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Neben der Architektur gehört Japan in der Fotografie am
Jahrhundertende
zu den führenden Nationen, wohl auch, weil im Land der Kirschenblüte
so viele hervorragende Kamera-Produzenten zuhause sind. Als konsequente
Fortsetzung einer Serie zur zeitgenössischen Fotografie verschiedener
Länder zeigt der Neue Berliner Kunstverein vom 6. November bis 19.
Dezember 1999 die Ausstellung Zeitgenössische Fotokunst aus Japan.
In Japan prallt eine archaische, von buddhistischen Regeln bestimmte,
aber noch immer höchst lebendige Kultur auf eine von modernster Technologie
geformte und seit 1945 stark amerikanisierte Gesellschaft. Die Wirtschaftskrise,
die Vereinsamung des Individuums und die enthistorisierende Nivellierung
der sozialen Strukturen, die Yuko Hasegawa als "japanische Amnesie" bezeichnet,
hinterlassen ihre Spuren auch in der Fotografie, der u.a. die Aufgabe zukommt,
den Augenblick festzuhalten. Hiromi Nakamura, die Kuratorin der Ausstellung,
hat deshalb den Begriff memoria zum Motto und Ausgangspunkt ihrer
Auswahl bestimmt. Sie zeigt nicht die bekannten "Stars" der japanischen
Fotoszene wie Araki, Morimura, Sugimoto oder Mariko Mori, sondern dreizehn
überwiegend jüngere, in Europa noch wenig bekannte Fotokünstler.
Zentrale Themen sind die Verknüpfung des Ichs mit dem Bewusstsein
für Erinnerungen und die Gedächtnisfähigkeit der zeitgenössischen
japanischen Fotografie. So steht zum Beispiel die Erinnerung der Familie
bei Midori Mitamura oder die des Krieges bei Saburo Ota im Zentrum.
Ryuchi Kaneko liefert eine kurze Einführung in die Geschichte der
Fotografie Japans. Die 1839 erstmals in der Akademie der Wissenschaften
in Paris vorgestellte Daguerreotypie erreichte bereits neuen Jahre später
Japan. Den Durchbruch erlebte die Fotografie in Japan nachdem Frederic
Scott Archer 1851 sein Kollodiumverfahren bekannt gemacht hatte. Holländische
Publikationen und der in Nagasaki tätige holländische Marinearzt
van Meerdevoort spielten dabei die entscheidende Vermittlerrolle. Die lesenswerte
Einführung beschränkt sich auf die Entwicklung der Fotokunst
bis heute und blendet leider die Entwicklung der Fotoindustrie in Japan
völlig aus. Ein Aufsatz von Hiromi Nakamura zur Rhetorik der Erinnerung,
ein Bildteil sowie Kurzbiographien und Selbstcharakterisierungen der eigenen
Kunst durch die dreizehn Fotografen ergänzen den Band.
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Katalog: Verlag Umschau Braus, Heidelberg, 1999, 135 S. Die Beiträge
stammen von zwei renommierten japanischen Experten, Ryuichi Kaneko und
Hiromi Nakamura vom Tokyo Metropolitan Museum für Fotografie. |
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