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Tom Wolfe: Ein ganzer Kerl
15. Oktober/14. November 1999; Seite am 5.8.2008 umbenannt von Bestseller in Tom Wolfe: Ein ganzer Kerl


Rund zehn Jahre nach Fegefeuer der Eitelkeiten hat Tom Wolfe, der ehemalige Journalist für Esquire, The Washington Post oder das Rolling Stone Magazin, erneut versucht, ein ungeschminktes Portrait eines Teils der amerikanischen Gesellschaft zu zeichnen. Diesmal steht nicht Wallstreet im Zentrum seiner sich realistisch wollenden Beobachtungen, sondern Atlanta, Georgia. Verschiedene Personen tummeln sich auf Tom Wolfes Bühne im modernen Süden. Charlie Croker, ein in die Jahre gekommener Selfmademan und Immobilien-Tycoon, früher ein Footballstar, der kurz vor dem Ruin steht. Conrad Hensley, ein 23jähriger verheirateter Lagerarbeiter in einem Kühlhaus Crokers in Kalifornien, der aus Spargründen entlassen wird, im Gefängnis landet, dort im Stoizismus Kraft findet und durch ein typisch kalifornisches Ereignis - mehr sei hier darüber nicht verraten - wieder in die Freiheit findet. Der schwarze Bürgermeister Atlantas sowie ein schwarzer Anwalt, Roger Too White, sind in Ereignisse verwickelt, die zu Rassenunruhen führen könnten. Und da ist auch noch Ray Peepgass, ein Angestellter im mittleren Management jener Bank, bei der Croker die meisten Schulden hat, mit Problemen im Liebesleben, der aufs schnelle Geld hofft. Wolfes Sittengemälde dreht sich um Geld, Macht und Sex, um Politik, Rassenkonflikte, Religion und Männlichkeitswahn. Tom Wolfe gelingt es dank seiner journalistisch-genauen Recherchen die verschiedenen Milieus nachzuzeichnen. Doch auch in Ein ganzer Kerl fehlt wie schon in Fegefeuer der Eitelkeiten eine überzeugende Frauenfigur. Natürlich hat Wolfe die Freiheit, darauf zu verzichten. Die zwischengeschlechtlichen Beziehungen bilden jedoch einen Schwachpunkt in seiner Darstellung. Norman Mailer, der A Man in Full in The New York Review of Books (siehe unsere weiterführenden Links!) wie auch John Updike im New Yorker ziemlich vernichtend rezensiert hat, führt gegen Wolfe unter anderem an, sein Buch habe überlängen und das Ende sei schwach. Seine Beschreibungen seien ermüdend. Für sich genommen sei die zehnte so gut und detailliert wie die erste, doch wie Engels bereits bemerkt habe, verändere die Quantität die Qualität. Wolfe habe zu bewusst einen neuen Bestseller schreiben wollen. Mag sein, dass Wolfe zu sehr dem Zeitgeist huldigt. Doch hat nicht Fitzgerald auf diese Weise The Great Gatsby geschaffen? Und spricht bei Mailer wie bei Updike nicht auch Neid mit über einen Autor, dem der finanzielle Erfolg lacht? Bestellen bei Amazon.de.
 
Die deutsche Uebersetzung: Tom Wolfe: Fegefeuer der Eitelkeiten. Taschenbuch, München, Droemer, 1997, 876 S. Das definitive Buch (?) über die 1980er Jahre: die New Yorker golden boys an der Wallstreet, über den Aufsteiger aus der South Bronx, über Sherman McCoy, den skrupellosen und grössenwahnsinnigen investment banker, über das Finanz-, Justiz- und Polizeisystem des big apples, über die Statussymbole der 80er und vieles mehr, wobei die Gefühle blass bleiben, weil sie in jener Gesellschaft inexistent waren?




Tom Wolfe: Ein ganzer Kerl, Gebundene Ausgabe, München, Kindler, 1999, 960 S. Bestellen bei Amazon.de. Rowohlt TB, 2001. Bestellen bei Amazon.de. Die amerikanische Originalausgabe: Tom Wolfe: A Man in Full. Gebundene Ausgabe, Farrar Straus Giroux, November 1998. Bestellen bei Amazon.de.


Tom Wolfe: Fegefeuer der Eitelkeiten. Droemer Knaur, 926 S., 1999. Bestellen bei Amazon.de. Die amerikanische Originalausgabe: Tom Wolfe: The Bonfire of the Vanities. Taschenbuch, Bantam Books, 1988, 690 S. Bestellen bei Amazon.de.


Tom Wolfe: Ich bin Charlotte Simmons. September 2005, Blessing Verlag, 800 S. Roman bestellen bei Amazon.de. US-engl. Ausgabe November 2004 bestellen bei Amazon.com.

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