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René Magritte
Biografie / Biographie des belgischen Surrealisten und die Ausstellung
im Louisiana Museum of Modern Art in Dänemark - Magritte-Bücher bei Amazon.de

Hinzugefügt am 26. Februar 2012
Siehe auch Magritte A-Z  zu René Magritte. Das Lustprinzip in der Wiener Albertina.

Artikel vom September 1999

Noch bis zum 28. November 1999 werden im Louisiana Museum of Modern Art in Dänemark (DK - 3050 Humlebaek) 72 Gemälde des belgischen Surrealisten René Magritte gezeigt, ehe die Ausstellung in The Scottish National Gallery of Modern Art (Edinburgh) und danach im San Francisco Museum of Modern Art zu sehen sein wird. Ein 80seitiger Katalog kann im Museum erstanden werden. Aus Copyright-Gründen können wir die unten im Text erwähnten vier Bilder nicht auf unserer Webseite zeigen, weshalb wir Sie dafür auf die Louisiana Museum Website verweisen müssen.
 
René Magritte soll als Maler nur sich selber gelten gelassen haben. Er betrachtete sich nicht eigentlich als Surrealist, obwohl er ab 1925 erste Bilder in diesem Stil malte. Den Impuls zu seinem künstlerischen Wandel hatte die Reproduktion von Giorgio de Chiricos The Song of Love (1914) gegeben, das er in einem Magazin sah. 1926 gründete René Magritte zusammen mit Mesens, Nougé, Goemans und dem Komponisten Andé Souris eine Gruppe belgischer Surrealisten. Magritte, der bis 1930 einige Jahre in Paris gewohnt hatte, ehe er nach Brüssel zurückkehrte, steuerte auch das Titelblatt für Bretons (zu dem er ein wechselvolles Verhältnis hatte) programmatische Schrift zum Surrealismus bei.
 
Eine Zeitlang musste seine Frau Georgette Berger, die er 1922 in Brüssel heiratete, als Verkäuferin für den Unterhalt der Familie sorgen. Magritte selbst stellt 1918 sein erstes kommerzielles Poster her und arbeitet von 1921 bis 1924 als Designer für die Peters-Lacroix Tapetenfabrik. Danach stellt er wieder Poster und Werbedesign her, so für Norine, die wichtigste maison de couture in Brüssel. Seine erste Einzelausstellung, 1927 in Brüssel, wird von der Kritik weitgehend zerrissen; doch viele Ausstellungen folgen, so 1936 die erste Einzelausstellung in den USA (Levy Gallery, New York). 1943 verändert sich sein Stil radikal. Er adoptiert die impressionistische Malpalette und Technik für vier Jahre. Von Mitte der 50er Jahre an wird René Magritte von der breiten amerikanischen Kritik und vom Massenpublikum entdeckt. US-Künstler wie Robert Rauschenberg, Jasper Johns, Roy Lichtenstein und Andy Warhol kaufen in den folgenden zwei Jahrzehnten seine Wort-Bilder. 1957 hat Magritte die Mittel zusammen, um sich ein Haus zu kaufen, das er in gutbürgerlichem Stil einrichtet.
 
In der Ausstellung werden Gemälde gezeigt, <die den Samen zukünftiger Entwicklung> in sich tragen. Das Ziel der Kuratoren war es nämlich, Magritte als Vorläufer und Inspirationsquelle der Pop Art und Konzeptuellen Kunst zu präsentieren. Nicht überzeugend ist das Argument der Aussteller, da dieser Einfluss sehr komplex sei, versuchten sie nicht, auf direkte Einflüsse hinzuweisen, sondern einfach zukunftsweisende Gemälde des Künstlers zu präsentieren. Hier wäre die Gegenüberstellung von Werken Magrittes und solcher der Pop Art und Konzeptionellen Kunst angebracht gewesen. Diesem Manko begegnet ein wenig der einführende Kurzbeitrag von Steingrim Laursen im Katalog. Er verweist auf die Aufnahme der Motiv- und Wortideen Magrittes durch Jasper Johns. Magrittes Methode der Isolation alltäglicher Gegenstände, oft kombiniert mit Worten, enthalte zusammen mit seiner speziellen Collagetechnik Elemente, die später Robert Rauschenberg weiter entwickelt habe. Die Konzeptuelle Kunst basiere auf dem Vermächtnis von Magritte, bei dem es ebenso weniger um das eigentliche Motiv oder das gemalte Objekt gehe, als vielmehr um die Visualisierung einer Idee oder eines Konzepts, die unabhängig von ihrer materiellen Ausführung existierten. Steingrim Laursen sieht in den Werken der Künstler Marcel Broodthaers, Shusaku Arakawa, Barbara Bloom oder Joseph Kosuth den Einfluss von René Magritte, manchmal gar als direktes Zitat. Wie gesagt, leider wird der Einfluss des grossen Belgiers nicht an einzelnen Kunstwerken der Ausstellung exemplifiziert.
 
Da 1998 das Jahr des 100. Geburtstag René Magrittes (1898-1967) war, in dem eine Reihe von Ausstellungen den Künstler ehrten, kulminierend in der Retrospektive in den Musées royaux des Beaux-Arts in Brüssel, ist es erstaunlich, dass das Louisiana Museum of Modern Art eine so gehaltvolle Werkschau zusammenstellen konnte. Unter anderem werden erstmals drei Werke zusammen gezeigt, die sich mit den gleichen piktoralen Problemen auseinandersetzen: La Chambre d'écoute (1952), L'anniveraire (1959) sowie Le Tombeau des Lutteurs (1960).
 
René Magritte: La Chambre d'écoute, 1952 / The Listening Room. Oil on canvas, 45 x 55 cm. The Menil Collection, Houston. Foto mit Ende der Ausstellung entfernt.
 
Le Tombeau des Lutteurs (1960) und Les Valeurs Personnelles (1952) sind zwei Hauptwerke, die bisher noch nie in Europa zu sehen waren. Beide Gemälde sind erst einmal öffentlich gezeigt worden (1992 im Metropolitan Museum of Art, New York), da sie lange Zeit in einer amerikanischen Privatsammlung dem Publikum nicht zugänglich waren.
 
René Magritte: Les Valeurs personnelles, 1952 / Personal Values. Oil on canvas, 77,5 x 100 cm. San Francisco Museum of Modern Art. Foto mit Ende der Ausstellung entfernt.
 
Nichts ist wie es scheint. Diese Aussage René Magrittes findet in Ce n'est pas une pipe (1929) die wohl bekannteste Darstellung. Das Gemälde zeigt eine relativ realistisch gemalte Pfeife, unter der in alter Schulschrift steht: "Das ist keine Pfeife". Und tatsächlich ist es keine Pfeife, denn eine Pfeife ist ein reales Objekt, sondern nur das Bild einer Pfeife, also Kunst. Gemälde und Realität sind zweierlei. Oder ist das dargestellte Objekt, das wir als Pfeife zu erkennen glauben, etwa gar keine Pfeife. Das Bild trägt auch den weniger bekannten Titel La Trahison des Images, Der Verrat der Bilder. René Magritte versteht es, den Betrachter in den Abgrund zu stürzen, der sich zwischen Illusion und Repräsentation auftut. Das legt Siegfried Gohr (geboren 1949, 1978 bis 1985 Direktor der Kunsthalle Köln und 1985 bis 1991 des Museums Ludwig, seit 1993 Professor für Kunsttheorie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe) in seinem Katalogbeitrag dar. Das Gemälde ist nicht in der Schau vertreten, doch die meisten seiner Werke enthalten diesen "Magritte-Effekt". Der Zurückhaltung in Magrittes Malerei fehlt der scherzhaft, ironische Unterton von Marcel Duchamp. Bei ihm ist im Gegenteil ein eher religiöser feststellbar. Die Ähnlichkeit ist für René Magritte das Mittel, um das Gewöhnliche zu transzendieren und so das Mysterium des Lebens zu suggerieren (Gohr). Die Entfremdung gelingt ihm durch die Metamorphose der gemalten Dinge und Personen, so werden durch die Wahl der Perspektive schwere Dinge leicht und beginnen zu schweben.
 
Die Mutter von René Magritte beging 1912 Selbstmord, als er noch ein Kind war. Sie warf sich in den Sambre-Fluss. Sie war nackt. Ihr Nachthemd bedeckte ihr Gesicht. In Magrittes Werken tauchen oft Menschen auf, deren Gesicht verhüllt wird. Das gilt in der Regel als Anspielung auf den Selbstmord seiner Mutter. Der Künstler selbst hat sich nie dazu geäussert.




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In der Ausstellung ist eine Version von 1961  zu sehen: René Magritte: L'Empire des lumières, 1961/The Dominion of Light. Oil on canvas, 114 x 146 cm. Private Collection: Magritte malte neun Bilder (eines davon ist in der Ausstellung zu sehen) mit Häusern in der Dämmerung. Dem oberflächlichen Betrachter fällt zuerst nichts auf, bis er erkennt, dass der Tageshimmel im Gegensatz zur Abend- oder Nachtstimmung des Hauses steht, also eine Unmöglichkeit darstellt. Manchem Besucher wird die zuvor vielleicht als anheimelnd gedeutete Szene unwirklich, ja unheimlich erscheinen. - Magritte-Bücher bei Amazon.de. [Hinzugefügt am 26. Februar 2012: Siehe den Artikel Magritte A-Z. Im Ausstellungs-Begleitband Magritte A-Z ist von 17 Ölgemälden und 10 Gouachen mit dem Thema Reich der Lichter / L'Empire des lumières zu lesen, die zwischen den späten 1940er und den 1960er Jahren entstanden sind].


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