Der Gendarmenmarkt
Der Platz in Berlin und seine Geschichte:
Der Deutsche Dom, der Französische Dom und das Konzerthaus Berlin
(Schauspielhaus).
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Artikel vom 16. April 2004
Der Gendarmenmarkt in Berlin gehört zu
den schönsten Plätzen der Hauptstadt. Er wird geprägt vom Französischen
Dom, dem Deutschen Dom sowie dem Schauspielhaus, das heute als Konzerthaus Berlin
bekannt ist. Die Geschichte des
Gendarmenmarkts beginnt im 17. Jahrhundert.
Der Platz änderte mehrfach seinen Namen, von zuerst Esplanade über
Lindenmarkt, Mittelstädtischer Markt, Friedrichstädtischer Markt zu
Gendarmenmarkt, weil hier von 1736 bis 1782 das Garderegiment "Gens
d'armes" Wache und Ställe hatte. Anlässlich der 250-Jahr-Feier der
Akademie der Wissenschaften 1950 wurde er in Platz der Akademie umbenannt. Mit
dem Ende des DDR-Regimes erhielt der Gendarmenmarkt 1990 seinen alten Namen
zurück.
Mit der Aufhebung des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV. im Jahr 1685 flohen
rund 15,000 Hugenotten aus Frankreich in die Mark Brandenburg (Potsdam)
und nach Berlin. Dort entstand ab 1688 die Friedrichstatt, in der per Erlass
der Bau einer Deutschen und einer Französischen Kirche angeordnet wurde.
Beide Barockkirchen entstanden ab 1701.
Der Bau der evangelisch-reformierten Neuen Deutschen Kirche von 1701 bis 1708 unter der Herrschaft des
Kurfürsten Friedrich III., der 1701 in Königsberg zu ersten preussischen
König gekrönt wurde, beruht auf einem Entwurf von Martin Grünberg
(1655-1707), der von Giovanni Simonetti (1652-1716) ausgeführt wurde.
1881/82 wurde die bereits baufällig gewordene Deutsche Kirche von den Architekten
Hermann Philipp Wilhelm von der Hude und Julius
Hennicke umgebaut. Der Grundriss blieb dabei erhalten, ein neobarocker
Zentralbau wurde errichtet.
Die Französische Friedrichstadtkirche entstand ab 1701. Die Entwürfe stammen von
Louis Cayart (1645-1702). Nach seinem Tod führte Abraham Quesnay (1666-1726)
das 1705 vollendete Werk zu Ende. Dabei soll es sich um die Nachbildung einer 1685 zerstörten Hugenottenkirche
im Limousin handeln.
1780 ordnete Friedrich II. (1712-1786) die Grundsteinlegung für einen Turm
an. Dadurch wurde aus der Französischen Friedrichstadtkirche der
Französische Dom. Mit den Entwürfen und dem Bau des Turms sowohl des
Deutschen wie auch des Französischen Doms wurde der Baumeister Karl von
Gontard (1831-1791) beauftragt. Als der Turm des Deutschen Doms 1781
einstürzte, musste Gontard die Bauleitung allerdings an seinen Schüler Georg Christian Unger
(1743-1799) abgeben. Der Turmschmuck war bei beiden Gebäuden übrigens der
Grund, weshalb die Kirchen später die Bezeichnung "Dom" erhielten,
denn vom kirchlichen Rang her handelte es sich nicht um Dome.
Das Innere des Französischen Doms sowie seine Westfassade wurden 1905 von
Otto March (1845-1913) verändert. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt,
wurde der Französische Dom von 1977 bis 1983 vollständig restauriert. Der
Deutsche Dom wurde ab 1982 wieder aufgebaut.
Karl Friedrich Schinkel (1781-1841), der Architekt und Maler errichtete viele
klassizistische Bauten für das aufstrebende Preussen. Neben der Neuen Wache
und dem Alten Museum gehört dazu auch das antikisierende Schauspielhaus am
Gendarmenmarkt, von 1818-1821 errichtet.
Der Aufstieg des Schauspielhauses begann allerdings bereits vor dem Bau von
Schinkel in der Zeit der Intendanz von August Wilhelm Inland (1796-1814).
Unter ihm stieg es zu einer der führenden Bühnen Deutschlands auf, an dem
Theaterstücke, Opern und Ballette aufgeführt wurden. Herausragend waren
Inszenierungen der Werke von Friedrich Schiller (1759-1805), aber auch Opern
und Singspiele von Mozart, Haydn, Gluck, Cimarosa, Cherubini und anderen.
Karl Friedrich Schinkels Schauspielhaus am Gendarmenmarkt wurde am 18. Juni
1821 mit der Uraufführung des Freischütz von Carl Maria von Webern
dem Publikum übergeben. Zu den herausragenden Momenten des Hauses gehören
die Konzerte des genuesischen Teufelsgeigers Niccolò Paganini 1829 und die
Premiere des Fliegenden Holländers von Richard Wagner 1844, bei der
der Komponist selbst die Regie führte und das Orchester und die Sänger
dirigierte.
Mit dem Ende der Monarchie nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wurde aus dem
Hoftheater das Staatstheater, das sich neben Klassikern wie Schiller den
Autoren der Republik wie Brecht, Hauptmann und Zuckmayer widmete. Zu den
herausragenden Schauspielern, die am Gendarmenmarkt auftraten, gehörten
Albert Bassermann, Heinrich George, Emil Jannings, Fritz Kortner und Bernhard
Minetti, der wie Paul Wegener und Helene Weigel zu den berühmten
Ensemblemitgliedern gehörte.
1935 wurde das Schauspielhaus mit Beethoven und der Aufführung von Goethes Egmont
wieder eröffnet. Der neue Intendant Gustav Gründgens versuchte in der Zeit
der Nazi-Diktatur dem Faschismus wenige Konzessionen zu machen. Deutsche und
ausländische Klassiker wurden von Schauspielern wie Paul Hartmann, Werner
Kraus, Theo Lingen und Heinz Rühmann gespielt.
Das 1935 rekonstruierte Schauspielhaus wurde im Krieg zerstört: 1943 der
Konzertsaal, 1944/45 das Theater. Ab 1979 wurde die Gebäudefassade von just
und Prasser detailgetreu rekonstruiert. Im Oktober 1984 wurde Schinkels
Schauspielhaus wieder eröffnet, allerdings im Innern nicht originalgetreu
rekonstruiert, wenn auch Schinkels Klassizismus Tribut gezollt wurde. Der Bau
diente fortan in erster Linie als Konzerthaus, in dem die philharmonische
Musik gepflegt wurde.
Im 20. Jahrhundert stand das Schauspielhaus zwar musikalisch im Schatten der
Oper Unter den Linden, dennoch dirigierten am Gendarmenmarkt weiterhin
herausragende Dirigenten wie Richard Strauss, Otto Klemperer, Herbert von
Karajan und Christian
Thielemann, der im Januar 2002 mit dem Orchester der Deutschen Oper mit
seiner Interpretation von Bruckners Achten für Aufsehen sorgte.
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Der Gendarmenmarkt in einem Foto von Waldemar Titzenthaler, zirka aus dem Jahr
1900. Im Vordergrund steht der Deutsche Dom. Im Hintergrund ist der zu Beginn
des 18. Jahrhunderts errichtete Französische Dom zu sehen. Daneben das 1821
von Karl Friedrich Schinkel eröffnete Schauspielhaus (heute das Konzerthaus
Berlin). Das Foto stammt aus dem von Antonia
Meiners herausgegeben Bildband mit 50 grossformatigen Fotografien Berlin. Photographien 1880-1930, Nicolai
Verlag, 2002, 120 S. Bildband bestellen bei Amazon.de.
Foto courtesy Nicolai Verlag.
Der Gendarmenmarkt ist einer der schönsten Plätze in Berlin. Heute ist er von modernen Gebäuden umgeben.
Dazu gehört auch das Hotel Dorint
Sofitel am Gendarmenmarkt, das dem Hotelgast einen überwältigen Blick auf das
Architekturensemble bietet.
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