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Nr. 9, 15. November/14. Dezember 1999
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Zeitgenössische Fotokunst aus Japan
Geschichte und Ausstellung zu japanischer Photographie
Neuer Berliner Kunstverein 6.11.-19.12.1999, danach Hallescher Kunstverein, Museum Bochum, Badischer Kunstverein in Karlsruhe
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Neben der Architektur gehört Japan in der Fotografie am Jahrhundertende zu den führenden Nationen, wohl auch, weil im Land der Kirschenblüte so viele hervorragende Kamera-Produzenten zuhause sind. Als konsequente Fortsetzung einer Serie zur zeitgenössischen Fotografie verschiedener Länder zeigt der Neue Berliner Kunstverein vom 6. November bis 19. Dezember 1999 die Ausstellung Zeitgenössische Fotokunst aus Japan.
 
In Japan prallt eine archaische, von buddhistischen Regeln bestimmte, aber noch immer höchst lebendige Kultur auf eine von modernster Technologie geformte und seit 1945 stark amerikanisierte Gesellschaft. Die Wirtschaftskrise, die Vereinsamung des Individuums und die enthistorisierende Nivellierung der sozialen Strukturen, die Yuko Hasegawa als "japanische Amnesie" bezeichnet, hinterlassen ihre Spuren auch in der Fotografie, der u.a. die Aufgabe zukommt, den Augenblick festzuhalten. Hiromi Nakamura, die Kuratorin der Ausstellung, hat deshalb den Begriff memoria zum Motto und Ausgangspunkt ihrer Auswahl bestimmt. Sie zeigt nicht die bekannten "Stars" der japanischen Fotoszene wie Araki, Morimura, Sugimoto oder Mariko Mori, sondern dreizehn überwiegend jüngere, in Europa noch wenig bekannte Fotokünstler. Zentrale Themen sind die Verknüpfung des Ichs mit dem Bewusstsein für Erinnerungen und die Gedächtnisfähigkeit der zeitgenössischen japanischen Fotografie. So steht zum Beispiel die Erinnerung der Familie bei Midori Mitamura oder die des Krieges bei Saburo Ota im Zentrum.
 
Ryuchi Kaneko liefert eine kurze Einführung in die Geschichte der Fotografie Japans. Die 1839 erstmals in der Akademie der Wissenschaften in Paris vorgestellte Daguerreotypie erreichte bereits neuen Jahre später Japan. Den Durchbruch erlebte die Fotografie in Japan nachdem Frederic Scott Archer 1851 sein Kollodiumverfahren bekannt gemacht hatte. Holländische Publikationen und der in Nagasaki tätige holländische Marinearzt van Meerdevoort spielten dabei die entscheidende Vermittlerrolle. Die lesenswerte Einführung beschränkt sich auf die Entwicklung der Fotokunst bis heute und blendet leider die Entwicklung der Fotoindustrie in Japan völlig aus. Ein Aufsatz von Hiromi Nakamura zur Rhetorik der Erinnerung, ein Bildteil sowie Kurzbiographien und Selbstcharakterisierungen der eigenen Kunst durch die dreizehn Fotografen ergänzen den Band.
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Katalog: Verlag Umschau Braus, Heidelberg, 1999, 135 S. Die Beiträge stammen von zwei renommierten japanischen Experten, Ryuichi Kaneko und Hiromi Nakamura vom Tokyo Metropolitan Museum für Fotografie.


 
 

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