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Nr. 9, 15. November/14. Dezember 1999
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Japanische Malerei 1910 - 1970
Die andere Moderne - Ausstellung und Katalog
 
Die japanische Malerei ist auch heute noch im Westen fast völlig unbekannt. Als Höhepunkt der Veranstaltungsreihe "Japan in Deutschland" präsentiert die Ausstellung Die andere Moderne - Japanische Malerei von 1910 bis 1970 über 100 Werke von 26 Künstlern. Die bis Ende Oktober in Chemnitz und nächstes Jahr in Frankfurt am Main gastierende Ausstellung ist die bisher grösste Uebersichtsschau japanischer Malerei im 20. Jahrhundert in Deutschland.
 
Das erste gegenstandslose oder abstrakte Bild in modernem Sinn wurde in Japan bereits 1912/13 vom Maler Yorozu Tetsugorô (1885-1927) geschaffen. Mu dai (Ohne Titel), das heute dem Iwate-Präfekturmuseum in Morioka gehört und in der Ausstellung zu sehen ist, zeigt eine bläulich-rötliche, wie Irmtraud Schaarschmidt-Richter anmerkt, fast tachistisch gemalte, durch rötliche Kurven konturierte Fläche. Es entstand fast zeitgleich zu Kandinskys erster abstrakter Kunst, obwohl Yorozu sich erst ab 1915 mit diesem westlichen Maler beschäftigte. In jenen Jahren begannen sich viele japanische Maler mit der europäischen Moderne auseinanderzusetzen, ohne dass sie zu reinen Imitatoren wurden und auf ihre individuelle Sichtweise verzichteten.
 
Dass Saitô Yoshishige mit seinem Toro-Wood aus dem Jahr 1938 sich auf dem Umschlag des Bandes wiederfindet, ist kein Zufall, denn er verkörpert eine japanische Moderne, die anders ist. Sofort als Kunst des 20. Jahrhunderts identifizierbar und zugleich als spezifisch an die japanische Aesthetik anknüpfend erkennbar, ist sein Bild ein gelungenes Beispiel der Auseinandersetzung mit dem Westen, was nicht auf alle in der Ausstellung Die andere Moderne gezeigten japanischen Künstler zutrifft. Doch viele Künstler verknüpfen mehr oder weniger erfolgreich - wie die Wissenschaft, Politik und Wirtschaft Japans ebenfalls - Elemente der westlichen Moderne mit ihrer eigenen Tradition und Schaffen so eine Synthese, die einen eigenständigen Schritt nach vorne bedeutet. Sakai Tadayasu bezweifelt in seinem Artikel, dass die japanischen avantgardistischen Künstler, die dem Modernismus gegenüber unterschiedliche Meinungen vertraten, letztlich die gleichen Empfindungen hegten wie die Europäer. Natur, Tradition und das Schönheitsbewusstsein machten aus der japanischen Moderne in gewissem Sinne eine Ausnahme.
 
Es gibt durchaus - entgegen westlichen Vorurteilen - japanische Künstler wie Abe Nobuya (1913-1971), die sich mit dem Krieg und seinen Greueln auseinandersetzen. Er malte 1949 abgemagerte Gestalten - wobei er in seinem Bild die traditionelle japanische Flächenaufteilung beibehielt. Und Furuzawa Iwami stellte sich in seiner seit 1960 über Jahre hinweg angefertigten Serie von dreissig Radierungen völlig ungeschützt den Scheusslichkeiten des Krieges.
 
Der Artikel der Herausgeberin zum japanischen Weg in die Moderne sowie vier weitere Beiträge japanischer Spezialisten zu Japan als Ausnahme, zum Aufkeimen der Abstraktion in der japanischen Kunst nach 1910, zum japanischen Surrealismus in der zweiten Hälfte der dreissiger Jahre sowie zur Kunst der 50er und 60er Jahre ergänzen den Bildteil des Kataloges, der durch Kurzbiographien der 26 Künstler abgerundet wird.
 
Katalog: Irmtraud Schaarschmidt-Richter, Hg.: Die andere Moderne: Japanische Malerei von 1910 bis 1970. Edition Stemmle, Zürich und New York, 1999, 208 S. Die Herausgeberin ist die Witwe des 1998 verstorbenen Uebersetzers japanischer Literatur, Siegfried Schaarschmidt. Ausstellungen in den Kunstsammlungen Chemnitz und Schirn Kunsthalle Frankfurt. - Weitere Bücher siehe rechte Seite.


 
 

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