www.cosmopolis.ch
Nr. 55, Januar 2004
Deutsche Ausgabe  Archiv  Kunst  Film  Musik  Geschichte  Politik  Lebensart  Reisen
English edition  Archives  Art  Film  Music  History  Politics  Lifestyle  Travel

© Copyright 2004  www.cosmopolis.ch  Louis Gerber  All rights reserved.

Das Brandenburger Tor
Buchen Sie Ihr Hotel in Berlin online
.
Artikel vom 1. April 2004
 
Das Brandenburger Tor und seine Geschichte: Das Brandenburger Tor entstand 1788-1791 nach dem Entwurf von Carl Gotthard Langhans, zuerst ohne Quadriga und ohne plastischen Schmuck. Als es im August 1791 dem Verkehr übergeben wurde, geschah dies ohne Feierlichkeiten.

1793 wurde das Brandenburger Tor mit der Quadriga (Viergespann) und der Friedensgöttin (später Siegesgöttin) Victoria von Johann Gottfried Schadow gekrönt. Das Brandenburger Tor war das erste monumentale Bauwerk des Klassizismus in Berlin.

Politische Bedeutung erhielt das Brandenburger Tor erst, als Napoleon nach seinem Sieg bei Jena im Oktober 1806 an der Spitze seiner Garden hoch zu Ross durch das als heroische Kulisse missbrauchte Tor in Berlin einmarschierte. Der Franzose raubte zudem die Quadriga und schaffte sie nach Paris, wodurch er Schadows Werk erst patriotische Weihen verlieh. Napoleon gilt denn auch zurecht als Geburtshelfer des deutschen Nationalbewusssteins.

Als im Sommer 1810 Königin Luise zu Grabe getragen wurde, ersetzte eine riesige schwarze Fahne die Quadriga. Das Brandenburger Tor wurde zum Ausdruck der Trauer und Verzweiflung der Deutschen. So überrascht es nicht, dass die Heimholung der Quadriga nach dem Sieg über Napoleon im Sommer 1814 zu einem Triumphzug geriet.

Zu Ehren der heimkehrenden, siegreichen Truppen wurde das Quarrée zum Pariser Platz umbenannt. Gleichzeitig wurde die Rückkehr der Quadriga gefeiert, die Schinkel inzwischen um das umkränzte Eiserne Kreuz mit dem darüberliegenden Adler ergänzt hatte. Das Brandenburger Tor wurde so zum Denkmal für die Befreiungskriege, die Friedensgöttin zur Viktoria.

Fortan wurde das Brandenburger Tor ein unerlässlicher Bestandteil staatlicher Festlichkeiten, Siegesparaden und Trauerfeiern, so zum Beispiel nach den drei siegreichen Kriegen unter Otto von Bismarck, die Theodor Fontane alle unter demselben Titel, Einzug, besungen hat, wobei er nie vergass, das Brandenburger Tor in seinen Strophen zu erwähnen.

Wann immer der Zar, der englische König oder der österreichische Kaiser zu Besuch kamen, wurde das Brandenburger Tor in Freudenfarben gehüllt und fanden militärische Aufmärsche statt, die Kaiser Wilhelm II. so liebte.

Die Revolutionäre im Gefolge der Niederlage im Ersten Weltkrieg, die siegreichen Regierungstruppen sowie die Kapp-Putschisten liessen sich alle bedeutungsschwangere Märsche durch das Tor nicht nehmen, weshalb die Weimarer Republik darauf verzichtete, es in Anspruch zu nehmen. 

Als Adolf Hitler Reichskanzler wurde, organisierten die SA bereits am 30. Januar 1933 einen nächtlichen Fackelzug durch das Brandenburger Tor, das unter den Nationalsozialisten noch stärker als im Kaiserreich für Paraden und andere Feiern herhalten musste. In diese fast unendliche Liste gehören die Militärparade zu Hitlers fünfzigstem Geburtstag im April 1939 sowie der Aufmarsch des Volkssturms vor Paul Joseph Goebbels im November 1944 auf dem bereits stark zerstörten Pariser Platz, als der Propagandaminister bereits einige Monate als Reichsbevollmächtigter für den totalen Kriegseinsatz tätig gewesen war.

Trauriger Abschluss dieser Nazi-Paraden bildete der Mai 1945 mit dem Elendszug deutscher Soldaten, die durch das Brandenburger Tor in die sowjetische Gefangenschaft getrieben wurden, aus der viele nicht mehr heimkehrten.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Strasse Unter den Linden gründlich zerbombt. Am Ende stand das Brandenburger Tor allerdings noch immer, wenn auch beschädigt und mit zerschossener Quadriga. 1958 wurde nach dem Original eine Kopie des Viergespanns in Kupfer hergestellt. 1991 wurde die Quadriga renoviert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wehte die Rote Fahne symbolträchtig vom Tor, das kurzzeitig Zeuge von Paraden der siegreichen Alliierten wurde, ehe es für den Kalten Krieg stand. Die Aufständischen vom 17. Juni 1953 rissen die Rote Fahne übrigens symbolbewusst herunter.

Das Brandenburger Tor bildete nach dem Zweiten Weltkrieg die Grenze zwischen den Ost- und Westsektoren der Besatzungsmächte. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde das Brandenburger Tor zum bekanntesten Symbol der Teilung Deutschlands. "Macht das Tor auf!" wurde dann auch zu einer Forderung der nach Freiheit strebenden Ostdeutschen. Im Gefolge des Falls der Berliner Mauer vom 9. November 1989 wurde auch das Brandenburger Tor am 22. Dezember 1989 definitiv wieder geöffnet - so bleibt zu hoffen.

Hinzugefügt am 4. Januar 2005: Neuer Glanz kam 1997 mit der Wiedereröffnung des Hotel Adlon ans Brandenburger Tor. Nun fehlt nur noch der Neubau der amerikanischen Botschaft, damit der Pariser Platz wieder eine architektonische Einheit bildet, auch wenn die Klasse der historischen Bauten nicht erreicht wird.
 

Siehe zum Brandenburger Tor auch Günter de Bruyn:
Unter den Linden. Berlin, Siedler Verlag, zweite Auflage 2002, 192 S. Dem Buch haben wir viele Anmerkungen entnommen. Buch bestellen bei Amazon.de oder citydisc Schweiz.
 

Das obige Foto ist ein Ausschnitt des Umschlags des von Antonia Meiners herausgegeben Bildbands Berlin. Photographien 1880-1930, Nicolai Verlag, 2002, 120 S. Bildband bestellen bei Amazon.de. Foto courtesy Nicolai Verlag. Das Brandenburger Tor in einer Fotografie von Waldemar Titzenthaler aus dem Jahr 1907. Es zeigt den Blick vom Boulevard Unter den Linden über den Pariser Platz zum Brandenburger Tor, dem Wahrzeichen der Hauptstadt. 
 
Weitere Artikel zu Berlin
Geschichte: Gendarmenmarkt Berlin, Unter den Linden.
Musik: Christian Thielemann, Daniel Barenboim 
Hotels: Geschichte des Hotel Adlon, Lorenz Adlon, Hotel Adlon Kempinski Berlin, Hotel Brandenburger Hof (engl. Art.).
Restaurants: Restaurant Alt Luxemburg, Restaurant Quadriga Berlin (engl. Art.).


Das Brandenburger Tor um die Jahrtausendwende bei Nacht.
Foto © Berlin Tourismus Marketing GmbH.
 

 

www.cosmopolis.ch
Nr. 55, Januar 2004
Deutsche Ausgabe  Archiv  Kunst  Film  Musik  Geschichte  Politik  Lebensart  Reisen
English edition  Archives  Art  Film  Music  History  Politics  Lifestyle  Travel

© Copyright 2004  www.cosmopolis.ch  Louis Gerber  All rights reserved.