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Neu im Oktober 2005
: Jürgen Schreiber: Ein Maler aus Deutschland. Gerhard Richter. Das Drama einer Familie. Pendo-Verlag, Oktober 2005, 302 S. Biografie bestellen bei Amazon.de. Die Biografie des heute teuersten zeitgenössischen Künstlers der Welt.


Gerhard Richter, ohne Titel, 17.10.1990, Wasserfarben auf Papier,
23.8 x 33.8 cm. Copyright: Gerhard Richter.


Gerhard Richter, ohne Titel, 6.2.1991, Wasserfarben auf Papier,
24 x 33.8 cm. Copyright: Gerhard Richter.


Gerhard Richter, Haus  (772-7), 1992, Ölfarben auf Leinwand, 82 x 62 cm, Kunstmuseum Winterthur, Dauerleihgabe der Volkart Stiftung. Copyright: Gerhard Richter.
 
Weitere Ausstellung: Anthony d'Offay Gallery, London. Ausstellung: Gerhard Richter: THE COMPLETE EDITIONS, 9.9.-4.11.1999. Die Galerie zeigt das Gesamtwerk von Richters Multiples, insgesamt über 90, darunter Fotografien, Spiegel, Offset-Lithografien, etc. Sein erstes Multiple, Hund, hat Richter 1965 in einer Serie von acht Siebdrucken geschaffen. 1998 erschien bei der Galerie übrigens der Band Gerhard Richter mit einem Werkverzeichnis der Ölgemälde 1993-1998 und Essays von Martin Hentschel sowie Helmut Friedel.

Siehe auch den englischen Artikel zur Richter-Retrospektive in New York.

Literatur zu Gerhard Richter:
- Gerhard Richter: Aquarelle 1964-1999, Hg. Dieter Schwarz, Kunstmuseum Winterthur/Richter Verlag Düsseldorf, 1999, 156 S. Mit einem Gespräch zwischen Schwarz und Richter, 26. Juni 1999 in Köln.
- Gerhard Richter: Zeichnungen 1964-1999. Kunstmuseum Winterthur/Gerhard Richter Verlag, Hg. Gerhard Richter, Dieter Schwarz, 1999, 340 S.
- Zur Landschaftsmalerei Gerhard Richters - in Winterthur befindet sich sein Wasserfall, 1997 - empfiehlt sich das Buch: Gerhard Richter, Landschaften, Katalog zur Ausstellung im Sprengel Museum in Hannover, 4.10.1998-3.1.1999, Cantz Verlag, Ostfildern, 1998, 126 S.

Gerhard Richter
Aquarelle und Zeichnungen ausgestellt im Kunstmuseum Winterthur

Cosmopolis Nr. 8, 15. Oktober/14. November 1999


Der 1932 in Dresden geborene und heute in Köln wohnhafte Maler Gerhard Richter ist vor allem für seine Ölgemälde bekannt. Die Londoner Galerie Anthony d'Offay zeigt das Gesamtwerk seiner weniger bekannten Multiples, und das Kunstmuseum Winterthur ehrt den Künstler mit der Ausstellung seines Oeuvres auf Papier - Zeichnungen und Aquarelle. Insgesamt hat Gerhard Richter rund 450 Zeichnungen geschaffen. Über 200 sind in Winterthur ausgestellt und erlauben so einen ersten repräsentativen Blick auf diese Werkgattung.
 
Gerhard Richter wendet sich im Alter von dreissig Jahren vollständig von der DDR-Kunst ab, was sich in der beginnenden Nummerierung seiner Ölgemälde manifestiert (Nr. 1, 1962). Erste Zeichnungen (zirka 15) entstehen 1964/65 (sein erstes Multiple: 1965). Sie basieren zunächst wie seine Gemälde auf Fotografien. Der akademisch gelernte Künstler verstand sich nie als Zeichner. In der Malerei verzichtet er auf die subjektive Pinselführung und negiert damit ein wesentliches Merkmal der Zeichnung. Sein Werk auf Papier entsteht denn auch nicht kontinuierlich, sondern mit grossen Unterbrüchen (so 1991-1999 für abstrakte Zeichnungen). Seine Zeichnungen und Aquarelle sind keine Vorarbeiten für die Ölmalerei, sondern eigenständige, oft fragile Arbeiten. Auch hier greift Gerhard Richter, wie bei seinen Gemälden, zum Verwischen und Überzeichnen.

Mit seinen ersten abstrakten Gemälden entstanden 1977/78 auch seine ersten ungegenständlichen Zeichnungen und Aquarelle. Dabei suchte Richter keine Weiterführung der klassischen Moderne, sondern versuchte auf Papier stilistische Fixierungen und fixe Vorstellungen zu überwinden sowie Widersprüchliches sichtbar zu machen (Gerhard Schwarz). Seine Aquarelle sind eine Mischung aus gezieltem Eingriff und spontaner Entscheidung: Der kontrollierte Zufall als Methode. Die meisten Arbeiten sind übrigens auf gewöhnlichem A4-Schreibpaper entstanden.
 
Gerhard Richter verzichtet im Gegensatz zu einem  Künstler wie Beuys auf die Vermittlung einer ideologischen Botschaft. Symbole fehlen bei ihm. Die rund 100 Aquarelle sind nicht nur der Höhepunkt der Ausstellung, sondern ein Höhepunkt in Richters Schaffen. Seit Beginn der 80er Jahre verändern sich diese Arbeiten auf Papier. Er arbeitet - wie bei den Ölgemälden - oft systematisch in Serien, sodass oft die selben Farben in mehreren Arbeiten auftauchen. Ohnehin ist Richter ein tägliche arbeitender Künstler, dem die Malerei ein Beruf ist. Deshalb kommt ihm das Verfahren der Serie entgegen.

Seine Aquarelle erreichen 1984 einen ersten farblich-ästhetischen Höhepunkt. Sie wurden kompositorisch durch Zeichnungen aus dem Jahr 1982 vorbereitet. 1988 bis 1992 erfolgt die Apotheose. Da keine Steigerung mehr möglich scheint, unterbricht er diese Arbeiten und setzt erst 1997 zu einer neuen Serie an. Insofern wir uns auf Grund von drei Arbeiten aus jenem Jahr ein Urteil erlauben können, befindet sich seine Aquarellkunst nach wie vor auf höchstem Niveau, allerdings sind die (zuvor knalligen) Farben zurückgenommen. Richters Angst vor der Kreation des Schönen, rein Aesthetischen, zudem in einer überholten Technik, ist unbegründet. Er steht zwar am Rande zum Kitsch, doch überschreitet er diese Linie nicht. Zudem findet er zu einer neuen Farbsprache, die beim Betrachter starke Emotionen auslöst.
 
Das Kunstmuseum Winterthur vereint in seiner permanenten Ausstellung rund zehn Gemälde sowie die 1996 geschaffene Skulptur Kreuz, weshalb es Sinn macht, die Richter-Retrospektive mit Werken auf Papier, die auch andernorts zu sehen sein wird, in Winterthur beginnen zu lassen. Das nebenstehende Ölgemälde Haus, 1992, ist ein Werk aus dieser Sammlung, die in der Schweiz einzigartig ist. - Kunstmuseum Winterthur: Gerhard Richter. Zeichnungen und Aquarelle. Ausstellung: 4.9.-21.11.1999.


Gerhard Richter: October 18, 1977 - 18. Oktober 1977. Hatje Cantz, 2001. Buch bestellen bei Amazon.com oder Amazon.de. Dieses ausgezeichnete Buch analysiert Richters Zyklus aus fünfzehn schwarzweiss Gemälden, das sich mit den RAF-Terroristen und ihrem Selbstmord im Gefängnis Stammheim auseinandersetzt. Richter malte den Zyklus 1988. Sieben Jahre später kaufte ihn das MoMA. 2004 war er vollständig bei der MoMA-Ausstellung in Berlin zu sehen. In sieben Monaten kamen 1,2 Millionen Besucher in die von der Nationalgalerie Berlin organisierte Show, so auch der Schreibende. 18. Oktober 1977 gehört zu den eindrücklichsten Werken Richters und zu den wenigen politischen Kunstwerken von Rang, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland entstanden sind. Der inhaltliche substantielle Band ist essentiell für jeden, der sich mit Gerhard Richter auseinandersetzen will.



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