 schenkte Barton das Gebäude der Stadt Genf. 80 Jahre später brannte das Haus und Teile des Innendekors wurden zerstört. Die Stadt entschloss sich, das Gebäude zu renovieren. Die Stuckaturen wurde wieder hergestellt. Die Deckengemälde von Ernest Biéler wurden leider unwiederbringlich zerstört und durch kitschige Werke von Dominique Appia ersetzt.

Das Musée d'art et d'histoire vereint mehrere Kollektionen ehemaliger Genfer Museen - einige davon aus dem 18. Jahrhundert - unter einem Dach. Der 1910 eingeweihte Bau stammt vom Architekten Marc Camoletti, bezahlt wurde er vom Mäzen Charles Galland. Die Sammlungen des Musée d'art et d'histoire haben einen enzyklopädischen Charakter. Sie reichen von Ägypten, Griechenland und dem Antiken Rom über Waffen und Rüstungen vom 15. bis 18. Jahrhunderts , Enterleitern, Fahnen und anderen Siegestrophäen von der
Escalade von 1602 und über Gemälde deutscher, flämischer, französischer und italienischer Schulen bis zu Kunstwerken des 20. Jahrhunderts. Natürlich sind auch Schweizer Maler und insbesondere die Genfer Schule des 18. und 19. Jahrhunderts gut vertreten. Die Wandgemälde im Treppenhaus stammen von Ferdinand Hodler.

Weitere herausragende Museen von internationaler Bedeutung können hier nur kurze Erwähnung finden: Ein Besuch im Musée Barbier-Muller mit seinen über 7000 Werken klassischer wie "primitiver" Kunst aus Afrika und Ozeanien ist unbedingt zu empfehlen, auch wenn die präkolumbischen Werke unterdessen in Barcelona ausgestellt sind. Das gleiche gilt es von einer zweiten herausragenden Privatsammlung, den Collections Baur, zu sagen. Die über 7000 Werke aus Asien wurden vom Schweizer Alfred Baur (1865-1951) gesammelt. Sie gehören zum besten an chinesischer und japanischer Kunst, was es ausserhalb Chinas und Japans zu sehen gibt. Da ist auch noch die Fondation Martin Bodmer - Bibliotheca Bodmeriana im Nobelvorort Cologny. Martin Bodmer (1899-1971) hat dort 160'000 Bücher, Manuskripte, Inkunabeln, griechische und koptische Papyri und vieles mehr zusammen getragen.
 
Nicht zu vergessen sind das Mamco, das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst (siehe die Kritik zur Ausstellung "French Collection"), das auf die Initiative des Sammlers Gustave Revilliod (1817-1890) erbaute Musée Ariana mit 16'000 Werken aus Glas und Keramik, das Musée international de la Croix-Rouge et du Croissant-Rouge, das Musée d'etnographie mit rund 100'000 Objekten, das Musée d'histoire des sciences in der neoklassischen Villa Bartholoni von 1828, das sehenswerte Uhrenmuseum von Patek Philippe. Zuletzt sei noch der von 1929 bis 1936 erbaute und 1973 erweiterte Völkerbundspalast oder Palais des Nations erwähnt, in dem heute die Vereinten Nationen zu Hause sind. Damit hier keine Missverständnisse entstehen, wir haben hier nur auf einen Teil der Sehenswürdigkeiten und Museen der Stadt hingewiesen. Genf ist mit seinen rund 400'000 Einwohnern - im ganzen Kanton, nicht etwa allein in der Stadt - wahrlich die kleinste Weltstadt der Erde.
 

Der Jet d'Eau, das Wahrzeichen Genfs.
Foto: © Genève Tourisme.

Weitere Artikel zu Genf
- Geschichte von Genf
- Fête de l'Escalde
- Hotel Beau-Rivage
- Hotel Bristol
- Restaurant Relais Bristol
- Hotels aller Kategorien in Genf
- Interview mit Cornelio Sommaruga, Präsident des IKRK + English article
 

Le Mur de la Réforme (Reformmauer), 1917, Park des Bastions.
Das Reformationsdenkmal vereint die Hauptvertretern des
Calvinismus (Farel, Calvin, Bèze, Knox). Foto: © Genève Tourisme.
 

Die Genfer Oper, das Grand Théâtre. Foto: © Genève Tourisme.
 

Die Blumenuhr beim See, ein weiteres Wahrzeichen Genfs.
Foto: © Genève Tourisme.
 

 

www.cosmopolis.ch
Nr. 53, November 2003
Deutsche Ausgabe  Archiv  Kunst  Film  Musik  Geschichte  Politik  Lebensart  Reisen
English edition  Archives  Art  Film  Music  History  Politics  Lifestyle  Travel
Copyright 2003  www.cosmopolis.ch  Louis Gerber  All rights reserved.