Deutsch Politik Geschichte Kunst Film Musik Lebensart Reisen
English Politics History Art Film Music Lifestyle Travel
Français Politique Histoire Arts Film Musique Artdevivre Voyages
Google
 
 Index  Werbung  Links  Feedback
 © Copyright  www.cosmopolis.ch  Louis Gerber All rights reserved.

Max Ernst
Biografie, Literatur, Katalog und Retrospektive

Artikel vom August 1999, aufdatiert am 24. Mai 2007


Wenn es einen Spezialisten für Max Ernst gibt, dann Werner Spies. Er ist der Herausgeber des Werkverzeichnisses sowie Verfasser und Herausgeber wichtiger Arbeiten zu Leben und Werk des Künstlers. So ist es nur konsequent, wenn der Direktor des Pariser Centre Pompidou und langjährige Freund des Künstlers die Max Ernst-Retrospektive konzipiert hat, die nun - nach der Nationalgalerie Berlin - im Haus der Kunst München zu sehen ist. Die beiden erwähnten Museen hatten bereits vor zwanzig Jahren die erste umfassende Werkschau nach dem Tod des Künstlers organisiert.
 
Biographie von Max Ernst

Max Ernst (1891-1976) kam in Brühl als Sohn eines Taubstummenlehrers zur Welt. Er hatte acht Geschwister. Max Ernst studierte ab 1910 an der Universität Bonn vier Semester lang Philosophie, Psychologie und Kunstgeschichte, ehe er sich durch die Begegnung mit dem Expressionisten August Macke dafür entschied, Maler zu werden. Doch bereits sein Vater, ein Taubstummenlehrer und Sonntagsmaler, hatte ihn als Kind in die Malerei eingeführt. In einer ersten Phase ist allerdings der Einfluss von Macke, der 1917 im Krieg verstarb, auf seine Malerei manifest. Expressionistische, kubistische und futuristische Einflüsse sind spürbar (mindestens bis 1919, Stadt mit Tieren). Auf einem Fronturlaub 1916 lernte Max Ernst die Dadaisten George Grosz und Wieland Herzfelde kennen. Die Dada-Bewegung, die eine Reaktion auf den Ersten Weltkrieg und die Zivilisation war, die diesen ermöglicht hatte, beeindruckte Ernst so stark, dass er zum Dadamax wurde, der die Kölner zu schockieren suchte. Ab Herbst 1919 agierte er in der dortigen Dada-Gruppe, mit der auch Hans Arp verbunden war, den er 1914 kennengelernt hatte und der während dem Krieg ins Schweizer Exil geflohen war und sich dort 1916 den Dadaisten angeschlossen hatte. 1920 entdeckte Max Ernst zufällig durch das Blättern im Katalog einer Kölner Lehrmittelanstalt die Collage für sich, die er in jenem Jahr in seine dadaistische Kunst übernahm.
 
1922 floh er, der zu den Vätern der Modernen Kunst des 20. Jahrhunderts zu zählen ist, vor dem deutschen Spiessertum nach Paris, wo er sich den Surrealisten anschloss und bei Paul und Gala Eluard in Saint-Brice wohnte, wo 1924 die unhaltbare Dreiecksbeziehung zerbrach. Aus Dadamax war in Paris Loplop alias Hornebom, der Vogelobere geworden. Das Wesen, halb Vogel, halb Mensch, wurde bereits in einem Gedicht seines Freundes Johannes Theodor Baargeld während der Kölner Dada-Zeit im Titel erwähnt: <DER VOGELOBERE HORNEBOMM (vulgo dadamax)>. Ab 1929 taucht das Vogelwesen oft in seinen Bildern auf. Für Werner Spiess handelt es sich dabei um <den Künstler in der dritten Person>, das Alter Ego von Max Ernst. Bereits 1925 hatte er das von ihm entdeckte Verfahren der Frottage über 100 Mal angewandt. Dabei legte er ein Papier auf eine strukturierte Oberfläche (wie zum Beispiel Holz) und rieb die Maserung mit einem weichen Bleistift durch das Blatt hindurch. 1926 verarbeitete er 34 Blättern davon mit Hilfe des Lichtdruckverfahrens zu seiner Graphikmappe Histoire Naturelle. Im selben Jahr liess er sich von der Kunsthistorikerin Luise Straus scheiden, die er 1918 geheiratet hatte. Bereits im Jahr darauf ehelichte er Marie-Berthe Aurenche, die Schwester des Filmregisseurs Jean Aurenche, von der er sich 1936 scheiden liess. 1938 distanzierte er sich von den Surrealisten und zog mit der Malerin Leonara Carrington nach Saint-Martin d'Ardèche.
 
Immer wieder reagierte Max Ernst in seiner Kunst auf politische Ereignisse, so nach der Niederlage der Republikaner (die nicht alle so republikanisch eingestellt waren) in Madrid im Spanischen Bürgerkrieg mit dem Hausengel, eine ironische Weise, mit der Zerstörung umzugehen. Allerdings glaubte Max Ernst nicht daran, dass der Künstler die Menschen ändern könne, <er stellt nur fest>. Bei der Ausstellung Entartete Kunst der Nazis im Jahr 1937 wurden zwei seiner Gemälde als Beispiel einer degenerierten Kunstauffassung präsentiert. Die schöne Gärtnerin galt als <Beschimpfung des deutschen Weibes>.


 
In Paris wurde Max Ernst 1939 mehrfach als <feindlicher Ausländer> interniert. Ihm gelang jedoch die Flucht. Die Rettung brachte schliesslich die amerikanische Galeristin und Mäzenin Peggy Guggenheim, die ihm Einreisepapiere für die USA beschaffte, wohin er 1940 flüchtete. Im selben Jahr heiratete er Peggy Guggenheim, von der sich allerdings bereits 1943 wieder scheiden liess. Max Ernst war der Meinung, Jackson Pollock auf die Fährte der Drippings gebracht zu haben, da er ihm diese Technik gezeigt habe. Allerdings kam Pollock damit bereits zuvor in Kontakt (siehe Cosmopolis Nr. 1, Pollock). 1946 ehelichte er die junge Malerin Dorothea Tanning, mit der er nach Sedona in Arizona übersiedelte, wo er die Landschaften wiederfand, die er zuvor in Saint-Martin d'Ardeche gemalt hatte. 1935 war Max Ernst mit seinem Freund Alberto Giacometti in dessen Heimatort Maloja im Kanton Graubünden gereist. Ernst hatte erst ab 1929/30 damit begonnen, sich mit der Skulptur auseinander zu setzen. Von Giacometti wurde er völlig neu inspiriert und nun in Arizona beeindruckten ihn die Masken der Hopi-Indianer, was sich in einer beeindruckenden Produktion von Skulpturen niederschlug.
 
1948 nahm Max Ernst die amerikanische Staatsbürgerschaft an, kehrte aber 1953 nach Frankreich zurück, wo er bis zu seinem Tod 1976 in Paris lebte, wo er in der Nacht zu seinem 85. Geburtstag verstarb. Seine Beziehung zu seiner Heimatstadt Brühl war lange gestört. Zu seinem 60. Geburtstag fand dort 1951 eine Retrospektive seiner Arbeiten statt, die ein Defizit von 20 000 DM erwirtschaftete. Zum Ausgleich schenkte Max Ernst der Stadt ein Gemälde, das die Brühler zu seinem Ärger sofort wieder an ein Sammlerehepaar verkauften. 1966 lehnte er die ihm angebotene Ehrenbürgerschaft der Stadt ab, seine Wut war noch nicht verraucht. Erst 1969 normalisierte sich seine Beziehung zu Brühl, als er der Stadt mehrere Werke schenkte, und 1971 besuchte er gar Brühl, um den Max-Ernst-Brunnen einzuweihen. Im Dank richtete die Stadt das Max-Ernst-Stipendium ein. 1980 folgte die Eröffnung des Max-Ernst-Kabinetts.
 
Der Katalog zur Berliner und Münchner Retrospektive, die chronologisch angelegt ist, enthält sechs Beiträge zu seiner Kunst sowie Werkkommentare von fünf Autoren. Die versammelten knapp zweihundert Arbeiten Max Ernsts erlauben den Überblick über seine gesamten Schaffensperioden, sein malerisches, graphisches und bildhauerisches Werk sowie seine Collagen. Der Brühler ist ein Künstler, der wie wenige - vielleicht wie Duchamp und Picasso - der modernen Kunst Impulse geben konnte.

Literatur zu Max Ernst
 
Grundlegend: Max Ernst. OEuvre-Katalog, Hg. Werner Spies, 6 Bände, Köln, DuMont.
 
Max Ernst - Die Retrospektive, Katalog zur Ausstellung in der Nationalgalerie Berlin 5.3.-30.5.1999 und im Haus der Kunst München 11.6.-12.9.1999, Hg. Werner Spies, Köln, DuMont, 1999, 288 S. Bestellen Sie den Katalog bei Amazon.de.


Werner Spies: Max Ernst. Dumont, 2005, 352 S. Biografie bestellen bei Amazon.de. English edition by Werner Spies: Max Ernst: Life and Work. Order it from Amazon.com.




 




Deutsch Politik Geschichte Kunst Film Musik Lebensart Reisen
English Politics History Art Film Music Lifestyle Travel
Français Politique Histoire Arts Film Musique Artdevivre Voyages
Google
 
 Index  Werbung  Links  Feedback
 © Copyright  www.cosmopolis.ch  Louis Gerber All rights reserved.