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Georg Flegel - Stilleben
Biografie, Biographie, Buch - Der erste deutsche Stillebenmaler
Artikel vom September 1999
Dass Georg Flegel heute noch hoch im Kurs steht, beweisen die 2,2 Millionen
DM, die das Leipziger Museum der bildenden Künste vor kurzem zum Kauf
eines Vogelstillebens des deutschen Künstlers aus dem Jahr 1637 ausgegeben
hat. Er gilt als der erste deutsche und zugleich als einer der bedeutendsten europäischen Stillebenmaler des frühen 17. Jahrhunderts, während
dem sich die Schilderung unbelebter Gegenstände erst allmählich
aus dem Hintergrund szenischer Darstellungen und Portraits löste. Georg
Flegels <Palette> umfasste Mahlzeiten-, Konfekt- und Delikatessenstilleben
wie auch gedeckte Tische, Raucher-, Blumen- und Vogelstilleben sowie aquarellierte
Naturstudien. Es handelte sich um damals wenig angesehene (meist kleinformatige)
Gebrauchskunst, die in der Regel für Privatkunden angefertigt wurde,
ohne sakrale Bedeutung, weshalb sie zumeist ungeschützt war und regelrecht
<verbraucht> wurde.
Der 1566 im mährischen Olmütz geborene Künstler arbeitete
bereits ab den 1580er Jahren in der Werkstatt des niederländischen
Malers Lucas van Valckenborch in Linz, wo er als <Bildstaffierer> tätig
war. Er wurde damit beschäftigt, in grossformatige Gemälde von
Tafelgesellschaften sowie Markt- und Gartenstücken Früchte, Gemüse
und Blumen einzufügen. Um 1592/93 wurde die Werkstatt in die wohlhabende
Messe- und Handelsstatt Frankfurt a.M. verlegt, wo er bis zu seinem Tod
1638 als selbständiger Maler arbeitete. Georg Flegel wandte sich um
1600 ganz der neuentstehenden Bildgattung des Stillebens zu. Er beschäftigte
sich mit der Herstellung von collationen, banketten und buketten
beschäftige, denn der Begriff Stilleben kam erst Mitte des 17. Jahrhunderts
auf.
Heute gelten gemäss dem Herausgeber dieses Bandes, Kurt Wettengl
(Kunsthistoriker und Leiter der Graphischen Sammlung und der Gemäldesammlung
des Historischen Museums in Frankfurt a.M.), 70 Stilleben als gesichert.
50 davon werden in seinem Buch ausführlich besprochen. Von Georg Flegels
rund 110 Aquarellen, Naturstudien und stillebenhaften Zusammenstellungen
von Blumen, Früchten und kleinen Tieren, die wohl von privaten Sammlern
in Alben aufbewahrt wurden, also nicht als wissenschaftlich-botanische
Illustrationen oder Musterblätter gedient haben, werden im Band 30
der besten präsentiert. Die Neuauflage dieses Werkes, das 1993 zur
Ausstellung <Georg Flegel (1566-1638). Stilleben> des Historischen Museums
in Frankfurt a.M. erschienen war, bietet nun zusätzlich ein Werkverzeichnis
aller Arbeiten des Künstlers, darunter zwei neu entdeckte. Acht Spezialisten
gehen in elf kunsthistorischen Untersuchungen auf den Kontext der europäischen
Stillebenmalerei zur Zeit von Georg Flegel ein. Seine Beziehung zu seinem
Lehrer Lucas van Valckenborch wird ebenso untersucht wie dessen Kunst-
und Naturverständnis. Georg Flegels Werk wird detailliert analysiert.
Die Bedeutung der niederländischen Emigranten in Frankfurt für
die realistische Pflanzendarstellung am Ende des 16. Jahrhunderts wird herausgearbeitet.
Der Rolle des aus Antwerpen stammenden Daniel Soreau (Sohn des Wollhändlers
Johann Soreau aus Tournai), der 1586 Bürger von Frankfurt wurde und
1619 im benachbarten Hanau verstarb, gilt der Beitrag von Gerhard Bott.
Nach dem Konkurs der väterlichen Firma begründete der Kunstsammler
Daniel Soreau u.a. eine Malschule. Die Soreaus waren mit den van Valckenborchs
versippt und als Mittler und Anreger für die deutsche Stillebenmalerei
von Bedeutung, so auch für Georg Flegel. Ein weiterer Artikel beschäftigt
sich mit dem Einfluss Flegels auf Sebastian Stoskopff, 1597 in Strassburg
geboren, der 1615 in die Lehre zu Daniel Soreau kam.
Georg Flegel hat unter niederländischem Einfluss einen eigenen
Stil entwickelt. Sein Werk hebt sich <durch malerische Qualität
und erfindungsreiche Komposition deutlich von dem seiner Zeitgenossen ab>.
Er behandelte eine Vielfalt von Themen innerhalb der neuentstehenden Gattung
Stilleben, wobei ihm eine ökonomische Arbeitsweise durchaus nicht
fremd war, wovon Wiederholungen und Motivübernahmen zeugen. Im Gegensatz
zu seinem Lehrer Lucas van Valckenborch ist für Georg Flegel kein
grösserer Werkstattbetrieb mit Gesellen und Gehilfen, im dem arbeitsteilig
gemalt wurde, nachgewiesen. Er hatte nur einen einzigen Schüler, Jacob
Marrel (1614 geboren), der später in Utrecht bei Jan Davidsz. de Heem
weiterlernte.
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Georg Flegel. Stilleben.
1556-1638. Hg. von Kurt Wettengl, Verlag Gerd Hatje,
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