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Max Liebermann in Hamburg
bzw. in der Hamburger Kunsthalle

Artikel vom 2. Februar 2004

 
In der permanenten Ausstellung der Hamburger Kunsthalle befinden sich die Netzflickerinnen (1887-89) von Liebermann. Auf seiner Hochzeitsreise 1884 in Holland begegnete der Künstler erstmals der Arbeit der Netzflickerinnen. In Scheveningen fertigten er und der ihn begleitende Maler Jozef Israels Skizzen zu diesem Motiv an. Nachdem Israels 1886 ein grosses Ölgemälde zum dem Thema geschaffen hatte, nahm es auch Liebermann in zahlreichen Zeichnungen und Ölstudien wieder auf. 1887 schliesslich begann er die Komposition seines Gemäldes, das er auf Grund schwerer Gichtanfälle aber erst im Winter 1888/89 vollenden konnte.

Das Werk wurde 1889 nicht etwa von einem berühmten Mäzen gekauft, sondern der Direktor der Berliner Museen, Wilhelm Bode, sah es an der Weltausstellung in Paris, wo es eine Ehrenmedaille gewann. Bode empfahl Lichtwark die Netzflickerinnen, und der Direktor der Hamburger Kunsthalle kaufte es unbesehen zum geringen Kaufpreis von 1000 Mark, der von den Hörerinnen von Lichtwarks Vorlesungen gespendet wurde.

Die Netzflickerinnen waren das erste Gemälde des Künstlers, das die Kunsthalle ankaufte. Es war der Auftakt zur Bildung einer der bedeutendsten Liebermann-Sammlungen. Zwei Jahre später erfolgte der zweite Ankauf. Lichtwark beauftragte Liebermann, ein Porträt des Hamburger Bürgermeisters Carl Friedrich Petersen zu malen. Das Ergebnis hätte den Direktor beinahe sein Amt gekostet, denn insbesondere die Familie des Porträtierten war mit dem zügig gemalten und ungeschönten Werk unzufrieden. Doch glücklicherweise blieb der Direktor im Amt und die Beziehung zum Künstler konnte weiter gepflegt werden. Wie fruchtbar diese war, dokumentierte 2003 eine Ausstellung.

Von Mai bis August 2003 zeigte die Hamburger Kunsthalle erstmals eine Auswahl von 100 Meisterzeichen des 19. Jahrhunderts aus den Beständen des Kupferstichkabinetts unter dem Titel von Von Runge bis Menzel. Die Werke von Max Liebermann nahmen dabei einen wichtigen Platz ein.

Max Liebermanns Pastell Das Zimmer des Künstlers bei Jacob in Nienstedten stammt aus dem Sommer 1902. Das Hotel existiert heute noch als Louis C. Jacob. Der Schreibende hat dort im "Liebermann-Zimmer" übernachtet, in dem einige kleinere Werke des Künstlers hängen. Das Zimmer ist wärmstens weiter zu empfehlen. Liebermann wohnte vom 3. Juli bis 5. August 1902 auf Einladung des Kunsthalledirektors Lichtwark im Louis C. Jacob, um für die "Sammlung von Bildern aus Hamburg" Ansichten der Umgebung zu malen. Das Gartencafé auf der Lindenterrasse war seit dem 18. Jahrhundert berühmt und entsprechend gut besucht. Von hier hat man einen vorzüglichen Ausblick auf die Elbchaussee (heute befindet sich der Airbus-Komplex auf der gegenüberliegenden Seite der Elbe).

In der permanenten Ausstellung der Hamburger Kunsthalle befindet sich übrigens das ebenfalls 1902 entstandene Ölgemälde Terrasse im Restaurant Jacob in Nienstedten an der Elbe (70 cm x 100 cm), eines von Liebermanns berühmtesten Werke überhaupt. Es ist von einer lichten, sommerlichen Stimmung getragen. Allerdings beschrieb der Künstler noch Monate nach dem Aufenthalt in einem Brief an Lichtwark den Sommer 1902 als für Hamburg typisch verregnet.

In der Ausstellung Von Runge bis Menzel war auch Liebermanns Pastell Das Godeffroy'sche Landhaus im Hirschpark von Nienstedten an der Elbe (1902) zu bewundern, das ebenfalls zum Zyklus "Sammlung von Bildern aus Hamburg" gehört. Es handelt sich um das vom dänischen Architekten Christian Frederik Hansen (1756-1845) für Johann César Godeffroy zwischen 1789 und 1792 errichtete Anwesen, das Liebermann bereits 1890 erstmals auf seinen Spaziergängen durch die Hamburger Parkanlagen gesehen hatte und das ihn so beeindruckte, dass er die Mittelfront des klassizistischen Landhauses als Vorbild für seine Villa am Wannsee (1909/10) nahm.

Ebenfalls Teil der Ausstellung Von Runge bis Menzel war Liebermanns Kreidezeichnung Blick auf Nordwijk (um 1906). Sie entstand im holländischen Küstenort, in dem er ab 1905 die Sommermonate verbrachte, um vor der Natur zu zeichnen. Die Hamburger Zeichnung gehört zu einer Gruppe von Skizzen, die Liebermann als Vorlage für sein Bild von 1906 Dünen von Nordwijk verwendete (Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie). Der freie, fast impressionistische Duktus der Nordwijk-Studien begeisterte Liebermanns Zeitgenossen.

Zu Teil 1 der Liebermann-Biografie.




Max Liebermann: Terrasse im Restaurant Jacob in Nienstedten an der Elbe, 1902. Öl auf Leinwand, 70cm x 100cm. Foto © Elke Walford / Hamburger Kunsthalle.

Dietrich Gronau: Max Liebermann. Eine Biographie. Fischer Taschenbuch Verlag, 2. Auflage Oktober 2002 (Originalausg. Dez. 2001), 414 S. Das nicht tief schürfende Buch ist die Quelle für den nebenstehenden Artikel, zusammen mit Informationen der Hamburger Kunsthalle.

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