Das Brandenburger Tor
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Artikel vom 1. April 2004
Das
Brandenburger Tor und seine Geschichte: Das Brandenburger Tor entstand 1788-1791 nach dem Entwurf von Carl Gotthard
Langhans, zuerst ohne Quadriga und ohne plastischen Schmuck. Als es im August
1791 dem Verkehr übergeben wurde, geschah dies ohne Feierlichkeiten.
1793 wurde das Brandenburger Tor mit der Quadriga (Viergespann) und der
Friedensgöttin (später Siegesgöttin)
Victoria von Johann Gottfried Schadow
gekrönt. Das Brandenburger Tor war das erste monumentale Bauwerk des
Klassizismus in Berlin.
Politische Bedeutung erhielt das Brandenburger Tor erst, als Napoleon nach
seinem Sieg bei Jena im Oktober 1806 an der Spitze seiner Garden hoch zu Ross
durch das als heroische Kulisse missbrauchte Tor in Berlin einmarschierte. Der
Franzose raubte zudem die Quadriga und schaffte sie nach Paris, wodurch er
Schadows Werk erst patriotische Weihen verlieh. Napoleon gilt denn auch
zurecht als Geburtshelfer des deutschen Nationalbewusssteins.
Als im Sommer 1810 Königin Luise zu Grabe getragen wurde, ersetzte eine
riesige schwarze Fahne die Quadriga. Das Brandenburger Tor wurde zum Ausdruck
der Trauer und Verzweiflung der Deutschen. So überrascht es nicht, dass die
Heimholung der Quadriga nach dem Sieg über Napoleon im Sommer 1814 zu einem
Triumphzug geriet.
Zu Ehren der heimkehrenden, siegreichen Truppen wurde das Quarrée zum Pariser
Platz umbenannt. Gleichzeitig wurde die Rückkehr der Quadriga gefeiert, die
Schinkel inzwischen um das umkränzte Eiserne Kreuz mit dem darüberliegenden
Adler ergänzt hatte. Das Brandenburger Tor wurde so zum Denkmal für die
Befreiungskriege, die Friedensgöttin zur Viktoria.
Fortan wurde das Brandenburger Tor ein unerlässlicher Bestandteil staatlicher
Festlichkeiten, Siegesparaden und Trauerfeiern, so zum Beispiel nach den drei
siegreichen Kriegen unter Otto von Bismarck, die Theodor Fontane alle unter
demselben Titel, Einzug, besungen hat, wobei er nie vergass, das
Brandenburger Tor in seinen Strophen zu erwähnen.
Wann immer der Zar, der englische König oder der österreichische Kaiser zu
Besuch kamen, wurde das Brandenburger Tor in Freudenfarben gehüllt und fanden
militärische Aufmärsche statt, die Kaiser Wilhelm II. so liebte.
Die Revolutionäre im Gefolge der Niederlage im Ersten Weltkrieg, die
siegreichen Regierungstruppen sowie die Kapp-Putschisten liessen sich alle
bedeutungsschwangere Märsche durch das Tor nicht nehmen, weshalb die Weimarer
Republik darauf verzichtete, es in Anspruch zu nehmen.
Als Adolf Hitler Reichskanzler wurde, organisierten die SA bereits am 30.
Januar 1933 einen nächtlichen Fackelzug durch das Brandenburger Tor, das
unter den Nationalsozialisten noch stärker als im Kaiserreich für Paraden
und andere Feiern herhalten musste. In diese fast unendliche Liste gehören
die Militärparade zu Hitlers fünfzigstem Geburtstag im April 1939 sowie der
Aufmarsch des Volkssturms vor Paul Joseph Goebbels im November 1944 auf dem
bereits stark zerstörten Pariser Platz, als der Propagandaminister bereits
einige Monate als Reichsbevollmächtigter für den totalen Kriegseinsatz
tätig gewesen war.
Trauriger Abschluss dieser Nazi-Paraden bildete der Mai 1945 mit dem Elendszug
deutscher Soldaten, die durch das Brandenburger Tor in die sowjetische
Gefangenschaft getrieben wurden, aus der viele nicht mehr heimkehrten.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Strasse Unter den Linden gründlich zerbombt.
Am Ende stand das Brandenburger Tor allerdings noch immer, wenn auch
beschädigt und mit zerschossener Quadriga. 1958 wurde nach dem Original eine Kopie
des Viergespanns in Kupfer hergestellt. 1991 wurde die Quadriga
renoviert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wehte die Rote Fahne symbolträchtig vom Tor, das
kurzzeitig Zeuge von Paraden der siegreichen Alliierten wurde, ehe es für den
Kalten Krieg stand. Die Aufständischen vom 17.
Juni 1953 rissen die Rote Fahne übrigens symbolbewusst herunter.
Das Brandenburger Tor bildete nach dem Zweiten Weltkrieg die Grenze zwischen
den Ost- und Westsektoren der Besatzungsmächte. Mit dem Bau der Berliner
Mauer 1961 wurde das Brandenburger Tor zum bekanntesten Symbol der Teilung
Deutschlands. "Macht das Tor auf!" wurde dann auch zu einer
Forderung der nach Freiheit strebenden Ostdeutschen. Im Gefolge des Falls der
Berliner Mauer vom 9. November 1989 wurde auch das Brandenburger Tor am 22. Dezember 1989
definitiv wieder geöffnet - so bleibt zu hoffen.
Hinzugefügt am 4. Januar 2005: Neuer Glanz kam 1997 mit der Wiedereröffnung
des Hotel Adlon
ans Brandenburger Tor. Nun fehlt nur noch der Neubau der amerikanischen
Botschaft, damit der Pariser Platz wieder eine architektonische Einheit
bildet, auch wenn die Klasse der historischen Bauten nicht erreicht wird.
Siehe zum Brandenburger Tor auch Günter de Bruyn: Unter den Linden.
Berlin, Siedler Verlag, zweite Auflage 2002, 192 S. Dem Buch
haben wir viele Anmerkungen entnommen. Buch bestellen bei Amazon.de
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Schweiz.
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Das obige Foto ist ein Ausschnitt des Umschlags
des von Antonia Meiners herausgegeben Bildbands Berlin. Photographien
1880-1930, Nicolai Verlag, 2002, 120 S. Bildband bestellen bei Amazon.de.
Foto courtesy Nicolai Verlag. Das Brandenburger Tor in einer Fotografie von Waldemar Titzenthaler aus dem
Jahr 1907. Es zeigt den Blick vom Boulevard Unter den Linden über
den Pariser Platz zum Brandenburger Tor, dem Wahrzeichen der Hauptstadt.
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Foto © Berlin Tourismus Marketing GmbH.
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