Geschichte der Hamburger Kunsthalle
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Artikel vom 2. Februar 2004
Als die Nazis 1933 ans Ruder kamen, wurde Pauli vorzeitig entlassen. Bei der
"Säuberung" deutscher Museen von "entarteter Kunst"
musste auch die Hamburger Kunsthalle bluten. Alle 74 damals beschlagnahmten
Werke, darunter Oskar Kokoschkas Windsbraut und Franz Marcs Mandrill,
waren von Pauli gesammelt worden. Das Kupferstichkabinett verlor 1200
Arbeiten.
Unter Carl Georg Heise (1945-55) konnte die Kunsthalle die von Munch
ausgehende expressionistische Konstante wieder herstellen. Er fügte zudem
Werke von Beckmann, Klee und Kandinsky der Sammlung hinzu. In Hinsicht auf das
19. Jahrhundert ergänzte er die Bestände Arbeiten aus dem Kreis der
Nazarener. 1953 organisierte Heise Ausstellung Plastik im Freien. Der
hohe Standard jener Ausstellung wurde später leider preisgegeben.
Alfred Hentzen (1955-69) kaufte Werke von Claude Lorrain, Strozzi, Boucher und
Fragonard an, um die Lücken im Bereich des 17. und 18 Jahrhunderts zu
füllen. Unter den Zeitgenossen galt sein Augenmerk der Ecole de Paris sowie
Einzelgängern wie Henry Moore, Alberto
Giacometti und Wols.
Hentzen gründete 1956 die "Stiftung zur Förderung der Hamburgischen
Kunstsammlungen", in der privates Mäzenatentum und Öffentliche Hand
zusammen wirken sollten. In der Stiftung arbeitete die Kunsthalle mit dem
Museum für Kunst und Gewerbe zusammen.
Hentzens Nachfolger wurden von der Preisexplosion auf dem Kunstmarkt stark
eingeschränkt. Dennoch gelang es Werner Hofmann (1969-90), Sammlungslücken
zu schliessen. Seit 1991 amtet Uwe M. Schnede als Direktor der Kunsthalle.
Bereits in seinem ersten Jahr richtete er neben einem Beckmann- und Lehmbruck-
auch einen Beuys- und Warhol-Saal ein. Unter den vielen Neuerwerbungen und
Schenkungen in der noch nicht abgeschlossenen Ära-Schnede sei nur darauf
verwiesen, dass 1994 die "Freunde der Kunsthalle" dem Museum fast
das gesamte druckgraphische Werk von Sigmar Polke schenkten.
1997 wurde die vom Architekten Oswald Mathias Ungers gebaute Galerie der
Gegenwart eröffnet, wodurch die Hamburger Kunsthalle fortan die Kunst vom
Mittelalter bis zur Gegenwart zeigt. Einige Künstlerinnen und Künstler haben
ein ortsgebundenes Werk speziell für die Galerie der Gegenwart entworfen. So
hat Jenny Holzer den Übergang vom Altbau zum Neubau gestaltet. Ian Hamilton
Finlay machte aus dem Platz zwischen den Gebäuden ein Kunstwerk. Ilya Kabakov
entwarf ein russisches Krankenzimmer-Ambiente. Jannis Kounellis errichte eine
Schichtung von Steinen. Richard Serra realisierte ein Splashing mit Blei sowie
eine Wandzeichnung.
1995 mussten die Hamburger Museen schwerwiegende Eingassen an öffentlichen
Mitteln in Kauf nehmen und begannen daher über Strukturreformen nachzudenken.
In der Folge wurde die bislang staatliche Hamburger Kunsthalle - wie sechs
andere Hamburger Museen - am 1. Januar 1999 eine Stiftung öffentlichen
Rechts. Vorbilder für die Verselbständigung fanden sich in den Niederlanden.
Seit 1999 fallen alle Entscheidungen im Haus selbst. Das Museum ist ein
Unternehmen geworden, allerdings weiterhin von öffentlichen Zuwendungen
abhängig.
Die Zwecke sind weiterhin das Sammeln, Bewahren, Erforschen und
Vermitteln von Kunst. Die Gebäude und Sammlungen sind nicht privatisiert
worden, sondern gehören weiterhin dem Staat.
Die Hamburger Kunsthalle besitzt eine Vielzahl von Schätzen, die gar nicht
alle gleichzeitig gezeigt werden können. Allein das Kupferstichkabinett
umfasst über 100,000 Blätter. Den Grundstock dazu hatte der Kunsthändler-
und Sammler Georg Ernst Harzen (1790-1863) mit seinem Vermächtnis gelegt.
Von Mai bis August 2003 zeigte das Kunsthaus erstmals eine Auswahl von 100 Meisterzeichen
aus einem Bestand von weit über 3000 Arbeiten des 19. Jahrhunderts des Kupferstichkabinetts unter dem Titel von Von Runge bis
Menzel. Unter den Meistwerken war das Selbstbildnis am
Zeichentisch (1801/02) von Philipp Otto Runge (1777-1810), schwarze und
weisse Kreide auf braunem Papier. Von Adolph Menzel (1815-1905) beeindruckten Zwei
Kopfstudien einer alten Frau (1889). Die Bleistiftzeichnungen aus seinem
Spätwerk zeigen oft Halbfiguren und Köpfe von Menschen etwa seines Alters, bei
denen er sensibel und realistisch die Spuren des Alters herausgearbeitet hat.
In dieser Auswahl durften natürlich Werke von Max
Liebermann (1847-1935) nicht fehlen, so das Pastell Zimmer des Künstlers bei Jacob in Nienstedten
aus dem Sommer 1902. Das Hotel existiert heute noch als Louis
C. Jacob. Der Schreibende hat dort im "Liebermann-Zimmer"
übernachtet, in dem einige Werke des Künstlers hängen und das wärmstens
weiter zu empfehlen ist. Weitere Informationen zu Werken Liebermanns (in der
Ausstellung Von Runge bis
Menzel, in der permanenten Ausstellung der Kunsthalle sowie im Hotel Louis
C. Jacob) finden Sie in der Biografie von Max
Liebermann. - Zu
Teil 1
der Geschichte der Hamburger Kunsthalle.
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Luftbild der Hamburger Kunsthalle, 1997.
Foto © Reimer Wulf/Hamburger Kunsthalle.

Max Liebermann: Terrasse im Restaurant Jacob in Nienstedten an der
Elbe, 1902. Öl auf Leinwand, 70cm x 100cm. Foto © Elke Walford/
Hamburger Kunsthalle.

Meister Bertram: Der Buxtehuder Altar, 1400/1410. Szenen
aus dem Leben Mariens. Foto © Elke Walford/Hamburger
Kunsthalle.
Von Runge bis Menzel. Hamburger Kunsthalle. ISBN: 3922909817.
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