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Bill Clinton gesehen von Michael Isikoff
Clintongate: Die Geschiche des Skandals um Monica Lewinsky
Artikel vom September 1999


Als am 17. Januar 1998 der Internet-Klatschjournalist Matt Drudge in seinem Drudge Report die erste Meldung von einem Gerücht über eine angebliche Affäre des Präsidenten veröffentlichte, war dies der Auftakt zu Sexgate, Monicagate oder wie der deutsche Titel von Michael Isikoffs Buch lautet: Clintongate. Der skrupellose Matt Drudge brachte eine Lawine ins Rollen. Er hatte Wind bekommen von angeblichen Recherchen Michael Isikoffs für Newsweek über eine Praktikantin im Weissen Haus, die Sex mit dem Präsidenten gehabt hatte. Newsweek habe die Story wenige Stunden vor der Veröffentlichung gestoppt.
 
Der Skandal hat eine lange Vorgeschichte, die Michael Isikoff in Clintongate chronologisch geordnet erzählt, zusammen mit allem, was nach den <Enthüllungen> im Druge Report geschah. Sein Buch ist in vier Teile gegliedert: Paula Jones, Kathleen Willey, Monica Lewinsky und Starr. Natürlich streift er weitere Affären und Skandale Bill Clintons, auch zusätzliche Frauennamen tauchen auf. Der 1953 geborene Isikoff war von 1981 bis 1994 für die Washington Post tätig. Er hatte für die Zeitung unter anderem über Clintons Präsidentschaftswahlkampf von 1992 berichtet. 1994 wechselte er zu Newsweek, das zum selben Konzern gehört. Heute arbeitet Isikoff als Nachrichtenanalyst für MSNBC.
 
Bill Clintons Leben ist voller Sexgeschichten. Als Gouverneur von Arkansas habe er Troopers dazu aufgefordert, ihm Treffen mit Frauen zu organisieren: Troopergate. Dann gab es die langjährige Affäre mit Jennifer Flowers, die er leugnete, bis Flowers eindeutige Gesprächsmitschnitte auf den Tisch legte, woraufhin Clinton halbherzig eine Affäre einräumte (allerdings bestreitet er weiterhin, die Frau sei jahrelang seine Geliebte gewesen). Viele weitere Frauengeschichten sind halb bekannt, doch keine konkreten Beweise liegen vor.
 
1994 erzählten die Berater von Paula Jones dem Journalisten Michael Isikoff, der Nachforschungen betrieb, ihre Story: der Gouverneur habe die kleine Staatsangestellte zu sich bestellt und sie aufgefordert, ihn oral zu befriedigen. Die Berater hofften mit der Veröffentlichung auf Clinton Druck auszuüben. Als die Redaktion der Washington Post vor der Publikation zurückschreckte, reichten sie Klage ein. In der Post kam es zu einem Konflikt Isikoffs mit Kollegen und Vorgesetzten, die auf Animositäten zwischen Journalisten und auf Ressort-Empfindlichkeiten zurückzuführen waren. Isikoff wollte die Story für ein anderes Ressort als die Nachrichtenredaktion schreiben. Sein Vorgesetzter schrie ihn an, Isikoff schrie unflätige Worte zurück. Daraufhin wurde er für zwei Wochen suspendiert (sein direkter Vorgesetzter hatte gar seine Entlassung gefordert). Rechte Aktivisten kriegten davon Wind und verdrehten das Ganze zu einer Vertuschungsaktion der Post, die Clinton nicht habe schädigen wollen. Auch die konservative Washington Times berichtete über den Krach zwischen Isikoff und seinem Vorgesetzten. Isikoff sei emöprt darüber gewesen, dass seine Paula Jones Story nicht publiziert worden sei. In Artikeln und Zeitungsinseraten (selbst in der Washington Post) wurde die Veröffentlichung der Story gefordert. Schlussendlich gab die Redaktion dem Druck nach und veröffentlichte die Paula Jones Story. Kurz danach wechselte Isikoff zu Newsweek.
 
1997 war Isikoff an der Geschichte Kathleen Willeys dran, die von Clinton bedrängt worden sein soll. Die Politikerwitwe hatte zusammen mit ihrem Mann, beide aktive fundraiser, Clinton auf einer Party 1991 kennengelernt. Wir ersparen uns hier Details. Doch bevor Isikoffs Bericht erscheinen konnte, hatte Matt Drudge in seinem Report über das Internet die Sache an die Öffentlichkeit gebracht (er behauptete, Isikoff halte die Geschichte zurück).
 
Isikoff wusste auch monatelang vor Sonderermittler Starr durch Linda Tripp vom Verhältnis Clintons zu einer Praktikantin im Weissen Haus. Die <Verschwörerinnen> Linda Tripp und Lucienne Goldberg sahen in Isikoff ein Instrument, den Präsidenten zu entlarven und wenn möglich zu Fall zu bringen. So wurde Isikoff vom Journalisten, der von Aussen eine Geschichte analysiert, zu einem Mitspieler auf der politischen Szene, der die Handlungen der Protagonisten beeinflusste. Selbstkritisch erkannte er, in die Gefahr zu geraten, Teil einer Verschwörung gegen den Präsidenten zu werden. Er lehnte Linda Tripps Angebot ab, die heimlich und illegal gemachten Aufnahmen ihrer Telefongespräche mit Monica Lewinsky anzuhören, denn damit wäre er zu einem Komplizen geworden. Auch wies er Linda Tripps <hirnrissigen Plan> zurück, das spermabefleckte Kleid Monica Lewinskys zu klauen und es ihm zu übergeben. Doch gab er Tripp und Goldberg den Rat, auf die Publikation eines Buches zu verzichten, da sie dadurch in die Mühlen der Justiz geraten würden. Damit hatte er, wie er bekennt, seine Rolle als Journalist verlassen und direkt Akteure des Dramas (oder der Komödie) beeinflusst. Als Isikoff endlich zur Publikation der Lewinsky-Geschichte bereit war, zeigte sich Newsweek vorsichtig und Drudge konnte vor Isikoff Anspielungen auf die sensationelle Story bringen, die zum erfolglosen Impeachment-Verfahren gegen den Präsidenten führen sollte (Drudge kannte allerdings nicht einmal den Namen der Praktikantin, auch von Starrs Aktionen in diesem Zusammenhang wusste er nichts zu berichten).
 
Die Mitarbeiter von Sonderermittler Kenneth Starr wurden von den Aktivitäten Isikoffs beeinflusst. Sie mussten unkoordiniert handeln, weil Isikoff ihre damals noch geheimen Ermittlungen aufgedeckt hatte, was sie zu einem raschen Vorgehen zwang. Jackie Bennett, einer der engsten Mitarbeiter von Starr, habe ihm angeboten, Newsweek solle die Geschichte zurückhalten, damit die Nachforschungen weiter geführt werden könnten, berichtet Isikoff. Im Gegenzug versprach Bennett dem Journalisten für später eine noch bessere Geschichte. Er, Isikoff, sei darauf nicht eingegangen, sondern habe geantwortet, es sei an Starr und seinen Leuten, mit ihm zu kooperieren. Das war eine Art Erpressung, wie Isikoff selbst zugibt.
 
Bei allen Affären ging es Isikoff, der allerdings von Kollegen als nicht zimperlicher Enthüllungsjournalist beschrieben wird, darum, aufzuzeigen, wie skrupellos Clinton mit der Wahrheit und Menschen umging (und umgeht?). Isikoff versucht in Clintongate zu beweisen, dass es für ihn um keine persönliche Abrechung mit dem Präsidenten ging, dass er nicht aktiver Teil eines Intrigenspiels war, sondern nicht in ideologischen Kategorien denkt und lediglich seinen Storys nachging. Zur Untermauerung seiner Unvoreingenommenheit verweist Isikoff auf Artikel, in denen er Heucheleien der religiösen Rechten zu entlarven suchte oder wie er im Herbst 1992 eine Reihe von Titelgeschichten über Beamte der Bush-Administration im Aussenministerium verfasst hatte, die Bill Clintons alte Passakten auf der Suche nach politischen Schmutz durchkämmt hatten.


Michael Isikoff: Clintongate. Die Geschichte eines Skandals. Müchen, Düsseldorf, Econ Verlag, 1999, S. 496 (Originalausgabe: Uncovering Clinton: A Reporter's Story, New York, Crown Publishers, 1999). Englische Ausgabe: Uncovering Clinton: A Reporter's Story. Bestellen bei Amazon.de.


 

 

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